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Predige das Wort

Überlegungen zum Glauben an Jesus Christus

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Zusammenfassung

Predige-das-Wort.de will zum Glauben an Jesus Christus ermutigen und Material für Hauskreis, Bibelarbeit und Predigt zur Verfügung stellen. Sie sind eingeladen, Kritik oder Wünsche oder Fragen zu stellen. Im Rahmen meiner Möglichkeiten bin ich gerne bereit, darauf einzugehen.
Ihr Robert Zobel
robert.zobel@predige-das-wort.de

Schlagwörter: Anregung - Apostel Johannes - Ausarbeitung - Bar Kochba - Bibel - Bibelarbeit - Christus - Clemens von Alexandria - David - Ermutigung - Eusebius von Caesarea - Flavius Josephus - Gamaliel - Gemeinde - Gott - Hauskreis - Herr - Hoherpriester - Jakobus - Jakobus, Sohn des Zebedäus - Jeremia - Jesaja - Jesus - Joel - Johannes der Täufer - Joseph Kaiphas - Judas Iskarioth - Kirche - Lukas - Maria - Maria Magdalena - Markus - Martha von Bethanien - Matthäus - Messias - Mose - Nahum - Nikodemus - Papias von Hierapolis - Passah/Pessach - Paulus - Pfingstfest - Pharisäer - Pompejus - Predigt - Schawuot - Schriftgelehrter - Simon Petrus - Stephanus - Strack/Billerbeck - Thomas





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Die Online-Bibel Die Konkordanz Die Bibelübersetzungen
Der Wegweiser durch die Webseite Wegweiser nach Schlagwörtern Wegweiser nach Bibelstellen
Predigten Ausarbeitungen Anregungen



Inhaltsverzeichnis

Anregungen zum Sonntag Trinitatis

Anregungen zum Pfingstfest

Anregungen zum Tag der Himmelfahrt Jesu Christi

Eine Predigt für die Sonntage nach Ostern

Ostern 2022 - Auferstehung erleben - mein Fest der Auferstehung

Der Kampf um die Freude am Handeln Gottes - Die Heilung eines Blindgeborenen

Eine Andacht zur Allianzgebetswoche - Gottes Wort sendet uns in die Welt

Karfreitag 2022 - Der Skandal des Kreuzes

Gründonnerstag Abend: Die Mahlfeier Jesu

Die Mahnrede im Neuen Testament

Entschuldigung

Gedanken zum Palmsonntag 2022

Keine Weissagung der Schrift ist ein Werk eigener Deutung

Jahreslosung 2022 - Jesus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.



Anregungen zum Sonntag Trinitatis

Leider ist die Ausarbeitung, die ich zum Sonntag Trinitatis vorlegen wollte, noch nicht fertig geworden. Sie verlangt nach einer sorgfältigen Analyse. Allerdings sind einige Vorarbeiten abgeschlossen, die ich bereits vorlegen kann.

Grundgedanke der Arbeiten, die ich zum Sonntag Trinitatis begonnen habe, ist die Feststellung, dass es zur Trinität in der Bibel nur wenige Stellen gibt, die trinitarisch ausgelegt werden können. Einige davon habe ich in den vergangenen Jahren als Ausarbeitungen zum Sonntag Trinitatis bereits erwähnt. Eine wirkliche Lehre von der Trinität entfaltet das Neue Testament nicht. Allerdings spricht Jesus sehr häufig von seinem Vater und macht Aussagen über seinen Vater. Darüberhinaus spricht er auch von Gott.

Nun wäre es interessant, die Aussagen Jesu über Gott, den Vater, einmal systematisch zu betrachten und zu prüfen, welche Aussagen Jesu über seinen Vater und über sein Verhältnis zum Vater und letztlich auch über unser Verhältnis zum Vater macht. Dabei ist auch interessant, die vier Evangelisten zu vergleichen, welche Aussagen ihnen wichtig erschienen und ob ihre Aussagen miteinander korrespondieren oder ob unterschiedliche Schwerpunkte sichtbar werden.

Dazu habe ich in der Konkordanz nach den Begriffen „Vater“ und „Gott“ gesucht. Dabei waren zunächst die Stellen gesondert zu betrachten, in denen etwa der Evangelist Apostel Johannes selber über den Vater spricht oder die Juden für sich in Anspruch nehmen, Gott sei ihr Vater. Dann habe ich die Reden Jesu über den Vater in kleine Einheiten von Versen eingeteilt, die einzelne Aspekte sichtbar werden lassen. Diese Abschnitte habe ich mit Überschriften versehen, z.B. sind dies bei dem Evangelisten Markus nur vier Abschnitte:

Zusätzlich habe ich eine Statistik erstellt, wie häufig die Aussagen bei den einzelnen Evangelisten auftreten.

Leider kann ich Ihnen heute noch nicht mehr zur Verfügung stellen, aber ich werde an diesem sehr interessanten Thema weiter arbeiten.

Der bisher fertiggestellte Text zum Sonntag Trinitatis:

⇒ Jesu Zeugnisse über seinen Vater

Texte zum Sonntag Trinitatis aus vergangenen Jahren:

⇒ Das Wort HEILIG in der Bibel

⇒ Heilig, heilig, heilig ist der HERR Zebaot

⇒ HEILIG - HEILIG - HEILIG



Anregungen zum Pfingstfest

Simon wird zum Petrus

Pfingsten ist ein Wendepunkt im Leben des Simon Petrus. Zunächst wir er aufgefordert, in Jerusalem zu warten. Dies ist für einen Macher wie Simon Petrus keine leichte Aufgabe. Und so schiebt er in das Warten eine Gemeindestunde ein, um einen Nachfolger für Judas Iskarioth zu wählen. Aber als das Pfingstereignis dann geschieht, ist er hell wach und verkündigt, was verkündigt werden muss. Es wird die Frage gestellt, ob wir in unserer Gemeindearbeit auch solche Phasen des wachen Wartens brauchen, denn Ereignisse wie Pfingsten sind ein souveränes Handeln Gottes und bedürfen nicht unserer organisatorischen Hilfestellung. Welche Funktion hat das Warten auf das Handeln Gottes in meinem Leben?

Inhaltsverzeichnis

Anregungen zum Pfingstfest

Simon Petrus verwaltet die Kirche

Kein Automatismus - Vom Empfang des Heiligen Geistes

Pfingsten ereignet sich

Die Pfingstpredig des Petrus

Zurückweisung der Verdächtigungen

Das verbindende alttestamentliche Wort

Das Bekenntnis zu Jesus von Nazareth

Und wieder das Verbindende, der Bezug auf König David

JESUS - der erhöhte Herr

Der Aufruf zum Handeln

Der Simon, der zum Petrus wurde.

Einfach einmal nichts tun, sondern die Angelegenheit Gott hinlegen

Simon Petrus verwaltet die Kirche

Noch ist das Fest der Pfingsten weit. Jesus hat nach seiner Auferstehung den Jüngern eine Reihe von Anweisungen gegeben, auch eine Anweisung mit prophetischem Blick auf Pfingsten: Und als er mit ihnen zusammen war, gebot er ihnen, von Jerusalem nicht zu weichen, sondern die Verheißung des Vaters abzuwarten, welche ihr, so sprach er , von mir vernommen habt, denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt im heiligen Geiste getauft werden, nicht lange nach diesen Tagen. (Apostelgeschichte 1,4-5  *) Und die Jünger gehorchen Jesus und gehen nach Jerusalem. Dort versammeln sie sich mit vielen Anhängern Jesu: Und als sie hineinkamen, gingen sie hinauf in das Obergemach, wo sie verblieben, nämlich Petrus und Johannes und Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon Zelotes und Judas, des Jakobus Sohn. Diese alle verharrten einmütig im Gebet, samt den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern. (Apostelgeschichte 1,13-14   *) Kennen wir solche Situationen: Die Gemeinde versammelt sich zum Gebet und wartet auf das, was Gott tut. Diese Geschichte ist einfach zu lesen, wenn man das Pfingstereignis schon kennt. Aber diese 120 Menschen sind versammelt, beten und es geschieht einige Tage, vielleicht 10 Tage lang, nichts. Wenn wir eine Stunde lang zusammen „nur“ beten, dann ist das schon eine große Herausforderung, die Lücken werden immer länger, Gebete wiederholen sich ... Unser Verstand, der Aktionen erwartet, driftet ab. Irgendwann hören wir nicht mehr zu, wenn ein anderer betet. Und dann trauen wir uns nicht mehr zu beten, denn wir könnten ja das wiederholen, was im vorangehenden Gebet bereits gesagt worden ist. Da dies vielen so geht, verstummt dann bald die Gebetsgemeinschaft oder wird nur noch von wenigen getragen.

10 Tage im Gebet ausharren? Das ist kaum vorstellbar. Und doch erwartet es Jesus von seinen Jüngern: „Wartet die Verheißung des Vaters ab!“ Warten, dass Gott etwas tut. Wir wissen nur, dass sie gebetet haben. Wir hören nichts von einem Reden Gottes, wir hören nicht, ob sie nachts in irgendwelche Privatquartiere gegangen sind oder in diesem Obergemach geblieben sind.

Warten, das Gott etwas tut. Haben wir uns dieser Spannung schon einmal ausgesetzt? Diese Menschen mussten durch diese Spannung hindurch, um sich als Gemeinde Jesu zu entfalten, um eine neue Qualität zu gewinnen, die Leitung durch den Heiligen Geist, den Beistand, den Tröster:

Jesus mutet seiner Gemeinde zu, dass sie auf diesen Geist wartet. Dieser Geist war also noch nicht da, als sich die 120 Jünger in Jerusalem versammeln. Es reicht also nicht, mit Jesus mitzugehen und seine Predigten zu hören. Es reicht auch nicht, Zeuge der Auferstehung zu sein. Es reicht auch nicht, im Gebet zu verharren, denn das taten die Jünger ja gerade. In Blick auf Pfingsten gibt uns Jesus eine ganz klare Botschaft: „Wartet die Verheißung des Vaters ab!“ Ist uns das eigentlich klar, dass der Heilige Geist durch aktives Handeln Gottes gesandt wird, dass er nicht durch das Gebet selbstverständlich und sozusagen nebenbei erworben wird.

Wir kommen damit zurück zu Simon Petrus:

Und in diesen Tagen stand Petrus mitten unter den Jüngern auf und sprach (es waren aber etwa hundertzwanzig Personen beisammen): (Apostelgeschichte 1,15   *) Simon Petrus steht auf und spricht. Später werden wir Simon Petrus als einen Mann erleben, der durch Offenbarungen des Geistes in seinen Handlungen beeinflusst wird: So wird er etwa in einer Vision vorbereitet, Heiden zu taufen (Apostelgeschichte 10 *). Damit legt Gott den Grundstein für einen erfolgreichen Verlauf des Apostelkonzils (Apostelgeschichte 15 *) und die Heidenmission. Hier aber steht Simon Petrus auf und redet und wir lesen nichts von einer Beauftragung durch den Heiligen Geist.

Können wir uns hier nicht gut wiederfinden? Wir sehen, was zu tun ist und tun es. Da wir auch beten, gehen wir davon aus, dass Gott schon reden wird, wenn er nicht einverstanden ist. Gott wird da so etwas wie eine Vetomacht in meinem Leben. Gott kann ja immer in unsere Angelegenheiten hineinreden, wenn er es für erforderlich hält. Grundsätzlich ist gegen eine solche Haltung nichts zu sagen. Aber hier stand ein Wort Jesu entgegen: „Wartet die Verheißung des Vaters ab!“ Und so dürfen wir in aller Vorsicht und mit Respekt vor dem Lebenswerk des Simon Petrus doch fragen, ob er hier nicht einfach dieser Spannung des Wartens auf den Heiligen Geist nicht standgehalten hat und deshalb diese Wahl anberaumt hat. Jesus selbst wird später einen Heidenapostel berufen (Apostelgeschichte 9  *).

So zeigt diese Begebenheit, die Lukas völlig ohne Bewertung berichtet, wie schwierig es ist, auf das Handeln Gottes zu warten, selbst, wenn ein klares Wort Jesu uns dazu auffordert. Wir möchten gerne etwas tun, Dinge entwickeln, mit dem, was wir tun, Eindruck machen. Dann wundern wir uns über den Stress, der entsteht. Dieser Text ermutigt uns, auch einmal zu fragen, ob es in unserem Leben nicht auch Phasen gibt, in denen Jesus zu uns sagt: „Wartet die Verheißung des Vaters ab!“ Selbst, wenn man in aller Stille solch eine Webseite betreibt, kann man Stress erzeugen, weil man doch gerne noch dies oder jenes schreiben möchte, bearbeiten möchte oder verbessern möchte. Und manchmal wird Gott im Himmel sich darüber wundern und sagen: „Ich habe ihm das nicht aufgetragen ...“

Kein Automatismus - Vom Empfang des Heiligen Geistes

In Apostelgeschichte 19  * lesen wir, dass Paulus in Ephesus etliche Jünger fand und sie fragte: „Habt ihr den heiligen Geist empfangen, als ihr gläubig wurdet?“ Man darf also gläubige Nachfolger Jesu fragen, ob sie den Heiligen Geist empfangen haben, als sie gläubig geworden sind. So etwas gibt es also. Das heißt also für jeden von uns, dass wir uns auch fragen müssen: „Habe ich den heiligen Geist empfangen?“ Der Heilige Geist ist also keine Selbstverständlichkeit.

Habt ihr den heiligen Geist empfangen, als ihr gläubig wurdet? Sie aber sprachen: Wir haben nicht einmal gehört, ob ein heiliger Geist sei! Und er sprach zu ihnen: Worauf seid ihr denn getauft worden? Sie aber sprachen: Auf die Taufe des Johannes. Da sprach Paulus: Johannes hat mit der Taufe der Buße getauft und dem Volke gesagt, daß sie an den glauben sollten, der nach ihm komme, das heißt an Christus Jesus. Als sie das hörten, ließen sie sich taufen auf den Namen des Herrn Jesus. (Apostelgeschichte 19,2-5   *)

Paulus fragt nach der Taufe und tauft dann noch einmal auf den Namen Jesu. Heute taufen wir auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Wir könnten also einwenden, dass das, was Paulus hier macht, auch nicht so ganz richtig ist. Aber der Taufe dieser Menschen aus Ephesus, denen Paulus anerkennt, dass sie gläubig sind, folgt etwas ganz Entscheidendes: Und als Paulus ihnen die Hände auflegte, kam der heilige Geist auf sie, und sie redeten in Zungen und weissagten. (Apostelgeschichte 19,6   *)

Dabei sind zwei Dinge wichtig und sollten in unserer Gemiendepraxis ernst genommen werden:

Wenn Paulus ihnen die Hände auflegt, dann wird dies schon ein Gebet gewesen sein, bei dem Paulus diesen Jüngern die Hände aufgelegt hat. Aber es wird nicht nur ein Gebet gewesen sein, bei dem Paulus diese Menschen Gott anbefohlen hat, um Schutz und Gesundheit für diese Menschen gebetet hat, sondern es wird die Bitte an Gott gewesen sein, diese Menschen mit seinem Heiligen Geist zu erfüllen. Manchmal wundere ich mich, wie über Täuflingen gebetet wird. Es ist gut und richtig, in diesem Augenblick um Bewahrung und Gesundheit zu bitten. Aber das eindeutig Wichtigste in diesem Augenblick ist, dass um die Erfüllung mit dem Heiligen Geist gebetet wird.

Wenn wir um die Erfüllung durch den heiligen Geist bitten, dann sind wir damit mit unserer Kunst am Ende. Jetzt muss Gott handeln und diese Erfüllung schenken. Und diese Erfüllung geht nicht spurlos an einem Menschen vorüber. Wir hören von diesen zwölf Menschen aus Ephesus: Und als Paulus ihnen die Hände auflegte, kam der heilige Geist auf sie, und sie redeten in Zungen und weissagten. (Apostelgeschichte 19,6  *) Wir hören nicht, ob das direkt nach der Handauflegung geschah oder erst später. Aber wir hören ganz klar, dass das Gebet des Paulus Folgen hatte: Zungenrede und Weissagung.

Nun ist es bestimmt nicht richtig, wenn wir diese beiden Gnadengaben zum Kriterium machen. „Nur wer in Zungen redet, hat den Heiligen Geist!“ Solche Überlegungen sind von menschlichem Besitzdenken geprägt. Wenn dieses Zeichen eintritt, dann besitze ich etwas, nämlich den Heiligen Geist. Auch hier ist Gott souverän und begabt den einen Menschen so und den anderen Menschen so. Paulus schreibt an die Korinther: 1.Korinther 12,1-11 *: Über die Geistesgaben aber, meine Brüder, will ich euch nicht in Unwissenheit lassen. Ihr wisset, daß ihr, als ihr Heiden waret, euch zu den stummen Götzen hinziehen ließet, wie ihr geleitet wurdet. Darum tue ich euch kund, daß niemand, der im Geiste Gottes redet, sagt: «Verflucht sei Jesus!» es kann aber auch niemand sagen: «Herr Jesus!» als nur im heiligen Geist. Es bestehen aber Unterschiede in den Gnadengaben, doch ist es derselbe Geist; auch gibt es verschiedene Dienstleistungen, doch ist es derselbe Herr; und auch die Kraftwirkungen sind verschieden, doch ist es derselbe Gott, der alles in allen wirkt. Einem jeglichen aber wird die Offenbarung des Geistes zum allgemeinen Nutzen verliehen. Dem einen nämlich wird durch den Geist die Rede der Weisheit gegeben, einem andern aber die Rede der Erkenntnis nach demselben Geist; einem andern Glauben in demselben Geist; einem andern die Gabe gesund zu machen in dem gleichen Geist; einem andern Wunder zu wirken, einem andern Weissagung, einem andern Geister zu unterscheiden, einem andern verschiedene Arten von Sprachen, einem andern die Auslegung der Sprachen. Dieses alles aber wirkt ein und derselbe Geist, der einem jeden persönlich zuteilt, wie er will. Dieser Text macht uns deutlich, wie vielfältig die Gaben des Heiligen Geistes sind, nicht nur Zungenrede und Weissagung, sondern Dienstleistungen, Kraftwirkungen, Offenbarungen, Weisheitsrede, Erkenntnis, Glauben, Heilung, Wunderwirkung, Weissagung (Prophetie), Geisterunterscheidung, Reden in anderen Sprachen (Zungenrede) und die Auslegung der Zungenrede. Was der Heilige Geist jedem einzelnen gibt, entscheidet der Geist selbst. Aber dass er begabt, das ist die feste Zusage Jesu.

Wir sind also gefordert, uns zu überprüfen, welche Gaben des Heiligen Geistes wir haben. Dabei sollten wir nicht zu vorschnell sein. Die Gemeinde hat die Aufgabe zu prüfen, ob eine bestimmte Gabe von Gott ist oder nicht. Und das kann auch heißen, dass wir manchmal zu warten haben, bis der Heilige Geist uns Dinge offenbart.

Ein Kriterium gibt uns Paulus an die Hand. Er schreibt an die Galater über die Frucht des Heiligen Geistes: Galater 5,22 *: Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit. Diese Frucht ist ein Ganzes. Wo der Heilige Geist wirkt, da ist diese Frucht. Im Umkehrschluss bedeutet dies: Wenn Streit unter uns ist, wenn Kälte und Ungeduld unsere Arbeit belasten, dann stimmt etwas nicht in unserem geistlichen Leben. Dann gilt es nicht, den Übeltäter zu identifizieren, dann bin ich gefragt, ob ich genügend Liebe besitze, ob ich Freude ausstrahle, ob ich Frieden bringe, ob ich geduldig, freundlich, gütig, treu sanft und enthaltsam bin. Oder ob ich nach dem Zeitgeist lebe, der gerade Enthaltsamkeit überhaupt nicht mag: „Ich will alles und zwar sofort!“ Dabei tut uns nicht nur beim Alkohol der Verzicht manchmal auch körperlich wohl.

Wieder haben uns diese Betrachtungen dahin geführt, dass wir auf den Heiligen Geist und sein Wirken zu warten haben. Wir können es nicht machen. Und es dient unserem HERRN auch nicht zur Ehre, wenn wir mit unseren geistlichen Erfahrungen prahlen und dabei auch noch - natürlich nur zur Ehre Gottes - übertreiben.

Pfingsten ereignet sich

Pfingsten ereignet sich. Das Schawuot ist ein jüdisches Fest, das sieben Wochen nach dem Passahfest gefeiert wird. Es ist das Erntedankfest, denn um diese Zeit wird in Israel der erste Weizen geerntet. Die Jünger waren wegen dieses Festes vermutlich im Tempel. Allerdings ist das nicht ganz eindeutig, denn es wird nur davon gesprochen, dass „vom Himmel her ein Brausen, wie von einem daherfahrenden gewaltigen Winde“ entstand. Es erfüllte „das ganze Haus, worin sie saßen.“ Allerdings ensteht jetzt ein Massenauflauf wegen des Getöses und Menschen aus allen Nationen erscheinen: Parther und Meder und Elamiter und die wir wohnen in Mesopotamien, in Judäa und Kappadocien, in Pontus und Asien; in Phrygien und Pamphylien, in Ägypten und in den Gegenden Lybiens bei Kyrene, und die hier weilenden Römer, Juden und Proselyten, Kreter und Araber, wir hören sie in unsern Zungen die großen Taten Gottes verkünden! (Apostelgeschichte 2,9-11  *) Ein solcher Massenauflauf ist wohl eher in der Nähe des Tempels zu erwarten. Allerdings ist Jerusalem zur Zeit der großen Feste mit Pilgern überfüllt, so dass die Vermutung, es handele sich um den Tempel, nicht zwingend ist.

Darauf kommt es auch nicht an, entscheidender ist die Reaktion dieser Pilgerschar aus allen Regionen des römischen Weltreiches. Denn nun geschieht eine Scheidung zwischen den Menschen und diese Trennung ist typisch für das Wirken des Heiligen Geistes: Sie erstaunten aber alle und gerieten in Verlegenheit und sprachen einer zum andern: Was soll das sein? Andere aber spotteten und sprachen: Sie sind voll süßen Weines! (Apostelgeschichte 2,12-13   *)

Der natürliche Mensch sucht sofort einen Ausweg, wie er sich dem Handeln Gottes entziehen kann. Bei den Wundern Jesu war es nicht anders: Und er trieb einen Dämon aus, der stumm war. Es begab sich aber, nachdem der Dämon ausgefahren war, redete der Stumme. Und das Volk verwunderte sich. Etliche aber von ihnen sprachen: Durch Beelzebul, den Obersten der Dämonen, treibt er die Dämonen aus. (Lukas 11,14-15 *) Dieses Verhalten der Umstehenden sollte uns zur Warnung dienen. Denn wir müssen bei solchen Vorgängen vorsichtig sein. Nehmen wir als Beispiel die Pfingstbewegung in Europa, die Anfang des 20. Jahrhunderts begann (WIKIPEDIA). Sicher ist nicht alles, was in der Frühzeit der Pfingstbewegung geschehen ist, vom Geist Gottes getrieben gewesen. Manche Prophetie war nicht von Gott, sondern zum höheren Ruhme des Propheten, der damit Eindruck schinden wollte. Aber umgekehrt hat es auch echte Prophetie gegeben. Manche Bibelstelle haben wir unter dem Eindruck dessen, was in den charismatischen Bewegungen geschah, neu gelesen. Die Tatsache, dass nicht alles aus dem Heiligen Geist heraus geschah, ist kein Vorwand, alles als dämonisch abzutun, sondern es gilt: Geliebte, glaubet nicht jedem Geist, sondern prüfet die Geister, ob sie von Gott sind! Denn es sind viele falsche Propheten hinausgegangen in die Welt. (1.Johannes 4,1 *)

So ist dies eine Bitte, die wir nicht nur zu Pfingsten vor Gott bringen sollten: Dass ER uns die Augen öffnet für die großen Taten, die er auch heute noch tut. Und das ER uns die Gabe der Geisterunterscheidung gibt, so dass wir ihn und sein Handeln klar und deutlich sehen.

Die Pfingstpredig des Petrus

Als die Gemeinde Jesu angegriffen wird, da steht Simon Petrus auf und die restlichen Jünger sind bei ihm, keiner verdrückt sich wie noch bei der Kreuzigung:

Da trat Petrus mit den Elfen auf, erhob seine Stimme und sprach zu ihnen: Ihr jüdischen Männer und ihr alle, die ihr zu Jerusalem wohnet, das sei euch kund, und horchet auf meine Worte! Denn diese sind nicht trunken, wie ihr wähnet; denn es ist erst die dritte Stunde des Tages; sondern dies ist, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist: «Und es wird geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da werde ich ausgießen von meinem Geist über alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen, und eure Jünglinge werden Gesichte sehen, und eure Ältesten werden Träume haben; ja, auch über meine Knechte und über meine Mägde werde ich in jenen Tagen von meinem Geiste ausgießen, und sie werden weissagen. Und ich will Wunder tun oben am Himmel und Zeichen unten auf Erden, Blut und Feuer und Rauchdampf; die Sonne wird sich in Finsternis verwandeln und der Mond in Blut, ehe der große und offenbar werdende Tag des Herrn kommt. Und es soll geschehen, daß jeder, der den Namen des Herrn anrufen wird, errettet werden wird.» Ihr israelitischen Männer, höret diese Worte: Jesus von Nazareth, einen Mann, von Gott bei euch erwiesen durch Kräfte und Wunder und Zeichen, die Gott durch ihn tat, mitten unter euch, wie ihr selbst wisset; diesen, der nach Gottes festgesetztem Rat und Vorherwissen dahingegeben worden war, habt ihr genommen und durch der Ungerechten Hände ans Kreuz geheftet und getötet. Ihn hat Gott auferweckt, indem er die Bande des Todes löste, wie es denn unmöglich war, daß er von ihm festgehalten würde. Denn David spricht von ihm: «Ich sah den Herrn allezeit vor mir, denn er ist zu meiner Rechten, daß ich nicht wanke. Darum freut sich mein Herz, und meine Zunge frohlockt, auch mein Fleisch wird ruhen auf Hoffnung; denn du wirst meine Seele nicht im Totenreich lassen und nicht zugeben, daß dein Heiliger die Verwesung sehe. Du hast mir kundgetan die Wege des Lebens; du wirst mich erfüllen mit Freuden vor deinem Angesicht!» Ihr Männer und Brüder, es sei mir erlaubt, freimütig zu euch zu reden von dem Stammvater David: er ist gestorben und begraben, und sein Grab ist unter uns bis auf diesen Tag. Da er nun ein Prophet war und wußte, daß Gott ihm mit einem Eide verheißen hatte, aus der Frucht seiner Lenden einen auf seinen Thron zu setzen, hat er in dieser Voraussicht von der Auferstehung Christi geredet, daß seine Seele nicht im Totenreich gelassen werde, noch sein Fleisch die Verwesung sehe. Diesen Jesus hat Gott auferweckt; dafür sind wir alle Zeugen. Nachdem er nun durch die rechte Hand Gottes erhöht worden ist und die Verheißung des heiligen Geistes vom Vater empfangen hat, hat er das ausgegossen, was ihr jetzt sehet und höret. Denn nicht David ist in den Himmel hinaufgefahren, sondern er sagt selbst: «Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde hinlege als Schemel deiner Füße.» So erkenne nun das ganze Haus Israel mit Gewißheit, daß Gott diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zum Herrn und Christus gemacht hat. Als sie aber das hörten, ging es ihnen durchs Herz, und sie sprachen zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, ihr Männer und Brüder? Petrus aber sprach zu ihnen: Tut Buße, und ein jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden; so werdet ihr die Gabe des heiligen Geistes empfangen. Denn euch gilt die Verheißung und euren Kindern und allen, die ferne sind, soviele der Herr unser Gott herrufen wird. Und noch mit vielen andern Worten beschwor und ermahnte er sie und sprach: Lasset euch retten aus diesem verkehrten Geschlecht! Die nun sein Wort annahmen, ließen sich taufen, und es wurden an jenem Tage etwa dreitausend Seelen hinzugetan. Sie verharrten aber in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet. Es kam aber eine Furcht über alle Seelen, und viele Wunder und Zeichen geschahen durch die Apostel. Alle Gläubigen aber waren beisammen und hatten alles gemeinsam; die Güter und Habe verkauften sie und verteilten sie unter alle, je nachdem einer es bedurfte. Und täglich verharrten sie einmütig im Tempel und brachen das Brot in den Häusern, nahmen die Speise mit Frohlocken und in Einfalt des Herzens, lobten Gott und hatten Gunst bei dem ganzen Volk. Der Herr aber tat täglich solche, die gerettet wurden, zur Gemeinde hinzu. (Apostelgeschichte 2,14-47   *)

Auch hier lesen wir nicht, dass Simon Petrus eine besondere Anweisung von Gott hatte, jetzt zu reden. Die Gemeinschaft der Gläubigen wurde verspottet und Simon Petrus sah sich gefordert zu handeln, Zeugnis abzulegen von dem was dort geschah. Wer keine persönliche Erfahrung mit dem Heiligen Geist hat, wird dies nur schwer nachvollziehen können. Simon Petrus ist klar, das hier ein Zeichen gesetzt werden muss. Er muss sich vor die Brüder stellen, die hier der Trunkenheit bezichtigt werden. Als er aufstand, war ihm vermutlich nur klar, dass er den Vorwurf der Trunkenheit zurückweisen musste. Und dann vollzog sich, was Jesus Christus seinen Jünger versprochen hatte: Vor diesem allem aber werden sie Hand an euch legen und euch verfolgen und in Synagogen und Gefängnisse überliefern und vor Könige und Fürsten führen um meines Namens willen. Das wird euch aber Gelegenheit zum Zeugnis geben. So nehmet euch nun zu Herzen, daß ihr eure Verteidigung nicht vorher überlegen sollt; denn ich will euch Mund und Weisheit geben, welcher alle eure Widersacher nicht sollen widersprechen noch widerstehen können. (Lukas 21,12-15 *) Jesus selbst war ihm „Mund und Weisheit“ Auch Simon Petrus hatte ja nicht gewusst, dass heute der Heilige Geist ausgegossen werden würde, dass die Verheißung Jesu sich heute erfüllen würde. Er hatte auch keine „spontane“ Rede vorbereitet, die er schnell einmal aus der Rocktasche ziehen konnte. Diese Predigt geschah, sie ereignete sich. Sie war eine unmittelbare Wirkung des Heiligen Geistes.

Einmal saßen wir im Gottesdienst und erwarteten einen Gastprediger. Aus irgendwelchen Gründen kam dieser Gastprediger nicht und wir merkten, dass wir den Gottesdienst ohne ihn beginnen mussten. Wir haben uns als Gemeindeleitung vorne hingesetzt und jeder war dran, so wie wir saßen und musste entweder ein Lied vorschlagen, ein Gebet sprechen oder einen anderen Beitrag liefern, was immer er für richtig hielt. Ich blätterte in meiner Bibel und suchte einen Text für eine kleine Predigt. Hinterher sagte mir eine Gottesdienstbesucherin, sie habe noch nie einen Gottesdienst erlebt, der so aus einem Guss war. Leider haben wir es nie wieder probiert, aber als spontanes Erlebnis hat es uns doch in unserem Glauben an das Wirken des Geistes bestärkt.

Zu einer anderen Gelegenheit redet Jesus noch zugespitzter darüber, wer uns inspiriert: Wenn sie euch aber hinführen und überliefern werden, so sorget nicht zum voraus, was ihr reden sollt, sondern was euch zu jener Stunde gegeben wird, das redet. Denn nicht ihr seid es, die da reden, sondern der heilige Geist. (Markus 13,11 *) Es ist nicht wirklich Simon Petrus, der dort redet, es ist der Heilige Geist. Das hat erhebliche Konsequenzen. Wenn wir in der Predigt also ein Dokument des Redens des Heiligen Geistes vor uns haben, dann können wir damit nicht unmittelbar auf Simon Petrus und seine Art zu reden zurückschließen. Wieweit das Reden des Heiligen Geistes auf die Sprache des Predigers durchschlägt, mag jeder selbst beurteilen. Die literaturgeschichtliche Betrachtungsweise der Bibel ohne die Beachtung des Einflusses „von außen“, durch Jesus selbst und sein Reden und durch den Heiligen Geist hat also immer eine offene Flanke, weil sie etwas, das Bestandteil unseres Glaubens ist, völlig ignoriert. Das macht sie für die Beurteilung von Glaubensfragen wertlos. Denn dies ist jedem Menschen, der sich ein wenig mit wissenschaftlichem Denken befasst hat, klar: Wenn ich in einer Theorie bestimmte Phänomene ignoriere, also als nicht existent betrachte, dann kommt aus meiner Analyse natürlich heraus, dass es diese Dinge nicht gibt. Bezieht man andererseits das Wirken des Heiligen Geistes mit ein, dann entsteht die Frage, was literarisch als Wort des Simon Petrus und was als Wort des Heiligen Geistes zu gelten hat. Es wird dann schnell klar, dass die literaturgeschichtliche Betrachtungsweise damit schnell in eine Sackgasse gerät.

