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Menschen der Bibel

Paulus zurück in Jerusalem

Zwischen Prophetie und Berufung

 


Zusammenfassung

Joseph Kaiphas war von 18 bis 36 n.Chr. Hoherpriester in Israel, ein Schwiegersohn des Ananus (Hannas), der von 6 bis 15 n.Chr. Hoherpriester war. In einem Jahrhundert, in dem 28 Hohepriester amtierten, schaffte er es, sich 18 Jahre im Amt zu halten. Er begegnet Jesus als oberster Richter seines Volkes und ist maßgeblich am Zustandekommen des Todesurteils beteiligt. Er hielt sich so lange an der Macht, wie auch Pilatus Statthalter von Kaiser Tiberius in Syrien war (26 bis 36 n.Chr.), hatte also offenbar gute Beziehungen zu Pilatus und verlor sein Amt nahezu gleichzitig mit Pilatus.

Als Paulus nach Jerusalem zurückkehrt, ist Kaiphas schon lange nicht mehr im Amt, vermutlich ist er sogar schon gestorben. Aber der Konflikt zwischen denen, die Jesus als den Christus, den Messias, anerkennen und denen, die sich als Hüter des Glaubens der Väter verstehen und deshalb Jesus als Gotteslästerer verurteilen, ist immer schärfer geworden. Paulus geht mitten in diesen Konflikt hinein, obwohl der Prophet Agabus ihn warnt.

Er erweist sich damit als ein religiöser Führer, der nicht andere schickt, sondern selbst die Gefahren auf sich nimmt. Er sagt ein klares und unmissverständliches Zeugnis, wo immer er kann und vor wem immer er kann, gerade auch vor hochrangigen Politikern. Er geht seinen Weg konsequent und lässt sich auch von den Tränen der Ältesten in Ephesus nicht davon abbringen. Und er geht seinen Weg gehorsam als einer, der den Willen seines HERRN, Jesus Christus, erfüllt.

Schlagwörter: Agabus - Agrippa I. - Agrippa II. - Ananias - Ananias ben Nebebaios - Apostel Johannes - Bar Kochba - Bibel - Claudius - Drusilla - Eusebius von Caesarea - Flavius Josephus - Fürst Azizus von Emesa - Gessius Florus - Gott - Hadrian - Hegesippus - Heiliger Geist - Hoher Rat - Jakobus - Jesus - Joseph Kaiphas - Julia Berenike - Kaiser Konstantin der Große - Lucceius Albinus - Lukas - Marcus Antonius Felix - Mose - Nero - Paulus - Pharisäer - Philippus - Porcius Festus - Sadduzäer - Simon Petrus - Sohn - Tacitus - Talmud - Trinität - Vater - Ventidius Cumanus

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Menschen in der Begegnung mit Gott
Die großen Glaubensfrauen und -männer der Bibel - Ihre Stärken und ihre Schwächen

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Inhaltsverzeichnis

Thema: Pragmatismus und das Reich Gottes

Thema: Wie behalte ich die Lage im Griff

Thema: Die Himmelfahrt Jesu

Thema: Pfingsten - Die Ausgießung des Heiligen Geistes

Thema: Jetzt muss sich der Hohepriester auch noch mit ungelehrten Leuten und Laien herumschlagen

Thema: Krankenheilungen sind kein Argument - Politik gegen die Jünger Jesu

Thema: Die Gewalt eskaliert

Thema: Die Bekämpfung des Messias Jesus verselbständigt sich zu einer systematischen Verfolgung

Thema: Die Staatsmacht greift ein

Thema: Paulus zurück in Jerusalem

Thema: Der Kampf gegen das messianische Judentum

Thema: Der Fall Jerusalems aus der Sicht des Talmud

Thema: Abgrenzung

Thema: Eine Theologie, um die Fehler der Väter zu rechtfertigen

Thema: Messiasprophetien des Alten Testamentes

Thema: Die Erfüllung der Messiasprophetien aus Sicht des Neuen Testamentes

1.1 Herkunft Kaiphas

1.2 Kaiphas im Neuen Testament

1.3 Der Prozess gegen Jesus im Hohen Rat

1.4 Der Prozess gegen Jesus - Nicht nur ein jüdisches Problem

1.6 Spielball der Mächtigen - Judas Iskarioth

1.7 Fazit zum Prozess gegen Jesus im Hohen Rat

2.1 Der Hohepriester Kaiphas begegnet dem Messias

2.2 Die Arroganz der Wissenden

2.3 Die Erleichterung nach der Kreuzigung

2.4 Die Angst vor der Auferstehung - Oder: Alte Lügen erfordern neue Lügen

2.5 Ostern ist der Höhepunkt göttlichen Handelns

3.1 Der Hohe Rat organisiert - Gott handelt

3.2 Unbemerkt vom Hohen Rat - Der auferstandene Herr, Jesus Christus, erscheint den wirklich wichtigen Menschen

3.3 Jesus Christus sucht den Glauben

4.1 Der Hohe Rat ist schwer beschäftigt - Das Pfingstfest in Jerusalem

4.2 Ein Fischer aus Galiläa predigt im Tempel in Jerusalem - Und Tausende hören zu

4.3 Was ist zu tun?

5.1 Der Hohe Rat übergeht das Pfingstereignis in Jerusalem schweigend - Aber es kommt noch schlimmer

5.2 Heilung ohne Erlaubnis des Hohen Rates - Und dann auch noch dies Gerede von der Auferstehung

5.3 Das Verhalten des Petrus ist unerträglich - Aber nur für den Hohen Rat

5.4 Schon wieder ein Prozess

5.5 Der Beschluss der Glaubensväter - Aber Petrus und Johannes sind nicht beeindruckt

5.6 Die kraftvolle Reaktion der Gemeinde

5.7 Gott zieht weiter

6 Erneute Wunder und die Reaktion der Staatsmacht

6.2 Rechtgläubigkeit - Irrtum ausgeschlossen oder Können wir Gott auf unser Bibelverständnis festlegen?

6.3 Konnte der Hohe Rat das eigentlich wissen? - Täter oder Opfer?

6.4 Gruppendynamik im Hohen Rat oder Man muss zu seinen Entscheidungen stehen(?)

6.5 Im Hohen Rat gab es mehr Weisheit als gedacht - Das weise Rat Gamaliels

6.6 Umkehr - Wie schwer fällt es gestandenen Männern

7.1 Stephanus wird Diakon in der wachsenden Gemeinde

7.2 Die Predigt des Stephanus - Keine Verteidigungsrede sondern Klartext

7.3 Die Reaktion - Dem Hohen Rat entgleitet der Prozess

7.4 Jesus steht und ist bereit, Stephanus zu entgegen zu gehen

7.5 Warum lässt Gott das zu

8.1 Saulus greift ein - Das Eigentor der Vertreibung

8.2 Jesus greift ein - Saulus bekehrt sich

9.1 Agrippa I - Herkunft

9.2 Agrippa I - Schulden über Schulden

9.3 König Agrippa I

9.4 König Agrippa I und die Christen

9.5 Gebetserhörung - und keiner will es glauben

9.6 Die wahre Stimme Gottes

9.7 ... und die Kirche wächst

10.1 Paulus weiß, was auf ihn zukommt

10.2 Der zeitlich Rahmen

10.3 Prophetische Warnungen des Paulus auf seiner Reise nach Jerusalem

10.4 Paulus kommt in Jerusalem an

10.5 Paulus wird in Jerusalem erkannt

10.6 Paulus in römischer Gefangenschaft

10.7 Paulus predigt in Jerusalem

10.8 Paulus nutzt sein römisches Bürgerrecht

10.9 Paulus vor dem Hohen Rat

10.10 Die Zeit des Hohenpriesters Ananias

10.11 Der HERR kennt die Seinen

10.12 Paulus vor Felix

10.13 Seelsorge am Statthalter Felix

10.14 Paulus vor dem Statthalter Festus

10.15 Festus und Herodes Agrippa II

10.16 Paulus verteidigt sich vor Herodes Agrippa II

10.17 Paulus verlässt Judäa - Fazit

11.1 Die spärlichen Informationen am Ende der Apostelgeschichte

11.2 Jahreszahlen vor dem Angesicht des ewigen Gottes

11.3 Der Bericht des Flavius Josephus über den Tod des Jakobus, des Bruders des Herrn

11.4 Eusebius ausführlicher Bericht über den Tod des Jakobus

11.5 Der Dienst des Jakobus

11.6 Zeitenwende zum Krieg

11.7 Nachdenkliches über Rechtgläubigkeit

11.8 Jakobus muss es nicht mehr erleben

11.9 Die weinenden Hohenpriester

11.10 Die Abwärtsspirale

12.1 Die Sikarier - Terrorismus bereits im Altertum

12.2 Der babylonische Talmud zu der Zerstörung Jerusalems

12.3 Einige Bemerkungen zum Bericht des babylonischen Talmuds zu der Zerstörung Jerusalems

12.4 Flavius Josephus zu den Eigentumsrechten nach der Zerstörung Jerusalems

12.5 Freuet euch mit Jerusalem

13.1 Jesus über die Gefahren für die Gemeinde

13.2 Instrumente der Abgrenzung im Talmud

13.2.1 Der zwölfte Lobpreis im Achtzehngebet

13.2.2 Der Synagogenbann

14.1 Jesus zitiert Psalm 110

14.2 Was lehrt uns das Verhalten Jesu?

14.3 Psalm 110 in der jüdischen Tradition vor Jesus

14.4 Die Bedeutung des Psalmes 110 für das Neue Testament

14.4.1 Die Kirchenväter über Paulus als Autor des Briefes an die Hebräer

14.4.2 Der Brief an die Hebräer und Psalm 110

14.4.3 Melchisedek ist ein Priester eigener Art, kein Mensch, der Vater und Mutter hätte

14.4.4 Melchisedek ist größer als Abraham und erst recht größer als Levi und Aaron

14.4.5 Das Priestertums Melchisedeks löst das levitische Priestertum ab

14.4.6 Der Messias aus dem Stamm Juda ist kraft seiner Auferstehung Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedeks

14.4.7 Der Eidschwur des allmächtigen Gottes

14.4.8 Die Freude über das Priestertum Jesu

14.4.9 Fazit

14.5 Zwei Messiasse? - Sacharja 4,14

14.6 Der Talmud und die Abgrenzung gegenüber den Christen

14.7 Der Umgang des Talmud mit Psalm 110

14.7.1 Deutung von Psalm 110 auf Abraham

14.7.2 Deutung von Psalm 110 auf Hiskia

14.7.3 Deutung von Psalm 110 auf David

14.8 Spricht Gott zu den Menschen oder sprechen Menschen zu Gott?

Frühe Prophetien vor Jakob

Jakob prophezeit den Messias aus dem Stamm Juda

Mose prophezeit den kommenden Propheten

Messiasprophetien der Psalmen

Messiasprophetien des Propheten Jesaja

Messiasprophetien der weiteren Propheten vor dem Exil

Messiasprophetien des Propheten nach dem Exil, Haggai, Sacharja und Maleachi

Das Bild vom Eckstein

Der Messias ist König und Hoherpriester zugleich

Der Spross

Die Deutung des Hohenpriestertums Christi im Hebräerbrief

Die Offenbarung des Christus am Ende der Zeiten

Gott, der Vater, ist Herr der Prophetien

Was sind Messias-Prophetien

Die frühen Prophetien auf den Messias

Der Messias, König und Priester im Alten Testament

Der Spross Davids

Der Messias, König und Priester im Neuen Testament

Der Gottesknecht

Das erste Gottesknechtlied

Das zweite Gottesknechtlied

Das dritte Gottesknechtlied

Das vierte Gottesknechtlied

Erfüllte Prophetien nach Matthäus

Die Ankündigungen des Messias seit Abraham

Der Messias kommt aus Bethlehem

Der Messias und Ägypten

Der Messias als Licht für die Menschen in der Finsternis

Der Messias wird für die Menschen leiden

Der Messias wird triumphieren

Der Messias wird verraten werden

Der Lohn des Verrats

Falsche Zeugen treten gegen den Messias auf, aber der Messias schweigt

... wie ein Verbrecher

Der Messias wird verspottet

Das Grab des Messias

Die Auferstehung des Messias

Fazit zu den Messiasprophetien bei Matthäus

Erfüllte Prophetien aus den weiteren Evangelien, der Apostelgeschichte und den Briefen