Simon Petrus hält eine faszinierende Predigt.

Zurückweisung der Verdächtigungen

Zunächst weist Simon Petrus die Anschuldigungen zurück. Er beschimpft auch nicht die, die solche Anschuldigungen in die Welt setzen, er weist sie klar zurück und wendet sich einer positiven Deutung zu. Diese Deutung ist ihm wichtig, nicht die Auseinandersetzung mit den Gegnern.

Das verbindende alttestamentliche Wort

Er zitiert den Propheten Joel: „Und nach diesem wird es geschehen, daß ich meinen Geist ausgieße über alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen, eure Ältesten werden Träume haben, eure Jünglinge werden Gesichte sehen; und auch über die Knechte und über die Mägde will ich in jenen Tagen meinen Geist ausgießen; und ich werde Zeichen geben am Himmel und auf Erden: Blut und Feuer und Rauchsäulen; die Sonne soll verwandelt werden in Finsternis und der Mond in Blut, ehe denn da kommt der große und schreckliche Tag des HERRN. Es soll aber geschehen, daß ein jeder, der den Namen des HERRN anruft, gerettet wird; denn auf dem Berge Zion und zu Jerusalem wird eine Zuflucht sein, wie der HERR versprochen hat, und bei den Übriggebliebenen, die der HERR beruft.“ (Joel 2,28-32 * oder Joel 3,1-5 je nach Zählung) Er sucht zunächst das Verbindende, nicht das Trennende, er zitiert das Alte Testament, das Wort, das von allen Umstehenden als Wort Gottes anerkannt wird. Er hält sich auch nicht damit auf, dass man vielleicht argumentieren könnte, dass das Wort sich ja nicht vollständig erfüllt hat, denn das Wort: „Die Sonne soll verwandelt werden in Finsternis und der Mond in Blut!“ ist ja ganz offensichtlich zu Pfingsten nicht erfüllt worden. Er stellt diese Zitat mit apostolischer Gewissheit in den Raum und diskutiert es nicht, sondern kommt zum nächsten Punkt:

Das Bekenntnis zu Jesus von Nazareth

Simon Petrus hätte doch wissen müssen, dass die Schriftgelehrten Jesus auch deshalb nicht angenommen haben, weil er aus Nazareth war („Forsche nach, und du wirst sehen, dass aus Galiläa kein Prophet ersteht!“ - Johannes 7,52 *). Auch damit hält er sich nicht auf. Er kommt gleich zu den Fakten:

Prägnanter kann man das Heilshandeln Gottes durch Jesus nicht darstellen. Hier merkt man auch, welche Entwicklung die Jünger seit der Auferstehung Jesu genommen haben, wenn man dieses klare Bekenntnis des Simon Petrus mit den teilweise naiven Fragen der Jünger im Zusammenhang mit den Abschiedsreden vergleicht.

Und wieder das Verbindende, der Bezug auf König David

Auch bei seinem Bekenntnis zu Jesus von Nazareth bleibt Simon Petrus bei den Fakten und vermeidet jedes „Hätte“ - „Könnte“ - „Sollte“. Er kehrt stattdessen zur Bibel, dem Alten Testament zurück und zitiert den König David mit Ich habe den HERRN allezeit vor Augen; weil er mir zur Rechten ist, wanke ich nicht. Darum freut sich mein Herz, und meine Seele frohlockt; auch mein Fleisch wird sicher ruhen; denn du wirst meine Seele nicht dem Totenreich überlassen und wirst nicht zugeben, daß dein Heiliger die Verwesung sehe. Du wirst mir den Weg des Lebens zeigen; Fülle von Freuden ist vor deinem Angesicht, liebliches Wesen zu deiner Rechten ewiglich! (Psalmen 16,8-11 *)

Wieder erfolgt eine klare und unmissverständliche Auslegung dieses Wortes auf die Auferstehung Jesu, die David als ein Prophet vorhergesehen habe. Da gibt es für Simon Petrus keine Diskussion: Diesen Jesus hat Gott auferweckt; dafür sind wir alle Zeugen. (Apostelgeschichte 2,32   *)

JESUS - der erhöhte Herr

Nachdem er nun durch die rechte Hand Gottes erhöht worden ist und die Verheißung des heiligen Geistes vom Vater empfangen hat, hat er das ausgegossen, was ihr jetzt sehet und höret. (Apostelgeschichte 2,33   *) Simon Petrus weiß, das es dieses Wort Jesu war, dass sein Todesurteil festmachte. Denn auf die Frage des Hoherpriester: „Bist du der Christus, der Sohn des Hochgelobten?“ antwortet Jesus: „Ich bin's; und ihr werdet des Menschen Sohn sitzen sehen zur Rechten der Macht und kommen mit den Wolken des Himmels!“ Und dieses wurde als Gotteslästerung gewertet und Jesus zum Tode verurteilt. Es war also nicht ungefährlich, was Simon Petrus hier aussprach. Aber er spricht wieder ohne „Wenn“ und „Aber“ über die Erhöhung Jesu durch die rechte Hand Gottes und deutet das Geschehen als Heilshandeln Jesu. Man mag hinzufügen, dass nicht nur das Geschehen, das Brausen vom Himmel und die Feuerzungen Wirkungen des Heilshandelns Jesu sind, sondern dass auch die mutige Pfingstpredigt des Simon Petrus eine Wirkung des Heilshandelns Jesu an seiner Kirche ist.

Und damit wird Pfingsten auch und gerade für die Verantwortlichen in der Kirche, für die, die das Wort verkündigen, zu einer Herausforderung: Darf der Heilige Geist durch mich klar und eindeutig reden. Ist mein persönlicher Glaube so stark, dass mir ein klares und eindeutiges Reden überhaupt abgenommen wird? Bin ich bereit, dass der Heilige Geist mich gebraucht. Redet der Heilige Geist durch mich, oder bin ich ein Filter, der das Wort in wohlschmeckende Dosen verkleinert, die die Heilsbotschaft vom Kreuz hinter einem Nebel verstecken. Es ist sehr hilfreich, diese Predigt einmal unter dem Aspekt zu lesen, wie ich selbst das ausgedrückt hätte, wie ich selbst in einer solchen Situation predigen würde. Und vielleicht daraus einige Konsequenzen zu ziehen. Manchmal sollte man eine gut gemeinte Predigt auch in den Papierkorb werfen und eine Neufassung starten, in der der Heilige Geist mehr Raum hat, die Predigt so wie hier bei Simon Petrus auf den Punkt zu bringen.

Simon Petrus hinterlässt der Synagoge mit seiner Pfingstpredigt ein bleibendes Problem. Er zitiert Psalmen 110,1  *: Ein Psalm Davids. Der HERR sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde hinlege als Schemel deiner Füße! Damit nimmt er den Psalmen 110  * für Jesus in Anspruch. Strack/Billerbeck weisen aus dem Talmud eindrücklich nach, wie die Synagoge nach Jesus Schwierigkeiten mit diesem Psalm hatte und ihn auf andere Personen umgedeutet hat, ein Eingeständnis, dass dieser Psalm recht eindeutig von Jesus spricht. Die Darlegungen von Strack/Billerbeck finden sich im 16.Exkurs des Bandes IV.I des Kommentars zum Neuen Testament aus Talmud und Midrasch. Ich habe dazu im Rahmen der Kaiphas-Serie eine kleine Übersicht verfasst: Der Umgang des Talmud mit Psalm 110.

Der Aufruf zum Handeln

So erkenne nun das ganze Haus Israel mit Gewißheit, daß Gott diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zum Herrn und Christus gemacht hat. (Apostelgeschichte 2,36  *) Simon Petrus beendet seine Predigt mit einem klaren Aufruf: „Erkenne ...“ Eine ganz klare Fokussierung am Ende einer Predigt.

Es verdient schon Bewunderung, wie er diese an sich schon sehr kompakte Predigt noch einmal in einem Satz zusammenfasst und damit seine Zuhörer zwingt zu reagieren.

Die Zuhörer sind von der Predigt betroffen und fragen: „Was sollen wir tun, ihr Männer und Brüder?“ Und sie erhalten eine klare Anweisung: „Tut Buße, und ein jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden; so werdet ihr die Gabe des heiligen Geistes empfangen. Denn euch gilt die Verheißung und euren Kindern und allen, die ferne sind, soviele der Herr unser Gott herrufen wird.“ Jetzt beginnt die persönliche Seelsorge, denn es heißt: „Und noch mit vielen andern Worten beschwor und ermahnte er sie und sprach: Lasset euch retten aus diesem verkehrten Geschlecht!“

Wieder wird deutlich, wie furchtlos Simon Petrus geworden ist. Er nennt die Hoherpriester „verkehrtes Geschlecht“. Nichts ist mehr zu spüren von dem ängstlichen Simon Petrus, der vor einer Magd so viel Angst hat, dass er seine Jüngerschaft verleugnet, dass er seine Zugehörigkeit zu Jesus verleugnet.

Der Simon, der zum Petrus wurde.

Hier in Jerusalem ist nichts mehr zu spüren von dem ängstlichen Simon, der seinen Herrn verleugnet. Er sieht sich mit einer Situation konfrontiert, die ihn wie auch alle andere Beteiligte völlig überrascht haben muss. Und in einer spontanen Predigt deutet er diese Situation aus der prophetischen Schrift des Joel und der Psalmen Davids. Er spricht in großer Gewissheit, ohne „Wenn“ und „Aber“. In seiner Rede ereignet sich, was Jesus den Jüngern verheißen hat. Der Heilige Geist selbst gibt ihm die innere Gewissheit und die Worte. So lesen wir hier keine Predigt des Simon Petrus, auch keine Predigt, die Lukas sorgfältigt konzipiert hat, um damit eine besondere Theologie zu transportieren. Der Heilige Geist selbst spricht durch Simon Petrus und offenbart damit das Heil, das in Jesus auf die Welt gekommen ist, vor allen Menschen, die nach Jerusalem zum Schawuot gekommen sind. Damit ist Simon endgültig zu dem geworden, zu dem Jesus ihn bestimmt hat, zu dem Petrus, dem Fels „und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen.“ (Matthäus 16,18  *)

Solche Situationen können wir nicht herbeiführen. Solche Situationen geschehen. Wir können uns nur innerlich darauf vorbereiten, indem wir uns für die Impulse des Heiligen Geistes öffnen und unser „Wenn“ und „Aber“ zurückstellen und stattdessen da, wo uns der Heilige Geist klare Worte eingibt, auch klare Worte reden. Wir müssen dann auch die Folgen tragen. Die Folgen können sein, dass 3.000 Menschen sich bekehren und sich der Gemeinde der Gläubigen anschließen. Es kann aber auch sein, dass ein solcher Mensch verfolgt wird und, wie Stephanus, gesteinigt wird. Aber die, die dabei sind und Wohlgefallen an der Steinigung haben, sollten sich nicht zu sicher wähnen, auch sie kann der Heilige Geist erreichen, wie etwa einen Saulus(Apostelgeschichte 7,54-60 *).

Wir können uns über diesen Simon Petrus amüsieren, wenn wir wollen.

Simon Petrus hätte alle Möglichkeiten gehabt, die Evangelien zu glätten, so dass wir ein besseres Bild von ihm bekommen hätten. Aber es zeichnet die Bibel aus, dass sie sehr ehrlich auch mit solchen Führungspersönlichkeiten umgeht. Sie will uns damit ermutigen. Wenn man eine Geschichte des Simon Petrus schreibt, so war es eine Erfolgsgeschichte mit Heilungswundern und gewaltigen Predigten, die viele Menschen zur Gemeinde führten. Und doch ist der Simon Petrus, der dies vollbracht hat, manchmal sehr naiv, manchmal feige, manchmal einfach nur zu müde zum Dienst. Damit ist er ein Werkzeug, wie jeder von uns. Ein Werkzeug in der Hand Gottes, ein Werkzeug für den Heiligen Geist. Möge der HERR es schenken, dass wir mit all unseren Schwächen durch den Geist Gottes ebenfalls zu einem solchen Werkzeug werden.

Einfach einmal nichts tun, sondern die Angelegenheit Gott hinlegen

Der Bericht der Apostelgeschichte zeigt, wie schwer es ist, einige Tage wartend und «nur» im Gebet zu verbringen. Simon Petrus hat es jedenfalls nicht geschafft und zwischendurch noch eine Gemeindestunde zur Neuwahl eines Apostels abgehalten. Lukas tadelt das nicht, aber als besonders wichtig hat es sich auch nicht erwiesen, denn Jesus hält sich nicht an die Definition, die Simon Petrus für einen Apostel ausgegeben hat: So muß nun von den Männern, die mit uns gegangen sind die ganze Zeit über, da der Herr Jesus unter uns ein und ausging, von der Taufe des Johannes an bis zu dem Tage, da er von uns hinweg aufgenommen wurde, einer von diesen muß mit uns Zeuge seiner Auferstehung werden. (Apostelgeschichte 1,21-22  *) Das hat Jesus nicht sehr beeindruckt, er hat trotzdem Paulus berufen, denn „dieser ist mir ein auserwähltes Werkzeug, um meinen Namen vor Heiden und Könige und vor die Kinder Israel zu tragen! Und ich werde ihm zeigen, wieviel er um meines Namens willen leiden muß.“ (Apostelgeschichte 9,15-16   *).

Manchmal will Jesus ganz offensichtlich, dass wir warten.

Wir leiden sehr unter dem Stress, den Gemeindearbeit bedeuten kann. Aber manchmal tut es auch gut, sich einem seelsorglichen Gespräch entziehen zu können, „weil wir ja leider so viel Anderes zu tun haben.“ Und da stellt sich schon die Frage, ob das immer der Wille unseres Herrn ist oder ob wir uns damit nur dem Wunsch unseres Körpers - Paulus würde sagen, des Fleisches - nach Adrenalin nachkommen. Denn Adrenalin macht genauso süchtig wie Alkohol oder Nikotin, nur dass diese Sucht nicht so leicht sichtbar wird. Denn die Adrenalin-Süchtigen bekleiden oft hohe Stellungen und gelten als fleißig, einsatzbereit und wichtig, manchmal als unersetzbar.

Und doch möchte unser Herr manchmal, dass wir warten. Er will uns ins Gebet führen, uns neue Horizonte eröffnen. Auf jeden Fall will er nicht, dass wir unsere selbstgemachte Hektik zum Vorwand nehmen, das Gebet zu vernachlässigen. Simon Petrus wird das später selbst erfahren, als es Streit um die Verteilung der Unterstützungsgelder für die Witwen gab. Da sagen die zwölf Apostel: „Es ziemt sich nicht, daß wir das Wort Gottes verlassen, um bei den Tischen zu dienen. Darum, ihr Brüder, sehet euch nach sieben Männern aus eurer Mitte um, von gutem Zeugnis, voll heiligen Geistes und Weisheit; die wollen wir für diesen Bedarf bestellen, wir aber wollen im Gebet und im Dienste des Wortes verharren.“ (Apostelgeschichte 6,2-5 *)

Ereignisse wie das Pfingstereignis der Apostelgeschichte können wir nicht machen, sie geschehen. Und sie geschehen meistens da, wo Menschen bereit sind, Raum für das Wirken des Geistes zu schaffen. Allerdings gibt es auch Ausnahmen: Den Apostel Paulus reißt es mitten im Stress eines Verfolgers der Gemeinde vom Pferd, als Jesus ihm begegnet. (Apostelgeschichte 9,1-6  *).

Ereignisse wie das Pfingstereignis der Apostelgeschichte setzen auch Glauben voraus. Die Jünger, die sich in Jerusalem versammelt hatten, haben geglaubt, dass das Wort Jesu eintreten wird. Sie wussten weder, wie es geschehen wird, noch, wann es geschehen wird. Aber sie wussten, dass es geschehen wird. Und als es geschah, da war Simon Petrus bereit, das Notwendige klar und deutlich vor der zum Fest des Schawuot versammelten Schar zu sagen.

Es ist kein Allheilmittel, einfach einmal nichts zu tun und die Angelegenheit Gott hinzulegen. Manchmal muss man auch mit Paulus sagen: „Wache auf, der du schläfst, und stehe auf von den Toten, so wird dir Christus leuchten!“ (Epheser 5,14 *)

Aber es muss in meinem Leben Raum sein, dass Gott handelt. Es ist eine Herausforderung an meinen Glauben, einfach zu warten, die Kontrolle an meinen Herrn abzugeben und einmal darauf zu warten, was er tut. Und solches Warten muss sich über einen größeren Zeitraum erstrecken als eine Gebetsversammlung. Ich kann Gott keinen Zeiplan vorschreiben. Er ist der Herr der Zeit, auch meiner Zeit. Ein solches Warten setzt voraus, dass ich im Gebet bleibe und auf das Reden des Heiligen Geistes achte. Wenn Simon Petrus zum Fischen an den See Genezareth gefahren wäre, weil das so nötig ist und er seine Frau schon so lange vernachlässigt hat, dann hätte er nur gerüchteweise von dem gehört, was in Jerusalem geschehen ist. Er war an dem Ort, an den Jesus ihn gestellt hat. Er hat die Impulse des Heiligen Geistes wahrgenommen und danach gehandelt. Er war nicht mehr feige, wie noch bei Jesu Prozess. Er war der Fels, zu dem Jesus ihn berufen hat.

Ich schreibe dieses, weil ich selbst oft ein solcher Hektiker war, der dies und jenes organisiert und initiiert hat. Eine alte Schwester hat mich dann einmal eingebremst, indem sie sagte, sie habe über eine bestimmte Sache gebetet und der Herr hahe ihr gesagt: „Ich habe das Robert nicht aufgetragen.“ Dieses Wort hat mich sehr berührt. Soweit dürfen wir es nicht kommen lassen. Und doch stehen wir immer in der Gefahr, wenn wir vergessen, dass es nicht unsere Sache ist, sondern die Sache unseres Herrn, für die wir arbeiten.

Ein gesegnetes Pfingstfest

⇒ Dieser Text auf einer eigenen Seite

⇒ Pfingsten ... die Gemeinde angesichts des leeren Grabes

⇒ Pfingsten ... dafür sind wir alle Zeugen

⇒ Pfingsten ... Verherrlichung des Vaters vor aller Welt

⇒ Pfingsten ... Gott meint die ganze Welt



Anregungen zum Tag der Himmelfahrt Jesu Christi

Jesus ist uns nahe

Inhaltsverzeichnis

Jesus ist uns nahe

Sitzend zur Rechten Gottes

Das himmlische Urbild des Tempels und der bessere Bund

Die unterschiedlichen Berichte über die Himmelfahrt

Die Himmelfahrt in den Briefen

Die Nähe Jesu

Himmelfahrt ist der Grund für die Nähe Jesu zu jedem einzelnen von uns

Persönliche Anmerkungen

Sitzend zur Rechten Gottes

Über die Steinigung des Stephanus, der ein Diakon der Urgemeinde in Jerusalem war, berichtet Lukas in der Apostelgeschichte: Als sie aber das hörten, schnitt es ihnen ins Herz, und sie knirschten mit den Zähnen gegen ihn. Er aber, voll heiligen Geistes, blickte zum Himmel empor und sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen; und er sprach: Siehe, ich sehe den Himmel offen und des Menschen Sohn zur Rechten Gottes stehen! Sie aber schrieen mit lauter Stimme, hielten sich die Ohren zu, stürmten einmütig auf ihn los, stießen ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn. Und die Zeugen legten ihre Kleider zu den Füßen eines Jünglings nieder, welcher Saulus hieß. Und sie steinigten den Stephanus, welcher ausrief und sprach: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf! Er kniete aber nieder und rief mit lauter Stimme: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht zu! Und nachdem er das gesagt hatte, entschlief er. (Apostelgeschichte 7,54-60 *) Er sieht also Jesus zur Rechten Gottes stehen. Er ist damit Zeuge, dass Jesus nicht nur «verschwunden» ist, sondern dass er zur Rechten Gottes steht. Nach meiner Kenntnis ist es die einzige Stelle, wo berichtet wird, Jesus stehe zur Rechten Gottes. Jesus war in diesem Moment bereit, Stephanus entgegen zu gehen.

Es gibt weitere Stellen, die uns von Jesu Platz zur Rechten Gottes berichten:

Die Mutter der Söhne des Zebedäus bittet Jesus, dass ihre Söhne zu seiner Rechten und seiner Linken sitzen dürfen. Jesus kommentiert dies zunächst mit den Worten: „Ihr wisset nicht, um was ihr bittet!“ Und Jesus antwortet dann: Und er spricht zu ihnen: Ihr werdet zwar meinen Kelch trinken; aber das Sitzen zu meiner Rechten und zu meiner Linken zu verleihen, steht nicht mir zu; sondern es wird denen zuteil, welchen es von meinem Vater bereitet ist. (Matthäus 20,23  *)(Vgl. Markus 10,35-40 *) Jesus wird zur Rechten Gottes sitzen und darum ist diese Bitte der Mutter eine Anmaßung, was ihr aber nicht bewusst ist.

Jesus führt sein Todesurteil dadurch herbei, dass er zu Kaiphas spricht: Jesus spricht zu ihm: Du hast es gesagt! Überdies sage ich euch: Von jetzt an werdet ihr des Menschen Sohn sitzen sehen zur Rechten der Kraft und kommen auf den Wolken des Himmels! (Matthäus 26,64 *)(Vgl. Markus 14,62 * und Lukas 22,69 *)

Paulus führt es der Gemeinde in Kolossä vor Augen: Seid ihr nun mit Christus auferstanden, so suchet, was droben ist, wo Christus ist, sitzend zu der Rechten Gottes. (Kolosser 3,1 *)

Der Schreiber des Hebräerbriefes gibt auch einen Grund an, warum es notwendig ist, dass Jesus nicht mehr auf Erden ist: Die Hauptsache aber bei dem, was wir sagten, ist: Wir haben einen solchen Hohenpriester, der zur Rechten des Thrones der Majestät im Himmel sitzt, einen Diener des Heiligtums und der wahrhaftigen Stiftshütte, welche der Herr errichtet hat, und nicht ein Mensch. Denn jeder Hoherpriester wird eingesetzt, um Gaben und Opfer darzubringen; daher muß auch dieser etwas haben, was er darbringen kann. Wenn er sich nun auf Erden befände, so wäre er nicht einmal Priester, weil hier solche sind, die nach dem Gesetz die Gaben opfern. Diese dienen einem Abbild und Schatten des Himmlischen, gemäß der Weisung, die Mose erhielt, als er die Stiftshütte anfertigen wollte: «Siehe zu», hieß es, «daß du alles nach dem Vorbild machst, das dir auf dem Berge gezeigt worden ist!» Nun aber hat er einen um so bedeutenderen Dienst erlangt, als er auch eines besseren Bundes Mittler ist, der auf besseren Verheißungen ruht. (Hebräer 8,1-6  *) Jesus wäre als Hoherpriester hier auf Erden mit dem bestehenden Hohepriestertum in Konkurrenz getreten. Dort im Himmel ist die wahre Stiftshütte, das Urbild der Stiftshütte. Alles, was auf der Erde ist, ist nur „Abbild und Schatten des Himmlischen“. Jesus, der „eines besseren Bundes Mittler ist, der auf besseren Verheißungen ruht“, musste also seinen Platz beim Vater einnehmen, um diesen „bedeutenderen Dienst“ tun zu können.

Das himmlische Urbild des Tempels und der bessere Bund

Wir haben mit der Aussage des Hebräerbriefes über den Tempel als „Abbild und Schatten des Himmlischen“ nicht etwa eine antijüdische Bemerkung, einer Abwertung des Judentums durch den Schreiber des Hebräerbriefes vor uns, sondern dieses Wissen geht auf Mose selbst zurück. Er ist nicht frei in der Gestaltung der Stiftshütte, sondern Ihm wurde ein himmlisches Vorbild gezeigt. Und er wird immer wieder darauf hingewiesen, sich nach diesem Vorbild zu richten:

2.Mose 25,9 *: Durchaus, wie ich dir ein Vorbild der Wohnung und aller ihrer Geräte zeigen werde, also sollt ihr es machen.

2.Mose 25,40 *: Und siehe zu, daß du es machest nach dem Vorbilde, das dir auf dem Berge gezeigt worden ist!

2.Mose 26,30 *: Also sollst du die Wohnung aufrichten nach der Weise, wie du auf dem Berge gesehen hast.

2.Mose 27,8 *: Von Tafeln sollst du ihn machen, inwendig hohl; wie dir auf dem Berge gezeigt worden ist, so soll man ihn machen.

4.Mose 8,4 *: Der Leuchter aber war ein Werk von getriebenem Gold, sowohl sein Schaft als auch seine Blumen; nach dem Gesichte, welches der HERR Mose gezeigt, hatte man den Leuchter gemacht.

1.Chronika 28,19 *: «Alles nach der Vorschrift des HERRN, er hat mich das Vorbild zu machen gelehrt.»

Apostelgeschichte 7,44 *: Unsre Väter hatten das Zelt des Zeugnisses in der Wüste, wie der, welcher mit Mose redete, es zu machen befahl nach dem Vorbilde, das er gesehen hatte.

Das Alte Testament weiß auch, dass es einen neuen Bund geben wird:

Der Prophet Jeremia kündigt diesen neuen Bund an: Jeremia 31,31-34 *: Siehe, es kommen Tage, spricht der HERR, da ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen werde; nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vätern schloß an dem Tage, da ich sie bei der Hand ergriff, um sie aus dem Lande Ägypten auszuführen; denn sie haben meinen Bund gebrochen, und ich hatte sie mir doch angetraut, spricht der HERR. Sondern das ist der Bund, den ich mit dem Hause Israel nach jenen Tagen schließen will, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und es in ihren Sinn schreiben und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein; und es wird niemand mehr seinen Nächsten oder seinen Bruder lehren und sagen: «Erkenne den HERRN!» denn sie sollen mich alle kennen, vom Kleinsten bis zum Größten, spricht der HERR; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nicht mehr gedenken!

Der Prophet Jesaja nennt Zeichen, die in dieser Zeit geschehen werden. Auf diese Zeichen bezieht Jesus sich, als Johannes der Täufer ihn durch zwei seiner Jünger fragen lässt: „Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten?“ (Lukas 7,20 *). Jesaja 35,3-6 *: Stärket die schlaffen Hände und festiget die strauchelnden Knie; saget den verzagten Herzen: Seid tapfer und fürchtet euch nicht! Sehet, da ist euer Gott! Die Rache kommt, die Vergeltung Gottes; Er selbst kommt und wird euch retten! Alsdann werden der Blinden Augen aufgetan und der Tauben Ohren geöffnet werden; alsdann wird der Lahme hüpfen wie ein Hirsch und der Stummen Zunge lobsingen; denn es werden Wasser in der Wüste entspringen und Ströme in der Einöde.

In Nazareth bezieht sich Jesus ebenfalls auf den Propheten Jesaja(Lukas 4,18-19 *: «Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat; er hat mich gesandt, den Armen frohe Botschaft zu verkünden, zu heilen, die zerbrochenen Herzens sind, Gefangenen Befreiung zu predigen und den Blinden, daß sie wieder sehend werden, Zerschlagene in Freiheit zu setzen; zu predigen das angenehme Jahr des Herrn.»): Jesaja 61,1-7 *: Der Geist Gottes, des HERRN, ist auf mir, weil der HERR mich gesalbt hat, um den Elenden gute Botschaft zu verkündigen; er hat mich gesandt, zerbrochene Herzen zu verbinden, den Gefangenen Befreiung zu predigen, den Gebundenen Öffnung der Kerkertüren ; zu predigen ein Gnadenjahr des HERRN und einen Tag der Rache unsres Gottes, zu trösten alle Traurigen; zu achten auf die Traurigen in Zion, daß ich ihnen Schmuck für Asche, Freudenöl statt Traurigkeit und Feierkleider statt eines betrübten Geistes gebe, daß sie genannt werden «Eichen der Gerechtigkeit», eine «Pflanzung des HERRN» zu seinem Ruhm. Sie werden die alten Trümmer aufbauen und was vor Zeiten zerstört worden ist wieder aufrichten; sie werden die zerstörten Städte erneuern, die von Geschlecht zu Geschlecht wüste gelegen haben. Fremde werden einstehen und euer Vieh weiden, und Ausländer werden eure Ackerleute und Weingärtner sein; ihr aber werdet Priester des HERRN heißen, und man wird euch Diener unsres Gottes nennen. Ihr werdet die Güter der Nationen genießen und in ihre Machtstellung eintreten. Die erlittene Schmach wird euch zwiefach vergolten, und anstatt der Schande werden sie frohlocken über ihr Teil; denn sie werden in ihrem Lande ein doppeltes Erbteil erlangen, und ewige Freude wird ihnen zuteil werden.

Simon Petrus zitiert in seiner Pfingstpredigt (Apostelgeschichte 2,15-21 *: Denn diese sind nicht trunken, wie ihr wähnet; denn es ist erst die dritte Stunde des Tages; sondern dies ist, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist: «Und es wird geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da werde ich ausgießen von meinem Geist über alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen, und eure Jünglinge werden Gesichte sehen, und eure Ältesten werden Träume haben; ja, auch über meine Knechte und über meine Mägde werde ich in jenen Tagen von meinem Geiste ausgießen, und sie werden weissagen. Und ich will Wunder tun oben am Himmel und Zeichen unten auf Erden, Blut und Feuer und Rauchdampf; die Sonne wird sich in Finsternis verwandeln und der Mond in Blut, ehe der große und offenbar werdende Tag des Herrn kommt. Und es soll geschehen, daß jeder, der den Namen des Herrn anrufen wird, errettet werden wird.») ausführlich ein Wort des Propheten Joel: Joel 2,28-32 *: (H3-1) Und nach diesem wird es geschehen, daß ich meinen Geist ausgieße über alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen, eure Ältesten werden Träume haben, eure Jünglinge werden Gesichte sehen; (H3-2) und auch über die Knechte und über die Mägde will ich in jenen Tagen meinen Geist ausgießen; (H3-3) und ich werde Zeichen geben am Himmel und auf Erden: Blut und Feuer und Rauchsäulen; (H3-4) die Sonne soll verwandelt werden in Finsternis und der Mond in Blut, ehe denn da kommt der große und schreckliche Tag des HERRN. (H3-5) Es soll aber geschehen, daß ein jeder, der den Namen des HERRN anruft, gerettet wird; denn auf dem Berge Zion und zu Jerusalem wird eine Zuflucht sein, wie der HERR versprochen hat, und bei den Übriggebliebenen, die der HERR beruft.

Gott hat durch Mose dem Volk Israel einen Bund verkündigt. Dieser Bund versteht sich selbst als alter Bund, weil bereits der Prophet Jeremia einen neuen Bund ankündigt. Die Heiligtümer dieses alten Bundes sind nur „Abbild und Schatten des Himmlischen“. Dies ist schon Mose bewusst und wird von ihm auch so dem Volk mitgeteilt.

Die Tatsache, dass der wahre Tempel im Himmel ist, macht es erforderlich, dass der Hohepriester des neuen Bundes im Himmel ist. Damit ist die Himmelfahrt Jesu eine Notwendigkeit für den neuen Bund. Dies sieht der Schreiber des Hebräerbriefes deutlich, wenn er sagt: „Wenn er (Jesus) sich nun auf Erden befände, so wäre er nicht einmal Priester, weil hier solche sind, die nach dem Gesetz die Gaben opfern. Diese dienen einem Abbild und Schatten des Himmlischen, gemäß der Weisung, die Mose erhielt.“ (Hebräer 8,4-5   *)

Die unterschiedlichen Berichte über die Himmelfahrt

Andererseits kann man fragen, warum dann die Himmelfahrt in den Evangelien so unterschiedlich berichtet wird.

Matthäus 28,16-20 *: Die elf Jünger aber gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte. Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; etliche aber zweifelten. Und Jesus trat herzu, redete mit ihnen und sprach: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker, indem ihr sie taufet auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und sie halten lehret alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Weltzeit!