Jesus als der verheißene Prophet

Jesus als Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedeks

Jesus wird von den Seinen, den Juden, abgelehnt und gehasst

Jesus Christus und der Geist Gottes

Judas Iskarioth: Sein Amt soll ein anderer empfangen

Der Messias: Geschlagen und angespuckt

Der Messias: Durchbohrt

Der Messias: Er betet für seine Feinde

Der Messias: Nicht ein Bein wird gebrochen

Der Messias: Soldaten werfen das Los um sein Gewand

Der Messias: Aufgefahren zur Höhe

10.1 Paulus weiß, was auf ihn zukommt

Paulus ist in Milet und hat es eilig, nach Jerusalem zu reisen. Deshalb reist er nicht selbst nach Ephesus, sondern er bittet die Ältesten der Gemeinde in Ephesus, zu ihm zu kommen, damit er sich von ihnen verabschieden kann. Drei Tage nimmt er sich dafür Zeit:

Apostelgeschichte 20,17-38 *: Von Milet aber schickte er gen Ephesus und ließ die Ältesten der Gemeinde herüberrufen. Und als sie zu ihm gekommen waren, sprach er zu ihnen: Ihr wißt, wie ich mich vom ersten Tag an, als ich Asien betrat, die ganze Zeit unter euch verhalten habe, daß ich dem Herrn diente mit aller Demut, unter Tränen und Anfechtungen, die mir durch die Nachstellungen der Juden widerfuhren; wie ich nichts von dem, was nützlich ist, verschwiegen habe, daß ich es euch nicht verkündigt und gelehrt hätte, öffentlich und in den Häusern, indem ich Juden und Griechen die Buße zu Gott und den Glauben an unsern Herrn Jesus Christus bezeugt habe. Und nun siehe, gebunden im Geiste reise ich nach Jerusalem, ohne zu wissen, was mir dort begegnen wird, außer daß der heilige Geist von Stadt zu Stadt mir bezeugt und sagt, daß Bande und Trübsal meiner warten. Aber ich halte mein Leben nicht der Rede wert, wenn es gilt, meinen Lauf und den Dienst zu vollenden, den ich von dem Herrn Jesus empfangen habe, nämlich das Evangelium der Gnade Gottes zu bezeugen. Und nun siehe, ich weiß, daß ihr mein Angesicht nicht mehr sehen werdet, ihr alle, bei welchen ich umhergezogen bin und das Reich Gottes gepredigt habe. Darum bezeuge ich euch am heutigen Tage, daß ich rein bin von aller Blut. Denn ich habe nichts zurückbehalten, daß ich euch nicht den ganzen Ratschluß Gottes verkündigt hätte. So habt nun acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, in welcher der heilige Geist euch zu Aufsehern gesetzt hat, die Gemeinde Gottes zu weiden, welche er durch das Blut seines eigenen Sohnes erworben hat! Denn das weiß ich, daß nach meinem Abschied räuberische Wölfe zu euch kommen werden, die der Herde nicht schonen; auch aus eurer eigenen Mitte werden Männer aufstehen, die verkehrte Dinge reden, um die Jünger auf ihre Seite zu ziehen. Darum wachet und denket daran, daß ich drei Jahre lang Tag und Nacht nicht abgelassen habe, jeden einzelnen unter Tränen zu ermahnen. Und nun übergebe ich euch Gott und dem Wort seiner Gnade, ihm, der mächtig ist zu erbauen und euch das Erbe zu geben unter allen Geheiligten. Silber oder Gold oder Kleider habe ich von niemand begehrt; ihr wißt selbst, daß für meine Bedürfnisse und für diejenigen meiner Gefährten diese Hände gesorgt haben. Überall habe ich euch gezeigt, daß man so arbeiten und sich der Schwachen annehmen und der Worte des Herrn Jesus eingedenk sein müsse, da er selbst gesagt hat: Geben ist seliger als nehmen! Und nachdem er solches gesagt hatte, kniete er nieder und betete mit ihnen allen. Da weinten alle sehr, fielen Paulus um den Hals und küßten ihn, schmerzlich betrübt, am meisten über das Wort, das er gesagt hatte, sie würden sein Angesicht nicht mehr sehen. Und sie geleiteten ihn zum Schiff.

Zunächst zeigt dieser Text den religiösen Führer dieser Welt, wie Arbeit im Reich Gottes erfolgt: „dass ich dem Herrn diente mit aller Demut, unter Tränen und Anfechtungen, die mir durch die Nachstellungen der Juden widerfuhren; wie ich nichts von dem, was nützlich ist, verschwiegen habe, dass ich es euch nicht verkündigt und gelehrt hätte, öffentlich und in den Häusern, indem ich Juden und Griechen die Buße zu Gott und den Glauben an unsern Herrn Jesus Christus bezeugt habe.“ Sie erfolgt „mit aller Demut, unter Tränen und Anfechtungen“.

Paulus sieht ganz klar, dass er nicht wieder nach Ephesus zurückkommen wird. Es gibt einige erstaunliche Aspekte an diesem Vorgang. Paulus weiß offenbar, was in Jerusalem auf ihn zukommt. Trotzdem reist er in großer Eile nach Jerusalem. Er nimmt sich nicht die Zeit, sich von der Gemeinde in Ephesus zu verabschieden. Er bittet stattdessen die Ältesten nach Milet zu kommen, damit er sich wenigstens von ihnen verabschieden kann, um dann unverzüglich weiter zu reisen. Woher kommt diese Eile, wenn Paulus doch weiß, dass „Bande und Trübsal“ auf ihn warten. Er sagt auch: „Denn das weiß ich, daß nach meinem Abschied räuberische Wölfe zu euch kommen werden, die der Herde nicht schonen; auch aus eurer eigenen Mitte werden Männer aufstehen, die verkehrte Dinge reden, um die Jünger auf ihre Seite zu ziehen.“ Warum bleibt er dann nicht und bewahrt die Gemeinde davor? Ganz offenbar hat Paulus eine klare Vision von seinen weiteren Aufgaben, die er so nicht darstellt, aber in der Ephesus keine Rolle mehr spielt. Der Apostel Johannes wird später das Werk in Ephesus weiterführen, wie die Kirchenväter überliefert haben. Hier sind zwischen Paulus und seinem HERRN Jesus Christus Dinge geschehen, die wir aus diesen Worten nur erahnen können, die er der Gemeinde aber nicht im Einzelnen darlegt. Vermutlich war es diese Vision, im Westen, Rom und Spanien zu evangelisieren, die er ja im Römerbrief andeutet: Ich habe also Grund zum Rühmen in Christus Jesus, vor Gott. Denn ich würde nicht wagen, etwas davon zu sagen, wenn nicht Christus es durch mich gewirkt hätte, um die Heiden zum Gehorsam zu bringen durch Wort und Werk, in Kraft von Zeichen und Wundern, in Kraft des heiligen Geistes, also daß ich von Jerusalem an und ringsumher bis nach Illyrien das Evangelium von Christus völlig ausgerichtet habe, wobei ich es mir zur Ehre mache, das Evangelium nicht dort zu verkündigen, wo Christi Name schon bekannt ist, damit ich nicht auf einen fremden Grund baue, sondern, wie geschrieben steht: «Welchen nicht von ihm verkündigt worden ist, die sollen es sehen, und welche es nicht gehört haben, die sollen es vernehmen.» Darum bin ich auch oftmals verhindert worden, zu euch zu kommen. Da ich jetzt aber in diesen Gegenden keinen Raum mehr habe, wohl aber seit vielen Jahren ein Verlangen hege, zu euch zu kommen, so werde ich auf der Reise nach Spanien zu euch kommen; denn ich hoffe, euch auf der Durchreise zu sehen und von euch dorthin geleitet zu werden, wenn ich mich zuvor ein wenig an euch erquickt habe. Nun aber reise ich nach Jerusalem, im Dienste der Heiligen. Es hat nämlich Mazedonien und Achaja gefallen, eine Sammlung für die Armen unter den Heiligen in Jerusalem zu veranstalten; es hat ihnen gefallen, und sie sind es ihnen auch schuldig; denn wenn die Heiden an ihren geistlichen Gütern Anteil erhalten haben, so sind sie auch verpflichtet, jenen in den leiblichen zu dienen. Wenn ich nun das ausgerichtet und ihnen diese Frucht gesichert habe, will ich bei euch durchreisen nach Spanien. Ich weiß aber, daß, wenn ich zu euch komme, es in der Fülle des Segens Christi geschehen wird. Ich ermahne euch aber, ihr Brüder, durch unsern Herrn Jesus Christus und durch die Liebe des Geistes, daß ihr mit mir kämpfet in den Gebeten für mich zu Gott, daß ich errettet werde von den Ungläubigen in Judäa und daß meine Dienstleistung für Jerusalem den Heiligen angenehm sei, auf daß ich durch Gottes Willen mit Freuden zu euch komme und mich mit euch erquicke. Der Gott aber des Friedens sei mit euch allen! Amen. (Römer 15,17-33  *)

Paulus schreibt hier, dass er ein Neulandmissionar ist: „… wobei ich es mir zur Ehre mache, das Evangelium nicht dort zu verkündigen, wo Christi Name schon bekannt ist, damit ich nicht auf einen fremden Grund baue, sondern, wie geschrieben steht: «Welchen nicht von ihm verkündigt worden ist, die sollen es sehen, und welche es nicht gehört haben, die sollen es vernehmen.»“ Er will dort predigen, wo das Evangelium noch gar nicht bekannt ist. Er formuliert es sehr menschlich: „… wobei ich es mir zur Ehre mache, …“

Paulus betont: „Da ich jetzt aber in diesen Gegenden keinen Raum mehr habe, …“ Er empfindet oder er weiß es vom HERRN Jesus Christus, dass sein Dienst in Asien beendet ist. Es zieht ihn nach Rom und nach Spanien. Trotzdem macht er diesen Umweg über Jerusalem, obwohl er weiß und durch Prophetien auch immer wieder darin bestätigt wird, dass „Bande und Trübsal“ auf ihn warten. Offen bleibt die Frage, warum er Jerusalem nicht einfach umgangen hat, um in Rom als freier Mann zu erscheinen und dann viel früher nach Spanien zu kommen. Darin wird deutlich, dass Gottes Zeitvorstellungen nicht unsere Zeitvorstellungen entsprechen, wenn wir einmal davon ausgehen, dass Paulus seine Entscheidung nicht aus Ehrgeiz getroffen hat, sondern im Gehorsam vor seinem HERRN Jesus Christus.

10.2 Der zeitlich Rahmen

Eine genaue zeitliche Einordnung dieser Vorgänge ist nicht möglich. Man geht davon aus, dass die Reise im Zeitrahmen 56-60 geschah, also etwa 10 Jahre vor der Zerstörung Jerusalems.