Markus 16,14-20 *: Nachher offenbarte er sich den Elfen selbst, als sie zu Tische saßen, und schalt ihren Unglauben und ihres Herzens Härtigkeit, daß sie denen, die ihn auferstanden gesehen hatten, nicht geglaubt hätten. Und er sprach zu ihnen: Gehet hin in alle Welt und prediget das Evangelium der ganzen Schöpfung! Wer glaubt und getauft wird, soll gerettet werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden. Diese Zeichen aber werden die, welche glauben, begleiten: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben, mit neuen Zungen reden, Schlangen aufheben, und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird es ihnen nichts schaden; Kranken werden sie die Hände auflegen, und sie werden sich wohl befinden. Der Herr nun, nachdem er mit ihnen geredet hatte, ward aufgenommen in den Himmel und setzte sich zur Rechten Gottes. Sie aber gingen aus und predigten allenthalben; und der Herr wirkte mit ihnen und bekräftigte das Wort durch die begleitenden Zeichen.

Lukas 24,45-53 *: Da öffnete er ihnen das Verständnis, um die Schriften zu verstehen, und sprach zu ihnen: So steht es geschrieben, daß Christus leiden und am dritten Tage von den Toten auferstehen werde, und daß in seinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden gepredigt werden soll unter allen Völkern. Fanget an in Jerusalem, Zeugen davon zu sein! Und siehe, ich sende auf euch die Verheißung meines Vaters; ihr aber bleibet in der Stadt, bis ihr angetan werdet mit Kraft aus der Höhe. Er führte sie aber hinaus bis in die Nähe von Bethanien und hob seine Hände auf und segnete sie. Und es begab sich, indem er sie segnete, schied er von ihnen und wurde aufgehoben gen Himmel. Und sie fielen vor ihm nieder und kehrten nach Jerusalem zurück mit großer Freude und waren allezeit im Tempel und priesen und lobten Gott.

Johannes erwähnt die Himmelfahrt gar nicht.

Apostelgeschichte 1,1-11 *: Den ersten Bericht habe ich abgelegt, lieber Theophilus, über alles, was Jesus zu tun und zu lehren begonnen hat, bis zu dem Tage, da er in den Himmel aufgenommen wurde, nachdem er den Aposteln, die er erwählt hatte, durch den heiligen Geist Befehl gegeben; welchen er sich auch nach seinem Leiden lebendig erzeigte, durch viele sichere Kennzeichen, indem er während vierzig Tagen ihnen erschien und über das Reich Gottes redete. Und als er mit ihnen zusammen war, gebot er ihnen, von Jerusalem nicht zu weichen, sondern die Verheißung des Vaters abzuwarten, welche ihr, so sprach er , von mir vernommen habt, denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt im heiligen Geiste getauft werden, nicht lange nach diesen Tagen. Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, gibst du in dieser Zeit Israel die Königsherrschaft wieder? Er sprach zu ihnen: Es ist nicht eure Sache, Zeiten oder Stunden zu kennen, welche der Vater in seiner eigenen Macht festgesetzt hat; sondern ihr werdet Kraft empfangen, wenn der heilige Geist über euch kommt, und werdet Zeugen für mich sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samaria und bis ans Ende der Erde! Und nach diesen Worten wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf und vor ihren Augen weg. Und als sie unverwandt gen Himmel blickten, während er dahinfuhr, siehe, da standen zwei Männer in weißen Kleidern bei ihnen, die sprachen: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr hier und seht gen Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen worden ist, wird in gleicher Weise wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.

Nach Matthäus fand die Himmelfahrt auf einem Berg in Galiläa statt. Nach Markus fand die Himmelfahrt im Anschluss an ein Mahl der Jünger statt. Dabei bleibt offen, wo das Mahl der Jünger stattfand, ob in Galiläa oder in Jerusalem. $/lk berichtet ähnlich wie Markus. Die Emmausjünger kommen nach Jerusalem zurück, berichten den dort versammelten Jüngern, die die Botschaft aber nicht glauben wollen. Da erscheint Jesus ihnen. Sie dürfen ihn anfassen, damit sie begreifen, dass er es wirklich ist, „denn ein Geist hat nicht Fleisch und Bein“. Er isst mit ihnen „ein Stück gebratenen Fisch und von einem Honigwaben“. Jesus beauftragt sie zur Mission unter JUden und Heiden. Dann geht er mit ihnen „in die Nähe von Bethanien und hob seine Hände auf und segnete sie. Und es begab sich, indem er sie segnete, schied er von ihnen und wurde aufgehoben gen Himmel.“ In der Apostelgeschichte berichtet Lukas zusätzlich von „zwei Männer in weißen Kleidern“, die die Wiederkunft Christi ankündigen.

Es ist nicht verwunderlich, dass Johannes in seinem Evangelium, dass ja ganz eindeutig ein Ergänzungsevangelium ist, in dem er praktisch alles weglässt, was über die Synoptiker schon bekannt ist, u.a. auch die Einsetzung des Abendmahls, auch die Himmelfahrt auslässt.

Wie bringt man nun all dies zusammen. Sehen wir hier unterschiedliche Legendenbildung zu unterschiedlichen Zeiten der frühen Christen. Wenn es so wäre, würde es das Neue Testament als Ganzes diskreditieren. Ich sehe es einfach so, dass jede Erscheinung Jesu eine Parusie ist, so wie er auch aufsteht, um dem Stephanus entgegenzugehen. Und am Ende jeder Erscheinung des Auferstandenen steht eine Himmelfahrt. Und so gibt es Himmelfahrten bis auf den heutigen Tag, wann immer Jesus Menschen erscheint, erfolgt am Ende eine Himmelfahrt, auch als Jesus Paulus erscheint, war das so. Es wird nur nicht in jedem Fall so wahrgenommen, weil das Erscheinen Jesu das überwältigende Ereignis ist. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass Jesus sich, nachdem er Maria Magdalena erschienen ist, sich irgendwo versteckt hat, bis er dann wieder einmal in Erscheinung getreten ist. Maria Magdalena durfte Jesus nicht anrühren, als sie ihm kurz nach der Auferstehung begegnet: Jesus spricht zu ihr: Rühre mich nicht an, denn ich bin noch nicht aufgefahren zu meinem Vater. Gehe aber zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott. (Johannes 20,17 *) Später werden die Jünger sogar aufgefordert, Jesus zu berühren, damit sie erkennen, dass er wirklich auferstanden ist und nicht nur als Geist erscheint. Das bedeutet doch, dass Jesus in der Zwischenzeit beim Vater war und das Argument, das gegenüber Maria Magdalena galt, nun nicht mehr gilt.

Die Himmelfahrt in den Briefen

Auch Paulus sieht die Notwendigkeit einer Himmelfahrt:

Der hinabgefahren ist, ist derselbe, welcher auch hinaufgefahren ist über alle Himmel, damit er alles erfülle. Und Er hat gegeben etliche zu Aposteln, etliche zu Propheten, etliche zu Evangelisten, etliche zu Hirten und Lehrern, um die Heiligen zuzurüsten für das Werk des Dienstes, zur Erbauung des Leibes Christi, bis daß wir alle zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen und zum vollkommenen Manne werden , zum Maße der vollen Größe Christi; (Epheser 4,10-13 *)

Weil Jesus beim Vater ist, kann er die Gemeinde mit mancherlei Gaben ausrüsten. Simon Petrus sieht die Himmelfahrt eher als ein einmaliges Ereignis: Als Abbild davon rettet nun auch uns die Taufe, welche nicht ein Abtun fleischlichen Schmutzes ist, sondern die an Gott gerichtete Bitte um ein gutes Gewissen, durch die Auferstehung Jesu Christi, welcher seit seiner Himmelfahrt zur Rechten Gottes ist, wo ihm Engel und Gewalten und Kräfte untertan sind. (1.Petrus 3,21-22 *)

Die Himmelfahrt Jesu begründet seinen Platz zur Rechten Gottes.

Die Stelle im Hebräerbrief (Hebräer 8,1-6  *) wurde bereits zitiert und ausgelegt und unterstreicht, vielleicht sogar noch deutlicher als die hier zitierten Stellen die Notwendigkeit der Himmelfahrt.

Wenn wir dagegen in den Briefen das Wort «Auferstehung» suchen, so finden wir es 13-mal, also deutlich öfter als die Himmelfahrt. Dies zeigt auch den Stellenwert von «Auferstehung» und „Himmelfahrt“.

Die Nähe Jesu

Die Himmelfahrt Jesu führt uns zunächst einmal den fernen Jesus vor Augen. Als die Mutter von Jakobus, Sohn des Zebedäus und Apostel Johannes vor Jesus tritt und darum bittet, dass ihre Söhne in Jesu Reich einmal zur Rechten und zur Linken Jesu sitzen dürfen, da weist Jesus diese Bitte mit den Worten „Ihr wisset nicht, um was ihr bittet!“ zurück (Matthäus 20,23  *). Das ist eine andere Liga. Da gehört ihr nicht hin. Dahin kann ich Euch nicht mitnehmen. Jesus ist in einer ganz anderen Sphäre.

Nach der Himmelfahrt hat er diesen Platz eingenommen und die Jünger erinnern sich dieser Begebenheit. Sie werden sich jetzt erst richtig bewusst geworden sein, welches Vorrecht sie hatten, über eine so lange Zeit mit dem Sohn Gottes durch Galiläa, Samaria und Judäa gewandert zu sein und alle ihre Fragen stellen zu dürfen. Dieser Jesus sitzt nun zur Rechten Gottes.

Und doch ist Jesus ihnen nahe, denn er hat ihnen seinen Geist gegeben. Dies geschah schon nach Jesu Auferstehung. Der Apostel Johannes beschreibt es so: Und nachdem er das gesagt, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfanget heiligen Geist! (Johannes 20,22 *) Dies geschah noch vor Pfingsten. Aber Jesus war zu diesem Zeitpunkt schon beim Vater gewesen, wie wir aus der Begebenheit mit Maria Magdalena schließen konnten. In den Abschiedsreden hat Jesus ganz deutlich gemacht, dass es notwendig ist, dass er zum Vater geht, damit er den Heiligen Geist senden kann: Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, daß ich hingehe; denn wenn ich nicht hingehe, so kommt der Beistand nicht zu euch. Wenn ich aber hingegangen bin, will ich ihn zu euch senden. (Johannes 16,7 *) Die Erkenntnis, die der Schreiber des Hebräerbriefes mitteilt, geht also auf Jesus selbst zurück. Wir staunen oft, wie wenig die Jünger von dem verstehen, was Jesus ihnen sagt, wie sie den heilsgeschichtlichen Zusammenhang nicht erkennen. Jesus sagt, warum das so ist und was er tun wird, um die Jünger weiter zu lehren, ihr Verständnis zu wecken.

Johannes 14,26-28 *: der Beistand aber, der heilige Geist, welchen mein Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht wie die Welt gibt, gebe ich euch; euer Herz errege sich nicht und verzage nicht! Ihr habt gehört, daß ich sagte: Ich gehe hin, und ich komme zu euch! Hättet ihr mich lieb, so würdet ihr euch freuen, daß ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich.

Weil wir Jesus lieben und weil wir so viele gute Erfahrungen mit dem Heiligen Geist gemacht haben, dürfen wir uns freuen, das Jesus zum Vater gegangen ist und für uns einsteht: Johannes 14,16-18 *: Und ich will den Vater bitten, und er wird euch einen andern Beistand geben, daß er bei euch bleibe in Ewigkeit, den Geist der Wahrheit, welchen die Welt nicht empfangen kann, denn sie beachtet ihn nicht und kennt ihn nicht; ihr aber kennet ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein. Ich lasse euch nicht als Waisen zurück, ich komme zu euch.

So ist die Himmelfahrt Jesu eine ganz neue Qualität der Nähe Jesu zu uns: Johannes 14,19-20 *: Noch eine kleine Weile, und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich, denn ich lebe, und auch ihr sollt leben! An jenem Tage werdet ihr erkennen, daß ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch.

Jesus selbst beschreibt diese Nähe mit dem Bild des Weinstocks: Johannes 15,1-5 *: Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Weingärtner. Jegliches Schoß an mir, das keine Frucht bringt, nimmt er weg; jedes fruchtbare aber reinigt er, damit es mehr Frucht bringe. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibet in mir, und ich bleibe in euch! Gleichwie das Rebschoß von sich selbst keine Frucht bringen kann, wenn es nicht am Weinstock bleibt, also auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibet. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben; wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun.

Paulus sieht die einzelnen Christen als Glieder am Leib Christi: Nun aber gibt es viele Glieder, doch nur einen Leib. Das Auge kann nicht zur Hand sagen: Ich bedarf deiner nicht, oder das Haupt zu den Füßen: Ich bedarf euer nicht! Vielmehr sind gerade die scheinbar schwächern Glieder des Leibes notwendig, und die wir für weniger ehrbar am Leibe halten, die umgeben wir mit desto größerer Ehre, und die uns übel anstehen, die schmückt man am meisten; denn die uns wohl anstehen, bedürfen es nicht. Gott aber hat den Leib so zusammengefügt, daß er dem dürftigeren Glied um so größere Ehre gab, damit es keinen Zwiespalt im Leibe gebe, sondern die Glieder gleichmäßig füreinander sorgen. Und wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit; und wenn ein Glied geehrt wird, so freuen sich alle Glieder mit. Ihr aber seid Christi Leib, und jedes in seinem Teil Glieder. (1.Korinther 12,20-27 *)

Paulus sieht in der Gemeinde aber auch einen lebendigen Bau. Epheser 2,19-22 *: So seid ihr nun nicht mehr Fremdlinge und Gäste, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, auferbaut auf die Grundlage der Apostel und Propheten, während Jesus Christus selber der Eckstein ist, in welchem der ganze Bau, zusammengefügt, wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn, in welchem auch ihr miterbaut werdet zu einer Behausung Gottes im Geist.

Auch Simon Petrus verwendet dieses Bild, das auf Psalmen 118  * zurückgeht: Ich danke dir, daß du mich erhört hast und wurdest mein Heil! Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden; vom HERRN ist das geschehen; es ist ein Wunder in unsern Augen! Dies ist der Tag, den der HERR gemacht; wir wollen froh sein und uns freuen an ihm! Ach, HERR, hilf! Ach, HERR, laß wohl gelingen! Gesegnet sei, der da kommt im Namen des HERRN! Wir segnen euch vom Hause des HERRN. (Psalmen 118,21-26  *) Simon Petrus schreibt dazu: Da ihr zu ihm gekommen seid, als zu dem lebendigen Stein, der von den Menschen zwar verworfen, bei Gott aber auserwählt und köstlich ist, so lasset auch ihr euch nun aufbauen als lebendige Steine zum geistlichen Hause, zum heiligen Priestertum, um geistliche Opfer zu opfern, die Gott angenehm sind durch Jesus Christus. Darum steht in der Schrift: «Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten, wertvollen Eckstein; und wer an ihn glaubt, soll nicht zuschanden werden.» (1.Petrus 2,4-6 *)

Alle diese Bilder drücken den engen Zusammenhang zwischen den einzelnen Gliedern untereinander und mit Christus aus. Aber in allen Bildern untersteht doch alles Gott, dem Vater. So ist er der Gärtner, der den Weinstock beschneidet. Paulus schreibt: „Gott aber hat den Leib (so) zusammengefügt.“ und im Bild vom Bau sieht er ihn als „Behausung Gottes im Geist.“ Und Simon Petrus sieht die lebendigen Steine des Baues als ein Opfer, „ Gott angenehm.“

Jesus geht zum Vater, er sitzt zur Rechten Gottes, scheinbar fern und doch so nah. Und diese Nähe zu Jesus finden wir, indem wir selbst näher zusammenrücken. Wenn Jesus unser Zentrum ist, dann ist es doch klar, dass wir mit allen anderen, die auch zu diesem Zentrum streben, immer näher zusammenrücken müssen, je näher wir diesem Zentrum kommen. Und dieses Zusammenrücken wird nur dann erträglich sein, wenn wir uns untereinander lieben: Ein neues Gebot gebe ich euch, daß ihr einander liebet; daß, wie ich euch geliebt habe, auch ihr einander liebet. Daran wird jedermann erkennen, daß ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt. (Johannes 13,34-35 *)

Himmelfahrt ist der Grund für die Nähe Jesu zu jedem einzelnen von uns

Jesus selbst hat es gesagt und der Schreiber des Hebräerbriefes hat es unterstrichen und näher ausgeführt: Nur weil Jesus zur Rechten Gottes sitzt, also sein Erbe angetreten hat, nur deshalb ist Jesus uns nahe. Das, was scheinbar eine große Distanz zwischen Jesus als dem Haupt der Gemeinde und uns, den Gliedern der Gemeinde, bedeutet, die Himmelfahrt Jesu und die Tatsache, dass er zur Rechten Gottes sitzt, bedeutet eine intensive Nähe zu einem jeden von uns, ob er nun in Deutschland wohnt, in der Ukraine, in Russland oder in Israel, allen ist Jesus nahe, weil er uns den Heiligen Geist gesandt hat, den Beistand, den Tröster, „der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“ „Wenn aber der Beistand kommen wird, welchen ich euch vom Vater senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, so wird der von mir zeugen.“ Wegen dieses Beistandes musste Jesus seine Herrschaft antreten und seinen Platz zur Rechten Gottes einnehmen: „Es ist gut für euch, daß ich hingehe; denn wenn ich nicht hingehe, so kommt der Beistand nicht zu euch. Wenn ich aber hingegangen bin, will ich ihn zu euch senden. Und wenn jener kommt, wird er die Welt überzeugen von Sünde und von Gerechtigkeit und von Gericht; von Sünde, weil sie nicht an mich glauben; von Gerechtigkeit aber, weil ich zum Vater gehe und ihr mich hinfort nicht mehr sehet; von Gericht, weil der Fürst dieser Welt gerichtet ist.“

Die Himmelfahrt ist also der Grund, durch den das Wunder geschehen ist, dass Christus in uns lebt, wie es die Apostel an vielen Stellen bezeugen. Er ist also nicht irgendwo, vielleicht in Jerusalem, abgeschirmt, wie es sich für einen Herrscher gehört, er ist in uns, wo auch immer wir sind. Er ist auch in den Schützengräben in der Südukraine und erlebt, wie auf ihn geschossen wird. Ich maße mir kein Urteil an, was Jesus tut, wenn ein Mensch, in dem er Wohnung genommen hat, schießt. Er, der den Schmerz am Kreuz ertragen hat, weiß mit Schmerzen umzugehen, auch mit dem Schmerz, dass die, die er Freunde genannt hat, aufeinander schießen.

Uns bleibt nur, das MARANATA zu sprechen: Ja, komme bald, HERR JESUS.

Persönliche Anmerkungen

Wenn Sie meine Ausarbeitungen zur Himmelfahrt durchlesen, so werden sie darin eine Entwicklung erkennen. Vor einigen Jahren habe ich begonnen, mich mit dem Themen Raum und Zeit im Blick auf unseren Glauben auseinanderzusetzen. Dabei sind zwei Vorträge zu diesem Thema entstanden:

⇒ Vortrag über die Größe Gottes

⇒ Vortrag über die Zeit

Diese Vorträge waren zu Anfang recht holprig und sind zunehmend gewachsen, wie auch meine Erkenntnis darüber. Sie haben für die Himmelfahrt eine wesentliche Bedeutung, wenn wir die Frage stellen, wohin Jesus eigentlich gefahren ist. Einige biblische Berichte klingen so, als wäre Jesus auf wundersame Weise nach oben aufgestiegen. Aber es ist dann von einer Wolke die Rede, die ihn aufnahm, ein Nebel, in dem er verschwand. Ich denke, Jesus ist einfach einen Schritt zur Seite gegangen, aber weder nach rechts noch nach links, sondern in eine Richtung, die uns nicht zur Verfügung steht und die aus unserem dreidimensionalen Raum heraus in die Welt Gottes führt.

In dieser Welt Gottes hat unsere Welt etwa das Aussehen, wie es ein Blatt Papier auf unserem Schreibtisch hat oder, und so habe ich es in dem Vortrag dargestellt, wie die Oberfläche eines Teiches. Ich passe in diese Oberfläche nicht hinein, so wie Gott nicht in unsere dreidimensionale Welt hineinpasst. Er ist dafür einfach zu groß. Genauso bin ich als dreidimensionaler Mensch zu groß, um ganz in eine zweidimensionale Welt zu passen. Ein Mensch, der in einem Teich schwimmt, ragt üblicherweise mit seinem Oberkörper über die Wasserfläche hinaus und ist mit den Beinen unter der Wasserobefläche. Mit der Wasseroberflächer hat er immer nur ein kreisähnliches Gebilde gemein, je nachdem, wie sein Hüftbereich gestaltet ist. Je nachdem wie tief ich im Wasser bin, wird sich auch mein Aussehen für ein zweidimensionales Wesen ändern. Denn dieses zweidimensionale Wesen kann nur den Bereich innerhalb der Wasseroberfläche sehen und nicht aus der Wasseroberfläche herausschauen, weder nach oben, noch nach unten.

Von den Wellen, die ich mache, wenn ich im Wasser bin, wollen wir hier einmal absehen, obwohl das sicher auch ein interessanter Aspekt ist, weil uns die Allgemeine Relativitätstheorie lehrt, dass der Raum von einer Masse gekrümmt wird. Deshalb ist ein Lichtstrahl, wenn er z.B. an der Sonne vorbeifliegt, keine ideale Gerade, sondern er weist durch den Einfluss der Gravitation der Sonne eine Krümmung auf, weil die Gravitation den Raum krümmt.

Wichtig ist aber noch ein anderer Aspekt: Wenn ich am Rande eines Teiches bin, kann ich entscheiden, wo ich etwa meinen Finger in den Teich stecke. Ich kann mir eine Stelle aussuchen, dort meinen Finger hineinstecken und ihn dann wieder herausziehen. Für unsere gedachten Wesen, die zweidimensional nur in der Wasseroberfläche leben, erscheint das so, dass der Finger aus dem Nichts kommt, kurz als Punkt (der Berührpunkt mit der Wasseroberfläche) und dann als kleiner Kreis erscheint, sich ein wenig in der Wasseroberfläche hin- und herbewegt und dann wieder verschwindet, wenn ich vom Teich weggehe. Der Finger kann für sie also in einen geschlossenen Bereich eindringen und wieder verschwinden. Diese zweidimensionale Wesen werden sagen, der Finger können in einen Bereich gehen, der verschlossen ist, so wie die Evangelisten berichten, dass der auferstandene Jesus in einem geschlossenen Raum erschien (Johannes 20,19 *). Und da sich für ein zweidimensionales Wesen die Form meines Fingers ändert, je nachdem wie tief ich ihn ins Wasser stecke, kann es auch sein, dass sich für ein zweidimensionales Wesen auch die Gestalt dieses Phänomens „zweidimensionaler Finger“ ändert und er meint, das Phänomen erscheine in einer anderen Gestalt als vorher (Markus 16,12 *).

Ich will nun damit nicht behaupten, dass ich das Wesen der Trinität damit verstanden habe. Es liegt im Anspruch der Worte „Gott“ und „Allmacht“ und „Allgegenwart“, dass sie sich unserem Verständnis entziehen. Auch die vierte Dimension entzieht sich unserer Vorstellung, aber wir können unsere Formeln darauf anwenden und Abbilder vierdimensionaler Objekte berechnen oder auch den Vorgang, dass ein vierdimensinales Objekt durch unsere dreidimensionale Welt hindurchzieht, filmisch darstellen, wie ich es in meinem Vortrag gemacht habe. Dabei öffnete sich mir ein verbessertes Verständnis für Begriffe, die ich vorher für unverständlich („Das muss man halt glauben!“) gehalten habe.

So verstehe ich mittlerweile Jesus als den Teil des dreieinen Gottes, der in unsere dreidimensionale Welt passt. Jesus sagt an einer Stelle (Johannes 14,9 *): %fBTA„Wer mich gesehen hat, der hat den Vater gesehen!“ Diese Stelle besagt doch, dass wir als Menschen in unserer beschränkten Welt von Gott, dem Vater, nicht mehr sehen können als wir in Jesus sehen.

Diese Vorstellung bewege ich seit einigen Jahren und sie verändert auch teilweise mein Denken. Insbesondere in den Beiträgen zum Himmelfahrtstag können Sie das verfolgen. Sollten Sie also gelegentlich einmal den Eindruck haben, das ich bestimmte Dinge in anderen Beiträgen anders dargestellt habe, so kann es genau daran liegen, dass sich meine Vorstellung von dem dreieinen Gott immmer mehr präzisiert hat und ich beim Nachdenken darüber immer noch nicht am Ende bin.

So ist auch die Frage der „Zeit“ sehr interessant. Sie ist im Hinblick auf die Prophetie von Bedeutung. Wieso gibt es Prophetie. Es muss also einen Informationsfluss aus der Zukunft in unsere Gegenwart oder in die Gegenwart des Propheten geben. Jemand ist also außerhalb der Zeit und schaut auf sie, die Zukunft wie die Vergangenheit, so wie wir nach rechts und nach links schauen. Jesus kann es nicht sein, denn er sagt: Um jenen Tag aber und die Stunde weiß niemand, auch die Engel im Himmel nicht, sondern allein mein Vater. (Matthäus 24,36 *) Jesus kennt also Tag und Stunde seiner Wiederkunft nicht, ist also innerhalb der Zeit. Gott aber weiß es. Also ist er derjenige, der außerhalb der Zeit steht und die Zukunft kennt, als wäre sie schon geschehen: Ich verkündige von Anfang an den Ausgang und von alters her, was noch nicht geschehen ist. Ich sage: Mein Ratschluß soll zustande kommen, und alles, was mir gefällt, will ich tun. (Jesaja 46,10 *) Interessant ist dazu auch der erste Vers der Offenbarung: Offenbarung Jesu Christi, welche Gott ihm gegeben hat, seinen Knechten zu zeigen, was in Bälde geschehen soll; und er hat sie kundgetan und durch seinen Engel seinem Knechte Johannes gesandt, (Offenbarung 1,1 *), weil hier deutlich wird, dass Jesus die Offenbarung vom Vater empfangen hat und sie an seine Gemeinde weitergibt. Also nicht Jesus ist der, der die Offenbarung gibt, sondern Gott, der Vater, offenbart Jesus, was geschehen wird.

Ist man erst einmal für diese Frage sensibilisiert, so liest man biblische Aussagen über die Zeit wesentlich sorgfältiger. Nicht nur das bekannte Wort aus Psalmen 90,4 *: Denn tausend Jahre sind vor dir wie der gestrige Tag, der vergangen ist, und wie eine Nachtwache;, sondern auch subtilere Stellen wie Offenbarung 10,6 *: und schwur bei dem, der von Ewigkeit zu Ewigkeit lebt, der den Himmel geschaffen hat und was darin ist, und die Erde und was darauf ist, und das Meer und was darin ist: es wird keine Zeit mehr sein;. Menge übersetzt dort etwa: „Es wird hinfort kein Verzug mehr sein.“, übersetzt das Wort CHRONOS also mit Verzug, Frist. Diese Übersetzung ist zwar zulässig, passt aber nicht mit der sonstigen Verwendung des Wortes CHRONOS im Neuen Testament zusammen. Was bedeutet es, wenn der Engel hier wirklich sagt, wie Schlachter es auch übersetzt: „Es wird keine Zeit mehr sein.“ Können wir so etwas überhaupt denken. Bedeutet «keine Zeit» Stillstand, wie es etwa bei einem Filmriss ist? Das letzte Bild bleibt stehen und nichts bewegt sich mehr. Denn Bewegung ist ja eng an die Zeit gekoppelt, wir messen sie in Meter je Sekunde. Gibt es keine Zeit, so fällt der Nenner weg, es gibt keine Geschwindigkeit mehr. Das bedeutet, dass ich nirgends mehr hinkomme, es bedeutet aber auch, dass ich nirgends mehr wegkomme, dass es keinen Abschied mehr gibt. Jesus sagt, ... Johannes 12,32 *: und ich, wenn ich von der Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen. Wir werden also am Ende der Zeiten alle bei Jesus sein, also auch alle beieinander sein. Deswegen erscheint es so wichtig, dass wir lernen, uns untereinander zu lieben, denn den unausstehlichen Bruder werde ich, wenn wir beide bei Jesus sind, dann nicht einfach so stehenlassen und von ihm weggehen können.

Denkt man über einen außerhalb der Zeit stehenden Gott nach, so wird plötzlich der Begriff der Allgegenwart zwar nicht wirklich verständlich, aber man erhält Ansätze, ihn zu denken: Ist Gott außerhalb der Zeit, so muss er nicht wie ein gequälter Manager hin- und hersausen, um pünktlich hier und später pünktlich dort zu sein. Er ist allgegenwärtig, weil es für ihn keine Zeit gibt, alles ist für ihn «immer».

Alle diese Andeutungen mögen Ihnen einen Eindruck geben, dass für mich vieles gedanklich im Fluss ist. Keinesfalls möchte ich den Eindruck erwecken, dass ich etwas besser verstehe als die Bibel, im Gegenteil. Ich habe den Eindruck, dass mir Gott durch diese Überlegungen noch größer erscheint, eine Größe, die über Länge, Breite, Höhe weit hinausgeht. Manche Stellen der Bibel sind für mich dadurch leichter nachzuvollziehen, denk-bar. Manches werde ich vielleicht auch wieder verwerfen müssen, wenn ich Bibelstellen finde, die dem widersprechen. Aber bisher ist es eher so, dass ich empfinde, jetzt einiges besser zu verstehen.

Dieser Abschnitt möge Sie anregen, auch darüber nachzudemken. Schreiben Sie mir gerne eine E-Mail mit Ihrer Meinung zu diesen Überlegungen: info@predige-das-wort.de

⇒ Dieser Text auf einer eigenen Seite

⇒ Himmelfahrt ... wahrer Gott

⇒ Himmelfahrt ... der die Himmel durchschritten hat

⇒ Himmelfahrt ... die Himmel durchschritten

⇒ Himmelfahrt ... ein beiläufiger Festtag?



Eine Predigt für die Sonntage nach Ostern

Furcht und das Handeln Gottes

Zwischen der Auferstehung Jesu und dem Empfang des Heiligen Geistes

Zusammenfassung

Gott handelt und es verbreitet sich Furcht. So schließt Markus seinen Bericht über das Handeln Jesu in der Welt. Später wird Johannes schreiben: Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die völlige Liebe treibt die Furcht aus, denn die Furcht macht Pein; wer sich aber fürchtet, ist nicht vollkommen geworden in der Liebe. (1.Johannes 4,18 *) Passt das zusammen? Die Zeit zwischen Ostern und Pfingsten, zwischen der Auferstehung Jesu und der Ausgießung des Heiligen Geistes ist geeignet, darüber nachzudenken.%BX2

Der Text zur Predigt

Markus 16,1-8  *

Und als der Sabbat vorüber war, kauften Maria Magdalena und Maria, des Jakobus Mutter, und Salome Spezereien, um hinzugehen und ihn zu salben. Und sehr früh am ersten Tage der Woche kamen sie zur Gruft, als die Sonne aufging. Und sie sagten zueinander: Wer wälzt uns den Stein von dem Eingang der Gruft? Und als sie aufblickten, sahen sie, daß der Stein weggewälzt war. Er war nämlich sehr groß. Und sie gingen in die Gruft hinein und sahen einen Jüngling zur Rechten sitzen, bekleidet mit einem langen, weißen Gewand; und sie erschraken. Er aber spricht zu ihnen: Erschrecket nicht! Ihr suchet Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten; er ist auferstanden, er ist nicht hier; sehet den Ort, wo sie ihn hingelegt hatten! Aber gehet hin, saget seinen Jüngern und dem Petrus, er gehe euch voran nach Galiläa. Daselbst werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. Und sie gingen hinaus und flohen von der Gruft; denn ein Zittern und Entsetzen hatte sie befallen; und sie sagten niemand etwas, denn sie fürchteten sich.

Dieser Text ist deshalb so besonders, weil er in vielen Handschriften (Codex Vaticanus, Codex Sinaiticus, Codex Sinaisyrer) des Markusevangeliums am Ende steht. Die nachfolgenden Verse Markus 16,9-20 * fehlen in diesen Handschriften. So war es naheliegend, dass viele Theologen, die sich damit befasst haben, meinten, spätere Redakteure haben den Text angefügt, weil sie der nachvollziehbaren Meinung waren, so dürfe ein Evangelium nicht enden. Ein Argument dabei ist, dass der nachfolgende Text nicht harmonisch anschließt. Während bis Vers 8 fortlaufend erzählt wird, folgt nun eine summarische Zusammenfassung einiger der Ereignisse nach der Auferstehung Jesu.