Im Jahre 54 wurde Kaiser Claudius ermordet und Nero wurde sein Nachfolger. Es folgte das „glückliche Jahrfünft“, in dem in Rom stabile Verhältnisse herrschten. Allerdings begannen im Jahr 58 neue Auseinandersetzungen zwischen Rom und den Parthern, die sich bis ins Jahr 66 hinzogen. In Jerusalem war Agrippa II. König und zunächst Marcus Antonius Felix und ab 60 Porcius Festus Statthalter. Die Situation in Judäa spitzte sich immer weiter zu. Bereits Ventidius Cumanus hatte Probleme, weil seine Soldaten aus Verachtung für die Juden die religiösen Gefühle der Juden verletzten. So hat ein Soldat, der über der Säulenhalle des Tempels in einer Kohorte Dienst tat, wie Flavius Josephus berichtet, seinen Mantel in die Höhe gezogen, und „kehrte mit einer unanständigen Verbeugung den Judäern das Gesäß zu und gab einen, seiner Stellung entsprechenden Laut von sich“ (Flavius Josephus: Geschichte des jüdischen Krieges II.12.1 (dt) oder II.12.1 (gr)) Die empörten Juden warfen Steine auf die Soldaten, Ventidius Cumanus schickte Verstärkung und, als diese eintraf, kam es zu einer Panik unter den Juden, die zum Fest der ungesäuerten Brote versammelt waren, bei der 10 000 Menschen umkamen. Gleich im Anschluss berichtet Flavius Josephus von einem Soldaten, der in einem Dorf nahe Bethoron eine Schriftrolle mit dem heiligen Gesetz fand, sie zerriss und ins Feuer warf. Es kam zu Unruhen, die erst beendet wurden, als Ventidius Cumanus den Soldaten hinrichten ließ. Diese kleinen Episoden zeigen, dass Judäa zu dieser Zeit ein Pulverfass war. Der kleinste Anlass konnte Aufstände auslösen.

Ein Mord in einem samaritanischen Dorf führte zum Karriere-Ende für Ventidius Cumanus. Ein Pilger aus Galiläa, der auf der Wanderschaft nach Jerusalem durch Samaria ziehen wollte, war ermordet worden. Dies führte dazu, dass sich gliläische Juden zusammenrotteten, um Rach zu nehmen. Daraufhin begaben sich „die vornehmsten Männer aus Samaria” zu Ventidius Cumanus und baten, dass er nach Galiläa käme und die Mörder bestrafe. Nur so sei es möglich, den Aufruhr zu vermeiden. Aber Ventidius Cumanus hatte keine Zeit und wies die Bittsteller ab. Mittlerweile hatte sich die Nachricht von dem Mord bis nach Jerusalem verbreitet und „bald ließ die Menge von der Festfeier ab und stürmte ohne Anführer und ohne den obrigkeitlichen Personen, die sie von dem Wagnis abhalten wollten, zu folgen, auf Samaria zu. Unterwegs stellten sich an die Spitze des aufrührerischen und auf Raub ausgehenden Haufens Eleazer, der Sohn des Deinaios und ein gewisser Alexander, mit denen sie über die der Toparchie Akrabatene zunächst wohnenden Samarier herfielen und alles ohne Unterschied des Alters niedermetzelten und die Dörfer in Brand steckten.”.

Erst jetzt wurde Ventidius Cumanus tätig und griff mit einer Reiterei ein und tötete viele der aufrührerischen Juden. „Zu der übrigen Menge, die zum Überfall auf die Samarier ausgezogen waren, eilten die angesehene Männer von Jerusalem in Trauergewändern, das Haupt mit Asche bestreut, und beschworen sie, heimzukehren, und nicht durch ihren Rachezug gegen die Samarier die Römer gegen Jerusalem aufzureizen. Sie sollten sich ihres Vaterlandes, des Tempels, ihrer eigenen Frauen und Kinder erbarmen und nicht wegen eines einzigen Galiläers alles aufs Spiel setzen.” Dies beeindruckte die Menge und sie ging auseinander. „Viele von ihnen aber hofften, unentdeckt zu bleiben, und wurden Räuber; so gehörten bald im ganzen Lande Räubereien und unter den Entschlosseneren auch Empörungsversuche zu den alltäglichen Ereignissen.” Ventidius Cumanus wurde wegen dieser Ereignisse erst vor dem syrischen Statthalter und dann vor dem Claudius verklagt und in die Verbannung geschickt. Einige vornehme Samarier wurden wegen dieser Vorgänge hingerichtet, weil Claudius die Schuld bei den Samariern sah. Woher WIKIPEDIA weiß, dass Ventidius Cumanus von den Samariern bestochen worden ist, ist mir nicht bekannt, es ist aber hoch plausibel für die damalige Zeit.

Dies alles geschah etwa vier Jahre, bevor Paulus in Jerusalem ankam. Man sieht, wie aufgeladen die Stimmung war. Es herrschte einerseits eine enorme Frömmigkeit, andererseits genügte aber der kleinste Anlass und man rottete sich zusammen, um für die Reinheit des Glaubens zu kämpfen, egal, welcher Festtag gerade war. Es ist schwer zu beurteilen, ob der Glaube Vorwand war und das Abenteuer lockte, also etwas, das mit unseren heutigen Hooligans zu vergleichen ist, oder ob wir es hier mit echten Glaubenskämpfern zu tun haben. Dabei stellt sich aber die Frage, ob es diese echten Glaubenskämpfer überhaupt gibt, denn jemand, der den Glauben als oberste Priorität hat, wird nicht ein Fest verlassen, von dem das Gesetz sagt, dass er daran teilnehmen soll. (Flavius Josephus: Geschichte des jüdischen Krieges II.12.3 (dt) oder II.12.3 (gr)) Jedenfalls sind Zweifel über die Motivlage angebracht, wenn man dann in II 12.4 liest, dass der Haufen Räuber an seine Spitze stellt und brandschatzend durch Samaria zieht. Dies kann man für fromme Menschen, bei allem Eifer für den Glauben, nur schwer nachvollziehen. Und es ist diese völlige Missachtung der Geschöpfe Gottes, die diese Glaubenskämpfer zu sehr zweifelhaften Gestalten macht, übrigens die Glaubenskämpfer aller Zeiten, ob Mohammeds Glaubenskriege oder Kreuzzüge oder christliche Glaubenskriege. Und wir sehen hier bereits, wie den religiösen Führer in Jerusalem der Einfluss auf die Menschen verloren geht. Erst im Nachherein, als römische Soldaten schon durchgegriffen haben und viel Blut geflossen ist, können sie sich Gehör verschaffen. Diese Entwicklung wird sich so fortsetzen. In seinem Buch schildert Flavius Josephus dies eindrücklich, etwa auch in der Geschichte des Hohenpriesters Ananios (Geschichte des jüdischen Krieges oder IV 3.7 bis IV 5.3 (gr)), die er im Zusammenhang mit der Belagerung Jerusalems darstellt.

Marcus Antonius Felix wurde Nachfolger von Ventidius Cumanus. Er war gewarnt, einerseits, weil er die Ereignisse aus der Zeit des Ventidius Cumanus kannte, andererseits, weil er auch wusste, wie schnell man ein solches Amt verlieren konnte, wenn man Dinge schleifen lief. Ganz offensichtlich hat Marcus Antonius Felix durchgegriffen, denn Flavius Josephus berichtet, dass Marcus Antonius Felix den Räuberhauptmann Eleazar, „der zwanzig Jahre das Land verheert hatte”, gefangen nahm und nach Rom schickte. Ebenso ließ er viele Räuber kreuzigen und auch viele Bürger, die mit ihnen gemeinsame Sache gemacht hatten. Ganz offenbar entwickelten sich im Land also auch mafiöse Strukturen. Allerdings kamen zu seiner Zeit die sogenannten Sikarier ins Spiel, eine sehr schreckliche Art von Terrorismus:

„Nachdem das Land auf diese Weise gesäubert war, machte sich in Jerusalem eine andere Art von Räubern bemerklich, die man Sikarier nannte. Sie begingen am hellen Tage und mitten in der Stadt Morde, mischten sich besonders an Festtagen unter das Volk und erstachen ihre Gegner mit kleinen Dolchen, die sie unter ihrer Kleidung versteckt trugen. Stürzten ihre Opfer zu Boden, so beteiligten sich die Mörder an den Kundgebungen des Unwillens und waren durch dieses unbefangene Benehmen gar nicht zu fassen. Der erste, der von ihnen erdolcht wurde, war der Hohepriester Jonathan, und in der Folgezeit häuften sieh die Morde von Tag zu Tag derart, daß die Furcht vor ihnen mehr Entsetzen verbreitete als die Unglücksfälle selbst, da wie in der Schlacht niemand auch nur einen Augenblick vor dem Tode sicher war. Schon von fern witterte man Feinde, ja selbst den Freunden, denen man begegnete, traute man nieht mehr, und doch kamen trotz aller argwöhnisehen Vorsicht immer neue Morde vor - so groß war ihre Gewandtheit und ihre Fertigkeit, sich unsichtbar zu machen.” (Geschichte des jüdischen Krieges II 13.3 (dt) oder II 13.3 (gr))

„Gleichzeitig kam eine andere Rotte von Nichtswürdigen auf, deren Hände zwar reiner, deren Gesinnungen aber noch ruchloser waren als die der Sikarier und die nicht weniger als diese das Glück der Stadt untergraben halfen. Sie waren Verführer und Betrüger, die unter dem Vorwand göttlicher Sendung auf Umwälzung und Aufruhr hinarbeiteten und das Volk zu religiöser Schwärmerei hinzureißen suchten, indem sie es in die Wüste lockten, als ob Gott ihnen dort durch Wunderzeichen ihre Befreiung ankündigen würde. Marcus Antonius Felix, der in diesen Vorgängen den Keim einer Empörung erkannte, ließ Reiterei und Fußvolk gegen die Menge ausrücken und viele töten.“ (Geschichte des jüdischen Krieges II 13.4 (dt) oder II 13.4 (gr))

Marcus Antonius Felix war sich also bewusst, welche Bedeutung die Religion in dieser Weltgegend hatte. Daher ist sein Interesse an Paulus ebenfalls zu verstehen, auch das sofortige Eingreifen der römischen Soldaten, als es um Paulus herum zu Unruhen kam. Und auch die Tatsache, dass sie meinten, man könne Paulus freilassen, wenn er sich nicht auf den Kaiser berufen hätte, ist vor diesem Hintergrund zu verstehen, Marcus Antonius Felix hatte es mit ganz anderen Heißspornen zu tun. Im Gegensatz dazu war Paulus ein ganz anderer Mensch. Aber diese Überlegungen greifen vor.