Wir wollen uns heute nicht in die Niederungen der spekulativen Theologie begeben und ergründen, ob, wann und von wem der Text ergänzt worden ist. Wir wollen stattdessen ein wenig darüber nachdenken, was Markus wohl bewogen haben mag, nach diesem Satz: „... denn sie fürchteten sich.“ den Griffel zur Seite zu legen und das Werk zunächst einmal so zur Abschrift freizugeben. Denn die oben genannten Handschriften legen davon Zeugnis ab, dass bereits von diesem Stand des Werkes Abschriften erstellt wurden.

Eigentlich beginnt im 16. Kapitel des Markusevangeliums ja ein Auferstehungstext: „Und als der Sabbat vorüber war, kauften Maria Magdalena und Maria, des Jakobus Mutter, und Salome Spezereien, um hinzugehen und ihn zu salben.“ Diese Frauen werden gleich darauf das Wunder der Auferstehung erleben. Und sie werden auch Simon Petrus und den anderen Jüngern Jesu von dem berichten, was sie gesehen haben. Markus berichtet auch, dass die Frauen den Auftrag haben, den Jüngern von dem zu berichten, was sie gesehen haben. Aber Markus bricht diese Erzählung ab, als er bei dem Satz ankommt: „... denn sie fürchteten sich.“

Ich weiß nicht, ob ihr eine solche Situation kennt: Jemand muss einen wichtigen Brief schreiben, etwas, was ihn sehr bewegt. Er kämpft mit den Sätzen. ... und irgendwann reißt der Faden, er kann nicht mehr weiterschreiben. In seinem Körper hat sich so viel Adrenalin angesammelt, dass er aufstehen muss, ein paar Schritte gehen muss, um sein inneres Gleichgewicht wiederzufinden. Wenn dieser Punkt erreicht ist, dann ist es schwer, den Faden wieder aufzunehmen und weiterzuschreiben. Manche Arbeit ist so liegengeblieben, weil der Schreiber es nicht geschafft hat, sich dieser Spannung noch einmal auszusetzen.

Ich denke, dass es Markus so ergangen ist. Er hat ja keine Biographie Jesu geschrieben. Er beginnt sein Evangelium mit dem Hinweis auf Johannes den Täufer und die Taufe Jesu. Es folgt, nur kurz angedeutet, ein Hinweis auf die Versuchung Jesu durch den Satan. Bis Kapitel 10 berichtet er dann von den Wundern, die Jesus in Galiläa getan hat, von der Berufung und Unterweisung der Jünger, um dann in sechs weiteren Kapiteln die Passion Jesu ausführlich darzustellen. Fast scheint es so, als habe er die ersten zehn Kapitel nur geschrieben, damit die Passion Jesu, das unschuldige Leiden des Gottessohnes in einem hellen Licht erstrahlt.

Der Kirchenvater Papias von Hierapolis, der noch mit frühen Zeugen gesprochen hat, die ihrerseits die Apostel noch kannten, gewährt uns einen Einblick in die Werkstatt des Evangelisten Markus.

Leider sind die Schriften des Papias verloren gegangen, aber einiges ist doch von Eusebius von Caesarea in seiner Kirchengeschichte überliefert worden. Zunächst beschreibt Eusebius, woher Papias von Hierapolis seine Informationen hat:

Indes erklärt Papias selbst in der Einleitung zu seiner Schrift, er habe die heiligen Apostel nicht gehört und nicht gesehen. Er bemerkt, dass er die Glaubenslehre von solchen empfangen habe, die den Aposteln nahegestanden seien. Er sagt: „Ohne zu zögern, will ich für dich alles, was ich je von den Presbytern genau erfahren und dem Gedächtnis genau eingeprägt habe, zugleich mit den Auslegungen verbinden, mich für dessen Wahrheit verbürgend. Denn nicht hatte ich wie die meisten an denen, die viele Worte machen, sondern an denen, welche die Wahrheit lehren, Freude, auch nicht an denen, welche die fremden Gebote anführen, sondern an denen, welche die vom Herrn dem Glauben gegebenen und aus dem Glauben entspringenden Gebote der Wahrheit bieten. Kam einer, der den Presbytern gefolgt war, dann erkundigte ich mich nach den Lehren der Presbyter und fragte: ‚Was sagte Andreas, was Petrus, was Philippus, was Thomas oder Jakobus, was Johannes oder Matthäus oder irgendein anderer von den Jüngern des Herrn? Und was sagen Aristion und der Presbyter Johannes, die Jünger des Herrn?’ Denn ich war der Ansicht, dass aus Büchern geschöpfte Berichte für mich nicht denselben Wert haben können wie die Worte frischer, noch lebender Stimmen.“ (Eusebius, Kirchengeschichte III.39)

Dann zitiert er, was Papias von Hierapolis über Markus schreibt:

Er schreibt: „Auch dies lehrte der Presbyter: Markus hat die Worte und Taten des Herrn, an die er sich als Dolmetscher des Petrus erinnerte, genau, allerdings nicht ordnungsgemäß, aufgeschrieben. Denn nicht hatte er den Herrn gehört und begleitet; wohl aber folgte er später, wie gesagt, dem Petrus, welcher seine Lehrvorträge nach den Bedürfnissen einrichtete, nicht aber so, dass er eine zusammenhängende Darstellung der Reden des Herrn gegeben hätte. Es ist daher keineswegs ein Fehler des Markus, wenn er einiges so aufzeichnete, wie es ihm das Gedächtnis eingab. Denn für eines trug er Sorge: nichts von dem, was er gehört hatte, auszulassen oder sich im Berichte keiner Lüge schuldig zu machen.“ So berichtete Papias über Markus. (Eusebius, Kirchengeschichte III.39)

Wir haben, wenn wir Papias von Hierapolis folgen, im Markusevangelium ein Zeugnis über die Begebenheiten aus dem Leben Jesu, die Simon Petrus so wichtig waren, dass er sie in seinen Predigten behandelte. Wir haben also einen Einblick, wie Simon Petrus Jesus erlebt hat. Es ist interessant, unter diesem Aspekt das Markusevangelium einmal zu lesen: Die Berufung des Simon zum Jünger lesen wir noch im ersten Kapitel. Die Tatsache, das Jesus dem Simon den Beinamen Petrus, Fels, gab, lesen wir im dritten Kapitel. Später erfahren wir, dass Simon Petrus zusammen mit den Zebedäussöhnen Jakobus und Johannes eine besondere Rolle spielte. Wir erfahren auch von dem Messiasbekenntnis des Simon Petrus, aber auch davon, dass Jesus ihn hart anfährt, als Simon Petrus ihm vorschlägt, sich dem Zugriff der Hohenpriester zu entziehen und ihn als „Satan“ bezeichnet. Die naiven Worte des Petrus nach der Verklärung Jesu: „Rabbi, es ist gut, daß wir hier sind; und wir wollen drei Hütten machen, dir eine und Mose eine und Elia eine!“ werden ungeschönt erwähnt, ebenso wie die Kraftmeierei vor der Gefangennahme Jesu: „Wenn sich auch alle ärgern werden, doch nicht ich!“ Wir lesen ausführlich davon, dass Simon Petrus Jesus verleugnet hat und dass er im Garten Gethsemane einfach eingeschlafen ist, als Jesus ihn gebeten hat, zu wachen.

Markus hat also seinen Meister Simon Petrus in keiner Weise geschont, hat ehrlich berichtet, weil Simon Petrus ehrlich gepredigt hat.

Nun ist es nicht so, dass Markus mit dem Evangelium ein Enthüllungsbuch schreiben wollte. ER hat auch, vermutlich wie auch Simon Petrus, Verschiedenes verschwiegen. So hat er nicht berichtet, dass Nikodemus bei der Grablegung Jesu mitgeholfen hat und Myrrhe und Aloe bereitgestellt hat. Dies hat er vermutlich aus Rücksicht auf Nikodemus getan, weil er ihn nicht der Gefahr aussetzen wollte, als Kollaborateur ebenfalls angeklagt zu werden. Markus verschweigt auch die Auferweckung des Lazarus, wohl aus demselben Grund, weil die Hohenpriester planten, Lazarus ebenfalls zu töten, weil das Volk von der Auferweckung des Lazarus sehr bewegt war und deshalb an Jesus glaubte. Man merkt dem Evangelium an, dass hier jemand unter großer innerer Anspannung geschrieben hat und sorgfältig überlegt hat, was er schreibt und was er nicht schreibt.

Aber Markus stand nicht allein, sondern Eusebius von Caesarea berichtet an anderer Stelle unter Berufung auf Clemens von Alexandria:

Da sich nunmehr das göttliche Wort dort ausbreitete, erlosch die Macht des Simon und verschwand sofort schon mit seiner Person. So sehr erleuchtete das Licht der Religion die Herzen der Zuhörer des Petrus, daß sie sich nicht damit begnügen wollten, ihn ein einziges Mal nur gehört zu haben, sie wollten von der Lehre seiner göttlichen Predigt auch Aufzeichnungen besitzen. Daher wandten sie sich mit verschiedenen Bitten an Markus, den Verfasser des Evangeliums, den Begleiter des Petrus, er möchte ihnen schriftliche Erinnerungen an die mündlich vorgetragene Lehre hinterlassen. Und sie standen nicht eher von den Bitten ab, als bis sie den Mann gewonnen hatten. So wurden sie die Veranlassung zum sog. Markusevangelium. Nachdem Petrus durch eine Offenbarung des Geistes von dem Vorfalle Kenntnis erhalten hatte, soll er sich über den Eifer der Leute gefreut und die Schrift für die Lesung in den Kirchen bestätigt haben. Klemens hat diese Tatsache im sechsten Buche seiner Hypotyposen berichtet, und mit ihm stimmt Bischof Papias von Hierapolis überein. Petrus gedenkt des Markus in seinem ersten Briefe, den er in Rom selbst verfaßt haben soll was er selbst andeutet, indem er diese Stadt bildlich Babylon nennt, wenn er sagt: „Es grüßt Euch die miterlesene Gemeinde in Babylon und Markus, mein Sohn.“ (Eusebius Kirchengeschichte II.15)

Simon Petrus hat die Tatsache begrüßt, dass Markus einen solchen Bericht schreibt. Und er hat den Bericht gelesen und für gut befunden. Es war der Bericht über den größten Eingriff Gottes in die Weltgeschichte. Die Botschaft, die Simon Petrus in seinen Predigten darlegte und die Markus referierte, war eine Botschaft von dem Eingreifen Gottes, das Jesus im Gleichnis von dem Weingärtnern beschreibt. Der Herr des Weinbergs sendet seine Knechte, dass sie die Pacht für den Weinberg einfordern, aber diese Knechte werden abgewiesen, teilweise sogar ermordet. Nun hatte er noch einen einzigen Sohn, der war ihm lieb; den sandte er zuletzt auch zu ihnen und sprach: Sie werden sich vor meinem Sohne scheuen! Jene Weingärtner aber sprachen untereinander: Das ist der Erbe! Kommt, laßt uns ihn töten, so wird das Erbgut unser sein! Und sie nahmen ihn, töteten ihn und warfen ihn zum Weinberg hinaus. (Markus 12,6-8 *) Dieses Gleichnis breitet Markus mit seinem Evangelium vor unseren Augen aus. Gott greift in die Zeitgeschichte ein.

Was geschieht mit uns, wenn Gott selbst in unser Leben eingreift?

Gott handelt und die Menschen reagieren mit Furcht. Wenn Gott sichtbar eingreift, dann reagieren wir natürlich mit Furcht, weil unser Erwartungshorizont gesprengt wird.

Ich habe es in einer Gemeinde erlebt, dass ein Bruder aufstand und bat, von einer Aufgabe entbunden zu werden, weil er dieser Aufgabe physisch nicht mehr gewachsen ist. Und es geschah, was oft in kleinen Gemeinden geschieht, in denen Mitarbeiter knapp sind. Die Gemeinde lobte den Bruder sehr für seine Arbeit, kein anderer könne das so gut machen wie er. Und sie baten ihn, weiterzumachen. Als der Bruder antworten wollte, brach er vor der Gemeinde zusammen und musste behandelt werden. In diesem Augenblick überkam die Gemeinde Furcht. Alle hatten begriffen, dass der HERR hier eingegriffen hat. Und mit einem Mal konnte der Bitte des Bruders entsprochen werden.

Ich habe erlebt, wie Diskussionen in Gemeindestunden abrupt beendet waren, weil jemand ein prophetisches Wort gesprochen hatte und alle verstanden haben, dass dieses Wort vom HERRN ist.

Auch die Hohenpriester kannten Furcht. Auch davon berichtet Markus:

Auch diese Furcht kennen wir aus unseren Gemeinden: Werde ich wiedergewählt werden, wenn ich diese oder jene Meinung vertrete? Ist ein Vorschlag mehrheitsfähig?

Wenn wir Gott selbst begegnen, dann lösen sich solche Überlegungen in Luft auf. Das Wort Gottes ist von einer solchen Kraft, dass es Furcht erzeugt. Diese Kraft Gottes stellt Markus uns immer wieder vor Augen. Und so ist es glaubwürdig, dass er mit den Worten: Und sie gingen hinaus und flohen von der Gruft; denn ein Zittern und Entsetzen hatte sie befallen; und sie sagten niemand etwas, denn sie fürchteten sich. (Markus 16,8  *) sein Evangelium beschließt. Eigentlich ist alles gesagt. Gott hat gehandelt und die Menschen haben darauf entsprechend reagiert.

Ob dann später Markus selbst, weil er von Simon Petrus oder anderen darum gebeten wird, oder ein anderer Autor noch die weiteren Verse hinzugefügt haben, das ist relativ gleichgültig. Jedenfalls sagen diese Verse nichts Anderes als die anderen Zeugen der Auferstehung uns mitteilen. Aber dieser Text macht deutlich, dass hier Menschen am Werk waren, die versucht haben, mit menschlicher Kraft das unendliche Wort Gottes aufzuschreiben und die dabei bis an den Rand ihrer menschlichen Kräfte gegangen sind. Es waren keine Theologen, die eine bestimmte theologische Sicht verkaufen wollten, es waren Menschen, die der Geist Gottes dazu befähigt hat, dies niederzuschreiben. Und diese Menschen, die hier inspiriert vom Heiligen Geists geschrieben haben, waren mehr als eine Schreibmaschine Gottes. Sie haben innerlich die Kämpfe und Auseinandersetzungen miterlebt und die großen Spannungen ertragen, von denen sie berichten, die Spannungen, die entstehen, wenn Gott selbst in diese verlorene Welt eintritt und den Herrschaftsbereich des Satans bedroht und letztlich vernichtet.

Dieser Spannung müssen wir uns einmal aussetzen, um zu verstehen, ob und wo wir selbst dieses Erleben des Eingreifen Gottes gehabt haben. Denn die Gemeinde ist mehr als eine gesellschaftliche Einrichtung, die von Menschen geleitet wird. Die lebendige Gemeinde ist Leib Christi, durch diese Gemeinden handelt Gott in dieser Welt, sie sind Vorboten der neuen Welt Gottes. Die Frage ist berechtigt: Wo hat Gott mich das letzte Mal wirklich so persönlich angesprochen, dass es mich überwältigt hat? Lasse ich das überhaupt zu? Darf in meiner Gemeinde überhaupt so gepredigt werden, dass Menschen dadurch verändert werden? Haben wir diese Erwartung?

Diese Fragen sind wie ein Spiegel, in dem wir unsere Arbeit sehen. Manchmal ist es vielleicht richtig, das wir eine gutgemeinte Predigt einfach wegwerfen und vor unseren HERRN treten und fragen, was ER denn der Gemeinde sagen möchte ohne gleich zu reflektieren, wie denn die Gemeinde auf eine solche Ansprache reagieren wird. Und wir sollten auch nicht gleich zu 1.Johannes 4,18 * fliehen: Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die völlige Liebe treibt die Furcht aus, denn die Furcht macht Pein; wer sich aber fürchtet, ist nicht vollkommen geworden in der Liebe.

Liebe zu Gott setzt voraus, dass ich Gott zunächst einmal begegne. Diese Begegnung ist weit mehr als eine theologische Einsicht, sie vollzieht sich in Kraft. Erst wenn ich die Kraft Gottes wenigstens ansatzweise erfahre, begegne ich Gott wirklich. Und in dieser Begegnung erfahre ich, dass Gott Liebe ist, dass sein Wort gut für mich ist, dass es mir den Weg zu einem Leben in Freude und Hoffnung eröffnet. Ja, wenn wir diesen zweiten Schritt nicht gehen, dann bedeutet die Begegnung mit Gott und die daraus resultierende Erfahrung seiner Kraft Pein. Jakobus, der Bruder des HERRN, bringt es auf den Punkt: Jakobus 2,19 *: Du glaubst, daß ein einziger Gott ist? Du tust wohl daran! Auch die Dämonen glauben es und zittern. Die theologische Einsicht ersetzt nicht die Glaubenserfahrung. Aber in dieser Glaubenserfahrung offenbart sich die unendliche Liebe Gottes und hebt die Furcht auf.

So ermutigt uns Markus und wie wir gelernt haben eigentlich Simon Petrus, unsere Glaubenserfahrungen zu hinterfragen und zu prüfen, ob wir die Kraft Gottes in unserem Leben verspüren. Und sie ermutigen uns, zu der Furcht, die daraus erwächst, zu stehen, so wie auch Simon Petrus zu den Fehlern steht, die er am Anfang seines Glaubenslebens gemacht hat. Denn in diesen Erfahrungen mit Gottes Handeln werden wir die große Liebe erfahren, die Gott zu uns hat und die uns ermöglicht, ihn wiederzulieben.

Das schenke uns unser auferstandener HERR.

AMEN

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Ostern 2022 - Auferstehung erleben - mein Fest der Auferstehung

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⇒ Ein weiterer Text zum Osterfest - Der Jubel über Ostern erfüllt das Alte wie das Neue Testament

⇒ Ein weiterer Text zum Osterfest - Triumph des Glaubens

⇒ Ein weiterer Text zum Osterfest - Den Frieden suchen und ihm nachjagen

Inhaltsverzeichnis zum Ostertext

Ostern 2022 - Auferstehung erleben - mein Fest der Auferstehung

Zusammenfassung

Der Ostermorgen in den Evangelien

Der Tag der Auferstehung - der weltweite Sonntag

Mein Tag der Auferstehung - meine Taufe

Fazit

Zusammenfassung

Die Auferstehung Jesu ist eine ständige Herausforderung an meinen Glauben. Sie ist der zentrale Punkt des Glaubens. Glaube ich an die Auferstehung Jesu, eines Menschen, der jämmerlich am Kreuz gestorben ist, dann glaube ich, dass ein Gott ist, der den toten Jesus zu neuem Leben auferweckt hat. Was sollte diesem Gott unmöglich sein? Ostern ist eine unglaubliche Geschichte. Aber sie ist erlebbar. Paulus lehrt uns, wie wir die Auferstehung Jesu erleben können, im Sonntag, dem Tag der Auferstehung, und in unserer Taufe, die zeichenhaft darstellt, dass wir mit Christus begraben und auferstanden sind.

Der Ostermorgen in den Evangelien

Über den Morgen der Auferstehung geben uns die Evangelien ein relativ klares Bild:

Matthäus Markus Lukas Johannes
Zum Grab Matthäus 28,1  *: Nach dem Sabbat aber, als der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria Magdalena und die andere Maria, um das Grab zu besehen. Markus 16,1-3  *: Und als der Sabbat vorüber war, kauften Maria Magdalena und Maria, des Jakobus Mutter, und Salome Spezereien, um hinzugehen und ihn zu salben. Und sehr früh am ersten Tage der Woche kamen sie zur Gruft, als die Sonne aufging. Und sie sagten zueinander: Wer wälzt uns den Stein von dem Eingang der Gruft? Lukas 24,1  *: Am ersten Tage der Woche aber, früh morgens, kamen sie zur Gruft und brachten die Spezereien, die sie bereitet hatten. Johannes 20,1  *(a): „Am ersten Tage aber der Woche kommt Maria Magdalena früh, als es noch finster war, zur Gruft“
Der Stein Matthäus 28,2-7   *: Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben, denn ein Engel des Herrn stieg vom Himmel herab, trat herzu und wälzte den Stein von der Tür hinweg und setzte sich darauf. Und seine Gestalt war wie der Blitz und sein Kleid weiß wie der Schnee. Vor seinem furchtbaren Anblick aber erbebten die Wächter und wurden wie tot. Der Engel aber wandte sich zu den Frauen und sprach: Fürchtet ihr euch nicht! Ich weiß wohl, daß ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommet her, sehet den Ort, wo er gelegen hat. Und gehet eilends hin und saget seinen Jüngern, daß er von den Toten auferstanden ist. Und siehe, er geht euch voran nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt. Markus 16,4-7   *: Und als sie aufblickten, sahen sie, daß der Stein weggewälzt war. Er war nämlich sehr groß. Und sie gingen in die Gruft hinein und sahen einen Jüngling zur Rechten sitzen, bekleidet mit einem langen, weißen Gewand; und sie erschraken. Er aber spricht zu ihnen: Erschrecket nicht! Ihr suchet Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten; er ist auferstanden, er ist nicht hier; sehet den Ort, wo sie ihn hingelegt hatten! Aber gehet hin, saget seinen Jüngern und dem Petrus, er gehe euch voran nach Galiläa. Daselbst werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. Lukas 24,2-7   *: Sie fanden aber den Stein von der Gruft weggewälzt. Und als sie hineingingen, fanden sie den Leib des Herrn Jesus nicht. Und es begab sich, als sie deswegen ratlos waren, siehe, da standen zwei Männer in strahlenden Kleidern bei ihnen. Da sie nun erschraken und das Angesicht zur Erde neigten, sprachen diese zu ihnen: Was suchet ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden! Denket daran, wie er zu euch redete, als er noch in Galiläa war und sagte: Des Menschen Sohn muß in die Hände sündiger Menschen überantwortet und gekreuzigt werden und am dritten Tage auferstehen. Johannes 20,1   * (b): „und sieht den Stein von der Gruft hinweggenommen.“
Das glaubt uns niemand Markus 16,8   *: Und sie gingen hinaus und flohen von der Gruft; denn ein Zittern und Entsetzen hatte sie befallen; und sie sagten niemand etwas, denn sie fürchteten sich.
Erinnerung an das Wort Jesu Lukas 24,8   *: Da erinnerten sie sich seiner Worte,
Zurück zu den Jüngern Matthäus 28,8   *: Und sie gingen eilends hinweg von dem Grab mit Furcht und großer Freude und liefen, es seinen Jüngern zu verkündigen. Lukas 24,9-11   *: kehrten vom Grabe zurück und verkündigten das alles den Elfen und allen übrigen. Es waren aber Maria Magdalena und Johanna und Maria, des Jakobus Mutter; sie und die übrigen sagten dies den Aposteln. Und ihre Worte kamen ihnen vor wie ein Märchen, und sie glaubten ihnen nicht. Johannes 20,2   *: Da läuft sie und kommt zu Simon Petrus und zu dem andern Jünger, den Jesus lieb hatte, und spricht zu ihnen: Sie haben den Herrn aus der Gruft genommen, und wir wissen nicht, wo sie ihn hingelegt haben!
Petrus und Johannes am Grab Lukas 24,12  *: Petrus aber stand auf und lief zur Gruft, bückte sich und sah nur die leinenen Tücher daliegen; und ging nach Hause, voll Staunen über das, was geschehen war. Johannes 20,3-10   *: Nun gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und begaben sich zu der Gruft. Die beiden liefen miteinander, und der andere Jünger lief voraus, schneller als Petrus, und kam zuerst zur Gruft, bückte sich hinein und sieht die leinenen Tücher daliegen, ging jedoch nicht hinein. Da kommt Simon Petrus, der ihm folgte, und geht in die Gruft hinein und sieht die Tücher daliegen und das Schweißtuch, das um sein Haupt gebunden war, nicht bei den Tüchern liegen, sondern für sich zusammengewickelt an einem besondern Ort. Darauf ging auch der andere Jünger hinein, der zuerst zur Gruft gekommen war, und sah und glaubte. Denn sie verstanden die Schrift noch nicht, daß er von den Toten auferstehen müsse. Nun gingen die Jünger wieder heim.
Jesus begegnet den Frauen Matthäus 28,9-10  *: Und siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: Seid gegrüßt! Sie aber traten herzu und umfaßten seine Füße und huldigten ihm. Da sprach Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Gehet hin, verkündiget meinen Brüdern, daß sie nach Galiläa gehen sollen; dort werden sie mich sehen. Markus 16,9-11   *: Als er aber früh am ersten Tage der Woche auferstanden war, erschien er zuerst der Maria Magdalena, von welcher er sieben Dämonen ausgetrieben hatte. Diese ging hin und verkündigte es denen, die mit ihm gewesen waren, welche trauerten und weinten. Und als diese hörten, daß er lebe und von ihr gesehen worden sei, glaubten sie es nicht. Johannes 20,11-18   *: Maria aber stand draußen vor der Gruft und weinte. Wie sie nun weinte, bückte sie sich in die Gruft und sieht zwei Engel in weißen Kleidern sitzen, den einen zu den Häupten, den andern zu den Füßen, wo der Leib Jesu gelegen hatte. Und diese sprechen zu ihr: Weib, was weinst du? Sie spricht zu ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben! Und als sie das gesagt, wendet sie sich um und sieht Jesus dastehen und weiß nicht, daß es Jesus ist. Jesus spricht zu ihr: Weib, was weinst du? Wen suchst du? Sie meint, es sei der Gärtner, und spricht zu ihm: Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir, wo du ihn hingelegt hast, so will ich ihn holen! Jesus spricht zu ihr: Maria! Da wendet sie sich um und spricht zu ihm: Rabbuni! (das heißt: Meister!) Jesus spricht zu ihr: Rühre mich nicht an, denn ich bin noch nicht aufgefahren zu meinem Vater. Gehe aber zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott. Da kommt Maria Magdalena und verkündigt den Jüngern, daß sie den Herrn gesehen und daß er solches zu ihr gesprochen habe.

Zum Grab:

Die Frauen haben am Ostermorgen Spezereien gekauft, um Jesus Ehre zu erweisen. Dass Nikodemus bereits reichlich für eine Balsamierung Jesu gesorgt hatte, war ihnen wohl nicht bekannt: Es kam aber auch Nikodemus, der vormals bei Nacht zu Jesus gekommen war, und brachte eine Mischung von Myrrhe und Aloe, etwa hundert Pfund. Also nahmen sie den Leib Jesu und banden ihn samt den Spezereien in leinene Tücher, wie die Juden zu begraben pflegen. (Johannes 19,39-40 *)

Auch ein Warten auf Jesu Auferstehung zogen sie nicht in Betracht. Der Schock über die Ereignisse um die Kreuzigung hatte sie und die Jünger noch fest im Griff und ließ keine Erinnerung an Jesu Worte zu, die er noch in der Nacht vor der Kreuzigung zu ihnen gesprochen hatte: In kurzem werdet ihr mich nicht mehr sehen, und wiederum in kurzem werdet ihr mich sehen, denn ich gehe zum Vater. Da sprachen etliche seiner Jünger zueinander: Was bedeutet das, daß er sagt: In kurzem werdet ihr mich nicht mehr sehen, und wiederum in kurzem werdet ihr mich sehen, und: Ich gehe zum Vater? Sie fragten nämlich: Was bedeutet das, daß er sagt: In kurzem? Wir wissen nicht, was er redet! Jesus merkte, daß sie ihn fragen wollten, und sprach zu ihnen: Ihr befraget einander darüber, daß ich gesagt habe: In kurzem sehet ihr mich nicht mehr, und wiederum in kurzem werdet ihr mich sehen? Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, ihr werdet weinen und wehklagen, aber die Welt wird sich freuen, ihr aber werdet trauern; doch eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden. (Johannes 16,16-20 *)

Sie kannten im Moment nur ein Problem: „Wer wälzt uns den Stein vom Grab weg?“ Damit sind sie eine Anfrage an uns. Wir haben unsere täglichen Probleme und die täglichen kleinen und großen Steine, die uns im Wege liegen. Aber an den Heilsplan Gottes erinnern wir uns, wenn es gut läuft, am Sonntag. Im Alltagsgeschäft verblasst diese Erinnerung leicht.

Der Stein:

Der Stein entfaltet eine erstaunliche Eigendynamik. Apostel Johannes berichtet ganz lapidar, dass der Stein hinweggenommen war. Die Gruft war offen. Er hat sich immer da, wo die Synoptiker schon ausführlich genug waren, zurückgehalten, so auch hier. Matthäus gibt den ausführlichsten Bericht. Fast klingt es so, als haben die Frauen mit angesehen, wie der Engel des Herrn den Stein wegwälzte. Aber wahrscheinlicher ist, dass er dies von den Wächtern erfahren hat, denn er berichtet in Vers 4: „Vor seinem furchtbaren Anblick aber erbebten die Wächter und wurden wie tot.“ Markus berichtet nur vom Ergebnis dieses Vorganges, dass ein Jünglich zur Rechten der Grabstelle saß, Lukas berichtet von zwei Männern, Apostel Johannes lässt diesen Teil ganz weg, berichtet aber später, als er die Begegnung Jesu mit Maria Magdalena beschreibt, von zwei Engeln in weißen Kleidern, einen am Kopfende, den anderen am Fußende. Simon Petrus und Apostel Johannes haben die Engel offenbar nicht gesehen oder übersehen, weil sie auf den Leichnam konzentriert waren.

Interessant ist, dass der Engel den Stein wegwälzen muss. Er spricht nicht im Namen Gottes ein Wort, damit der Stein sich wegbewegt, sondern er wälzt ihn weg, so wie jeder Mensch den Stein wegwälzen würde. Auch der Engel Michael wird nach Offenbarung 12,7-9 * mit dem Drachen kämpfen und ihn nicht durch ein einfaches Wort vernichten. Diese Beobachtungen zeigen uns, was auch dem Hebräerbrief ein wichtiges Anliegen ist: Jesus ist weit über die Engel gestellt (Hebräer 1-2 *).

So ist der Stein für uns ein Zeichen, dass wir unsere Vorbehalte, unsere Ängste getrost in Gottes Hand legen dürfen, denn er wird den Stein wegräumen. Wie und wann, das ist seine Sache. Aber er sorgt für uns. Er wird zur rechten Zeit das Wort sprechen: „Es ist genug!“ Er hat es gegenüber Hitler gesprochen, auch wenn er ihm 12 Jahre Zeit gelassen hat, er wird es gegenüber Putin sprechen, er wird es in meine persönlichen Anliegen hinein sprechen. Und all die Putins dieser Welt müssen wissen: Galater 6,7 * Der Apostel ermahnt die Hebräer: Gedenket eurer Führer, die euch das Wort Gottes gesagt haben; schauet das Ende ihres Wandels an und ahmet ihren Glauben nach! (Hebräer 13,7 *) Damit macht er eine positive Aussage, deren Umkehrung aber auch richtig ist und in den Psalmen im Nachdenken über das „Glück“ der Gottlosen formuliert wird: So sann ich denn nach, um dies zu verstehen; aber es schien mir vergebliche Mühe zu sein, bis ich in das Heiligtum Gottes ging und auf ihr Ende merkte. (Psalmen 73,16-17 *) Der Stein wird verschwinden.

Das glaubt uns niemand:

Dies wird wohl die erste Reaktion der Frauen gewesen sein, deswegen haben sie nicht gleich berichtet, was sie gesehen haben. Sie fürchteten sich offenbar vor dem, was sie gesehen haben, aber auch davor, für verrückt erklärt zu werden, wenn sie davon berichteten.

Erinnerung an das Wort Jesu:

Es ist erstaunlich, dass die Jünger so fassungslos über das waren, was da geschah. Nur der Apostel Johannes sagt von sich, dass er glaubte, nachdem er das leere Grab gesehen hatte. Die Frauen sind so verwirrt von dem leeren Grab, dass sie sich fürchteten, darüber überhaupt etwas zu erzählen.