10.3 Prophetische Warnungen des Paulus auf seiner Reise nach Jerusalem

Apostelgeschichte 21,1-15  *: Als es aber geschah, daß wir uns von ihnen losgerissen hatten und abgefahren waren, kamen wir in gerader Fahrt nach Kos und am folgenden Tage nach Rhodus und von da nach Patara. Und da wir ein Schiff fanden, das nach Phönizien fuhr, stiegen wir ein und fuhren ab. Als wir aber Cypern erblickten, ließen wir es links liegen, fuhren nach Syrien und gelangten nach Tyrus; denn daselbst sollte das Schiff die Last ausladen. Und als wir die Jünger aufgefunden hatten, blieben wir sieben Tage dort. Und sie sagten dem Paulus durch den Geist, er solle nicht nach Jerusalem hinaufziehen. Als es aber geschah, daß wir diese Tage verlebt hatten, brachen wir auf und zogen fort, wobei sie uns alle mit Frau und Kind bis vor die Stadt hinaus begleiteten; und wir knieten am Meeresstrand nieder und beteten. Und nachdem wir voneinander Abschied genommen hatten, stiegen wir in das Schiff; sie aber kehrten wieder nach Hause zurück. Wir aber beendigten die Fahrt und kamen von Tyrus nach Ptolemais und begrüßten die Brüder und blieben einen Tag bei ihnen. Am folgenden Tage aber zogen wir aus und kamen nach Cäsarea; und wir gingen in das Haus des Evangelisten Philippus, der einer von den Sieben war, und blieben bei ihm. Dieser hatte vier Töchter, Jungfrauen, welche weissagten. Als wir uns aber mehrere Tage dort aufhielten, kam aus Judäa ein Prophet namens Agabus herab. Der kam zu uns, nahm den Gürtel des Paulus und band sich die Hände und die Füße und sprach: Das sagt der heilige Geist: Den Mann, dem dieser Gürtel gehört, werden die Juden in Jerusalem so binden und in die Hände der Heiden ausliefern! Da wir solches hörten, baten wir und die Einwohner des Ortes, daß er nicht nach Jerusalem hinaufziehen möchte. Aber Paulus antwortete: Was macht ihr, daß ihr weinet und mir das Herz brechet? Ich bin bereit, nicht nur mich binden zu lassen, sondern auch in Jerusalem zu sterben für den Namen des Herrn Jesus! Und da er sich nicht überreden ließ, beruhigten wir uns und sprachen: Des Herrn Wille geschehe! Nach diesen Tagen aber machten wir uns reisefertig und zogen hinauf nach Jerusalem.

Zweimal wird Paulus gewarnt, nach Jerusalem zu ziehen, bereits in Tyros, wo sein Schiff ankerte, weil es Ladung aufnehmen wollte, warnen ihn die Jünger: „Und sie sagten dem Paulus durch den Geist, er solle nicht nach Jerusalem hinaufziehen.“.

In Cäsarea, wo er den Diakon Philippus besuchte, kam ihm der Prophet Agabus entgegen, der ihm prophezeite: „Das sagt der heilige Geist: Den Mann, dem dieser Gürtel gehört, werden die Juden in Jerusalem so binden und in die Hände der Heiden ausliefern!“

Wegen dieser klaren Warnungen des Heiligen Geistes bleibt es unklar, warum Paulus nach Jerusalem zieht. Warum warnt der Heiliger Geist, wenn Paulus andererseits vom Heiliger Geist eine klare Weisung hat, nach Jerusalem hinaufzuziehen. Oder ist es Paulus, der unbedingt noch einmal nach Jerusalem wollte, weil er diese Stadt liebt und dort noch einmal ein Zeugnis geben wollte. Hat er vielleicht sogar das Ganze so geplant, damit er sich auf den Kaiser berufen kann und auf diese Weise dem Kaiser das Evangelium sagen kann? Es bleibt das Geheimnis des Paulus. Er betont seine Bereitschaft: „Ich bin bereit, nicht nur mich binden zu lassen, sondern auch in Jerusalem zu sterben für den Namen des Herrn Jesus!“ Seine Sendung und sein Motiv für Jerusalem bleiben für uns im Dunkel.

Denkt man an die Vorgänge in Jerusalem, die Flavius Josephus (Kapitel 10.2) beschreibt, so sind die Warnungen an Paulus sehr plausibel. Paulus muss in Jerusalem als Provokation empfunden werden, denn er verkündigt einen Jesus als Messias, der vom Hohen Rat wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilt worden ist. Paulus hat es auf seinen Reisen immer wieder erlebt, dass einige aus der Synagoge das Wort vom Kreuz annahmen, andere aber es um so erbitterter bekämpften (Apostelgeschichte 14,1-2 *, Apostelgeschichte 17,1-5 *, Apostelgeschichte 18,1-5  *, Apostelgeschichte 19,1-9 *). Aber er hat auch Beröa erlebt, wo das Wort des Paulus an der Schrift geprüft wurde (Apostelgeschichte 17,10-13  *). Man kann daher auch eine andere Deutung geben: Paulus hat den Auftrag vom Heiliger Geist, nach Jerusalem zu gehen. Aber der Heiliger Geist sagt ihm, was dort vor ihm liegt und gibt ihm die freie Entscheidung, dies auf sich zu nehmen oder auch nicht. Und Paulus entscheidet sich für den Gehorsam.

10.4 Paulus kommt in Jerusalem an

Apostelgeschichte 21,16-26   *: Es gingen aber auch etliche Jünger aus Cäsarea mit uns, die brachten uns zu einem gewissen Mnaso aus Cypern, einem alten Jünger, bei welchem wir Herberge nehmen sollten. Und als wir in Jerusalem angekommen waren, nahmen uns die Brüder mit Freuden auf. Am folgenden Tage aber ging Paulus mit uns zu Jakobus, und alle Ältesten fanden sich ein. Und nachdem er sie begrüßt hatte, erzählte er alles bis ins einzelne, was Gott unter den Heiden durch seinen Dienst getan hatte. Sie aber priesen Gott, als sie solches hörten, und sprachen zu ihm: Bruder, du siehst, wie viele Tausende von Juden gläubig geworden sind, und alle sind Eiferer für das Gesetz. Es ist ihnen aber über dich berichtet worden, du lehrest alle Juden, die unter den Heiden sind, den Abfall von Mose und sagest, sie sollen ihre Kinder nicht beschneiden und nicht nach den Gebräuchen wandeln. Was ist nun zu tun? Auf jeden Fall muß die Menge zusammenkommen; denn sie werden hören, daß du angelangt bist. So tue nun das, was wir dir sagen: Wir haben vier Männer, die ein Gelübde auf sich haben; diese nimm zu dir, laß dich reinigen mit ihnen und trage die Kosten für sie, daß sie das Haupt scheren, so werden alle erkennen, daß an dem, was über dich berichtet worden, nichts ist, sondern daß auch du dich der Beobachtung des Gesetzes befleißigst. Was aber die gläubig gewordenen Heiden betrifft, so haben wir hingesandt und angeordnet, daß sie von alledem nichts zu beobachten haben, sondern sich nur hüten sollen vor dem Götzenopfer und dem Blut und dem Erstickten und der Unzucht. Da nahm Paulus die Männer zu sich und ging am folgenden Tage, nachdem er sich hatte reinigen lassen, mit ihnen in den Tempel und kündigte die Erfüllung der Tage der Reinigung an, bis für einen jeden von ihnen das Opfer dargebracht wäre.

Paulus wird in Jerusalem bei einem alten Cyprer untergebracht. Offensichtlich will man vermeiden, dass er bei Jakobus, dem Bruder des Herrn, oder einem anderen bekannten Mitglied der Jerusalemer Gemeinde wohnt, weil das sofort auffallen würde. Auch sonst vermisst man die Herzlichkeit, die bei den Besuchen des Paulus auf seiner Reise nach Jerusalem eigentlich ins Auge springt, die Tränen in Ephesus oder das Gebet am Strand von Tyros. In Jerusalem besteht eine gewisse Nervosität, die gut nachzuvollziehen ist, wenn man die in Kapitel 10.2 geschilderten Vorkommnisse berücksichtigt.

Paulus berichtet von den Erfolgen in der Heidenmission, also außerhalb der jüdischen Gemeinde. Jakobus, der Bruder des Herrn, und die Ältesten der Gemeinde zu Jerusalem berichten von den Erfolgen der Mission in Jerusalem. Und diese jüdischen Christen bleiben Eiferer für das Gesetz. Und man erzählt Paulus, welche Gerüchte über ihn im Umlauf sind, Paulus lehre „alle Juden, die unter den Heiden sind, den Abfall von Mose und sage, sie sollen ihre Kinder nicht beschneiden und nicht nach den (jüdischen) Gebräuchen wandeln.“ Offenbar hat man sich schon vor der Ankunft des Paulus überlegt, was Paulus tun solle, um seine Treue zum Gesetz unter Beweis zu stellen. Man befürchtet, dass viele Menschen kommen werden, um Paulus zu sehen: „Auf jeden Fall muß die Menge zusammenkommen; denn sie werden hören, daß du angelangt bist.“ Und es geschieht etwas, was fast den Eindruck einer Demonstration erweckt. Die Ältesten aus Jerusalem erklären Paulus das Ergebnis des Apostelkonzils (Apostelgeschichte 15   *), eines Ereignisses, an dem Paulus mitgewirkt hat. Sicherlich werden nicht alle heutigen Ältesten der Gemeinde zu Jerusalem damals dabei gewesen sein. Lukas schreibt dies nieder, ohne es zu kommentieren. Die Feindseligkeit, mit der die Menschen in Jerusalem alles beobachten, was von außen kommt, ist also offensichtlich auch an der Gemeinde der Christen in Jerusalem nicht spurlos vorüber gegangen. Hier wird nicht Paulus gefragt, wie er die Heiden lehrt, hier wird gesagt, was die Beschlusslage der Gemeinde in Jerusalem ist. Paulus fügt sich und auch Lukas kommentiert es nicht. Jakobus, der Bruder des Herrn, hält sich im Hintergrund, jedenfalls wird er zwar namentlich erwähnt, während die Ältesten nur als Gruppe genannt werden, aber es ist doch unwahrscheinlich, dass Jakobus, der Bruder des Herrn, Paulus so über ihren gemeinsamen Beschluss belehrt. Ganz offensichtlich liegt eine Last auf diesem Treffen, weil niemand weiß, was der morgige Tag bringt, wenn Paulus in Jerusalem erkannt wird. Und diese Furcht ist nicht unbegründet.

10.5 Paulus wird in Jerusalem erkannt

Apostelgeschichte 21,27-36   *: Als aber die sieben Tage zu Ende gingen, brachten die Juden aus Asien, die ihn im Tempel sahen, das ganze Volk in Aufruhr und legten Hand an ihn und schrieen: Ihr israelitischen Männer, kommet zu Hilfe! Das ist der Mensch, der allenthalben jedermann lehrt gegen das Volk und das Gesetz und diese Stätte. Dazu hat er auch noch Griechen in den Tempel geführt und diese heilige Stätte entweiht! Sie hatten nämlich vorher den Trophimus aus Ephesus mit ihm in der Stadt gesehen und meinten, Paulus habe ihn in den Tempel geführt. Und die ganze Stadt kam in Bewegung, und es entstand ein Zusammenlauf des Volkes; und sie ergriffen den Paulus und schleppten ihn zum Tempel hinaus, und alsbald wurden die Türen verschlossen. Als sie ihn aber zu töten suchten, kam die Anzeige hinauf zum Obersten der Schar, daß ganz Jerusalem in Aufruhr sei. Der nahm sogleich Soldaten und Hauptleute mit sich und eilte zu ihnen hinab. Als sie aber den Obersten und die Soldaten sahen, hörten sie auf, Paulus zu schlagen. Da kam der Oberste herzu und verhaftete ihn und ließ ihn mit zwei Ketten fesseln und erkundigte sich, wer er sei und was er getan habe. Unter dem Volk aber schrieen die einen dies, die andern das; und da er vor dem Lärm nichts Gewisses erfahren konnte, befahl er, ihn in die Kaserne zu führen. Als er aber an die Stufen kam, mußte er von den Soldaten getragen werden wegen dem Druck des Volkes. Denn die Menge des Volkes folgte nach und schrie: Hinweg mit ihm in die Kaserne!

Erstaunlicherweise herrscht eine ganze Woche lang Ruhe. Aber wer Erfolg hat, hat auch Feinde. Plötzlich sehen ihn Juden aus Asien, vermutlich solche, die ihn von seiner Arbeit in Asien, also im Westen Kleinasiens, kennen. Denn Paulus ist immer zuerst in die Synagoge gegangen, um seine Botschaft dort zu verkündigen. Und immer hat das zu Ärger geführt. Im Kapitel 10.3 sind Bibelstellen aufgeführt, die dies deutlich dokumentieren. Es scheint sogar professionelle Gegner des Paulus gegeben zu haben, die ihm nachgereist sind, um in den Synagogen Stimmung gegen Paulus zu machen, Beröa ist dafür ein gutes Beispiel (Apostelgeschichte 17,10-13  *).

Der Ablauf ist ähnlich dem, was Flavius Josephus beschreibt und in Kapitel 10.2 dargestellt ist. Es entsteht zunächst einmal ein Gerücht. Man kann auch von einer Verschwörungstheorie sprechen: Die Theorie lautet, Paulus und die Christen wollen das Gesetz abschaffen, wollen unsere jüdischen Traditionen brechen. Daher ist alles glaubhaft, was in dieses Raster hineinpasst. Geht Paulus mit einem Griechen durch Jerusalem, so ist doch sonnenklar, dass er das nur tut, um den Tempel zu entweihen.

Fast könnte man meinen, diese Begebenheiten sind heute. Unsere modernen Formen des Terrorismus sind schon Tausende von Jahren alt. Und die Bilder gleichen sich sehr: Fremdenhass, Terror gegen Amtsträger, Terror gegen völlig Unbeteiligte, Verschwörungstheorien. Nichts ist wirklich neu. Und die Menschen, die in diesen Verschwörungstheorien leben, entwickeln einen Hass, der nur kleine Anlässe braucht, um seine zerstörerische Kraft zu entfalten.

Jetzt geschah das, vor dem Jakobus, der Bruder des Herrn und die Ältesten der Gemeinde in Jerusalem offensichtlich Angst hatten. Niemand scherte sich darum, dass Paulus eine dem Gesetz entsprechende Reinigung im Tempel vollziehen wollte. Das war von der Gemeinde gut gemeint, aber es war wirkungslos. Das Gerücht zählte mehr. Seine Wirkung war so stark, dass die römische Militärmacht auf den Plan gerufen wurde, weil Jerusalem wieder einmal im Aufruhr war. Schließlich lief da noch immer dieser Ägypter frei herum, der viele Juden um sich geschart hatte. Flavius Josephus berichtet darüber: Geschichte des jüdischen Krieges II 13.5 (dt) oder II 13.5 (gr)

Flavius Josephus schreibt (Aus Geschichte des jüdischen Krieges. Fourier-Verlag, Dreieich, 1977):

„Eine noch schlimmere Plage für die Judäer war der falsche Prophet aus Ägypten. Er war als Betrüger ins Land gekommen, der sich das Ansehen eines Propheten verschafft und gegen 30000 Betrogene um sich gesammelt hatte. Mit diesen zog er aus der Wüste auf den sogenannten Ulberg, von wo er mit Gewalt in Jerusalem eindringen wollte. Weiter beabsichtigte er, die römische Besatzung zu überwältigen und sich zum Beherrscher des Volkes aufzuwerfen, wobei er die Genossen seiner Unternehmung als Leibwache gebrauchen wollte. Marcus Antonius Felix vereitelte den Plan, indem er dem Betrüger mit römischen Schwerbewaffneten entgegenrückte, unterstützt vom ganzen Volk, das an der Gegenwehr teilnahm. Gleich zu Beginn des Treffens machte sich der Ägypter mit wenigen Begleitern davon, während die meisten seiner Anhänger niedergemacht oder gefangengenommen wurden. Der Rest zerstreute sich, und jeder suchte sich in seiner Heimat zu verbergen. Kaum war dieser Unruheherd beseitigt, so brach wie an einem kranken Körper die Entzündung an anderer Stelle wieder hervor. Die Betrüger und Räuber taten sich jetzt zusammen, verleiteten viele Judäer zum Abfall und reizten sie zum Befreiungskampf auf. Wer die römische Oberhoheit anerkannte, den bedrohten sie mit dem Tod, und offen sprachen sie aus, dass die, die freiwillig die Knechtschaft auf sich nähmen, mit Gewalt zur Freiheit geführt werden müßten. Truppweise verteilten sie sich im Land, plünderten die Besitzungen der Mächtigen, mordeten die Eigentümer und äscherten die Dörfer ein, so daß ganz Judäa unter ihnen zu leiden hatte und der Krieg von Tag zu Tag heftiger entbrannte.“

Offenbar hat dieser Ägypter bei den Römern einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Er ist ihnen offenbar entkommen. Dieser Aufruhr in der Stadt Jerusalem hat die Besatzungsmacht sofort an diesen Ägypter, der vermutlich ein ägyptischer Jude war, erinnert. Deshalb sind sie so schnell und mit einer starken Mannschaft erschienen. Dies hat Paulus wohl das Leben gerettet, allerdings wurde er deswegen auch unmittelbar in Ketten gelegt, denn der Hauptmann glaubte ja noch, den Ägypter geschnappt zu haben. Es herrschte ein fürchterlicher Lärm, so dass die Soldaten sich mit dem gefangenen Paulus erst einmal in die Kaserne zurückziehen mussten, um überhaupt mit ihm reden zu können. Die Volksmenge übte einen solchen Druck aus, dass Paulus nicht alleine gehen konnte, sondern von den Soldaten getragen werden musste. Dadurch war Paulus erst einmal in Sicherheit. Die Volksmenge war mit der Verhaftung offenbar zufrieden, denn sie schrien: „Hinweg mit ihm in die Kaserne!“

10.6 Paulus in römischer Gefangenschaft

Apostelgeschichte 21,37-40  *: Und da Paulus hineingeführt werden sollte, sprach er zu dem Obersten: Darf ich etwas zu dir sagen? Er aber sprach: Du verstehst Griechisch? Bist du also nicht der Ägypter, der vor diesen Tagen einen Aufruhr machte und die viertausend Mann Meuchelmörder in die Wüste hinausführte? Aber Paulus sprach: Ich bin ein jüdischer Mann, aus Tarsus in Cilicien, Bürger einer nicht unberühmten Stadt. Ich bitte dich, erlaube mir, zum Volk zu reden! Und da er ihm die Erlaubnis gab, stellte sich Paulus auf die Stufen und winkte dem Volke mit der Hand. Und als es ganz still geworden war, redete er sie in hebräischer Sprache an und sagte:

Paulus spricht den Anführer der Soldaten auf Griechisch an. Dies überrascht den Hauptmann, denn damit war klar, dass Paulus nicht der Ägypter war, den sie meinten, vor sich zu haben. Er beschreibt den Ägypter, „der vor diesen Tagen einen Aufruhr machte und die viertausend Mann Meuchelmörder in die Wüste hinausführte?“ Damit erwischt unser Text Flavius Josephus bei einer Übertreibung. Nicht 30 000 sondern 4 000 Mann hat dieser Ägypter für seine Sache gewinnen können. Allerdings kann es auch sein, dass Flavius Josephus die Zahl deren meint, die zu dem Ägypter in die Wüste gezogen sind, während die Soldaten nach dem Kampf 4 000 getötete Feinde gezählt haben. Denn der Ägypter ist ja mit einigen seiner Kämpfer entkommen. Der Soldat spricht von Meuchelmördern und ordnete damit die Gefolgsleute des Ägypters als Sikarier ein, im Urtext wird der Zusammenhang noch klarer: τους τετρακισχιλιους ανδρας των σικαριων (toys tetrakischilioys andras tohn sikariohn), in der Vulgata «quattuor milia virorum sicariorum». Paulus ist hier sehr vorsichtig. Er ist wohl froh, erst einmal in Gefangenschaft und damit in Sicherheit zu sein. Sein römisches Bürgerrecht erwähnt er erst einmal nicht, um die Soldaten nicht zu verschrecken. Stattdessen möchte er predigen und dieser römische Schutz ermöglicht es ihm. Er darf sogar hebräisch reden, obwohl nun die Soldaten wohl nichts verstehen.

10.7 Paulus predigt in Jerusalem

Apostelgeschichte 22,1-21  *: Ihr Männer, Brüder und Väter, höret jetzt meine Verteidigung vor euch an! Als sie aber hörten, daß er in hebräischer Sprache zu ihnen redete, wurden sie noch ruhiger; und er sprach: Ich bin ein jüdischer Mann, geboren zu Tarsus in Cilicien, aber erzogen in dieser Stadt, zu den Füßen Gamaliels, unterrichtet mit allem Fleiß im väterlichen Gesetz, und ich war ein Eiferer für Gott, wie ihr alle es heute seid. Ich verfolgte diesen Weg bis auf den Tod, indem ich Männer und Frauen band und ins Gefängnis überlieferte, wie mir auch der Hohepriester und der ganze Rat der Ältesten Zeugnis gibt. Von ihnen empfing ich sogar Briefe an die Brüder und zog nach Damaskus, um auch die, welche dort waren, gebunden nach Jerusalem zu führen, damit sie bestraft würden. Es geschah mir aber, als ich auf meiner Reise in die Nähe von Damaskus kam, daß mich am Mittag plötzlich vom Himmel her ein helles Licht umstrahlte. Und ich fiel zu Boden und hörte eine Stimme, die zu mir sprach: Saul! Saul! was verfolgst du mich? Ich aber antwortete: Wer bist du, Herr? Und er sprach zu mir: Ich bin Jesus, der Nazarener, den du verfolgst! Meine Begleiter aber sahen zwar das Licht und wurden voll Furcht, aber die Stimme dessen, der mit mir redete, hörten sie nicht. Und ich sprach: Was soll ich tun, Herr? Der Herr sprach zu mir: Steh auf und gehe nach Damaskus; dort wird man dir alles sagen, was dir zu tun verordnet ist. Da ich aber vor dem Glanze jenes Lichtes nicht sehen konnte, wurde ich von meinen Begleitern an der Hand geführt und kam nach Damaskus. Aber ein gewisser Ananias, ein frommer Mann nach dem Gesetz, der von allen Juden, die dort wohnten, ein gutes Zeugnis hat, der kam zu mir, trat herzu und sprach zu mir: Bruder Saul, werde wieder sehend! Und zur selben Stunde konnte ich ihn sehen. Er aber sprach: Der Gott unsrer Väter hat dich vorherbestimmt, seinen Willen zu erkennen und den Gerechten zu sehen und die Stimme aus seinem Munde zu hören; denn du sollst bei allen Menschen ein Zeuge für ihn sein von dem, was du gesehen und gehört hast. Und nun, was zögerst du? Steh auf, laß dich taufen und deine Sünden abwaschen, indem du seinen Namen anrufst! Es geschah mir aber, als ich nach Jerusalem zurückgekehrt war und im Tempel betete, daß ich in eine Verzückung geriet und Ihn sah, der zu mir sprach: Eile und geh schnell aus Jerusalem fort, denn sie werden dein Zeugnis von mir nicht annehmen! Und ich sprach: Herr, sie wissen selbst, daß ich die, welche an dich glaubten, ins Gefängnis werfen und in den Synagogen schlagen ließ, und daß auch ich dabei stand, als das Blut deines Zeugen Stephanus vergossen wurde, und seiner Hinrichtung beistimmte und die Kleider derer verwahrte, die ihn töteten. Und er sprach zu mir: Gehe hin, denn ich will dich in die Ferne zu den Heiden senden!