Aber dann nimmt der Bericht eine entscheidende Wendung, die nur Lukas aufgefallen ist. Die Frauen, die sich fürchteten, ihre Geschichte zu erzählen, fassen plötzlich Mut, weil sie sich an Jesu Worte erinnerten. Und das ergibt die Wendung. Jetzt fassen sie Mut. Und hier müssen sich Simon Petrus und alle Apostel doch fragen lassen, wie sie mit den anderen, die Jesus auch nachfolgten umgegangen sind, dass diese sich in einer so entscheidenden Phase nicht trauen zu sagen, was sie gesehen haben.

Wir müssen uns fragen, ob wir in den Kreisen, für die wir Verantwortung tragen, ein Klima schaffen, in dem sich Menschen, die Erfahrungen mit Gott machen, trauen, davon zu erzählen. Und umgekehrt werden wir auch nach unserem Mut gefragt, Erlebnisse mit Gott zu erzählen.

Die Erinnerung an Jesu Wort hat die Frauen ermutig, von dem zu reden, was sie gesehen haben. Wir brauchen immer wieder diese Rückbesinnung auf das Wort Jesu, damit unser Zusammenleben in der Gemeinde, in den Hauskreisen fruchtbar wird. Es ist nicht unser freundliches Wesen, unsere soziale Kompetenz, die Menschen zum Gespräch ermutigt, obwohl auch diese Dinge nicht hinderlich sind. Es ist aber das prophetische Wort Jesu, das Menschen zusammenführt, das Brücken baut, das das Gesprächsklima schafft.

Zurück zu den Jüngern:

Nachdem sie sich an Jesu Wort erinnert haben, fassen die Frauen Mut und gehen zu den Jüngern und erzählen ihnen von dem leeren Grab. Und sie stoßen auf Unglauben, so wie sie es erwartet haben. Da sitzen die beiden, Simon Petrus und Apostel Johannes, von denen Paulus einmal sagen wird, dass sie für Säulen in der Gemeinde in Jerusalem gehalten werden (Galater 2,9 *) und erleben Heilsgeschichte, eine Heilsgeschichte, die Jesus ihnen vorhergesagt hat - und sie glauben es nicht. Die Frauen waren da schon weiter.

Wieder kann man den Rückschluss auf unsere kirchliche und gemeindliche Situation machen. Wie oft sind wir in unserem Tagesgeschäft gebunden und übersehen das Handeln Gottes. Deshalb haben auch die Gemeindeglieder, die betend beobachten, einen wichtigen geistlichen Dienst. Aber oft trauen sie sich nicht, dies auch zu sagen. Und die Gemeinde der Gläubigen, amtslastig, wie sie ist, besitzt keine Prozesse, solche Impulse aufzunehmen und zu prüfen, denn auch Prüfung ist nötig, damit die Gemeinde nicht von jedem Gerücht erschüttert wird. Immerhin scheint hier so etwas wie ein Prüfprozess zu entstehen.

Petrus und Johannes am Grab:

Matthäus hat es wohl gar nicht mitbekommen, Simon Petrus in seinen Predigten, aus denen Markus sein Evangelium schöpfte, wohl gar nicht erwähnt. Aber Lukas hat es bei seinen sorgfältigen Untersuchungen mitbekommen und Apostel Johannes hat es ergänzt, weil er auch dabei gewesen ist. Simon Petrus und Apostel Johannes laufen zum Grab, um zu prüfen, was die Frauen erzählt haben. Sie sind so mit sich selbst beschäftigt, dass sie die beiden Engel gar nicht sehen. Aber sie sehen, dass das Grab leer ist. Sie sehen die Tücher. Sie waren ordentlich zusammengewickelt. Hier ist nichts überstürzt geschehen. Das Grab war in einem ordentlichen Zustand. Hier ist eine Leiche ganz in Ruhe entfernt worden. Lukas berichtet über Simon Petrus: Er „ging nach Hause, voll Staunen über das, was geschehen war.“ Und Apostel Johannes berichtet über sich selbst: Er „sah und glaubte.“ Aber er berichtet auch: „Denn sie verstanden die Schrift noch nicht, dass er von den Toten auferstehen müsse.“

So gehen sie heim, ohne den Auferstandenen gesehen zu haben. Der Apostel Johannes glaubte, ohne sich bewusst zu sein, dass Jesus „auferstehen müsse“. Es war also ein rudimentärer Glaube, dass Jesus hier gehandelt haben muss oder Gott an Jesus gehandelt habe. Aber dieser Glaube war noch nicht in der Schrift angekommen, noch nicht mit den Worten Jesu verbunden.

Jesus war in diesem Augenblick ganz offenbar in der Nähe, hat sich aber den beiden Jüngern noch nicht offenbart. Er hat sie ziehen lassen, vielleicht auch deshalb, weil sie sich mit dem leeren Grab zufrieden gegeben haben, weil sie geschäftig zu den anderen Jüngern zurückgekehrt sind, weil sie ihren Auftrag damit als erledigt ansahen. Nicht so Maria Magdalena:

Jesus begegnet den Frauen:

Matthäus scheint als Jude nicht zu viel auf das Zeugnis von Frauen gegeben zu haben, denn er berichtet zwar, dass die Frauen Jesus gesehen haben, dass Jesus zu ihnen gesprochen habe und sie zu den Brüdern zurückgeschickt habe und eine Begegnung mit den Jüngern in Galiläa angekündigt habe. Und er sagt auch, dass die Frauen Jesu Füße umfasst haben, als sie ihm huldigten. Er scheint sich mit dieser Begegnung wohl nicht sonderlich genau befasst zu haben. Simon Petrus war da in seinem Zeugnis schon etwas genauer, denn Markus berichtet, dass Jesus der Maria Magdalena erschienen. Er berichtet nichts davon, dass Maria Magdalena Jesus angefasst habe. Auf diese Feinheiten hin ist der Apostel Johannes wohl häufiger in den Gemeinden angesprochen worden, so dass er in seinem Evangelium diese Begegnung genauer darstellt:

Maria Magdalena bleibt am Grab. Die beiden Apostel waren vermutlich nur kurz da, haben sich laut unterhalten und über die Situation gesprochen. Und als sie weg waren, war es vermutlich wieder ganz still, nur das Vogelgezwitscher war zu hören. Dies wird Maria Magdalena wohl als bedrohlich empfunden haben und der Schmerz übermannt sie wieder. Sie weint und geht wieder in das Grab und sieht wieder die zwei Engel, die sie bereits gesehen haben, als sie zu dritt morgens ans Grab gekommen waren, wie Markus berichtet. Diesen Engeln schüttet sie jetzt ihr Herz aus. Dabei hatten die drei Frauen ja bereits bei ihrem ersten Besuch am Grab erfahren, dass Jesus auferstanden ist: „Erschrecket nicht! Ihr suchet Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten; er ist auferstanden, er ist nicht hier; sehet den Ort, wo sie ihn hingelegt hatten!“

Die Engel tadeln die weinende Frau nicht, etwa nach dem Motto: „Warum bleibst du nicht bei den Jüngern, warum glaubst du nicht, was wir dir vorhin gesagt haben, da müsstest du doch fröhlich sein ...“ Stattdessen wenden sie sich ihr zu: „Weib, was weinst du?“ Der Unglaube der Maria Magdalena spricht klar aus ihre Frage: „Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben!“ Sie hat das alles noch nicht verarbeitet, es geht in ihrem Kopf hin und her. Einerseits ist da die Erinnerung an Jesu Wort, aber andererseits ist da das Faktum: «Der Leichnam ist weg.» Dass das eine mit dem anderen einen inneren Zusammenhang haben könnte, ist ihr unter dem Stress, unter dem sie stand, nicht bewusst geworden. Jesus überlässt sie nicht den Engeln am Grab, er erscheint selbst. Er hat auf Maria Magdalena gewartet. Nun tritt er hervor und spricht sie an. Die Wirbelwinde Petrus und Johannes hat er ziehen lassen. Sie hatten Wichtiges zu tun. Und Jesus stört uns nicht dabei, wenn wir meinen, wir haben Wichtigeres zu tun als ihm zu begegnen. Er lässt uns ziehen. Selbst wenn wir ganz wichtige Persönlichkeiten sind. Aber er begegnen der weinenden Maria Magdalena. Sie schaut nicht auf, als Jesus sie anspricht, sondern denkt, es ist der Gärtner und fragt wieder, wo der Leichnam sei. Auch Jesus beginnt nun keine Rede über den Unglauben, sondern er sagt nur ein Wort: „Maria“. Da erkennt sie Jesus.

Auch diese Begebenheit offenbart wieder, wie armselig unser von Hektik getriebenes Leben ist, wie es uns den Blick für das Wesentliche verstellt. Jesus erscheint dieser Frau, die verzweifelt am Grab stehen bleibt und lässt die Jünger ziehen. Er macht dieser Frau auch keine Vorwürfe, spricht sie nicht auf ihren Unglauben an, sondern er ruft sie mit ihrem Namen. Es gibt allerdings auch einen Trost für die hektischen Kirchenführer. Jesus wird mehrfach in ihre Sitzungen platzen. Allerdings wird er dabei auch ihren Unglauben schelten: Markus 16,14  *: Nachher offenbarte er sich den Elfen selbst, als sie zu Tische saßen, und schalt ihren Unglauben und ihres Herzens Härtigkeit, daß sie denen, die ihn auferstanden gesehen hatten, nicht geglaubt hätten. Es gibt also auch für uns christliche Apparatschiks eine Hoffnung, Jesus zu begegnen, allerdings fände es Jesus besser, wenn wir auf die hören, denen er begegnet, denn er richtet sich bei seiner Wahl nicht nach unseren Hierarchien.

Eine letzte Beobachtung soll diesem Text noch entnommen werden. Jesus sagt zu Maria Magdalena: „Rühre mich nicht an, denn ich bin noch nicht aufgefahren zu meinem Vater.“ (Johannes 20,17   *) Dieses ist insofern interessant, da wir einige Verse danach lesen, dass Thomas den Jüngern, denen Jesus mittlerweile auch begegnet ist, nicht glaubte: „Wenn ich nicht an seinen Händen das Nägelmal sehe und lege meinen Finger in das Nägelmal und lege meine Hand in seine Seite, so glaube ich es nicht!“ Johannes 20,25  * Jesus wird es ihm erlauben, er darf also Jesus berühren. Was lehrt uns dieser Unterschied?

Jesus gibt Maria Magdalena eine Begründung, warum sie ihn nicht anrühren soll: „... denn ich bin noch nicht aufgefahren zu meinem Vater.“ Diese Begründung bestand offenbar nicht mehr, als Jesus Thomas begegnete. Also war Jesus in der Zwischenzeit beim Vater. Maria Magdalena hat ihn also direkt nach der Auferstehung gesehen. Wie soll man sich Jesu Aufenthalt nach der Auferstehung vorstellen? Hat Jesus sich irgendwo versteckt gehalten und ist sporadisch aufgetaucht? Jesus hat sich nirgends versteckt. Er ist zum Vater gegangen oder in den Worten des Hebräerbriefes: Da wir nun einen großen Hohenpriester haben, der die Himmel durchschritten hat, Jesus, den Sohn Gottes, so lasset uns festhalten an dem Bekenntnis! (Hebräer 4,14 *) und an anderer Stelle dieser aber hat sich, nachdem er ein einziges Opfer für die Sünden dargebracht hat, für immer zur Rechten Gottes gesetzt und wartet hinfort, bis alle seine Feinde als Schemel seiner Füße hingelegt werden; denn mit einem einzigen Opfer hat er die, welche geheiligt werden, für immer vollendet. (Hebräer 10,12-14 *) Er hat die Himmel durchschritten und sich zur Rechten Gottes gesetzt.

Zeugen der Auferstehung

Von dort ist er nur noch gelegentlich zu den Menschen gekommen. Paulus berichtet es in 1.Korinther 15,3-9 *: Denn ich habe euch in erster Linie das überliefert, was ich auch empfangen habe, nämlich daß Christus für unsre Sünden gestorben ist, nach der Schrift, und daß er begraben worden und daß er auferstanden ist am dritten Tage, nach der Schrift, und daß er dem Kephas erschienen ist, hernach den Zwölfen. Darnach ist er mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal erschienen, von welchen die meisten noch leben, etliche aber auch entschlafen sind. Darnach erschien er dem Jakobus, hierauf sämtlichen Aposteln. Zuletzt aber von allen erschien er auch mir, der ich gleichsam eine unzeitige Geburt bin. Denn ich bin der geringste von den Aposteln, nicht wert ein Apostel zu heißen, weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe.

Paulus berichtet nur von den männlichen Zeugen der Auferstehung. Maria Magdalena fehlt in seiner Liste. Deswegen sagt er auch nicht, dass Jesus dem Simon Petrus (Kephas) zuerst erschienen sei. Aber die Gemeinde wurde im Altertum angegriffen, dass sie sich bei der Auferstehung Jesu auf das Zeugnis eines «halbrasendes» Weibes stütze. (Vgl. dazu Origenes, CONTRA CELSUM, II 59). Daher war es erforderlich, männliche Zeugen der Auferstehung zu benennen. Einzelheiten zu Celsus finden sich bei WIKIPEDIA

Der Tag der Auferstehung - der weltweite Sonntag

Römer 14,4-9 *: Wer bist du, daß du einen fremden Knecht richtest? Er steht oder fällt seinem Herrn. Er wird aber aufgerichtet werden; denn der Herr vermag ihn aufzurichten. Dieser achtet einen Tag höher als den andern, jener hält alle Tage gleich; ein jeglicher sei seiner Meinung gewiß! Wer auf den Tag schaut, schaut darauf für den Herrn, und wer nicht auf den Tag schaut, schaut nicht darauf für den Herrn. Wer ißt, der ißt für den Herrn; denn er dankt Gott, und wer nicht ißt, der ißt nicht für den Herrn und dankt Gott. Denn keiner von uns lebt sich selbst und keiner stirbt sich selbst. Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn; ob wir nun leben oder sterben, so sind wir des Herrn. Denn dazu ist Christus gestorben und wieder lebendig geworden, daß er sowohl über Tote als auch über Lebende Herr sei.

Dieser Text weist Vers 5 „Dieser achtet einen Tag höher als den andern, jener hält alle Tage gleich; ein jeglicher sei seiner Meinung gewiß!“ darauf hin, dass es offenbar um die Wochentage Streit in der Gemeinde gab. Dieser Streit ging offenbar so weit, dass die eine Gruppe die andere verurteilte. Es geht aus diesem Text nicht eindeutig hervor, ist aber wahrscheinlich, dass es dabei auch um die beachtung des Sonntags, des Tages der Auferstehung, ging. Möglicherweise waren dann auch noch solche in der gemeinde, die am Sabbat festhalten wollten und es gab die, die alle Tage gleich behandelten. Paulus wischt das hinweg und betont, dass es um den HERRN geht, nicht um die Beachtung bestimmter Tage.

Allerdings zeigt die Kirchegeschichte, dass der Sonntag seinen Siegeszug rund um die Welt angetreten hat. Selbst die Chinesen verwenden für den Sonntag ein besonderes Wort, «Tag der Sonne» oder «Tag der Woche», während sie alle anderen Wochentage nur durchzählen: Woche-Eins ist der Montag usw. So ist der Tag der Auferstehung Jesu rund um die Welt zu einem besonderen Tag geworden. Nur die Juden halten an ihrem Sabbat fest und der Islam hält am Freitag und grenzen sich damit ab. So begeht die Welt den Tag der Auferstehung Jesu in jeder Woche, allerdings ohne es recht zu realisieren.

Mein Tag der Auferstehung - meine Taufe

Paulus sagt der Gemeinde in Rom, dass dies auch nicht wesentlich sei.

Stattdessen ist jedem Christen ein besonderer Festtag gegeben, der uns mit Tod und Auferstehung Jesu verbindet: Unsere Taufe.

Römer 6,2-14  *: Das sei ferne! Wie sollten wir, die wir der Sünde gestorben sind, noch in ihr leben? Oder wisset ihr nicht, daß wir alle, die wir auf Jesus Christus getauft sind, auf seinen Tod getauft sind? Wir sind also mit ihm begraben worden durch die Taufe auf den Tod, auf daß, gleichwie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt worden ist, so auch wir in einem neuen Leben wandeln. Denn wenn wir mit ihm verwachsen sind zur Ähnlichkeit seines Todes, so werden wir es auch zu der seiner Auferstehung sein, wissen wir doch, daß unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, damit der Leib der Sünde außer Wirksamkeit gesetzt sei, so daß wir der Sünde nicht mehr dienen; denn wer gestorben ist, der ist von der Sünde losgesprochen. Sind wir aber mit Christus gestorben, so glauben wir, daß wir auch mit ihm leben werden, da wir wissen, daß Christus, von den Toten erweckt, nicht mehr stirbt; der Tod herrscht nicht mehr über ihn; denn was er gestorben ist, das ist er der Sünde gestorben, ein für allemal; was er aber lebt, das lebt er für Gott. Also auch ihr: Haltet euch selbst dafür, daß ihr für die Sünde tot seid, aber für Gott lebet in Christus Jesus, unsrem Herrn! So soll nun die Sünde nicht herrschen in eurem sterblichen Leibe, so daß ihr seinen Lüsten gehorchet; gebet auch nicht eure Glieder der Sünde hin, als Waffen der Ungerechtigkeit, sondern gebet euch selbst Gott hin, als solche, die aus Toten lebendig geworden sind, und eure Glieder Gott, als Waffen der Gerechtigkeit. Denn die Sünde wird nicht herrschen über euch, weil ihr nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade seid.

Paulus beschreibt hier die Taufe sehr anschaulich: „Wir sind also mit ihm begraben worden durch die Taufe auf den Tod“. Das Ostergeschehen spiegelt sich in der Taufe: Der Mensch, der getauft wird, wird untergetaucht ins Wasser, als einem Bild für das Begräbnis eines Gestorbenen. Der alte Mensch stirbt und wird begraben. Aber dies ist nur der Karfreitag. Der Mensch, der untergetaucht ist, wird von dem Täufer wieder emporgehoben aus dem Wasser in ein neues Leben: „auf dass, gleichwie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt worden ist, so auch wir in einem neuen Leben wandeln.“ Die Taufe spiegelt auch den Ostermorgen, das Auferstehen in ein neues Leben.

Damit ist etwas mit uns geschehen, wir sind im Tode mit Christus zusammengewachsen. Dies ist eine Tatsache, die wir im Glauben annehmen dürfen. Durch die Taufe sind wir mit Christus im Tode «verwachsen», eins geworden, verbunden. Dies ist Gegenstand unseres Glaubens. Wir lassen uns dieses Einssein mit Christus nicht nehmen, trotz aller Rückschläge, die wir als Christen erleben, trotz aller Unvollkommenheit, die wir an uns sehen, wenn wir uns an den Verheißungen des Neuen Testamentes messen. Wir sind durch die Taufe in seinen Tod mit ihm verwachsen, mit Christus eins geworden.

Aber das ist noch nicht alles: Wir sind auch mit ihm Verwachsen zur Ähnlichkeit seiner Auferstehung. Auch dies ist unser fester Glaube, aber es ist auch unsere Hoffnung, es ist noch nicht geschehen, sondern wir nehmen es als eine Verheißung unseres Herrn Jesus Christus an. Er hat die Himmel durchschritten und sitzt zur Rechten des Vaters. Und er sagt uns: Euer Herz erschrecke nicht! Vertrauet auf Gott und vertrauet auf mich! In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen; wo nicht, so hätte ich es euch gesagt. Ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten. Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, auf daß auch ihr seid, wo ich bin. (Johannes 14,1-3 *) Der Apostel Johannes berichtet es aus den Abschiedsreden Jesu, die er nach dem Abendmahl in der Nacht zum Freitag seiner Kreuzigung gehalten hat. Es ist ein Blick in unsere Zukunft, es ist eine Hoffnung, die Jesus Christus uns macht. Es ist eine Verheißung.

Auch diese Verheißung auf die Zukunft wollen wir uns nicht rauben lassen. Aber auf dem Weg dahin erleben wir immer wieder unsere Begrenztheit, dass wir eben der Sünde nicht so vollständig gestorben sind, wie wir es gerne hätten. Und dann will uns der satan einreden, dass wir eben nicht gut genug sind, dass wir versagt haben, dass wir aufgeben sollen. Aber Paulus ermutigt uns, indem er sagt: „Denn wer gestorben ist, der ist von der Sünde losgesprochen.“ Er sagt nicht, dass wir nicht mehr sündigen. Aber er sagt, dass die Sünde keine Gewalt mehr über uns hat, wir müssen der Sünde nicht mehr dienen. Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so verführen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns; wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigeit. (1.Johannes 1,8-9  *) Der Apostel Johannes schreibt hier nicht etwa, dass dies nur genau einmal und zwar bei unserer Taufe geschieht, sondern er weiß selbst, dass auch innerhalb der gemeinde immer wieder Sünde geschieht. Er möchte, dass wir demütig zu unserer Sündhaftigkeit stehen und die Gnade dessen in Anspruch nehmen, der „uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigeit.“ Und er geht sogar so weit, dass er uns warnt: Wenn wir sagen, wir haben nicht gesündigt, so machen wir ihn zum Lügner, und sein Wort ist nicht in uns. (1.Johannes 1,10  *) Ich bin ganz gewiss, dass der, der uns auffordert, unserem Bruder siebenmal siebzigmal zu vergeben, auch uns siebenmal siebzigmal vergibt. Denn Jesus hat uns nie größere Lasten auferlegt, als er selbst zu tragen bereit ist, ganz im Gegenteil, er ist es, der uns mitsamt unseren Lasten trägt.

Und so fordert uns Paulus nicht etwa auf, irgendwelche Satzungen aufzustellen, um unsere Heiligkeit zu demonstrieren. Er warnt die Gemeinde in Kolossä sogar davor: Wenn ihr mit Christus den Grundsätzen der Welt abgestorben seid, was lasset ihr euch Satzungen auferlegen, als lebtet ihr noch in der Welt? zum Beispiel: «Rühre das nicht an, koste jenes nicht, befasse dich nicht mit dem!» was alles durch den Gebrauch der Vernichtung anheimfällt. Es sind nur Gebote und Lehren von Menschen, haben freilich einen Schein von Weisheit in selbstgewähltem Gottesdienst und Leibeskasteiung, sind jedoch wertlos und dienen zur Befriedigung des Fleisches. (Kolosser 2,20-23 *) Er ruft uns auf, unser Christsein positiv zu leben als solche, die ihr Leben Gott geben, „ gebet euch selbst Gott hin, als solche, die aus Toten lebendig geworden sind, und eure Glieder Gott, als Waffen der Gerechtigkeit. Denn die Sünde wird nicht herrschen über euch, weil ihr nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade seid.“ Dies hat aber zur KOnsequenz, dass ich im Reich Gottes mitarbeite und nicht an den Werken des Satans anteil nehme. Da ist Paulus konsequent: „So soll nun die Sünde nicht herrschen in eurem sterblichen Leibe, so dass ihr seinen Lüsten gehorchet; gebet auch nicht eure Glieder der Sünde hin, als Waffen der Ungerechtigkeit“. Wo die Grenze verläuft, muss jeder für sich im Gebet vor Gott prüfen. Meist reicht es schon, wenn ich da, wo ich mitarbeite, fröhlich und locker von meinem Leben mit Jesus erzähle. Dann wird man sehr schnell bemerken, ob einem offene Ablehnung begegnet oder ob man als nützlicher Idiot eingestuft wird oder ob man eine wie auch immer geartete Offenheit spürt.

Epheser 2  *: Auch euch, die ihr tot waret, durch eure Übertretungen und Sünden, in welchen ihr einst wandeltet nach dem Lauf dieser Welt, nach dem Fürsten, der in der Luft herrscht, dem Geiste, der jetzt in den Kindern des Unglaubens wirkt, unter welchen auch wir alle einst einhergingen in den Lüsten unsres Fleisches, indem wir den Willen des Fleisches und der Gedanken taten; und wir waren Kinder des Zorns von Natur, gleichwie die andern. Gott aber, der da reich ist an Erbarmen, hat durch seine große Liebe, womit er uns liebte, auch uns, die wir tot waren durch die Sünden, samt Christus lebendig gemacht (aus Gnaden seid ihr gerettet) und hat uns mitauferweckt und mitversetzt in die himmlischen Regionen in Christus Jesus, auf daß er in den darauffolgenden Zeiten den überschwenglichen Reichtum seiner Gnade erzeigte durch Güte gegen uns in Christus Jesus. Denn durch die Gnade seid ihr gerettet, vermittels des Glaubens, und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme. Denn wir sind sein Werk, erschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, welche Gott zuvor bereitet hat, daß wir darin wandeln sollen. Darum gedenket daran, daß ihr, die ihr einst Heiden im Fleische waret und Unbeschnittene genannt wurdet von der sogenannten Beschneidung, die am Fleisch mit der Hand geschieht, daß ihr zu jener Zeit außerhalb Christus waret, entfremdet von der Bürgerschaft Israels und fremd den Bündnissen der Verheißung und keine Hoffnung hattet und ohne Gott waret in der Welt. Nun aber, in Christus Jesus, seid ihr, die ihr einst ferne waret, nahe gebracht worden durch das Blut Christi. Denn er ist unser Friede, der aus beiden eins gemacht und des Zaunes Scheidewand abgebrochen hat, indem er in seinem Fleische die Feindschaft (das Gesetz der Gebote in Satzungen) abtat, um so die zwei in ihm selbst zu einem neuen Menschen zu schaffen und Frieden zu stiften, und um die beiden in einem Leibe durch das Kreuz mit Gott zu versöhnen, nachdem er durch dasselbe die Feindschaft getötet hatte. Und er kam und verkündigte Frieden euch, den Fernen, und Frieden den Nahen; denn durch ihn haben wir beide den Zutritt zum Vater in einem Geist. So seid ihr nun nicht mehr Fremdlinge und Gäste, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, auferbaut auf die Grundlage der Apostel und Propheten, während Jesus Christus selber der Eckstein ist, in welchem der ganze Bau, zusammengefügt, wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn, in welchem auch ihr miterbaut werdet zu einer Behausung Gottes im Geist.

Angesichts der Fragen, die uns im vorangehenden Text Römer 6,2-14   * bewegt haben, wirkt der Text des Epheserbriefes fast leichtfüßig: „Denn durch die Gnade seid ihr gerettet, vermittels des Glaubens, und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme. Denn wir sind sein Werk, erschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, welche Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.“ Die Gnade errettet uns. Gott hat die guten Werke, die wir tun sollen, in denen wir wandeln sollen, die unser Leben bestimmen sollen, bereits bereitet, vorbereitet. Wir müssen sie nur noch tun, wenn sich die von Gott vorbereitete Gelegenheit ergibt. Eigentlich ist es ganz einfach und doch lassen wir so manche Möglichkeit verstreichen, weil wir zögern, scheinbar Wichtigeres zu tun haben. Er stellt uns immer wieder das Bild unseres früheren Menschen vor Augen, der Jesus nicht kannte, der die Verheißungen nicht kannte. Dies sagt der Apostel Paulus, der vor seiner Bekehrung ein gesetzestreuer Jude war und das Alte Testament sehr gut kannte. Viele von uns sind auch solche Menschen wie Paulus, die vieles schon von Jugend an kennen. Und doch ist da der Moment, in dem Jesus persönlich in mein Leben tritt und die Stimme des Geistes Gottes in mir Raum gefunden hat und ich gelernt habe, die Stimme Gottes aus den vielen Stimmen herauszuhören, die in mir sind. Diese Zeit meint Paulus, die Zeit, als wir, selbst wenn wir fromm erzogen wurden, doch Christus nicht als unseren persönlichen Herrn und Heiland erfahren haben. Er beschreibt uns als solche, die „mitauferweckt und mitversetzt in die himmlischen Regionen in Christus Jesus“ sind, „auf dass er in den darauffolgenden Zeiten den überschwenglichen Reichtum seiner Gnade erzeigte durch Güte gegen uns in Christus Jesus.“ Er sieht das Kreuz als einen Ort, an dem Versöhnung mit Gott geschieht, Versöhnung für Juden wie für Heiden. Er hat die Feindschaft mit Gott durch das Kreuz getötet und Frieden gestiftet, so dass wir durch Jesus Christus „Zutritt zum Vater in einem Geist“ haben.

All die Fragen, die wir noch in Römer 6,2-14  * gestellt haben, verstummen angesichts einer so herrlichen Verheißung: „So seid ihr nun nicht mehr Fremdlinge und Gäste, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, auferbaut auf die Grundlage der Apostel und Propheten, während Jesus Christus selber der Eckstein ist, in welchem der ganze Bau, zusammengefügt, wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn, in welchem auch ihr miterbaut werdet zu einer Behausung Gottes im Geist.“

Ja, wir sind Gottes Hausgenossen und wir lassen uns diese Gewissheit durch nichts und niemand rauben, auch durch die immer wiederkehrende Sünde nicht, denn wir wissen, dass es aus Gnade geschieht. Und das Zeichen für diese Gnade ist das Kreuz - von Menschen wurde das Kreuz geschaffen, um unbarmherziges Gericht zu auszuüben, und durch Gottes Ratschluss wurde es zum Zeichen seiner Gnade.

Kolosser 2,8-15 *: Sehet zu, daß euch niemand beraube durch die Philosophie und leeren Betrug, nach der Überlieferung der Menschen, nach den Grundsätzen der Welt und nicht nach Christus. Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig; und ihr habt alles völlig in ihm, welcher das Haupt jeder Herrschaft und Gewalt ist. In ihm seid ihr auch beschnitten mit einer Beschneidung, die ohne Hände geschehen ist, durch das Ablegen des fleischlichen Leibes, in der Beschneidung Christi, indem ihr mit ihm begraben seid in der Taufe, in welchem ihr auch mitauferstanden seid durch den Glauben an die Kraftwirkung Gottes, der ihn von den Toten auferweckt hat. Auch euch, die ihr tot waret durch die Übertretungen und den unbeschnittenen Zustand eures Fleisches, hat er mit ihm lebendig gemacht, da er euch alle Übertretungen vergab, dadurch, daß er die gegen uns bestehende Schuldschrift, welche durch Satzungen uns entgegen war, auslöschte und sie aus der Mitte tat, indem er sie ans Kreuz heftete. Als er so die Herrschaften und Gewalten auszog, stellte er sie öffentlich an den Pranger und triumphierte über sie an demselben.

Auch im Brief an die Kolosser finden wir dieses Bild: „Mit ihm begraben in der Taufe“ und das „Mitauferstanden durch den Glauben an die Kraftwirkung Gottes, der ihn (Jesus Christus) von den Toten auferweckt hat.“ Wir finden die klare Verheißung der Vergebung aller Übertretungen. Alles, was uns von Gott trennen kann, ist aus unserer Mitte getan, „indem er sie ans Kreuz heftete.“ Der Brief bejubelt den Sieg Jesu, der sich darin zeigt, dass er die bestehenden „Herrschaften und Gewalten“ völlig entwaffnete, ihnen ihre Macht nahm, sie öffentlich an den Pranger, das Kreuz, nahm und dort über sie triumphierte.

Dieser Vers 15 ist ein wichtiges Wort auch im Blick auf den Krieg in der Ukraine, der mich immer sehr an den deutschen Überfall auf Polen erinnert. Da ist ein Volk, das im Frieden leben möchte. Und da ist eine Weltmacht, die die Welt nach ihrem Belieben gestalten möchte. Und sie kann es tun. Gott schweigt. Und so mancher Geistliche segnet öffentlich die Aggressoren, bei den deutschen Christen war es so und Patriarch Kyrill I scheint sich nicht viel anders zu verhalten. Und doch solle sich keiner täuschen lassen von der Langmut Gottes: Schrecklich ist es, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen! (Hebräer 10,31 *)

1.Petrus 3,18-22 *: Denn auch Christus hat einmal für Sünden gelitten, ein Gerechter für Ungerechte, auf daß er uns zu Gott führte, und er wurde getötet nach dem Fleisch, aber lebendig gemacht nach dem Geist, in welchem er auch hinging und den Geistern im Gefängnis predigte, die einst nicht gehorchten, als Gottes Langmut zuwartete in den Tagen Noahs, während die Arche zugerichtet wurde, in welcher wenige, nämlich acht Seelen, hindurchgerettet wurden durchs Wasser. Als Abbild davon rettet nun auch uns die Taufe, welche nicht ein Abtun fleischlichen Schmutzes ist, sondern die an Gott gerichtete Bitte um ein gutes Gewissen, durch die Auferstehung Jesu Christi, welcher seit seiner Himmelfahrt zur Rechten Gottes ist, wo ihm Engel und Gewalten und Kräfte untertan sind.

Simon Petrus sieht in der Taufe ebenfalls das Bild der Auferstehung: „die an Gott gerichtete Bitte um ein gutes Gewissen, durch die Auferstehung Jesu Christi“ Unsere Sünden hat Jesus Christus ans Kreuz geheftet. Das Kreuz ist das Zeichen seiner Vergebung. Aber wir fragen und überlegen, ob denn Gott wirklich mit Christus alles getan habe. Denn unser Gewissen klagt uns an. Und hier setzt Simon Petrus ein weiteres Zeichen, die Taufe als „die an Gott gerichtete Bitte um ein gutes Gewissen, durch die Auferstehung Jesu Christi“ Wir sind es gewöhnt, für alles irgendwie bezahlen zu müssen. Ganz offensichtlich wollen wir das auch gerne, denn dann können wir hinterher sagen: „Ich habe es gemacht! Ich!“ Bei unserer Erlösung können wir nur sagen: „Christus hat es gemacht!“ Und genau da setzt die Anfechtung an: „Sollte da wirklich ausreichen?“ Und Paulus bekämpft diesen Gedanken ausdrücklich, etwa im Galaterbrief, in dem er klar macht, dass die Beschneidung neben dem Kreuz keinen Platz mehr hat. Der Satan hat immer eine Doppelstrategie. Normalerweise lockt er Menschen zu allerlei Dingen, die sie schädigen, krank machen oder ihre zwischenmenschlichen Beziehungen zerstören, etwa Alkohol, teure Statussymbole, Hurerei oder was auch immer. Aber dann sind da die Menschen, die gelernt haben, dass man so etwas nicht tut. Da kommt der Satan mit der Alternativstrategie: „Du musst das noch tun und du musst dort noch eine Aufgabe übernehmen ... Und das ist doch offensichtlich, mach's einfach, Verschwende keine Zeit mit Gebet um Gott zu fragen. Das sieht doch jeder, das hier was getan werden muss.“ Und der Mensch, der sich so treiben lässt und zum Apparatschik in seiner Kirchengemeinde wird, merkt gar nicht, wie der Heilige Geist zu ihm immer leiser und dann gar nicht mehr redet, weil längst ein anderer Geist diesen, scheinbar frommen Menschen treibt. Ich weiß selbst, wovon ich da rede.

Simon Petrus setzt dem die Bitte an Gott um ein gutes Gewissen entgegen. Epheser 2,10  * lesen wir von den „guten Werken, welche Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.“ Wenn wir diese guten Werke tun, dann ist es genug. Der Geist Gottes wird sie uns zeigen. Die Bitte an Gott um ein gutes Gewissen ist auch für den gestandenen Christen eine immerwährende Aufgabe.

Fazit

Die Botschaft von der Auferstehung Jesu ist die gewaltigste Botschaft, die die Welt kennt. Sie ist gut bezeugt durch die Aufzeichnungen der Evangelisten und durch einzelne Menschen, die Paulus einzelnen. Dass Jesus zunächst einer Frau, Maria Magdalena erschienen ist, wurde schon im Altertum gegen die Christen verwendet, weil das Zeugnis einer Frau nichts galt: «halbrasendes» Weib (Celsus).

Aber auch die Jünger selbst glaubten dem Zeugnis der Frauen nicht. Immerhin liefen sie zum Grab und fanden alles so, wie es die Frauen beschrieben hatten. Dieses führte dazu, dass einzelne glaubten.

Der Glaube an die Auferstehung Jesu und damit die Gewissheit, dass die Macht des Todes gebrochen ist, bleibt bis heute für jeden einzelnen Menschen eine Herausforderung. Andererseits ist der Glaube an die Auferstehung ein so starker Widerspruch gegen die menschliche Erfahrungswelt. dass er uns den Blick weitet für eine Realität Gottes, die weit über die Grenzen unseres Denkens hinausgeht.

Die Auferstehung Jesu führte dazu, dass die Christen den Sabbat durch den Sonntag, den Tag der Auferstehung Jesu, ablösten. Dieses hat sich weltweit durchgesetzt, eine Ausnahme bilden nur die islamischen Länder und Israel, das am Sabbat festhält.

So ist eigentlich jeder Sonntagsgottesdienst ein Fest der Auferstehung Jesu.

Der Vorgang des Sterbens Jesu und seiner Auferstehung spiegelt sich auch in unserer Taufe wieder. Durch die Taufe sind wir mit Tod und Auferstehung Jesu „verwachsen“, das bedeutet, ganz eng verbunden, eins geworden. So ist die Auferstehung Jesu nicht nur ein Ereignis im Leben Jesu, sondern sie ist auch eine Hoffnung für unser eigenes Leben. Sie soll uns immer wieder ermutigen, hoffnungsfroh in die Zukunft zu schauen, denn am Ende steht nicht der Tod, sondern das Leben mit Jesus, der uns verheißen hat, dass er uns im Himmel eine Wohnstatt bereiten will.

Allerdings setzen Tod und Auferstehung Jesu auch unserem eigenen Leistungsdenken Grenzen. Wir können zu unserer eigenen Errettung nichts beitragen. Jesus hat alles getan, was erforderlich ist. Dies widerspricht unserem Naturell. Wir möchten gerne selber etwas tun, was uns selbst als gut und wertvoll erscheinen lässt. Dem widerspricht Paulus vehement. Uns bleiben nur die „guten Werke, welche Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.“ Diese sind Konsequenz unsere Erlösung durch Jesus Christus. Aber sie sind nicht Ursache für unsere Erlösung. Diese Erlösung ist ausschließlich durch die Rettungstat Jesu bewirkt, durch nichts sonst.

Simon Petrus ermutigt uns, die Taufe auch als eine Bitte an Gott um ein gutes Gewissen zu verstehen. Der Geist Gottes wird sie uns zeigen, wo die Grenze zwischen den „guten Werken, welche Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen“ und frommer, aber hektischer Betriebsamkeit liegt. Die Bitte an Gott um ein gutes Gewissen ist daher auch für den gestandenen Christen eine immerwährende Aufgabe.



Der Kampf um die Freude am Handeln Gottes - Die Heilung eines Blindgeborenen

Der Kampf um die Freude am Handeln Gottes

Die Heilung eines Blindgeborenen

Manchmal kann man sich nicht einfach nur freuen, weil Bedenkenträger das Haar in der Suppe suchen und auch zu finden meinen, auf jeden Fall versuchen, uns die Freude zu verderben. Dieses musste ein Blindgeborener nach seiner Heilung durch Jesus erleben. Und dies erleben auch viele Christen, die sich über ihr persönliches Erleben mit Jesus Christus freuen, aber in ihrer Umgebung auf Unverständnis und Skepsis stoßen. Wir lesen die Geschichte vom Blindgeborenen als eine Geschichte eines Menschen, der etwas Außergewöhnliches mit Gott erlebt und dadurch in eine Auseinandersetzung gerät.

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Eine Andacht zur Allianzgebetswoche - Gottes Wort sendet uns in die Welt

Gottes Wort sendet uns in die Welt

Predigt zum Gebetsabend der evangelischen Allianz

Die Bitte Jesu um die Einheit der Christenheit erscheint unerfüllt in unserer Welt der Konfessionen. Aber indem wir das Wort Gottes unvoreingenommen auf uns wirken lassen, uns den wesentlichen Dingen zuwenden und Kreuz und Auferstehung in den Mittelpunkt rücken, ist viel Raum geschaffen für ein gemeinsames Handeln der Christen.

⇒ Der vollständige Text



Karfreitag 2022 - Der Skandal des Kreuzes

Inhaltsverzeichnis

Bibeltexte des Neuen Testamentes mit der Buchstabenfolge σκανδαλ (SKANDAL)

Wenn mein Körper mir zum Ärgernis wird

Wenn ein Mensch Jesus zum Ärgernis wird

Wenn Jesus zum Ärgernis wird

Ärgernisse in der Urgemeinde - die Briefe

Das Ärgernis überhaupt - das Kreuz

Jesu letzte Worte am Kreuz

Fazit

Bibeltexte des Neuen Testamentes mit der Buchstabenfolge σκανδαλ (SKANDAL)

Diesen Abschnitt finden Sie unter ⇒ Suchlauf mit der Buchstabenfolge σκανδαλ (SKANDAL)

Wenn mein Körper mir zum Ärgernis wird

Das σκανδαλα (skandala) ist das kleine Holz, das eine Falle gespannt hält. Wenn es entfernt wird, schnappt die Falle zu und tötet die Maus. Die Maus durchschaut die Zusammenhänge nicht und entfernt dieses Holz, weil es an das Futter kommen möchte. Das ist ein übler Trick des Menschen, um sich von der Mäuseplage zu befreien. Aus welchen Gründen die Maus nach dem Futter greift, ob es eine Mäusemama ist, die Futter für ihre kleinen Mäuse sucht oder ob es einfach nur eine verfressene Maus ist, die zwar schon satt ist, aber aus Lust noch einen weiteren Happen schnappen will, ist der Mechanik der Falle ganz egal. Sie schnappt zu und die Maus wird erschlagen.

Auch auf unserem Lebensweg finden sich solche Fallen. Jesus warnt uns davor, dass uns unser eigener Körper zu einer solchen Falle werden kann. Er hält das für so bedrohlich, dass er sagt: Wenn dir aber dein rechtes Auge ein Anstoß zur Sünde wird, so reiß es aus und wirf es von dir. Denn es ist besser für dich, daß eins deiner Glieder verloren gehe, als daß dein ganzer Leib in die Hölle geworfen werde. (Matthäus 5,29 *) Und ebenso spricht er über die Hand und den Fuß. Er konfrontiert uns also zunächst einmal mit dem Skandal der Sünde. Wir teilen in unserem öffentlichen Leben diese Einschätzung Jesu: Sobald von einem Menschen Verfehlungen oder, im Klartext, Sünden bekannt werden, dann regen wir uns sehr darüber auf und stellen diesen Menschen und seine Qualifikation in Frage. Leider ist es bei uns selbst anders. Da wird dann aus einer Sünde ein Fehltritt, es entstehen Erinnerungslücken, wir wiegeln ab. Aber Jesus ist da ganz klar: Besser abreißen als in die Hölle geworfen zu werden. Und Jesus weiß, wovon er spricht. Wir verharmlosen die Hölle gerne, glauben gar nicht, dass es so etwas gibt. Nicht so Jesus.

Wenn ein Mensch Jesus zum Ärgernis wird

Es gibt eine ganz dramatische Situation in der Beziehung zwischen Jesus und Simon Petrus kurz nach dem Messiasbekenntnis des Simon Petrus: Matthäus 16,15-20  * Simon Petrus wird in diesem Augenblick sicher ein Hochgefühl erlebt haben, weil sein Meister ihn solcherart gelobt hat und ihn auch so deutlich ermächtigt hat, „des Himmelreichs Schlüssel“ zu verwalten. Aber dann muss er hören, wie Jesus sein Leiden ankündigt. Und als er Jesus trösten will: „Herr, schone deiner selbst! Das widerfahre dir nur nicht!“ da fährt Jesus ihn an. Er aber wandte sich um und sprach zu Petrus: Hebe dich weg von mir, Satan! Du bist mir zum Fallstrick; denn du denkst nicht göttlich, sondern menschlich! (Matthäus 16,23 *) Simon Petrus wird für Jesus zum SKANDALON, zu einem Ärgernis, zu einer tödlichen Falle, dabei hat er es doch gut gemeint. So kann ein gut gemeintes Wort zu einem bösen Fallstrick werden. Auch damit warnt Jesus uns. Wenn wir reden, wenn wir seelsorglich reden, dann brauchen wir eine ganz enge Beziehung zum Heiligen Geist, damit wir nicht mit gut gemeintem, menschlichem Rat plötzlich gegen den göttlichen Willen handeln.

Wenn Jesus zum Ärgernis wird

Aber auch Jesus selbst wird zum Ärgernis. Er erklärt in den Abschiedsreden auch, warum das so ist: Johannes 15,22-24 * Jesus hat es ihnen gesagt und durch seine Werke auch seine Vollmacht dazu erwiesen. Und deshalb können sie nicht mehr weitermachen wie bisher. Die Zeit hat sich gewandelt. In Jesus hat sich Prophetie erfüllt. Und jetzt sind alle Menschen gefordert, daraus Konsequenzen zu ziehen. Einige tun dies auch, andere aber ärgern sich. Sie haben sich etwas ganz anderes gewünscht, jemanden, der die Römer vertreibt. Was bedeutet es schon, dass in Galiläa alle geheilt werden, wenn Galiläa noch von den Römern besetzt ist. Noch schlimmer war es für die religiösen Führer, die sich gerne gegenseitig lobten für ihre vollmächtige Predigt. Und nun kommt da jemand daher - auch noch aus Galiläa - und es heißt über diesen Jesus: Und es begab sich, als Jesus diese Rede beendet hatte, entsetzte sich das Volk über seine Lehre. Denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat, und nicht wie ihre Schriftgelehrten. (Matthäus 7,28-29 *)

Wir träumen gerne von der Zukunft, von dem, was wir erreichen wollen, aber wenn es dann konkret wird, dann hätten wir es doch lieber anders. Da beten wir um einen Job. Und wenn wir ihn haben, dann sehen wir die Kollegen, die mehr verdienen als wir und denken: „Warum der, warum nicht ich, ...“ und sind unzufrieden. Alle die Pharisäer, mit denen Jesus zu tun hatte, haben sicherlich schon vielfach über den kommenden Messias nachgedacht, gesprochen und gepredigt. Aber jetzt, wo er da ist, da war er ihnen nicht genug: „Forsche nach, und du wirst sehen, daß aus Galiläa kein Prophet ersteht!“ (Johannes 7,52 *)

So einfach kann man es sich machen, wenn einem die Realität nicht gefällt. Und so finden wir viele Stellen in den Evangelien, in denen Jesus immer wieder darauf hingewiesen wird, dass er ein Ärgernis sei, für die Schriftgelehrter, für die Pharisäer und auch für viele, die auf diese Respektspersonen hören. Und Jesus ist damit ganz klar. Das geht nicht nur ihm so, das wird allen so gehen, die das Evangelium verkündigen. Paulus musste es erfahren, Simon Petrus ebenso und viele namenlose Märtyrer bis auf den heutigen Tag: Solches habe ich zu euch geredet, damit ihr keinen Anstoß nehmet. Sie werden euch aus der Synagoge ausschließen; es kommt sogar die Stunde, wo jeder, der euch tötet, meinen wird, Gott einen Dienst zu erweisen. Und solches werden sie euch tun, weil sie weder den Vater noch mich kennen. Ich aber habe euch solches gesagt, damit, wenn die Stunde kommt, ihr daran denket, daß ich es euch gesagt habe. Solches aber habe ich euch nicht von Anfang an gesagt, weil ich bei euch war. (Johannes 16,1-4 *) Jesus hat uns darauf vorbereitet, um unseren Glauben zu stärken. Er will uns davor bewahren, dass Zeiten der Verfolgung, der Not, uns zum Anstoß werden, dass auch wir, wie die Pharisäer und die Schriftgelehrter, an ihm irre werden, weil wir falsche Erwartungen haben.

Ärgernisse in der Urgemeinde - die Briefe

Jesus hat eine sehr klare Aufforderung an seine Gemeinde, an seine Jünger formuliert: Ein neues Gebot gebe ich euch, daß ihr einander liebet; daß, wie ich euch geliebt habe, auch ihr einander liebet. Daran wird jedermann erkennen, daß ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt. (Johannes 13,34-35  *) Nicht unsere geistlichen Impulse, nicht Prophetie oder Schriftkenntnis, nicht einmal Rechtgläubigkeit ist der Maßstab. Der Maßstab ist die Liebe untereinander. Paulus greift es in 1.Korinther 13 * auf: „Wenn ich mit Menschen und Engelzungen rede, aber keine Liebe habe, so bin ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. Und wenn ich weissagen kann und alle Geheimnisse weiß und alle Erkenntnis habe, und wenn ich allen Glauben besitze, so daß ich Berge versetze, habe aber keine Liebe, so bin ich nichts. Und wenn ich alle meine Habe austeile und meinen Leib hergebe, damit ich verbrannt werde, habe aber keine Liebe, so nützt es mir nichts!“ Simon Petrus sieht das Ziel aller unserer Bemühungen in der Liebe: Nachdem ihr eure Seelen durch Gehorsam gegen die Wahrheit gereinigt habt zu ungeheuchelter Bruderliebe, so liebet einander nachhaltig und von Herzen, als die da wiedergeboren sind nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen, durch das lebendige und bleibende Gotteswort! (1.Petrus 1,22-23 *) Im zweiten Brief macht er dies noch deutlicher, dass die Liebe das Ergebnis all unserer geistlichen Erkenntnisse und Erfahrungen ist: Nachdem seine göttliche Kraft uns alles, was zum Leben und zur Gottseligkeit dient, geschenkt hat, durch die Erkenntnis dessen, der uns kraft seiner Herrlichkeit und Tugend berufen hat, durch welche uns die teuersten und größten Verheißungen geschenkt sind, damit ihr durch dieselben göttlicher Natur teilhaftig werdet, nachdem ihr dem in der Welt durch die Lust herrschenden Verderben entflohen seid, so setzet nun all euren Fleiß zu dem hinzu und reichet dar in eurem Glauben die Tugend, in der Tugend aber die Erkenntnis, in der Erkenntnis aber die Enthaltsamkeit, in der Enthaltsamkeit aber die Ausdauer, in der Ausdauer aber die Gottseligkeit, in der Gottseligkeit aber die Bruderliebe, in der Bruderliebe aber die Liebe zu allen Menschen. (2.Petrus 1,3-7 *) Der Apostel Johannes schreibt seinen ersten Brief praktisch als eine Aufforderung zur Liebe: Wer nun bekennt, daß Jesus der Sohn Gottes ist, in dem bleibt Gott und er in Gott. Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat; Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. Darin ist die Liebe bei uns vollkommen geworden, daß wir Freimütigkeit haben am Tage des Gerichts, denn gleichwie Er ist, so sind auch wir in dieser Welt. (1.Johannes 4,15-17 *) Im dritten Brief, den er an einen Gajus schreibt, betont er, dass er Gutes von Gajus gehört hat: Sie haben von deiner Liebe Zeugnis abgelegt vor der Gemeinde. Du wirst wohltun, wenn du ihnen ein Geleite gibst, wie es Gottes würdig ist; denn um seines Namens willen sind sie ausgezogen, ohne von den Heidnischen etwas anzunehmen. (3.Johannes 1,6-7 *) Das Gute, das über Gajus zu berichten ist, besteht in der Liebe.

So sollte man nun meinen, dass die Liebe in den Gemeinden Jesu von solcher bedeutung ist, dass dort kein Fallstrick, kein SKANDALON, besteht. Aber bereits Paulus musste in den Briefen sich mit den vielen Fallstricken und Ärgernissen auseinandersetzen, die es in den Gemeinden Jesu bis auf den heutigen Tag gibt.

Er betont im Römerbrief zunächst, dass es nicht verwunderlich ist, dass Jesus für viele zum SKANDALON wird. Er zitiert dazu den Propheten Jesaja: Heiliget aber den HERRN der Heerscharen; der flöße euch Furcht und Schrecken ein! So wird er zum Heiligtum werden; aber zum Stein des Anstoßes und zum Fels des Strauchelns den beiden Häusern Israels, zum Fallstrick und zur Schlinge den Bewohnern Jerusalems, (Jesaja 8,13-14 *) und den König David: (H69-23) Ihr Tisch vor ihnen müsse zur Schlinge werden und den Sorglosen zum Fallstrick! (Psalmen 69,22 *) Während es bei Jesaja um die Gottesbegegnung Israels geht, die Paulus hier im Erscheinen des Messias sieht, ist es bei David der Messias selbst, der spricht. Aber beide Verse betreffen nicht die Gemeinde Jesu, sondern das Volk, das seinen Messias nicht erkennt.

In den folgenden Stellen geht es darum, dass das SKANDALON in der Gemeinde selbst angekommen ist. Lehrmeinungen behindern die Liebe. Wie kann das sein, wo doch Jesus ganz klare Prioritäten gesetzt hat: Daran wird jedermann erkennen, daß ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt. (Johannes 13,35  *) Die Lehrmeinung ist uns noch wichtiger als die Liebe. Lieber trennen wir uns, als dass wir die lieben, deren Haltung wir nicht für richtig halten. Paulus hat das Gefahrenpotential, die Sprengkraft, die darin liegt, klar erkannt und ermahnt die Gemeinde: Ich ermahne euch aber, ihr Brüder, gebet acht auf die, welche Trennungen und Ärgernisse anrichten abseits von der Lehre, die ihr gelernt habt, und meidet sie. (Römer 16,17 *) Paulus fordert die Gemeinde in Rom auf, solche zu meiden, die „Trennungen und Ärgernisse“ anrichten.

Paulus fordert die Gemeinde also nicht auf, sich von denen zu trennen, die nicht die richtige Meinung zum Götzenopferfleisch haben, Paulus fordert die Gemeinde auf, die zu meiden, die Trennungen verursachen, „Trennungen und Ärgernisse“. Im Brief an die Korinther geht er noch weiter und sagt: Darum wenn eine Speise meinem Bruder zum Anstoß wird, so will ich lieber in Ewigkeit kein Fleisch essen, damit ich meinem Bruder keinen Anstoß gebe. (1.Korinther 8,13 *) Die Botschaft ist relativ klar. Die Liebe ist wichtiger als alles andere, also verzichte ich aus Liebe gerne auf das Fleisch, damit ich den Bruder oder die Schwester nicht verliere. Er stellt uns die Frage nach unseren Prioritäten: Die Gemeinschaft der Gläubigen ist wichtiger als der Fleischgenuss.

Allerdings darf man Paulus auch nicht missverstehen. Er kann durchaus zum Kämpfer werden, wenn er die Mitte des Evangeliums in Gefahr sieht. Das musste Simon Petrus erfahren, als er in Galatien eine Schaukelpolitik betrieb und die Tischgemeinschaft mit den Heiden abbrach: Bevor nämlich etliche von Jakobus kamen, aß er mit den Heiden; als sie aber kamen, zog er sich zurück und sonderte sich ab, weil er die aus der Beschneidung fürchtete. Und es heuchelten mit ihm auch die übrigen Juden, so daß selbst Barnabas von ihrer Heuchelei mitfortgerissen wurde. Als ich aber sah, daß sie nicht richtig wandelten nach der Wahrheit des Evangeliums, sprach ich zu Petrus vor allen: Wenn du, der du ein Jude bist, heidnisch lebst und nicht jüdisch, was zwingst du die Heiden, jüdisch zu leben? Wir sind von Natur Juden und nicht Sünder aus den Heiden; da wir aber erkannt haben, daß der Mensch nicht aus Gesetzeswerken gerechtfertigt wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus, so sind auch wir an Christus Jesus gläubig geworden, damit wir aus dem Glauben an Christus gerechtfertigt würden, und nicht aus Gesetzeswerken, weil aus Gesetzeswerken kein Fleisch gerechtfertigt wird. (Galater 2,12-16 *) Er nennt das Verhalten des Apostels Simon Petrus Heuchelei und findet deutliche Worte. An einer anderen Stelle spricht er über die, die Jesus Christus nicht lieben: So jemand den Herrn Jesus Christus nicht liebt, der sei verflucht! Maranatha! (1.Korinther 16,22 *) Nur der Heilige Geist kann uns im Einzelfall lehren, wo die Grenze ist. Meist ist aber unser Herz viel zu klein, die Weite auszuschöpfen, die uns das Evangelium eröffnet. Wir hängen an ganz bestimmten Dingen und wollen sie gerne in unserer gemeinde wiederfinden, sonst finden wir uns darin nicht zu Hause. Nur sollten wir prüfen, ob wir diese Dinge nicht mehr lieben als unseren HERRN und mehr lieben als unseren Bruder oder unsere Schwester.

Das Ärgernis überhaupt - das Kreuz

1.Korinther 1,22-23 *: Während nämlich die Juden Zeichen fordern und die Griechen Weisheit verlangen, predigen wir Christus den Gekreuzigten, den Juden ein Ärgernis, den Griechen eine Torheit;

Paulus bezeichnet nun das Kreuz als Ärgernis für die Juden und Torheit für die Griechen. Und er sagt auch, warum das Kreuz für die Juden ein Ärgernis ist: Ich aber, meine Brüder, wenn ich noch die Beschneidung predigte, würde ich dann noch verfolgt? Dann hätte das Ärgernis des Kreuzes aufgehört! (Galater 5,11  *) Das Kreuz ist deshalb ein Ärgernis, weil es die menschliche Tat ablöst. Nicht das fromme Handeln des Menschen - hier die Beschneidung - macht den Menschen gerecht, sondern das Kreuz, das Kreuz Jesu. Paulus wird nicht müde, immer wieder davon zu reden, wieviel besser die Errettung durch das Kreuz ist: Denn ihr, meine Brüder, seid zur Freiheit berufen; nur machet die Freiheit nicht zu einem Vorwand für das Fleisch, sondern durch die Liebe dienet einander. Denn das ganze Gesetz wird in einem Worte erfüllt, in dem: «Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.» (Galater 5,13-14 *)

Warum ist das so? Warum sind wir Menschen nicht bereit, die Freiheit zu wählen, sondern suchen den mühseligen Weg? Warum waren die Hohenpriester nicht bereit, diesem Jesus, der durch so viele Wunderzeichen als Sohn Gottes ausgewiesen ist, die Bürde ihres Amtes zu übergeben. Ganz sicher werden sie immer wieder darüber geseufzt haben, wie schwer es ist in dieser Zeit römischer Besatzung Hohenpriester zu sein, wie man zwischen Rom und den Erwartungen des jüdischen Volkes lavieren muss, wie immer wieder Aufruhr entsteht, wie der Terrorismus überhand nimmt. Und da kommt jemand, auch noch aus Galiläa, aus keiner der führenden Familien Israels, vermutlich sogar ein uneheliches Kind, das von einem römischen Soldaten gezeugt worden ist und tut Wunder und behauptet, der Messias zu sein. Das kann nicht sein, das darf gar nicht sein. Das werden wir schon sehen.

Ihr Plan ist eigentlich genial: „Wir schlagen ihn ans Kreuz. Ist er der Messias, so wird das gar nicht möglich sein. Ist er es nicht, so hat er seine gerechte Strafe, denn er hat Gott gelästert.“ Aber was steckt hinter diesem Plan: Dahinter steht ein Gottesbild. Wenn Gott sich so verhält, wie ich es mir mit meinem Verstand ausmale, dann soll er mein Gott sein. Wenn er das nicht tut, dann will ich nichts mit ihm zu tun haben. Ich, der Mensch, entscheide, wie ein richtiger Gott zu sein hat. Ich, kein anderer.

Es ist die Arroganz der Macht, die den Karfreitag bestimmt: Wir wissen, wie Gott zu handeln hat ... Und es ist dieser Judas Iskarioth, der sich von solchen Gedanken blenden lässt, der sich zu ihrem Handlanger machen lässt. Er verrät Jesus. Er holt die Häscher in der Nacht zu Jesus, damit sie ihn, ohne Aufsehen zu erregen, in der Dunkelheit des Ölbergs festnehmen können. Und es gelingt. Man kann diesen Messias festnehmen, ohne dass irgend etwas Bemerkenswertes geschieht. Egentlich war jetzt schon der Beweis gelungen. Den Messias des lebendigen Gottes hält niemand auf, den kann man nicht festnehmen. Der stellt das Reich Davids wieder her. Selbst die Jünger hatten diese Erwartung, wie ihre Frage bei Jesu Himmelfahrt zeigt: Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, gibst du in dieser Zeit Israel die Königsherrschaft wieder? Er sprach zu ihnen: Es ist nicht eure Sache, Zeiten oder Stunden zu kennen, welche der Vater in seiner eigenen Macht festgesetzt hat; sondern ihr werdet Kraft empfangen, wenn der heilige Geist über euch kommt, und werdet Zeugen für mich sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samaria und bis ans Ende der Erde! (Apostelgeschichte 1,6-8 *)

Also ist das Kreuz das Zeichen, dass Jesus nicht der Messias ist? Für die Jünger, die dem Auferstandenen begegneten, bestand überhaupt kein Zweifel: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!“ hatte Simon Petrus schon vor der Passion Jesu bekannt (Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes! (Matthäus 16,16  *)). Viele Juden schlossen sich dieser Meinung an, denn auf die Pfingstpredigt des Simon Petrus hin „wurden an jenem Tage etwa dreitausend Seelen hinzugetan.“ (Apostelgeschichte 2,41 *) Und die gemeinde wuchs weiter, denn später heißt es: Durch die Hände der Apostel aber geschahen viele Zeichen und Wunder unter dem Volk; und sie waren alle einmütig beisammen in der Halle Salomos. Von den übrigen aber wagte keiner sich ihnen anzuschließen; doch das Volk schätzte sie hoch; und immer mehr wurden hinzugetan, die an den Herrn glaubten, eine Menge von Männern und Frauen, so daß man die Kranken auf die Gassen hinaustrug und sie auf Betten und Bahren legte, damit, wenn Petrus käme, auch nur sein Schatten einen von ihnen überschattete. Es kamen aber auch viele aus den umliegenden Städten in Jerusalem zusammen und brachten Kranke und von unreinen Geistern Geplagte; die wurden alle geheilt. (Apostelgeschichte 5,12-16 *) Die Gemeinde wuchs und der Kreis der Sympathisanten im Volk war erheblich.

Dabei war die Sache theologisch doch völlig klar: Hat jemand eine Sünde an sich, die ein Todesurteil nach sich zieht, und er wird getötet und an ein Holz gehängt, so soll sein Leichnam nicht über Nacht an dem Holze bleiben, sondern du sollst ihn an demselben Tage begraben. Denn ein Gehängter ist von Gott verflucht, und du sollst dein Land nicht verunreinigen, das der HERR, dein Gott, dir zum Erbe gibt. (5.Mose 21,22-23  *) Dieser Jesus ist von Gott verflucht, denn er hat am Kreuz gehangen. Der rechtgläubige Jude durfte jetzt nicht auf die Werke schauen, denn die Schrift ist hier unmissverständlich. Wie passt das zusammen: „von Gott verflucht“ und Messias. Das passt gar nicht zusammen, für einen rechtgläubigen Juden ist Jesus ein Verfluchter Gottes, ein SKANDALON, ein Ärgernis. Und all seine Taten sind damit auch nicht von Gott, wie groß sie auch sein mögen.

Nun gibt es ja nicht nur rechtgläubige Juden, sondern auch rechtgläubige Christen, von all den anderen Religionen und Philosophien ganz zu schweigen. Diesen Menschen ist eines gemeinsam: Sie haben es begriffen. Dabei bleibt offen, was das «es» überhaupt ist, aber, «Sie haben es begriffen». Und weil sie «es» begriffen haben, darum hat sich auch Gott daran zu halten und so zu agieren, wie sie es für richtig halten. Dahinter steckt die arrogante Vorstellung: „Mein Verstand reicht aus, «es» zu begreifen.“ Diese Überheblichkeit finden wir übrigens nicht nur bei einfältigen Frommen, wir finden sie genau so bei Theologen, die meinen, entscheiden zu können, was verlässliches Jesus wort ist und was andere später hinzugedichtet haben, die meinen, ein Buch auf die Zeit nach der Eroberung Jerusalems datieren zu müssen, weil in diesem Buch Jesus über Jerusalem die Worte in den Mund gelegt werden: Siehe, euer Haus wird euch öde gelassen werden; (Matthäus 23,38 *) Der wissenschaftlich denkende Mensch weiß offenbar, dass es keine Prophetie gibt. Und er kann mit seinem Verstand alles durchdringen. All diesen Menschen ist das Kreuz ein SKANDALON, ein Ärgernis, aber, wie man SKANDALON auch übersetzen kann, ein Fallstrick, etwas, was die menschliche Arroganz ins Stolpern bringt, was mein festgefügtes Weltbild zerschlägt.