Paulus hat die Gelegenheit, in Jerusalem zu reden, in der Stadt, in der er begonnen hat, gegen die Christen zu kämpfen und der er durch sein Zeugnis klar machen will, dass sie alle Christen werden sollten. Es ist noch nicht lange her, dass Paulus in Korinth an die Gemeinde in Rom geschrieben hat: Brüder, meines Herzens Wunsch und mein Flehen zu Gott für Israel ist auf ihr Heil gerichtet. Denn ich gebe ihnen das Zeugnis, daß sie eifern um Gott, aber mit Unverstand. Denn weil sie die Gerechtigkeit Gottes nicht erkennen und ihre eigene Gerechtigkeit aufzurichten trachten, sind sie der Gerechtigkeit Gottes nicht untertan. Denn Christus ist des Gesetzes Ende zur Gerechtigkeit für einen jeden, der da glaubt. (Römer 10,1-4 *) Hier hat er die Chance, es zu tun. Und er spricht nicht lehrmäßig, er spricht zeugnishaft. Er erzählt seine Bekehrungsgeschichte. Er steht innerlich sehr unter Druck, denn er kämpft einen Kampf um dieses Volk. Er bittet inbrünstig für dieses Volk: Ich sage die Wahrheit in Christus, ich lüge nicht, wie mir mein Gewissen bezeugt im heiligen Geist, daß ich große Traurigkeit und unablässigen Schmerz in meinem Herzen habe. Ich wünschte nämlich, selber von Christus verbannt zu sein für meine Brüder, meine Verwandten nach dem Fleisch, welche Israeliten sind, denen die Kindschaft und die Herrlichkeit und die Bündnisse und die Gesetzgebung und der Gottesdienst und die Verheißungen gehören; ihnen gehören auch die Väter an, und von ihnen stammt dem Fleische nach Christus, der da ist über alle, hochgelobter Gott, in Ewigkeit. Amen! (Römer 9,1-5  *) Und jetzt kann er zu ihnen sprechen, allerdings nur, weil er unter dem Schutz der römischen Besatzungsmacht steht.

Seine Predigt ist ein Lebenszeugnis. Paulus spricht von seiner Ausbildung „zu den Füßen Gamaliels, unterrichtet mit allem Fleiß im väterlichen Gesetz“. Er bekennt sich zu seinem Eifer für das Gesetz und gegen die Christen. Und er berichtet von seiner Begegnung mit Jesus. Es gibt Abweichungen zu dem Bericht, den Lukas in Apostelgeschichte 9,1-20  * gibt, etwa Die Männer aber, die mit ihm reisten, standen sprachlos da, indem sie zwar die Stimme hörten, aber niemand sahen. (Apostelgeschichte 9,7  *) und jetzt in der Predigt des Paulus: Meine Begleiter aber sahen zwar das Licht und wurden voll Furcht, aber die Stimme dessen, der mit mir redete, hörten sie nicht. (Apostelgeschichte 22,9   *) Dies wird auf unterschiedliche Quellen zurückgeführt, die Lukas benutzt haben soll. Was mögen die Quellen wohl gewesen sein? Lukas sagt, er sei allem von Anfang an sorgfältig nachgegangen ist (Lukas 1,1-4 *). Daher kann man nicht ausschließen, dass er auch jemandem gesprochen hat, der Paulus damals begleitet hat und deshalb diesen Unterschied bewusst nicht unterdrückt hat, um bei der Wahrheit zu bleiben. Dann hätte also Paulus bei seinem Zeugnis etwas durcheinandergebracht und Lukas hat es aus Wahrheitsliebe nicht unterdrückt. Wie auch immer, insgesamt gibt uns die Darstellung aus Römer 9,1-5  * und Apostelgeschichte 22   * und später vor Agrippa II.(Apostelgeschichte 26  *) zusammen mit den Äußerungen im Galaterbrief  (Galater 1-2 *) einen sehr guten Eindruck von der Bekehrung des Paulus.

Wir erleben in Paulus eine völlig andere Führungspersönlichkeit als in Joseph Kaiphas. Er begegnet Jesus und zieht daraus Konsequenzen und geht jetzt mit seiner Botschaft zu den Menschen. Joseph Kaiphas ist auf seinem gewohnten Weg geblieben. Er begegnet dem Messias und setzt ihm die Staatsmacht entgegen. Er testet Jesus und - nach Meinung des Joseph Kaiphas- besteht Jesus diesen Test nicht, denn er lässt sich ans Kreuz schlagen. Der Messias, den Joseph Kaiphas erwartet, lässt sich nicht ans Kreuz schlagen. Aber Joseph Kaiphas sieht die Gefahr durch die Römer und handelt danach, macht seine pragmatische Politik, die ihn auch lange an der Macht hält. So ist er vordergründig ein erfolgreicher Mann. Aber seine Enkel werden erleben, wie Jerusalem völlig zerstört wird, wie der Tempel, der seit der Kreuzigung Jesu leer war, völlig zerstört werden wird und sein Volk für 2 000 Jahre heimatlos wird. Joseph Kaiphas ist in seiner Vorstellungswelt geblieben. Er hat sich nicht bewegt, als das Handeln Gottes so völlig anders war. Schließlich wusste er, was mit Lazarus geschehen war (Johannes 11,1-54 *), denn wir lesen Johannes 12,9-11 *: Es erfuhr nun eine große Menge der Juden, daß er dort sei; und sie kamen nicht allein um Jesu willen, sondern auch um Lazarus zu sehen, den er von den Toten auferweckt hatte. Da beschlossen die Hohenpriester, auch Lazarus zu töten, denn seinetwegen gingen viele Juden hin und glaubten an Jesus. Nun mag man argumentieren, dass Jesus Paulus viel massiver begegnet ist. Gegenüber Joseph Kaiphas hat er ja kaum etwas gesagt, außer, dass er sich dazu bekannt hat, der Messias zu sein: Aber die Hohenpriester und die Ältesten und der ganze Rat suchten falsches Zeugnis wider Jesus, um ihn zum Tode zu bringen. Aber sie fanden keins, obgleich viele falsche Zeugen herzukamen. Zuletzt aber kamen zwei und sprachen: Dieser hat gesagt: Ich kann den Tempel Gottes zerstören und ihn in drei Tagen aufbauen. Und der Hohepriester stand auf und sprach zu ihm: Antwortest du nichts auf das, was diese wider dich zeugen? Jesus aber schwieg. Und der Hohepriester sprach zu ihm: Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, daß du uns sagest, ob du der Christus, der Sohn Gottes bist! Jesus spricht zu ihm: Du hast es gesagt! Überdies sage ich euch: Von jetzt an werdet ihr des Menschen Sohn sitzen sehen zur Rechten der Kraft und kommen auf den Wolken des Himmels! Da zerriß der Hohepriester seine Kleider und sprach: Er hat gelästert! Was bedürfen wir weiter Zeugen? Siehe, nun habt ihr seine Lästerung gehört. Was dünkt euch? Sie antworteten und sprachen: Er ist des Todes schuldig! (Matthäus 26,59-66 *) Hier müssen wir uns bescheiden. Nicht immer sind Berufungen so massiv, wie es bei Paulus geschah. Oft sind wir selbst diejenigen, die Heiligen Geist mit wohlgesetzten Gebeten so totgeredet haben, dass er schweigt, weil er uns seinen Willen nicht aufdrängen will sondern unsere Freiheit respektiert. Wenn wir das merken und den Weg zurück suchen, dann müssen wir auf die Zeichen achten, die der Heiliger Geist uns gibt. Wir sind dann nicht in der Position, dem Heiliger Geist Forderungen vorzulegen. Joseph Kaiphas hatte eine ganz klare Forderung an den Heiliger Geist, ob bewusst oder unbewusst: Wenn Jesus der Messias ist, dann steht er nicht so jämmerlich vor mir, dann erscheint er in großer Macht und Herrlichkeit. Und schon gar nicht kann man ihn ans Kreuz nageln. Die Totenauferweckung des Lazarus kam in seiner Liste der Möglichkeiten nicht vor. Paulus dagegen hatte das „Glück”, dass Jesus ihn vom Pferd gestoßen hat. Das hat ihm zur Umkehr geholfen. Ob Joseph Kaiphas ein Sturz vom Pferd zur Besinnung gebracht hätte, wissen wir nicht. Aber wir wissen, dass es allen religiösen Führern dieser Welt gut tut, vom Pferd zu steigen und sehr sorgfältig auf die Zeichen zu achten, die der Heiliger Geist aussendet. Denn nicht immer richtet er sich nach meinen Vorgaben.

Kehren wir also zur Predigt des Paulus zurück. Er erinnert sich in diesem Moment an den Bruder Ananias, der sich zu ihm getraut hat und ihm die Augen körperlich wie geistlich geöffnet hat und ihn zur Taufe gerufen hat, ihn aufgefordert hat, seine Sünden abzuwaschen und Jesu Namen anzurufen. Dies hat sich Paulus eingebrannt, Taufe, Abwaschen der Sünden und Anrufung des Namens Jesu. Nun hat ein christlicher religiöser Führer mit der Anrufung des Namens Jesu keine Probleme. Das ist in unserem Tagesablauf, zumindest aber in unserem Wochenlauf fest eingebettet. Dazu gibt es genug öffentliche Anlässe, dies zu tun. Und doch ist die Frage, ob wir unseren HERRN Jesus Christus wirklich anrufen, oder ob wir ihm nur einen wohlgesetzten Vortrag halten. Nehmen wir uns bei unseren Anrufen Jesu auch Zeit, in der wir stille sind und Jesus antworten kann. Noch schwieriger ist es mit dem Abwaschen der Sünden. Die großen Sünden sind kein Problem, obwohl wir da Schreckliches von unseren Brüdern lernen mussten, die sich befleißigen, das Zölibat zu halten und daran scheitern und sich an Kindern vergehen. Aber was ist mit den vielen kleinen Füchsen, die den Weinberg verderben (Hohelied 2,15 *), mit Lieblosigkeiten aller Art, mit meinem Glauben bzw. Nichtglauben, mit meinem Hoffen bzw. meiner Hoffnungslosigkeit, weil ich das doch schon vor 20 Jahren probiert habe, ohne dass es geklappt hätte. Ein religiöser Führer weiß, dass er manchmal Härte zeigen muss, um seine Organisation auf Kurs zu halten. Es gibt diesen zynischen Spruch unter Führungskräften: „Auf Einzelschicksale kann ich keine Rücksicht nehmen.” Jesus hat vor dem Opferkasten gesessen und das Einzelschicksal der armen Witwe beobachtet und sie gelobt (Lukas 21,1-4 *). Sind unsere Augen dafür noch geschult? Wird diese Frau unsere Predigt überhaupt verstehen, wenn sie in unsere Veranstaltung kommen würde? Und dann wird diesem heiligen Mann, der zu Gamaliels Füßen gesessen hat, zugemutet, sich taufen zu lassen. Wie immer er diese Forderung, sich taufen zu lassen, auch verstanden hat, es war die Botschaft: „Dir fehlt noch etwas!” Gerade religiöser Führer haben große Schwierigkeiten, wenn ihnen, den Vätern, jemand sagt: „Dir fehlt noch etwas!” Paulus hat den Sturz vom Pferd durchgehalten. Er hat akzeptiert, was ihm Ananias gesagt hat.