Das Wort Gottes kommt nicht als ein einzelner Vers daher, sondern hier spricht der unendliche Gott, der auf unsere Welt mit ihren für uns unvorstellbar großen Weiten und unvorstellbar langen Zeiträumen wie auf ein kleines Aquarium schaut und alles, was in Zeit und Raum geschieht, mit einem Blick erfasst. Wir dagegen haben mit einem Buch, der Bibel, schon Schwierigkeiten, es durchzulesen. Noch viel größere Schwierigkeiten haben wir, es in all seiner Tiefe zu erfassen. Es sind immer einzelne Kernaussagen, die uns bewegen und auf die wir unseren Glauben aufbauen. Und dabei vergessen wir leicht, dass Gott größer ist als unser Verstand. Wer dies nicht wahr haben will oder ablehnt, der mag sich ruhig aus der Sache mit Jesus verabschieden. Das ist dann ehrlicher, als Jesus in meine beschränkte Erkenntnis hineinzubasteln.

Paulus ist ein Beispiel, wie der Geist Gottes einen rechtgläubigen Menschen Offenbarungen schenken kann. Das Jesus nicht der Messias sein kann, war ihm ganz offenbar klar, denn er verfolgte die Gemeinde Jesu und hat dies in seinen Briefen auch bekannt: (1.Korinther 15,9 * oder Galater 1,11-14 *) Dabei beschreibt er sein Verhalten vor seiner Bekehrung, dass ich „im Judentum viele meiner Altersgenossen in meinem Volk übertraf durch übermäßigen Eifer für die Überlieferungen meiner Väter.“ Es gibt also auch für Paulus „einen übermäßigen Eifer für die Überlieferungen“.

Nachdem Paulus bekehrt war, offenbarte sich ihm Jesus als der Christus. Und diese Begegnung öffnete ihm die Augen. Denn jetzt sah er das Ärgernis des Kreuzes in einem ganz anderen Licht. Ja, das Kreuz ist ein Ärgernis. Aber für wen ist es ein Ärgernis?

Da es nun die Schrift voraussah, daß Gott die Heiden aus Glauben rechtfertigen würde, hat sie dem Abraham zum voraus das Evangelium verkündigt: «In dir sollen alle Völker gesegnet werden.» So werden nun die, welche aus dem Glauben sind, gesegnet mit dem gläubigen Abraham. Denn alle, die aus Gesetzeswerken sind, die sind unter dem Fluch; denn es steht geschrieben: «Verflucht ist jeder, der nicht bleibt in allem, was im Buche des Gesetzes geschrieben steht, es zu tun.» Daß aber im Gesetz niemand vor Gott gerechtfertigt wird, ist offenbar; denn «der Gerechte wird aus Glauben leben.» Das Gesetz aber lautet nicht: «Aus Glauben», sondern: «wer es tut, wird dadurch leben». Christus hat uns losgekauft von dem Fluche des Gesetzes, indem er ein Fluch für uns wurde; denn es steht geschrieben: «Verflucht ist jeder, der am Holze hängt», damit der Segen Abrahams zu den Heiden käme in Christus Jesus, auf daß wir durch den Glauben den Geist empfingen, der verheißen worden war. (Galater 3,8-14  *)

Paulus geht mit den Galatern in diesem kurzen Abschnitt im Schnelldurchgang durch das Alte Testament.

Der junge Paulus als ein Schüler des Gamaliel hätte diese Bibelstellen sicherlich ganz anders ausgelegt. Aber der Geist Gottes hat ihm offenbart, dass eine neue Zeit begonnen hat. Die Begegnung mit dem Auferstandenen hat seine Sicht auf das Kreuz völlig verändert. Den Fluch, den er, der Apostel Paulus, verdient hat, weil er nicht in der Lage war, das Gesetz der Väter vollständig einzuhalten, diesen Fluch hat der Christus Gottes, Jesus, auf sich genommen, damit er, Paulus, leben könne und nicht nur dass, das er Leben in Ewigkeit hat, denn er bekennt im Brief an die Philipper: Philipper 1,23-24 *: Denn ich werde von beidem bedrängt: Ich habe Lust, abzuscheiden und bei Christus zu sein, was auch viel besser wäre; aber es ist nötiger, im Fleische zu bleiben um euretwillen.

So ist der Fluch, den Jesus auf sich genommen hat, unser Leben, ein Leben aus dem Glauben heraus, nicht aus Werken: Galater 5,1-6 *: Für die Freiheit hat uns Christus befreit; so stehet nun fest und lasset euch nicht wieder in ein Joch der Knechtschaft spannen! Siehe, ich Paulus, sage euch: Wenn ihr euch beschneiden lasset, wird euch Christus nichts nützen. Ich bezeuge abermals einem jeden, der sich beschneiden läßt, daß er schuldig ist, das ganze Gesetz zu halten. Ihr seid losgetrennt von Christus, die ihr durchs Gesetz gerecht werden wollt, ihr seid aus der Gnade gefallen. Wir aber erwarten im Geiste durch den Glauben die Hoffnung der Gerechtigkeit; denn in Christus Jesus gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein etwas, sondern der Glaube, der durch Liebe wirksam ist.

Wir werden diesem Text nicht gerecht, wenn wir ihn nur auf die Juden und das mosaische Gesetz beziehen. Unsere selbstgemachten Gesetze sind ebenfalls gemeint. Regeln, die wir uns auferlegen, weil wir meinen, sie sind für uns nützlich oder weil wir uns durch den Heiligen Geist so geführt sehen, können gut für unser Leben sein. Aber sie werden uns dann zum Fallstrick, wenn wir meinen, damit vor Gott irgend welche Rechte einklagen zu dürfen. Diese Erkenntnis gibt auch Anlass, über unseren Umgang mit Sakramenten nachzudenken. Sakramente, auch Taufe und Abendmahl oder letzte Ölung, verschaffen keinen Anspruch vor Gott Es ist Jesus, der uns den Weg zum Vater ebnet, es ist der Glaube an die Kraft, die in dem Opfer Jesu am Kreuz liegt, die uns den Weg zum Vater ebnet. Es ist das „Ich kenne dich!“, das Jesus denen sagen wird, die an ihn glauben. Es gibt Menschen, die sich um ihrer Werke willen Illusionen machen. Zu diesen wird Jesus anders reden: Viele werden an jenem Tage zu mir sagen: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt und in deinem Namen Dämonen ausgetrieben und in deinem Namen viele Taten vollbracht? (Matthäus 7,22 *)

Jesu letzte Worte am Kreuz

Matthäus 27,45-54 *: Aber von der sechsten Stunde an kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde. Und um die neunte Stunde rief Jesus mit lauter Stimme: Eli, Eli, lama sabachthani! das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Etliche der Anwesenden, als sie es hörten, sprachen nun: Der ruft den Elia! Und alsbald lief einer von ihnen, nahm einen Schwamm, füllte ihn mit Essig, steckte ihn auf ein Rohr und gab ihm zu trinken. Die Übrigen aber sprachen: Halt, laßt uns sehen, ob Elia kommt, um ihn zu retten! Jesus aber schrie abermals mit lauter Stimme und gab den Geist auf. Und siehe, der Vorhang im Tempel riß entzwei von oben bis unten, und die Erde erbebte, und die Felsen spalteten sich. Und die Gräber öffneten sich, und viele Leiber der entschlafenen Heiligen standen auf und gingen aus den Gräbern hervor nach seiner Auferstehung und kamen in die heilige Stadt und erschienen vielen. Als aber der Hauptmann und die, welche mit ihm Jesus bewachten, das Erdbeben sahen und was da geschah, fürchteten sie sich sehr und sprachen: Wahrhaftig, dieser war Gottes Sohn!

Markus 15,33-39 *: Als aber die sechste Stunde kam, brach eine Finsternis herein über das ganze Land bis zur neunten Stunde. Und um die neunte Stunde rief Jesus mit lauter Stimme: Eloi, Eloi, lama sabachthani? Das heißt übersetzt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Und etliche der Umstehenden, die es hörten, sprachen: Siehe, er ruft den Elia! Einer aber lief und füllte einen Schwamm mit Essig, steckte ihn auf ein Rohr, tränkte ihn und sprach: Halt! laßt uns sehen, ob Elia kommt, um ihn herabzunehmen! Jesus aber stieß einen lauten Schrei aus und verschied. Und der Vorhang im Tempel riß entzwei, von obenan bis untenaus. Als aber der Hauptmann, der ihm gegenüberstand, sah, daß er auf solche Weise verschied, sprach er: Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn!

Lukas 23,44-48 *: Es war aber um die sechste Stunde, und eine Finsternis kam über das ganze Land bis zur neunten Stunde. Und die Sonne wurde verfinstert, und der Vorhang im Tempel riß mitten entzwei. Und Jesus rief mit lauter Stimme und sprach: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist! Und als er das gesagt hatte, verschied er. Als aber der Hauptmann sah, was geschah, pries er Gott und sprach: Wahrlich, dieser Mensch war gerecht! Und die ganze Volksmenge, die herbeigekommen war zu diesem Schauspiel, als sie sah, was geschah, schlug sich an die Brust und kehrte um.

Johannes 19,28-30 *: Nach diesem, da Jesus wußte, daß schon alles vollbracht war, damit die Schrift erfüllt würde, spricht er: Mich dürstet! Es stand da ein Gefäß voll Essig; sie aber füllten einen Schwamm mit Essig, legten ihn um einen Ysop und hielten es ihm an den Mund. Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt und übergab den Geist.

Matthäus und Markus berichten gleichlautend als letztes Wort Jesu: „Und um die neunte Stunde rief Jesus mit lauter Stimme: Eli, Eli, lama sabachthani! das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Danach berichtet er, dass Jesus etwas zu trinken erhielt und mit einem erneuten Schrei verschied.

Lukas berichtet: „Und Jesus rief mit lauter Stimme und sprach: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist!“ r betont, dass Jesus danach verschied, man kann es so deuten, als wäre das „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist!“ die Deutung des Schreies, von dem Matthäus und Lukas berichten.

Johannes deutet dieses allerletzte Wort Jesu als „Es ist vollbracht!“

Johannes hatte mit Maria, der Mutter Jesu, unter dem Kreuz gestanden, so dass er wohl am besten verstanden hat, was Jesus gesagt hat. Er hat sein Evangelium auch als letzter geschrieben und mit seinen Berichten die synoptischen Evangelien eher ergänzt, denn das meiste, was die Synoptiker berichtet haben, hat er weggelassen. Ob man also den Bericht des Lukas, den Ausruf „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist!“ für einen Hörfehler des Informanten des Lukas hält oder gar „Es ist vollbracht! Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist!“ vermutet, ist nicht weiter wesentlich.

Wichtig ist, dass wir in allen Berichten einen Menschen unter Schmerzen sterben sehen. Es stirbt der Mensch Jesus. Und er stirbt unter dem Fluch Gottes, in der Gottesferne, er hat den Fluch, unter dem wir stehen, wir, die vor Gott unvollkommenen und unzureichenden Menschen, auf sich genommen. Das, was Paulus an die Galater schreibt, „Christus hat uns losgekauft von dem Fluche des Gesetzes, indem er ein Fluch für uns wurde“ (Galater 3,13  *), das ist an Karfreitag ganz real geschehen. Jesus hatte zu seinem Vater ein so enges Verhältnis, dass er von sich sagen konnte: Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, der Sohn kann nichts von sich selbst tun, sondern nur, was er den Vater tun sieht; denn was dieser tut, das tut gleicherweise auch der Sohn. (Johannes 5,19 *) Wenn dieser Jesus am Kreuz nun ausruft: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ dann ist Großes geschehen. Paulus deutet es für uns.

Bemerkenswert und passend zu dem „Wahrer Mensch“ ist die Beobachtung, dass Jesus Gott anruft, nicht den Vater. Dieses Geheimnis mag man im Gebet vor Gott bewegen, für schnelle Deutungen eignet es sich nicht.

So leidet der Gottessohn nicht nur Schmerzen am Leib, sondern viel mehr noch Schmerzen an seinem Herzen, Schmerzen seiner Sohnschaft, Schmerzen der Verlassenheit. Und ich kann diesem nur hinzufügen: „Für mich!“, „wegen meiner Schuld, meiner sehr großen Schuld!“

Danke, Jesus

Fazit

Das Kreuz ist für den menschlichen Geist ein Ärgernis im doppelten Sinne:

Es ärgert unseren Stolz, unsere Selbstgerechtigkeit, weil wir meinen, wir haben alle unsere Angelegenheiten im Griff.

Es ärgert aber auch unseren Glauben an unseren Verstand, weil wir meinen, wir können alle Dinge mit unserem Verstand erfassen.

Dies war für die Juden, die ja meinten, aufgrund ihrer Bibelkenntnis das Rechte zu tun, ein besonderes Problem, ist es aber auch für uns heute. Da sind die Rechtgläubigen, die einige Bibelstellen hochhalten und meinen, nur wer das so sieht, ist recht gläubig. Da sind aber auch die «Links»-gläubigen, die meinen, sie wüssten, welche Berichte der Bibel historisch und welche erdacht sind. Und da sind die, die meinen, mit ihren Sakramenten den Glauben ersetzen zu können.

Die Freiheit, Bibelstellen besonders wertvoll zu empfinden und danach zu leben und den Lebensstil darauf auszurichten, soll dabei nicht beschnitten werden. Ebenso soll jeder seine Bibel so genau lesen, wie er nur will und allerlei literarische Vergleiche anstellen. Und auch die Sakramente, als äußeres Zeichen für Vorgänge des persönlichen Glaubens empfunden, sind eine gute Sache. Aber sie ersetzen den Glauben nicht. Der Blick auf das Kreuz als Ausdruck der Tatsache, dass meine Bemühungen um Gerechtigkeit unvollkommen sind, dass meine Versuche, für meine Schuld zu bezahlen, zum Scheitern verurteilt sind, dieser Blick auf das Kreuz darf nicht verstellt werden. Wenn wir diese Dinge in irgend einer Form an die Stelle des Kreuzes rücken, dann „hätte das Ärgernis des Kreuzes aufgehört!“ (Galater 5,11  *: Ich aber, meine Brüder, wenn ich noch die Beschneidung predigte, würde ich dann noch verfolgt? Dann hätte das Ärgernis des Kreuzes aufgehört!)

Und hier müssen wir allen Menschen sagen, uns selbst zuerst, aber auch allen christlichen Konfessionen, allen, die meinen, eine soziale Gesinnung reiche schon aus und auch allen, die meinen, dass nach Jesus, dem Christus Gottes, dem Sohn Gottes, noch ein Prophet Mohammed kommen müsse, der alle Missverständnisse aufdecke, allen diesen Menschen müssen wir über Jesus deutlich sagen: Das ist der Stein, der von euch, den Bauleuten, verschmäht wurde, der zum Eckstein geworden ist. Und es ist in keinem andern das Heil; denn es ist auch kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, in welchem wir sollen gerettet werden! (Apostelgeschichte 4,11-12 *)

⇒ Der vollständige Text zu diesem Karfreitag

⇒ Ein weiterer Text zum Karfreitag - Es ist vollbracht

⇒ Ein weiterer Text zum Karfreitag - Brief an einen behinderten Menschen



Gründonnerstag Abend: Die Mahlfeier Jesu

Gedanken und Predigtideen zum Gründonnerstag:

Herzlich verlangt hat mich, ...

Unser Herr erwartet uns

Die Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag ist eigentlich keine besondere Nacht, denn das Passahlamm wird in der Nacht vor dem Passahfest gefeiert, in der Nacht vor dem großen Sabbat, einer Nacht von Freitag auf Sonnabend. Jesus muss dieses Mahl vorziehen, weil die religiösen Führer Eile hatten. Am Sabbat durfte niemand am Kreuz hängen. Außerdem würde Jesus das Passahfest stören. In dem Streit um seine Person könnte die richtige Passahandacht gar nicht aufkommen. Und was so ein gestresster religiöser Führer ist, der hat an einem solchen Fest wirklich anderes zu tun, als sich mit Querulanten auseinanderzusetzen. Jesus geht darauf ein, verschiebt sein eigenes Passahfest um einen Tag. Er möchte mit seinen Jüngern feiern. Es verlangt ihn danach, selbst angesichts des Todes. Er muss die schmerzliche Diskussion der Jünger über seine Nachfolge ertragen. Aber er demütigt sich vor ihnen. Er beruft die Jünger in den Dienst, verwirft sie nicht, trotz ihres Unverstandes. Er liefert damit ein großes Vorbild für uns und zeigt uns, wie wir Verantwortung für uns anvertraute Menschen wahrzunehmen haben. Er gibt ein Beispiel für Demut, Liebe und Vergebungsbereitschaft.

⇒ Der vollständige Text zum Gründonnerstag

⇒ Ein weiterer Text zum Gründonnerstag



Die Mahnrede im Neuen Testament

Die Mahnrede oder Paränese im Neuen Testamentes: Bibelarbeit

Ermahneungen im Neuen Testament

Ein Überblick

In diesem Text sind die Texte des Neuen Testamentes zitiert, die Philipp Vielhauer in seinem Buch: „Geschichte der christlichen Literatur“ als Paränesen kennzeichnet. Er versteht unter Paränese Mahnreden und im formgeschichtlichen Sinn einen Text, der Mahnungen allgemein sittlichen Inhalts aneinanderreiht. (Vielhauer S.49) Die Diskussion über mögliche Quellen für die Paränese kann bei Vielhauer oder in der Originalliteratur nachgeschaut werden.

⇒ Der vollständige Text



Lieder im Neuen Testament

Bibelverse des Neuen Testamentes, die möglicherweise auf Lieder zurückgehen: Bibelarbeit

Lieder im Neuen Testament

Ein Überblick

In diesem Text sind die Texte des Neuen Testamentes zitiert, die Philipp Vielhauer in seinem Buch: „Geschichte der christlichen Literatur“ als Lieder kennzeichnet. Dabei wird nur der äußere Rahmen angegeben. Streichungen, die verschiedene Theologen vorgeschlagen haben, weil sie Zusätze der Autoren des biblischen Buches seien und das Versmaß stören, sind nicht berücksichtigt. Diese Diskussion kann bei Vielhauer oder in der Originalliteratur nachgeschaut werden.

⇒ Der vollständige Text



Entschuldigung

Leider ist mir ein Programmfehler unterlaufen, der viele Bibeltexte aus den Darstellungen des Lebens und der Passion Jesu unterdrückt hat. Dies bitte ich zu entschuldigen. Ich habe es jetzt bemerkt und korrigiert. Ich hoffe, dass nicht an anderer Stelle Fehler aufgetreten sind. Sie sind herzlich eingeladen, wenn sie Ungereimtheiten finden, sie mir mitzuteilen.

Solche Mitteilungen können Sie gerne an robert.zobel@predige-das-wort.de senden.

Der Fehler betraf hauptsächlich die Seiten zum Leben Jesu und zur Passion Jesu.

Da ich ein Einzelkämpfer bin, kann ich nicht nach jeder Erweiterung der Webseite alle Seiten durchschauen. Deshalb wurde der Fehler erst jetzt bemerkt. Wenn Sie solche Fehler melden, helfen Sie mir. Ich wäre dafür sehr dankbar.



Gedanken zum Palmsonntag 2022

Jesus kommt - Wie begegnen wir ihm

Inhaltsverzeichnis

Jesus hat sich als der Messias Gottes ausgewiesen

Das Volk erwartete das baldige Kommen des Messias

Der Lehrer aller Menschen, der Christus

Unruhige, spannungsgeladene Zeiten

Jesus kommt zu den Seinen ...

Jesus kommt, wie reagiere ich?

Was passiert, wenn Jesus in meine Kirche kommt

Wir machen heute alles besser - wirklich?

Ein jeder prüfe sich selbst

Hast du mich lieb?

Die Folgen des Versagens

Wir sind gefragt

Die Langmut Gottes

Jesus hat sich als der Messias Gottes ausgewiesen

Jesus hatte sich als der Messias ausgewiesen. Er hatte Menschen geheilt:

Und Jesus durchzog ganz Galiläa, lehrte in ihren Synagogen und predigte das Evangelium von dem Reich und heilte alle Krankheiten und alle Gebrechen im Volk. (Matthäus 4,23 *)

Er hatte Tote auferweckt, zuletzt den Lazarus. Diese Totenauferweckung hatte sich in Judäa herumgesprochen, denn der Apostel Johannes berichtet, was geschah, als Jesus sich in Bethanien aufhielt:

Es erfuhr nun eine große Menge der Juden, daß er dort sei; und sie kamen nicht allein um Jesu willen, sondern auch um Lazarus zu sehen, den er von den Toten auferweckt hatte. Da beschlossen die Hohenpriester, auch Lazarus zu töten, denn seinetwegen gingen viele Juden hin und glaubten an Jesus. (Johannes 12,9-11  *)

Die Menschen kamen, um diesen Mann zu sehen, der schon vier Tage tot im Grab gelegen hatte, so dass seine Schwester Martha von ihm sagte: „Herr, er riecht schon, denn er ist schon vier Tage hier.“ (Johannes 11,39 *) Dieser Mann lag mit Jesus bei Tisch und aß. Viele wollten dies mit eigenen Augen sehen, denn diese Geschichte übertraf alles, was man bisher gehört hatte.

Das Volk erwartete das baldige Kommen des Messias

Flavius Josephus berichtet über diese Zeit, dass die Menschen überzeugt waren, dass der Messias bald kommen würde. Die Römer hatten nicht nur Israel unterworfen und in einen Vasallenstaat verwandelt, an dessen Spitze ein Idumäer als Vasallenkönig stand, das Haus Herodes. Nein, die Römer hatten auch den Tempel entweit, indem der Römer Gnaeus Pompejus in das Allerheiligste vorgedrungen war. Immer wieder kam es zu Unruhen. Immer wieder riefen Menschen zu den Waffen, weil ihnen angeblich Gott verheißen habe, das heilige Land Israel zu befreien. Und immer wieder wurden diese Aufstände teilweise blutig niedergeschlagen.

In diese Situation kam Jesus und war, wie Flavius Josephus später in seinem Buch «Jüdische Altertümer» schreiben wird, „der Vollbringer ganz unglaublicher Taten.“ (XVIII 3.3 (dt) oder XVIII 3.3 (gr))

Der Lehrer aller Menschen, der Christus

An der gleichen Stelle schreibt Flavius Josephus über Jesus: Er war «der Lehrer aller Menschen, die mit Freuden die Wahrheit aufnahmen. So zog er viele Juden und auch Heiden an sich. Er war der Christus.» Wegen dieser lapidaren Aussage: «Er war der Christus.» halten viele diese Stelle für unecht. Hier wird in aller Kürze berichtet, ohne die Taten in irgendeiner Weise zu benennen, etwa indem man schreibt: „... und hat er auch Tote auferweckt“ oder wenigsten ein klein wenig zu erklären, was „der Christus“ bedeutet. Daraus wird meines Erachtens erkennbar, dass Flavius Josephus nur in Andeutungen schreibt, um unter seinen römischen Lesern nicht als Phantast zu wirken. Ein späterer Mönch, der diese Worte einfügt, hätte ganz sicher mehr geschrieben.

Unruhige, spannungsgeladene Zeiten

Im gleichen Kapitel berichtet Flavius Josephus, wie sehr die Juden gegen Pilatus um die Unversehrtheit des Tempels stritten. Im drauffolgenden Kapitel spricht Flavius Josephus von einer Empörung der Samariter gegen Pilatus, weil sie sich von einem Menschen, „der sich aus Lügen nichts machte und dem zur Erlangung der Volksgunst jedes Mittel recht war“, auf den Berg Garizim hatten locken lassen, wo sie meinten, die heiligen Gerätschaften des Tempels zu finden, die angeblich Mose dort vergraben habe. Pilatus sah darin eine Zusammenrottung, kam ihnen zuvor und ermordete viele.

Jesus kommt zu den Seinen ...

Es war also eine Zeit, in der das Volk bereit war und den Messias erwartete. Und nun war da jemand, der wirklich Wunder tat, „der Vollbringer ganz unglaublicher Taten.“ Und er war auf dem Weg nach Jerusalem. Die Erwartung im Volk war groß.

So viele Menschen waren von Jesus beeindruckt, dass die religiösen Führer enorm beunruhigt waren. Der Apostel Johannes berichtet darüber: Da beschlossen die Hohenpriester, auch Lazarus zu töten, denn seinetwegen gingen viele Juden hin und glaubten an Jesus. (Johannes 12,10-11   *)

Und nun machte sich dieser Jesus auf und kam tatsächlich zum Fest nach Jerusalem: Als am folgenden Tage die vielen Leute, welche zum Fest erschienen waren, hörten, daß Jesus nach Jerusalem komme, nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus, ihm entgegen, und riefen: Hosianna! Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel! Jesus aber fand einen jungen Esel und setzte sich darauf, wie geschrieben steht: «Fürchte dich nicht, Tochter Zion! Siehe, dein König kommt, sitzend auf dem Füllen einer Eselin!» (Johannes 12,12-15   *)

Jesus kommt, wie reagiere ich?

Jesus kommt zu mir. Er will mir begegnen, will mein persönlicher Christus und Retter sein. Und so stellt uns der Palmsonntag die Frage, wo wir stehen.

Wir sind es gewohnt, die Evangelien als Konflikt zwischen Jesus und den Juden zu lesen. Wir sehen uns selbst dann gerne auf der Seite Jesu und manch einer nährt seinen Antisemitismus damit, dass er die bösen unverständigen Juden zum Feindbild erklärt. Aber wir sollten, statt auf die Juden zu zeigen, in ihnen einmal die etablierte Religion sehen. Statt der Hoherpriester sollten wir auf unsere etablierten religiösen Führer schauen, statt auf die Schriftgelehrter auf unsere Theologen, statt auf die Pharisäer auf die lieblose Rechtgläubigkeit, die das Wort zum Schwert gegen den Nächsten macht. Dann stehen wir plötzlich vor der Frage, wie wir auf das Wirken des Heiligen Geistes in unseren Kirchen und Gemeinden reagieren.

Sind wir die Menschen, die Jesus dann aus ihrem Umfeld herausrufen würde als Nachfolger, als Jünger. Haben wir etwas zu verteidigen, eine Stellung, unsere Reputation als Wissenschaftler, unseren Einfluss auf die Menschen, denen wir Sonntag für Sonntag predigen. Oder sind wir in der Lage, herauszugehen, ihm entgegen zu gehen?

Manch einer ist dazu bereit herauszugehen. Aber viele trauen sich nicht, wenn die kirchliche Hierarchie ihr Missfallen kund tut, wenn Freunde oder Kollegen sich zurückziehen oder die Nase rümpfen.

Was passiert, wenn Jesus in meine Kirche kommt

Es gibt eine ganze Reihe von Aussagen, die wir auch in unsere Zeit übertragen können:

Der Apostel Johannes war der erste Evangelist, der sich traute, diese Dinge anzusprechen. Die Synoptiker waren offenbar zeitlich noch so nah an den Ereignissen, dass sie solche Vorgänge, die die Synagoge reizen könnten, nicht zu berichten wagten:

Doch glaubten sogar von den Obersten viele an ihn, aber wegen der Pharisäer bekannten sie es nicht, damit sie nicht von der Synagoge ausgestoßen würden. (Johannes 12,42  *)

Das sagten seine Eltern deshalb, weil sie die Juden fürchteten; denn die Juden waren schon übereingekommen, daß, wenn einer ihn als den Christus anerkennen würde, er aus der Synagoge ausgestoßen werden solle. (Johannes 9,22 *)

Aber alle berichten von der Ankündigung Jesu:

Sie werden euch aus der Synagoge ausschließen; es kommt sogar die Stunde, wo jeder, der euch tötet, meinen wird, Gott einen Dienst zu erweisen. (Johannes 16,2 *)

Hütet euch aber vor den Menschen! Denn sie werden euch den Gerichten überliefern, und in ihren Synagogen werden sie euch geißeln; (Matthäus 10,17 *)

Ihr aber, sehet auf euch selbst! Denn sie werden euch den Gerichten überliefern, und in den Synagogen werdet ihr geschlagen werden, und man wird euch vor Fürsten und Könige stellen um meinetwillen, ihnen zum Zeugnis. (Markus 13,9 *)

Vor diesem allem aber werden sie Hand an euch legen und euch verfolgen und in Synagogen und Gefängnisse überliefern und vor Könige und Fürsten führen um meines Namens willen. (Lukas 21,12 *)

Wieviele christliche Führungskräfte fallen unter das Wort Jesu, wenn er warnt:

Hütet euch vor den Schriftgelehrten, die im Talar einhergehen wollen und sich gerne grüßen lassen auf den Märkten und den Vorsitz in den Synagogen und die ersten Plätze bei den Mahlzeiten lieben; sie fressen der Witwen Häuser und sprechen zum Vorwand lange Gebete; diese ziehen sich ein um so schwereres Urteil zu. (Lukas 20,46-47 *)

Oder sehen wir uns in dem Synagogenvorsteher wieder, bei dem Jesus am Sabbat predigte und eine Frau heilte, die verkrümmt war und sich nicht aufrichten konnte:

Und siehe, da war eine Frau, die seit achtzehn Jahren einen Geist der Krankheit hatte, und sie war verkrümmt und konnte sich gar nicht aufrichten. Als nun Jesus sie sah, rief er sie zu sich und sprach zu ihr: Weib, du bist erlöst von deiner Krankheit! Und er legte ihr die Hände auf, und sie wurde sogleich gerade und pries Gott. Da ward der Synagogenvorsteher entrüstet, daß Jesus am Sabbat heilte, und sprach zum Volke: Es sind sechs Tage, an welchen man arbeiten soll; an diesen kommet und lasset euch heilen, und nicht am Sabbattag! (Lukas 13,11-14 *)

Wir können diese Dinge lesen und dann auf die betroffenen Personen zeigen. Aber dann sind wir nicht anders als die Schriftgelehrten und Pharisäer von denen Jesus sagt: Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, daß ihr die Gräber der Propheten bauet und die Denkmäler der Gerechten schmücket und saget: Hätten wir in den Tagen unsrer Väter gelebt, wir hätten uns nicht mit ihnen des Blutes der Propheten schuldig gemacht. So gebt ihr ja über euch selbst das Zeugnis, daß ihr Söhne der Prophetenmörder seid. Ja, machet nur das Maß eurer Väter voll! Ihr Schlangen! Ihr Otterngezüchte! Wie wollt ihr dem Gerichte der Hölle entgehen? Darum, siehe, ich sende zu euch Propheten und Weise und Schriftgelehrte; und etliche von ihnen werdet ihr töten und kreuzigen, und etliche werdet ihr in euren Synagogen geißeln und sie verfolgen von einer Stadt zur andern; auf daß über euch komme alles gerechte Blut, das auf Erden vergossen worden ist, vom Blute Abels, des Gerechten, an bis auf das Blut Zacharias, des Sohnes Barachias, welchen ihr zwischen dem Tempel und dem Altar getötet habt. Wahrlich, ich sage euch, dies alles wird über dieses Geschlecht kommen. Jerusalem, Jerusalem, die du tötest die Propheten und steinigst, die zu dir gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder sammeln wollen, wie eine Henne ihre Küchlein unter die Flügel sammelt, aber ihr habt nicht gewollt! Siehe, euer Haus wird euch öde gelassen werden; denn ich sage euch: Ihr werdet mich von jetzt an nicht mehr sehen, bis ihr sprechen werdet: Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn! (Matthäus 23,29-39  *)

Wir machen heute alles besser - wirklich?

Jesus weist hier auf eine sehr menschliche Eigenart hin: Wir lesen etwas über unsere Väter und wundern uns, warum sie sich in bestimmten Situationen so grundfalsch verhalten haben, warum sie nicht gemerkt haben, dass man so nicht miteinander umgehen kann. Und dann kommen wir in eine vergleichbare Situation und erinnern uns vielleicht an das, was wir über unsere Väter gelesen haben. Aber wir meinen, dass es jetzt besonders schlimm ist und unser Verhalten gerechtfertigt ist, denn jetzt muss gehandelt werden. Und unsere Kinder stellen dann einmal fest, dass ihre Väter aus der Geschichte nichts gelernt haben. Und wenn sie selbst in eine solche Situation kommen, dann handeln auch sie wieder ganz genau so wie ihre Väter. Der russische Kriegsherr Putin wird sicherlich schon in mancher Rede und mit Recht den Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion verurteilt haben. Aber mit der Ukraine liegen die Dinge natürlich völlig anders(?).