Soweit hört die aufgebrachte Menge Paulus noch zu. Aber jetzt kommt es härter. Paulus spricht davon, dass Jesus ihm geboten habe, aus Jerusalem wegzugehen und das Evangelium den Heiden zu verkünden und dass er über die Juden gesagt habe: „denn sie werden dein Zeugnis von mir nicht annehmen!“ Und damit ist er mit der jüdischen Gemeinde in Konflikt geraten. Denn Mission war auch ein Anliegen der jüdischen Gemeinde, nur so ist Jesu Wort zu verstehen: Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, daß ihr Meer und Land durchziehet, um einen einzigen Judengenossen zu machen, und wenn er es geworden ist, macht ihr ein Kind der Hölle aus ihm, zwiefältig mehr, als ihr seid! (Matthäus 23,15  *) Das durfte einfach nicht sein. Jetzt war Schluss, sie schrien Paulus nieder.

10.8 Paulus nutzt sein römisches Bürgerrecht

Apostelgeschichte 22,22-30  *: Sie hörten ihm aber zu bis zu diesem Wort; da erhoben sie ihre Stimme und sprachen: Hinweg mit solchem von der Erde! Denn es ziemt sich nicht, daß er am Leben bleibe! Als sie aber schrieen und die Kleider abwarfen und Staub in die Luft schleuderten, ließ der Oberste ihn in die Kaserne führen und befahl, ihn unter Geißelhieben zu verhören, damit er erführe, aus welchem Grund sie derart über ihn schrieen. Als sie ihn aber für die Geißelung mit den Riemen ausstreckten, sprach Paulus zu dem Hauptmann, der dabeistand: Ist es euch erlaubt, einen Römer, dazu noch ohne Urteil, zu geißeln? Als der Hauptmann das hörte, ging er zu dem Obersten, meldete es ihm und sprach: Siehe zu, was du tun willst, denn dieser Mensch ist ein Römer! Da kam der Oberste herzu und sprach zu ihm: Sage mir, bist du ein Römer? Er antwortete: Ja! Und der Oberste erwiderte: Ich habe dieses Bürgerrecht um eine große Summe erworben. Paulus aber sprach: Und ich bin sogar darin geboren! Alsbald standen die, welche ihn peinlich verhören wollten, von ihm ab, und auch der Oberste fürchtete sich, da er vernommen hatte, daß er ein Römer sei, und weil er ihn hatte fesseln lassen. Am folgenden Tage aber, da er mit Gewißheit erfahren wollte, wessen er von den Juden angeklagt werde, entledigte er ihn der Fesseln und ließ die Hohenpriester samt dem ganzen Hohen Rat zusammenkommen und führte Paulus hinab und stellte ihn vor sie.

Eigentlich haben sie von Paulus noch nicht viel gehört. Sie haben gehört, dass Jesus ihm erschienen ist und ihn beauftragt hat, Heidenmission zu betreiben, etwas, was zumindest die Pharisäer auch taten. Aber Jesus war ein rechtskräftig verurteilter Gotteslästerer. Der damals verantwortliche Hohepriester Joseph Kaiphas war zwar schon lange tot und vermutlich auch der gesamte Hohe Rat, der die Entscheidung gefällt hat. Aber das Verdikt galt bis heute. Und wer sich daran nicht hielt, der hatte Anteil an dieser Gotteslästerung. Den musste man auch nicht mehr anhören: „Hinweg mit solchem von der Erde! Denn es ziemt sich nicht, daß er am Leben bleibe!“ Die nächsten Verse geben einen guten Einblick, wie die römische Besatzungsmacht mit Menschen umging, die als Ruhestörer in Erscheinung traten. Er sollte unter Geißelhieben verhört werden. Er hatte seine Möglichkeiten, er durfte zu der Menge sprechen. Aber ganz offensichtlich hatte er die Menschen provoziert. Die Soldaten hatten nichts verstanden und so wollten sie herausbekommen, was geschehen war. Und damit der Beschuldigte redet, konnten Geißelhiebe nicht schaden. Aber es gab neben dem Besatzungsrecht auch das römische Bürgerrecht. Und darauf berief sich Paulus. Damit gehörte er einer ganz anderen Klasse Mensch an und wurde sofort wieder zu einem Gesprächspartner für den Obersten der Soldaten. Nicht einmal Fesseln durfte er Paulus anlegen. Und damit er Näheres über diese Auseinandersetzung erführe, stellt er Paulus vor den Hohen Rat.

10.9 Paulus vor dem Hohen Rat

Apostelgeschichte 23,1-10  *: Da sah Paulus den Hohen Rat fest an und sprach: Ihr Männer und Brüder, ich habe mit allem guten Gewissen Gott zu dienen gesucht bis auf diesen Tag. Aber der Hohepriester Ananias befahl den Umstehenden, ihn auf den Mund zu schlagen. Da sprach Paulus zu ihm: Gott wird dich schlagen, du getünchte Wand! Du sitzest da, mich zu richten nach dem Gesetz, und heißest mich schlagen wider das Gesetz? Die Umstehenden aber sprachen: Schmähst du den Hohenpriester Gottes? Da sprach Paulus: Ich wußte nicht, ihr Brüder, daß er Hoherpriester ist, denn es steht geschrieben: «Den Obersten deines Volkes sollst du nicht schmähen.» Da aber Paulus wußte, daß der eine Teil aus Sadduzäern, der andere aus Pharisäern bestand, rief er in die Ratsversammlung hinein: Ihr Männer und Brüder, ich bin ein Pharisäer und eines Pharisäers Sohn; wegen der Hoffnung und der Auferstehung der Toten werde ich gerichtet! Als er aber solches sagte, entstand ein Streit zwischen den Pharisäern und den Sadduzäern, und die Versammlung spaltete sich. Denn die Sadduzäer sagen, es gebe keine Auferstehung, auch weder Engel noch Geist; die Pharisäer aber bekennen sich zu beidem. Es entstand aber ein großes Geschrei, und einige Schriftgelehrte von der Partei der Pharisäer standen auf, stritten und sprachen: Wir finden nichts Böses an diesem Menschen; hat aber ein Geist zu ihm geredet oder ein Engel, so wollen wir nicht wider Gott streiten! Da aber ein großer Zwist entstand, befürchtete der Oberste, Paulus möchte von ihnen zerrissen werden, und er ließ die Truppe herabkommen und ihn aus ihrer Mitte reißen und in die Kaserne führen.

Der Auftritt des Paulus vor dem Hohen Rat hat eine ganz andere Qualität. Paulus wirkt ganz anders als vor dem Volk. Hatte er vor dem Volk noch ein persönliches Zeugnis gegeben, trotz der aufgeladenen Situation, so ist die Atmosphäre vor dem Hohen Rat von Anfang an gespannt. Offenbar sind beide Seiten bestrebt, sich vor der Besatzungsmacht ins rechte Licht zu rücken. Dabei kann man das Vorgehen des Paulus zu Anfang noch als Versuch werten, offen mit der Situation umzugehen. „Ihr Männer und Brüder, ich habe mit allem guten Gewissen Gott zu dienen gesucht bis auf diesen Tag.“ Schon diese Bemerkung des Paulus überschreitet das, was der Hohepriester Ananias bereit ist zu tolerieren. Er befiehlt, Paulus auf den Mund zu schlagen. Damit ist für Paulus eine Grenze überschritten. Paulus schießt zurück, allerdings nur verbal und er übergibt die Angelegenheit auch an Gott: „Gott wird dich schlagen, du getünchte Wand!“ Er bringt also seine Rechte klar zur Sprache, wie auch gegenüber den Römern. Aber mehr tut er nicht. Er handelt, wie es Mose geboten hat in 5.Mose 32,35-36 *: Mein ist die Rache und die Vergeltung, zu der Zeit, da ihr Fuß wanken wird; denn die Zeit ihres Verderbens ist nahe, und ihr Verhängnis eilt herzu. Denn der HERR wird sein Volk richten und sich über seine Knechte erbarmen, wenn er sieht, daß jeder Halt entschwunden ist und Mündige samt den Unmündigen dahin sind.(vgl. auch Hebräer 10,30-31 *). Aber niemand bemerkt es. Stattdessen erzwingt das Amt seine Würde: „Schmähst du den Hohenpriester Gottes?“ Niemand bemerkt, dass die Botschaft lautet: Ich, der religiöser Führer darf tun und lassen, was ich will, aber du musst den Amtsträger achten. Auf die Verteidigung des Paulus, dass man einen Beschuldigten nicht schlagen dürfe, muss man nicht eingehen, wohl aber darauf, dass hier jemand den Hohenpriester beleidigt. Paulus stellt sich dieser Anschuldigung und zitiert wieder das Alte Testament: 2.Mose 22,28 *: Gott sollst du nicht lästern, und dem Obersten deines Volkes sollst du nicht fluchen! Paulus bemerkt, dass er in dieser feindseligen Atmosphäre kein Zeugnis geben kann, und so provoziert er einen Streit: „Ihr Männer und Brüder, ich bin ein Pharisäer und eines Pharisäers Sohn; wegen der Hoffnung und der Auferstehung der Toten werde ich gerichtet!“ Und es zeigt sich die ganze Zerrissenheit des Volkes in diesem kleinen Mikrokosmos des Hohen Rat es. Die Römer haben wegen der Sprachbarrieren vermutlich gar nichts verstanden. Die Feinheiten der Verweise auf das Gesetz hätten sie vermutlich so wie so nicht verstanden. Sie haben schon mit Schrecken gesehen, dass hier jemand, der römisches Bürgerrecht besaß, geschlagen wurde. Nun ergab sich ein Tumult und Parteiengezänk. Und so zogen sie Paulus aus dem Handgemenge heraus, sie rissen ihn durch Soldaten aus ihrer Mitte und führten ihn in die Kaserne.

Wenn man die Frage, warum Paulus nach Jerusalem gekommen ist, an seinem Verhalten prüft, so wird immer deutlicher, dass er sein Zeugnis über seine Begegnung mit dem Auferstandenen hier in Jerusalem geben wollte. Und es wird auch deutlich, dass er eingesehen hat, dass er es im Hohen Rat nicht geben kann, weil dort gar keine Bereitschaft zum Zuhören existiert. Er hat sie aber auch nicht schweigend gewähren lassen, wie Jesus es vor Joseph Kaiphas tat, sondern er hat ihre Uneinigkeit mit seinem Wort aufgedeckt und damit auch den Römern ein Zeichen gegeben, mit was für Menschen sie es hier zu tun haben. Gleichzeitig hat er versucht, die Pharisäer auf seine Seite zu ziehen, weil sie noch am ehesten in der Lage waren, die Tatsache der Auferstehung zu glauben. Die Sadduzäer, diese Pragmatiker der Macht, hatte er offenbar völlig abgeschrieben.