Ein jeder prüfe sich selbst

Allerdings sind wir mit Putin schon wieder viel zu weit weg. Nachdem Paulus die Einsetzungsworte zum Abendmahl zitiert hat, fügt er hinzu: „Es prüfe aber ein Mensch sich selbst, ...“ (1.Korinther 11,28 *)

Diese Selbstprüfung erwartet auch der Palmsonntag von uns. Jesus kommt. Das heisst für uns heute, dass Impulse vom Heiligen Geist ausgehen. Gehen wir ihm entgegen? Schaffen wir Raum in unserem Leben, in den hinein der Heilige Geist reden kann? Und wenn er spricht, hören wir dann auf das, was der Heilige Geist uns sagt? Sprechen wir darüber in unserer Gemeinde, um zu prüfen, ob das Wort oder der Impuls, den ich empfangen habe, wirklich vom Heiligen Geist war? Haben wir die Demut, dann das Urteil der Gemeinde anzunehmen? Denn Paulus ist hier sehr klar: Propheten aber sollen zwei oder drei reden, und die andern sollen es beurteilen. (1.Korinther 14,29 *) Die Gemeinde hat also einen Prüfungsauftrag. Aber dieser Prüfungsauftrag bedeutet DEMUT auf beiden Seiten. Die Gemeinde darf ein Wort des Heiligen Geistes nicht deshalb verwerfen, weil es ihr nicht gefällt. Sie hat nur zu prüfen, ob das Wort wirklich vom Heiligen Geist ausgeht. Eine christliche Führungskraft kann mit einem unbedachten Scherz ein Wort des Geistes leichtfertig unterdrücken. Umgekehrt kann aber auch jemand, der ein solches Wort empfangen hat, leicht beleidigt sein, wenn die Gemeinde es ablehnt. Hier ist DEMUT auf beiden Seiten gefragt.

Hast du mich lieb?

Wo stehen wir an diesem Palmsonntag? Sind wir solche, die Jesus jubelnd entgegengehen? Gehen wir immer noch mit ihm, wenn der Boden heiß wird, weil die, die die Macht haben, ihre Macht spielen lassen? Trauen wir uns etwas zu, versagen dann aber doch, wie Simon Petrus im Hof des Hoherpriesters(Matthäus 26,69-72 *)?

Aber gerade die Geschichte des Simon Petrus ist von besonderer Bedeutung und ist ein besonderer Trost für uns. Simon Petrus hat Jesus dreimal verleugnet. Beim letzten Mal sogar mit einem Schwur. Und trotzdem hält Jesus an ihm fest, fragt ihn nach seiner Liebe zu Jesus. Unser Versagen im Werk Jesu ist nicht das Ende. Der in Jerusalem einziehende Jesus fragt auch jeden von uns: „Hast du mich lieb?“ (Johannes 21,15-19 *) Er fragt dies trotz unseres Versagens. Denn er ist voller Liebe zu uns. Wenn er von uns verlangt, dass wir unserem Bruder 7-mal 70-mal vergeben sollen, wird er uns dann nicht viel mehr als 7-mal 70-mal vergeben (Matthäus 18,22 *), einfach deshalb, weil er uns liebt? Er hat uns im Gebet des HERRN gelehrt zu bitten: Und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unsern Schuldnern. (Matthäus 6,12 *)

Die Folgen des Versagens

Jerusalem hat seinen Messias nicht erkannt. Es hat andere bejubelt, die ihm als bessere Messias erschienen, weil sie die rasche Befreiung von der römischen Herrschaft versprachen. Sie haben weiter im Tempel geopfert, ohne zu bemerken, dass der Tempel nach der Kreuzigung leer war. Den zerrissenen Vorhang haben sie vermutlich stillschweigend repariert. Sie haben den Tempel als Burg für ihre inneren Konflikte missbraucht. Flavius Josephus berichtet in der Geschichte des jüdischen Krieges wie Jerusalem in inneren Auseinandersetzungen immer mehr geschwächt wurde und schließlich 70 n.Chr. den Römern in die Hände fiel. Aber auch daraus haben sie nichts gelernt und in Bar Kochba einen neuen Messias gefunden. Auch mit diesem sind sie schrecklich gescheitert, 135 starb Bar Kochba in der Festung Betar, südwestlich von Jerusalem. Ganz Judäa wurde danach zu einer römischen Veteranen-Siedlung, die Bevölkerung von Judäa selbst wurde versklavt oder war im Laufe des Krieges umgekommen.

Man kann den Leidensweg verfolgen, den die Menschen nach dem Kreuzestod Jesu gehen mussten. Ich habe in der Themenreihe «über den Hohenpriester Kaiphas versucht, diesen Leidensweg nachzuzeichnen, der der Entscheidung des Joseph Kaiphas folgte, die er so begründete: Ihr wisset nichts und bedenket nicht, daß es für uns besser ist, ein Mensch sterbe für das Volk, als daß das ganze Volk verderbe! (Johannes 11,50  *) und die der Apostel Johannes kommentiert: Solches aber redete er nicht aus sich selbst; sondern weil er in jenem Jahre Hoherpriester war, weissagte er; denn Jesus sollte sterben für das Volk, und nicht für das Volk allein, sondern damit er auch die zerstreuten Kinder Gottes in Eins zusammenbrächte. (Johannes 11,51-52  *)

Jesus, der ja wusste, was auf ihn zukommt, und der um Jerusalem trauerte, hat es den Schriftgelehrten und den Pharisäern vorhergesagt: Jerusalem, Jerusalem, die du tötest die Propheten und steinigst, die zu dir gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder sammeln wollen, wie eine Henne ihre Küchlein unter die Flügel sammelt, aber ihr habt nicht gewollt! Siehe, euer Haus wird euch öde gelassen werden; (Matthäus 23,37-38  *) Sie werden das Wort nicht ernstgenommen haben: Da antworteten die Juden und sprachen zu ihm: Sagen wir nicht mit Recht, daß du ein Samariter bist und einen Dämon hast? (Johannes 8,48 *) Damit war Jesus für sie abgetan. Und wieder der Apostel Johannes: Er kam in sein Eigentum, und die Seinen nahmen ihn nicht auf. (Johannes 1,11 *)

Wir sind gefragt

Wir müssen uns entscheiden, wo wir stehen.

Wo auch immer wir stehen, Jesus ruft uns. Er ruft uns in die Nachfolge. Es wird nicht immer unmittelbar klar, dass es besser ist, mit Jesus zu gehen. Manchmal erscheinen uns die Mächtigen so unüberwindbar, so gewaltig. Aber nicht einmal 40 Jahre später blicken die Nachfolger des Joseph Kaiphas, wie Flavius Josephus berichtet, «tränenden Auges zum Tempel hinauf» und beschwört das Volk: „Lieber wäre ich gestorben, als dass ich das Haus Gottes so voller Gräuel und die nie betretenen heiligen Stätten von den Füßen der Mörder befleckt sehen muss...“ (Jüdischer Krieg IV 3.10) Den Mächtigen dieser Welt gilt das Wort, das Paulus den Galatern schreibt: Irret euch nicht; Gott läßt seiner nicht spotten! Denn was der Mensch sät, das wird er ernten. (Galater 6,7 *) Die Polen mussten 1939 sechs Jahre lang warten, bis sich das Urteil an Adolf Hitler vollzog. Wie lange wird das ukrainische Volk warten müssen.

Die Langmut Gottes

So sollten wir uns von der Langmut Gottes nicht täuschen lassen. Der Prophet Nahum spricht es so aus: Der HERR ist langmütig und von großer Kraft; aber er läßt gewiß nicht ungestraft. Des HERRN Weg ist im Sturmwind und Ungewitter, und Wolken sind der Staub seiner Füße. (Nahum 1,3 *) Der Apostel Paulus sagt darüber: Oder verachtest du den Reichtum seiner Güte, Geduld und Langmut, ohne zu erkennen, daß dich Gottes Güte zur Buße leitet? (Römer 2,4 *) Auch Simon Petrus spricht es in beiden Briefen an: die einst nicht gehorchten, als Gottes Langmut zuwartete in den Tagen Noahs, während die Arche zugerichtet wurde, in welcher wenige, nämlich acht Seelen, hindurchgerettet wurden durchs Wasser. (1.Petrus 3,20 *) und Der Herr säumt nicht mit der Verheißung, wie etliche es für ein Säumen halten, sondern er ist langmütig gegen uns, da er nicht will, daß jemand verloren gehe, sondern daß jedermann Raum zur Buße habe. (2.Petrus 3,9 *) Selbst die Märtyrer unter dem Thron Gottes flehen zu Gott: Und sie riefen mit lauter Stimme und sprachen: Wie lange, o Herr, du Heiliger und Wahrhaftiger, richtest du nicht und rächst nicht unser Blut an denen, die auf Erden wohnen? Und es wurde einem jeden von ihnen ein weißes Kleid gegeben, und es wurde ihnen gesagt, daß sie noch eine kleine Zeit ruhen sollten, bis auch ihre Mitknechte und ihre Brüder vollendet wären, die auch sollten getötet werden, gleichwie sie. (Offenbarung 6,10-11 *)

So scheint die Langmut Gottes nicht erst heute ein Thema für die Menschen gewesen zu sein. Ungerechtigkeit und Hochmut der Mächtigen hat Menschen zu allen Zeiten bewegt und ins Fragen geführt, warum Gott nicht härter zuschlägt, seine Macht nicht früher zeigt. Auch der Einzug Jesu in Jerusalem ist ein solches Zeichen der Langmut Gottes. Er sendet seinen Sohn zu uns. Nutzen wir die Langmut Gottes und gehen wir ihm entgegen.

Die Themen zum Palmsonntag

Eine weitere Ausarbeitung zum Palmsonntag:

⇒ Jesus, die Offenbarung der Majestät Gottes ... und doch ist alles ganz anders



Keine Weissagung der Schrift ist ein Werk eigener Deutung

Eine Serie über die Bibel

Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast und was dir anvertraut ist, da du weißt, von wem du es gelernt hast, weil du von Kindheit an die heiligen Schriften kennst, welche dich weise machen können zum Heil durch den Glauben in Christus Jesus. Jede Schrift ist von Gottes Geist eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes vollkommen sei, zu jedem guten Werke ausgerüstet. (2.Timotheus 3,14-17)

In diesem Themenbereich soll über die Bibel nachgedacht werden. Dabei möchte ich nicht zu dem Vielen, das dazu schon gesagt oder geschrieben worden ist, meine persönliche Meinung wiedergeben, sondern ich möchte die Bibel selber reden lassen. Was meint die Bibel über die Bibel.

Dabei besteht das Problem, dass die, die an der Bibel schrieben, gar nicht wussten, dass sie etwas schrieben, das später einmal in einem Buch namens Bibel sozusagen als ein Abschnitt stehen würde und von den nachfolgenden Generationen als Gottes Wort betrachtet würde. Dies hat sich aber so ereignet, und wir glauben, dass es nicht zufällig so geschah, sondern es geschah unter der Leitung des Heiligen Geistes. Allerdings hatten Jesus und die Apostel bereits das Alte Testament vorliegen, einmal in hebräischer Sprache, zum anderen aber auch in griechischer Sprache als Septuaginta, die etwa seit 100 v.Chr. vorlag. Diese Texte werden im Neuen Testament häufig zitiert, etwa als «die Schrift» oder mit dem Satz «es steht geschrieben». Das versetzt uns nun in die Lage, zu prüfen, wie Jesus und die Apostel mit der Schrift umgegangen sind. Daraus lässt sich ein Schriftverständnis Jesu und der Apostel ableiten.

Es ist wohl angemessen, dieses Schriftverständnis auch auf das Neue Testament zu übertragen, also anzunehmen, dass wir heute mit dem Neuen Testament genau so umgehen sollten, wie Jesus und die Apostel mit dem Alten Testament umgegangen sind.

Dies hat eine besonderen Vorteil in der Tatsache, dass ich nicht meinen Verstand über die Bibel stellen muss. Wenn etwa Luther die biblischen Bücher des Neuen Testamentes daran misst, wieweit sie „Christum treiben“, so ist das zwar nachvollziehbar, aber es ist doch ein Angriff auf einzelne Bücher des Neuen Testamentes, die die Christologie nicht so im Zentrum haben wie etwa der Römerbrief. Luthers kritische Haltung zum Jakobusbrief ist bekannt und sie beruht genau auf diesem Argument, dass der Jakobusbrief Christum eben nicht treibe und eine stroherne Epistel sei. Umgekehrt wurde Luther von der katholischen Seite gerade auch mit Zitaten aus dem Jakobusbrief angegriffen. Ist es nun für den Glauben belanglos, wenn ich den Jakobusbrief als minder wertvoll ansehe?

Dies bedeutet für mich eine Grenzüberschreitung. Die Bibel redet von Gott und damit von dem seligen und allein Gewaltigen, „der König der Könige und der Herr der Herrschenden, der allein Unsterblichkeit hat, der in einem unzugänglichen Lichte wohnt, welchen kein Mensch gesehen hat noch sehen kann; Ihm sei Ehre und ewige Macht! Amen.“ (1.Timotheus 6,15-16 *) Wenn also Gott jemand ist, den „kein Mensch gesehen hat noch sehen kann“, dann entzieht er sich auch meinem Verstand. Er ist einfach größer als alles, was ich mir so vorstellen kann. So, wie ich in der Mengenlehre, wenn ich sie naiv anwende, zu Widersprüchen komme, die sich nur beheben lassen, wenn ich neben Mengen noch Kategorien annehme, die zwar Mengen als Elemente enthalten können, selbst aber nicht Elemente sein können, einfach, weil sie dafür zu groß sind, so ist es auch mit uns, wenn wir „über“ Gott nachdenken. Wenn ich ihn zu einem Element meines Denkens mache, dann komme ich bestenfalls zu diesem Übermenschen der Philosophie oder der Götterwelt, nach der auch unsere Planeten benannt sind. Denn unser Verstand begrenzt alles auf seine Vorstellungskraft. Und diese Vorstellungskraft war vor 100 Jahren noch deutlich eingeschränkter als heute und wird in 100 Jahren noch deutlich größer sein als heute.

Nun redet die Schrift aber von Gott. Deshalb meine ich, dass ich auch die Schrift nicht so bewerten und rezensieren kann, wie ich das mit jedem anderen Buch tun würde. Denn es mag Dinge geben, die ich mit meinem beschränkten Verstand, der bestenfalls eine dreidimensionale Welt mit einer linear verlaufenden Zeit denken kann, gar nicht erfassen kann. Also darf ich meine Maßstäbe nicht an die Bibel anlegen, denn dann besteht die Gefahr, dass ich sie ihrer Kernbotschaft entleere.

Das ist der Grund, warum ich solchen Lehrprinzipien, wie sie ja nicht nur Luther, sondern auch ältere Kirchenväter bereits formuliert haben, kritisch gegenüber stehe. Nur Jesus selbst, der Sohn, hat den Vater gesehen (Johannes 6,46 *). Er ist damit allein in der Lage, von Gott zu reden. Das, was wir von Gott sehen und erkennen können, beschränkt sich auf Jesus Christus: Spricht Jesus zu ihm: So lange Zeit bin ich bei euch, und du kennst mich noch nicht? Philippus, wer mich gesehen hat, der hat den Vater gesehen! Wie kannst du sagen: Zeige uns den Vater? Glaubst du nicht, daß ich im Vater bin und der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch rede, rede ich nicht von mir selbst, sondern der Vater, der in mir wohnt, tut die Werke. Glaubet mir, daß ich im Vater bin und der Vater in mir ist; wo nicht, so glaubet mir doch um der Werke willen! (Johannes 14,9-11 *) Mehr als Jesus selbst können wir von Gott nicht sehen: „Philippus, wer mich gesehen hat, der hat den Vater gesehen!“ Dieses Wort Jesu zeigt, dass wir den Vater nicht in voller Gänze erfassen können. Nur dass, was wir in Jesus sehen, ist für unseren menschlichen Verstand von Gott erfassbar. Diese Erkenntnis macht alle anderen Religionen zu menschengemachten Systemen, mehr oder weniger subtil, aber zur Gotteserkenntnis völlig ungeeignet.

Wenn man mit dieser Bescheidenheit an die Bibel herangeht und nachschaut, wie Jesus und die Apostel mit dem Alten Testament umgegangen sind, dann erkennt man, dass man mit dieser Vorsicht gut beraten ist. Natürlich bedeutet das auch, dass Theologie eine unmögliche Wissenschaft ist. Eine Gotteslehre ist unmöglich. Das einzige was wir können und was für uns auch völlig ausreicht, ist die Lehre von Jesus. Und das ist das Ziel des Neuen Testamentes, auch des Jakobusbriefes.

Die Themengruppe «Bibel» und ihre Einzelthemen:

Gott selbst spricht uns an

Zubereitung zu jedem guten Werk

Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast und was dir anvertraut ist, da du weißt, von wem du es gelernt hast, weil du von Kindheit an die heiligen Schriften kennst, welche dich weise machen können zum Heil durch den Glauben in Christus Jesus. Jede Schrift ist von Gottes Geist eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes vollkommen sei, zu jedem guten Werke ausgerüstet. (2.Timotheus 3,14-17)


Keine Weissagung der Schrift ist ein Werk eigener Deutung
Beobachtungen zum Schriftverständnis Jesu
Wie geht Jesus mit dem Alten Testament um
Zusammenfassung: Wie redet Jesus über die Schrift? Zu seiner Zeit war die Schrift das Alte Testament. Jesus begegnet ihm mit hohem Respekt. Es muss alles erfüllt werden, was im Alten Testament steht. Nichts wird aufgehoben, auch nicht ein kleines Jota. Durchforschen wir das Neue Testament nach Bibelstellen zu diesem Thema, so stellen wir fest, mit welcher Ehrfurcht Jesus und die Apostel mit der Schrift umgegangen sind. Sie haben nichts weggelassen, nichts abgewertet. Und doch kannte Jesus auch Prioritäten. So lässt er die Frage nach dem wichtigsten Gebot zu, er beantwortet sie sogar. Und doch...
Schlagwörter: Allegorie - Apostel Johannes - Bibel - Bibelverständnis - Erfüllung von Prophetien - Gott - Gottes Wort - Heiliger Geist - Jeremia - Jesus - Jona - Joseph von Nazareth - Judas Iskarioth - Liebe - Lukas - Matthäus - Mose - Paulus - Pharisäer - Sadduzäer - Simon Petrus - Sohn - Vater - Verbalinspiration 

Keine Weissagung der Schrift ist ein Werk eigener Deutung
Beobachtungen zum Schriftverständnis des Apostels Paulus
Paulus und das Alte Testament
Zusammenfassung: Wie redet Paulus über die Schrift? Zu seiner Zeit war die Schrift das Alte Testament. Dieser Text versucht, die Bibelstellen, in denen Paulus über die Schrift spricht, darauf zu untersuchen, wie er zur Verbindlichkeit der Schrift steht. Paulus nimmt die Schrift ernst, die ganze Schrift. Er sagt von sich, dass er alles glaubt, „was im Gesetz und in den Propheten geschrieben steht“. Er sagt auch, das in Christus alles erfüllt ist, „was von ihm geschrieben steht“. Er liest die Schrift also im unbedingten Glauben an das Erlösungswerk Jesu Christi. Er kämpft gegen Menschen, die meinem,...
Schlagwörter: Aaron - Agrippa II. - Altes Testament - Ananias - Apostel Johannes - Bedeutung des Alten Testamentes - Benjamin - Bibel - Bibelverständnis - Buchstabe - Elia - Elisa - Erfüllung des Gesetzes - Erfüllung von Prophetien - Gamaliel - Gott - Gottes Wort - Heiliger Geist - Hoher Rat - Hoherpriester - Jakob - Jakobus - Jeremia - Jesaja - Jesus - Levi - Lukas - Marcus Antonius Felix - Markus - Matthäus - Messias - Mose - Neues Testament - Paulus - Pharisäer - Sadduzäer - Simon Petrus - Sohn - Vater - Verbalinspiration 

Keine Weissagung der Schrift ist ein Werk eigener Deutung
Die Schrift über die Schrift
Bibelstellen zum Schriftverständnis
Zusammenfassung: Wie redet die Schrift selber über die Schrift. Durchforschen wir das Neue Testament nach Bibelstellen zu diesem Thema, so stellen wir fest, mit welcher Erfurcht Jesus und die Apostel mit der Schrift umgegangen sind. Sie haben auch selten gesagt: Wie wir bei Jesaja lesen, sondern es heißt meistens: „Wie geschrieben steht.“ oder „Die Schrift sagt.“ Dabei beziehen sich Jesus und die Apostel mit solchen Bemerkungen auf das Alte Testament. Aber bereits bei Simon Petrus lesen wir einen Hinweis auf Paulus , der auch seine Schriften in einem Atemzug mit dem Alten Testament nennt. Bemerkenswert...
Schlagwörter: Amos - Apollos - Apostel Johannes - Apostel Matthias - Bibel - Gott - Heiliger Geist - Hoher Rat - Jakob - Jakobus - Jeremia - Jesaja - Jesus - Jona - Judas Iskarioth - Lukas - Marcus Antonius Felix - Markus - Matthäus - Mose - Paulus - Pharisäer - Philippus - Sadduzäer - Simon Petrus - Sohn - Stephanus - Theophilus - Trinität - Vater 



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Jahreslosung 2022 - Jesus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.

Johannes 6,37



Johannes 6,35-40  *: Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten. Aber ich habe es euch gesagt, daß ihr mich gesehen habt und doch nicht glaubet. Alles, was mir der Vater gibt, wird zu mir kommen; und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen. Denn ich bin vom Himmel herabgekommen, nicht damit ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat. Das ist aber der Wille des Vaters, der mich gesandt hat, daß ich nichts verliere von allem, was er mir gegeben hat, sondern daß ich es auferwecke am letzten Tage. Denn das ist der Wille meines Vaters, daß jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt, ewiges Leben habe; und ich werde ihn auferwecken am letzten Tage.

Eine klare und unmissverständliche Aussage Jesu ohne Wenn und Aber. Es ist die offene Tür des Himmels, vor der kein Cherub mehr steht, sondern in der Jesus die Hand ausstreckt.

Warum steht diese Tür offen und was hält diese Tür offen, mag man fragen. Die Antwort ist klar und eindeutig: Das Kreuz. In der Graphik steht das Kreuz dem Türblatt im Weg. Solange das Kreuz da steht, kann die Tür nicht geschlossen werden. In einem Kinderlied haben wir es in den 50'er Jahren besungen:

Der Himmel steht offen; Herz, weißt du, warum?
Weil Jesus gekämpft und geblutet: Darum.

Auf Golgathas Hügel, da litt Er für dich,
als Er für die Sünder am Kreuze erblich.

So komm doch, o Seele, komm her zu dem Herrn
und klag deine Sünden; Er hilft ja so gern.

Wenngleich deine Sünden so rot sind wie Blut,
es machen die Wunden des Heilands sie gut.

O Jesu, mein Heiland, mein Hort und mein Teil,
in Dir nur ist Frieden, in Dir nur ist Heil.

Dieses Lied ist sehr einfältig, doch es verkündigt die christliche Botschaft geradeheraus. Der Himmel steht nicht offen, weil wir so tolle Menschen sind und Gott sich auf diese wunderbaren Menschen freut. Der Himmel ist uns verschlossen, weil wir Sünder sind: Und Gott der HERR sprach: Siehe, der Mensch ist geworden wie unsereiner, insofern er weiß, was gut und böse ist; nun soll er nicht auch noch seine Hand ausstrecken und vom Baume des Lebens nehmen und essen und ewiglich leben! Deswegen schickte ihn Gott der HERR aus dem Garten Eden, damit er den Erdboden bearbeite, von dem er genommen war. Und er vertrieb den Menschen und ließ östlich vom Garten Eden die Cherubim lagern mit dem gezückten flammenden Schwert, zu bewahren den Weg zum Baume des Lebens. (1.Mose 3,22-24 *) Auch die Schlachtopfer der Israeliten entfalteten ihre Wirkung nur im Vorgriff auf das Opfer Jesu. Durch den Propheten Jesaja spricht Gott: Höret das Wort des HERRN, ihr Fürsten von Sodom! Nimm zu Ohren das Gesetz unsres Gottes, du Volk von Gomorra! Was soll mir die Menge eurer Opfer? spricht der HERR. Ich bin satt der Brandopfer von Widdern und des Fettes der Mastkälber! Blut der Farren, Lämmer und Böcke begehre ich nicht! Wenn ihr kommt, um vor meinem Angesicht zu erscheinen, wer fordert solches von euren Händen, daß ihr meine Vorhöfe zertretet? Bringet nicht mehr vergebliches Speisopfer! Räucherwerk ist mir ein Greuel! Neumond und Sabbat, Versammlung halten, Frevel und Festgedränge mag ich nicht! Eure Neumonde und Festzeiten haßt meine Seele, sie sind mir zur Last geworden; ich kann sie nicht mehr ertragen. Und wenn ihr eure Hände ausbreitet, verhülle ich meine Augen vor euch, und wenn ihr auch noch so viel betet, höre ich doch nicht; denn eure Hände sind voll Blut! (Jesaja 1,10-15  *) Weil ihre Hände voll Blut sind, lehnt Gott ihre frommen Taten ab. Gott hat es satt, er hasst es. Welch klare Aussage Gottes angesichts der äußerlichen Frömmigkeit seines Volkes. Auch wir müssen oft zugeben, dass unsere Gebete nicht gehört werden. Müssen wir vielleicht auch auf die Worte hören, die Gott danach durch den Propheten sagen lässt: Waschet, reiniget euch! Tut das Böse, das ihr getan habt, von meinen Augen hinweg, höret auf, übelzutun! Lernet Gutes tun, erforschet das Recht, bestrafet den Gewalttätigen, schaffet den Waislein Recht, führet die Sache der Witwe! Kommt doch, wir wollen miteinander rechten, spricht der HERR: Wenn eure Sünden wie Scharlach sind, sollen sie weiß werden wie der Schnee; wenn sie rot sind wie Purpur, sollen sie wie Wolle werden. (Jesaja 1,16-18   *). Schon David wusste es und besang es in Psalmen 40 *: (H40-7) Opfer und Gaben begehrst du nicht; die Ohren hast du mir aufgetan; Brandopfer und Sündopfer hast du nicht verlangt. und der Apostel des Hebräerbriefes bringt es auf den Punkt: Denn unmöglich kann Blut von Ochsen und Böcken Sünden wegnehmen! (Hebräer 10,4  *) Er sagt über Christus: Als aber Christus kam als ein Hoherpriester der zukünftigen Güter, ist er durch das größere und vollkommenere Zelt, das nicht mit Händen gemacht, das heißt nicht von dieser Schöpfung ist, auch nicht durch das Blut von Böcken und Kälbern, sondern durch sein eigenes Blut ein für allemal in das Heiligtum eingegangen und hat eine ewige Erlösung erfunden. Denn wenn das Blut von Böcken und Stieren und die Besprengung mit der Asche der jungen Kuh die Verunreinigten heiligt zu leiblicher Reinigkeit, wieviel mehr wird das Blut Christi, der durch ewigen Geist sich selbst als ein tadelloses Opfer Gott dargebracht hat, unser Gewissen reinigen von toten Werken, zu dienen dem lebendigen Gott! (Hebräer 9,11-14 *)

Der Himmel steht offen; Herz, weißt du, warum? Weil Jesus gekämpft und geblutet: Darum.

Deshalb ist es das Kreuz, das die Himmelstür offen hält. Aber auch damit ist kein Automatismus geschaffen, etwa nach dem Motto: „Wir kommen alle, alle, alle in den Himmel“, wie man gerne im Karneval singt. Es ist eine kleine Tür. Darum herum ist eine dunkele Wand. Und so manch einer wird gegen diese dunkele Wand laufen, wenn er nicht das ernst nimmt, was Gott durch den Propheten sagt Jesaja 1,16-18  *: „Waschet, reiniget euch!“ Und worin besteht das Waschen und Reinigen? Reinigt eine Karriere in der Kirche? Reinigt ein Einsiedlertum? Reinigt eine größere Spende an eine wohltätige Organisation? Nein, es ist ganz anders: Es ist das Kreuz, das uns reinigt. denn mit einem einzigen Opfer hat er die, welche geheiligt werden, für immer vollendet. (Hebräer 10,14   *) Es ist die Bitte um Vergebung an Jesus, den Christus des lebendigen Gottes. Es gibt keinen anderen Weg, mag er auch noch so fromm erscheinen. Andererseits ist diese Vergebung so nachhaltig, dass der Apostel in einem Jubelruf sagen kann: denn mit einem einzigen Opfer hat er die, welche geheiligt werden, für immer vollendet. (Hebräer 10,14   *)

Manch einer mag nun seufzen und fragen, wie es mit den immer wiederkehrenden Sünden ist. Es gibt eine Sünde, vor der Jesus uns bereits warnt, weil sie nicht vergeben werden kann: Die Sünde wider den Heiligen Geist Gottes. Der Hebräerbrief beschreibt es so: wieviel ärgerer Strafe, meinet ihr, wird derjenige schuldig erachtet werden, der den Sohn Gottes mit Füßen getreten und das Blut des Bundes, durch welches er geheiligt wurde, für gemein geachtet und den Geist der Gnade geschmäht hat? (Hebräer 10,29  *) Menschen, die den Geist Gottes schmähen, finden keine Gnade. Simon Petrus, der Jesus nach seiner Gefangennahme verleugnet hat, weil er Angst hatte, sich zu Jesus zu bekennen (Markus 14,66-72 *), wird später von Jesus berufen, die Gemeinde zu führen. Diese Sünde wider den Heiligen Geist ist also nur dann gegeben, wenn Menschen, die Erfahrungen mit dem Heilgen Geist gemacht haben, die „die himmlische Gabe geschmeckt haben und des heiligen Geistes teilhaftig geworden sind und das gute Wort Gottes, dazu Kräfte der zukünftigen Welt geschmeckt haben“, Spott mit diesen Erfahrungen treiben.

Für alle anderen gilt das Wort Jesu von der Vergebung. Als Simon Petrus Jesus fragt, „Herr, wie oft soll ich meinem Bruder vergeben, welcher gegen mich sündigt? Bis siebenmal?“ antwortet Jesus ihm: „Ich sage dir, nicht bis siebenmal, sondern bis siebzigmalsiebenmal!“ (Matthäus 18,21-22 *) Und in dem nachfolgenden Gleichnis spricht Jesus von einem Knecht, dem alle seine Schuld vergeben wird, der aber seine Vergebung dadurch verspielt, dass er selbst seinem Mitknecht nicht vergeben will. Unser eigener Unwille, zu vergeben, ist das einzige, was die Vergebungsbereitschaft Gottes begrenzt. Interessant ist auch, dass hier ein Knecht vor seinen Herrn gebracht wird, also, wenn man das Gleichnis auf die Gemeinde überträgt, jemand, der schon zur Gemeinde gehört, also seine Bekehrung schon erlebt hat. Selbst ihm wird vergeben. Aber da er selbst nicht vergeben will verspielt er diese Gabe Gottes. Bereits im Gebet des HERRN lehrt uns Jesus: „Und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unsern Schuldnern.“ (Matthäus 6,12 *)

Am Anfang haben wir festgestellt, dass es sich um eine klare und unmissverständliche Aussage Jesu handelt. Und dann haben wir doch vieles abgewogen, von Schuld und Vergebung und ihren Grenzen gesprochen. Dies ist notwendig, weil wir die tiefe Liebe Gottes zu den Menschen gar nicht begreifen können. Jesus sagt es so: Denn Gott hat die Welt so geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, daß er die Welt richte, sondern daß die Welt durch ihn gerettet werde. (Johannes 3,16-17 *) Aber unser Herz klagt uns an, so wie schon die Schlange Eva gegenübertritt: Aber die Schlange war listiger als alle Tiere des Feldes, die Gott der HERR gemacht hatte; und sie sprach zum Weibe: Hat Gott wirklich gesagt, ihr dürft nicht essen von jedem Baum im Garten? (1.Mose 3,1 *) Und dann werden wir unsicher und statt die unendliche Liebe Gottes zu preisen, fragen wir auch, ob Jesus das wirklich so ohne Wenn und Aber gesagt haben sollte: Alles, was mir der Vater gibt, wird zu mir kommen; und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen. (Johannes 6,37  *) Die aus dem Leiden Christi entstehende Herrlichkeit ist so großartig und auch so unbegreiflich, dass Simon Petrus darüber schreibt, dass es Dinge sind, „in welche auch die Engel hineinzuschauen gelüstet.“ (1.Petrus 1,12 *) Wir können diese Liebe nur dankbar annehmen und Gott darüber preisen. Und wir sollten diese Liebe weitergeben.

So sollten wir trotz der Kriegsgefahren, trotz der immer wied