Lukas war offensichtlich im Gefolge des Paulus und schildert die Situation aus dem Blickwinkel des Paulus. Es wäre interessant, auch den Blickwinkel des Jakobus, des Bruders des Herrn, kennenzulernen. Er hat ja sehr vorsichtig versucht, Paulus als einen dem Gesetz treuen Juden in Jerusalem einzuführen. Das, was hier im Hohen Rat geschehen ist, hat er sicherlich sehr schnell erfahren. Er wird es bedauert haben, denn sein Vorgehen war das eines messianischen Juden: Wir leben weiter nach der Tradition unserer Väter und nach dem Gesetz Moses, aber wir haben geglaubt und erkannt, dass Jesus der Christus Gottes, der verheißene Messias ist. Mit dieser Art des Vorgehens, die ja durch das Apostelkonzil (Apostelgeschichte 15   *) ebenfalls gedeckt ist, hat er offenbar viele Pharisäer für den Glauben gewonnen. Einige sind dann offenbar losgezogen und haben in Antiochia und bei den Galatern für Unruhe gesorgt, so dass Paulus wachsam sein musste und die Rechte der Heiden verteidigen musste, aber im Großen und Ganzen erschien dies ein gangbarer Weg. Allerdings war diese Zeit fast zu Ende, denn die Dinge in Jerusalem trieben immer mehr auf die große Katastrophe, den Krieg gegen die römische Weltmacht, hin, den die Stadt Jerusalem und der Tempel nicht überstehen würden und dem die Staatlichkeit Judäas und Galiläas zum Opfer fallen würde und zwar so stark, dass Jerusalem am Ende zu einer griechischen Stadt mit einem Jupitertempel an der Stelle des alten Tempels werden würde, in der es den Juden sogar ausdrücklich verboten wird zu siedeln. Dies geschah unter Kaiser Hadrian nach Ende des dritten jüdischen Krieges, auch als Aufstand des Simon Bar Kochba bekannt, 132-135. 500 000 Juden fanden den Tod, Jerusalem wurde in Aelia Capitolina umbenannt. Bis heute hat sich dies nur unwesentlich geändert, auf dem Tempelberg steht eine Moschee. Der lebendige Gott macht ganz deutlich, dass er, nachdem er in Christus Mensch geworden ist, die Gemeinde der Christen, den Leib Christi, als seinen Tempel betrachtet und keines weiteren Tempels bedarf.

Liest man die Quellen, etwa Flavius Josephus, so wird deutlich, wie dieses Volk in den Aufständen auch von Gottvertrauen geprägt war. Als Pompejus Jerusalem erobert hatte, konnte er es nur tun, weil er immer am Sabbat an den Belagerungsmaschinen weiterbauen konnte, weil an diesem Tag die Juden nicht dagegen vorgingen. Die Botschaft der Zeloten war, dass Gott und nicht die römische Besatzungsmacht Herr Judäas ist. Andererseits wurde der heilige Tempel ganz unverfroren bereits in die inneren Stretigkeiten einbezogen und galt als sicherer Rückzugsort. Wegen der Höhe des Allerheiligsten konnte man von seinem Dach wunderbar in die Stadt schießen. Dies wurde reichlich ausgenutzt und von den Römern erst dadurch beendet, dass sie den Tempel in Brand setzten. So setzt sich das Bild fort, das schon Jesus vor Augen hat, wenn er seine Wehrufe über die Pharisäer ausspricht:

Da sprach Jesus zum Volk und zu seinen Jüngern: Die Schriftgelehrten und Pharisäer haben sich auf Moses Stuhl gesetzt. Alles nun, was sie euch sagen, das tut und haltet; aber nach ihren Werken tut nicht; denn sie sagen es wohl, tun es aber nicht. Sie binden aber schwere und kaum erträgliche Bürden und legen sie den Menschen auf die Schultern; sie selbst aber wollen sie nicht mit einem Finger berühren. Alle ihre Werke aber tun sie, um von den Leuten gesehen zu werden. Sie machen ihre Denkzettel breit und die Säume an ihren Kleidern groß und lieben den obersten Platz bei den Mahlzeiten und den Vorsitz in den Synagogen und die Begrüßungen auf den Märkten und wenn sie von den Leuten Rabbi genannt werden! Ihr aber sollt euch nicht Rabbi nennen lassen, denn einer ist euer Meister, Christus; ihr aber seid alle Brüder. Nennet auch niemand auf Erden euren Vater; denn einer ist euer Vater, der himmlische. Auch sollt ihr euch nicht Lehrer nennen lassen; denn einer ist euer Lehrer, Christus. Der Größte aber unter euch soll euer Diener sein. Wer sich aber selbst erhöht, der wird erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden. Aber wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, daß ihr das Himmelreich vor den Menschen zuschließet! Ihr selbst geht nicht hinein, und die hinein wollen, die laßt ihr nicht hinein. Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, daß ihr der Witwen Häuser fresset und zum Schein lange betet. Darum werdet ihr ein schwereres Gericht empfangen! Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, daß ihr Meer und Land durchziehet, um einen einzigen Judengenossen zu machen, und wenn er es geworden ist, macht ihr ein Kind der Hölle aus ihm, zwiefältig mehr, als ihr seid! Wehe euch, ihr blinden Führer, die ihr saget: Wer beim Tempel schwört, das gilt nichts; wer aber beim Gold des Tempels schwört, der ist gebunden. Ihr Narren und Blinde, was ist denn größer, das Gold oder der Tempel, der das Gold heiligt? Und: Wer beim Brandopferaltar schwört, das gilt nichts; wer aber beim Opfer schwört, welches darauf liegt, der ist gebunden. Ihr Blinden! Was ist denn größer, das Opfer oder der Brandopferaltar, der das Opfer heiligt? Darum, wer beim Altar schwört, der schwört bei ihm und bei allem, was darauf ist. Und wer beim Tempel schwört, der schwört bei ihm und bei dem, der darin wohnt. Und wer beim Himmel schwört, der schwört bei dem Throne Gottes und bei dem, der darauf sitzt. Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, daß ihr die Minze und den Anis und den Kümmel verzehntet und das Wichtigere im Gesetz vernachlässiget, nämlich das Gericht und das Erbarmen und den Glauben! Dies sollte man tun und jenes nicht lassen. Ihr blinden Führer, die ihr Mücken seihet und Kamele verschlucket! Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, daß ihr das Äußere des Bechers und der Schüssel reiniget; inwendig aber sind sie voller Raub und Unmäßigkeit! Du blinder Pharisäer, reinige zuerst das Inwendige des Bechers und der Schüssel, damit auch das Äußere rein werde! Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, daß ihr getünchten Gräbern gleichet, welche auswendig zwar schön scheinen, inwendig aber voller Totengebeine und allen Unrats sind! So erscheinet auch ihr äußerlich vor den Menschen als gerecht, inwendig aber seid ihr voller Heuchelei und Gesetzwidrigkeit. Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, daß ihr die Gräber der Propheten bauet und die Denkmäler der Gerechten schmücket und saget: Hätten wir in den Tagen unsrer Väter gelebt, wir hätten uns nicht mit ihnen des Blutes der Propheten schuldig gemacht. So gebt ihr ja über euch selbst das Zeugnis, daß ihr Söhne der Prophetenmörder seid. Ja, machet nur das Maß eurer Väter voll! Ihr Schlangen! Ihr Otterngezüchte! Wie wollt ihr dem Gerichte der Hölle entgehen? Darum, siehe, ich sende zu euch Propheten und Weise und Schriftgelehrte; und etliche von ihnen werdet ihr töten und kreuzigen, und etliche werdet ihr in euren Synagogen geißeln und sie verfolgen von einer Stadt zur andern; auf daß über euch komme alles gerechte Blut, das auf Erden vergossen worden ist, vom Blute Abels, des Gerechten, an bis auf das Blut Zacharias, des Sohnes Barachias, welchen ihr zwischen dem Tempel und dem Altar getötet habt. Wahrlich, ich sage euch, dies alles wird über dieses Geschlecht kommen. Jerusalem, Jerusalem, die du tötest die Propheten und steinigst, die zu dir gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder sammeln wollen, wie eine Henne ihre Küchlein unter die Flügel sammelt, aber ihr habt nicht gewollt! Siehe, euer Haus wird euch öde gelassen werden; denn ich sage euch: Ihr werdet mich von jetzt an nicht mehr sehen, bis ihr sprechen werdet: Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn! Und Jesus ging hinaus und vom Tempel hinweg. Und seine Jünger traten herzu, um ihm die Gebäude des Tempels zu zeigen. Jesus aber sprach zu ihnen: Sehet ihr nicht dieses alles? Wahrlich, ich sage euch, hier wird kein Stein auf dem andern bleiben, der nicht zerbrochen wird! (Matthäus 23,1-24,2  *)

Und wieder ist es die Frage, ob wir es hier wirklich mit einem Problem der Menschen der damaligen Zeit und des judäischen Staates zu tun haben. Ist es nicht ein Problem aller religiösen Führer dieser Welt. Irgendwo sind wir stark und wuchern mit diesem Pfund, der Baptist mit seinem Taufverständnis, der Pfingstler mit den Erfahrungen mit dem Heiligen Geist, der Protestant mit ihrem „Nur aus Glauben” und der Katholik mit seiner gewaltigen Tradition, die bis auf Simon Petrus zurückgeht. Aber dann gibt es gegenseitige Verurteilungen und Beschimpfungen, die jeder kennt und die deshalb hier nicht wiederholt werden müssen. Und was sagt der erhöhte HERR zu alledem, was würde in Sendschreiben stehen, die der Apostel Johannes aus Patmos in diese Kirchen tragen würde? Was würde geschehen und wie wäre es um unsere Pöstchen bestellt, die wir in diesen Kirchen innehaben, wenn der erhöhte HERR plötzlich seine Personalpolitik machen würde und in den Sitzungen selbst den Vorsitz übernähme und Rederecht erteilen und entziehen würde. Wir werden sehr leicht stolz, weil wir auch solche Menschen sind, die es lieben, wenn sie auf den Märkten begrüßt werden, wenn sie gebeten werden, den Vorsitz zu übernehmen, die sich als Doktores und Professores schmücken. Dieser Text, die Geschichte des jüdischen Volkes will uns warnen. Sie sind dem lebendigen Gott begegnet, den, den sie meinten, in ihrem Allerheiligsten des Tempels sicher verwahrt zu haben. Und sie haben ihn nicht erkannt. Ob der Geist Gottes gelegentlich auch zu uns sprechen muss: „Wie oft habe ich deine Kinder sammeln wollen, wie eine Henne ihre Küchlein unter die Flügel sammelt, aber ihr habt nicht gewollt!“

10.10 Die Zeit des Hohenpriesters Ananias

Bei Flavius Josephus finden wir in den Jüdischen Altertümern XX 8.8 (dt) oder XX 8.8 (gr) eine Beschreibung zur Zeit des Hohenpriesters Ananias, die gut zu dem biblischen Bericht passt:

Flavius Josephus spricht von der Zeit als Ananias nicht mehr Hohenpriester war, etwa dem Jahr 59. Man kann aber davon ausgehen, dass es die zunehmend verrohenden Sitten der Zeit insgesamt beschreibt:

Um diese Zeit übertrug König Agrippa I. die hohepriesterliche Würde an Ismael, den Sohn des Phabi. Übrigens gerieten jetzt auch die Hohenpriester mit den Priestern und den Vornehmsten zu Jerusalem in Streit, sodass jeder von ihnen eine Schar verwegener und aufrührerischer Gesellen um sich sammelte, die, wo sie sich trafen, sich gegenseitig mit Beschimpfungen und Steinwürfen übersohütteten. Niemand fand sich, der sie zurechtgewiesen hätte, sodass die Willkür sich immer breiter machte, als sei keine Obrigkeit mehr vorhanden. Schliesslich gingen die Hohenpriester in ihrer Dreistigkeit und in ihrem Übermut so weit, dass sie sich nicht scheuten, ihre Knechte auf die Tennen zu schicken und die den Priestern zustehenden Zehnten wegnehmen zu lassen, was zur Folge hatte, dass die ärmeren Priester aus Mangel an Lebensmitteln dem Tode verfielen. So war an die Stelle von Recht und Gerechtigkeit die zügelloseste Tyrannei unruhiger Köpfe getreten.

Und über das fortschreitende Sikarierunwesen schreibt Flavius Josephus in den Jüdischen Altertümern XX 8.10 (dt) oder XX 8.10 (gr):

Bei seiner Ankunft in Judaea (61 n.Chr.) fand Porcius Festus das Land in stetem Schrecken vor den Banditen, welche allenthalben die Dörfer einäscherten und plünderten. Diese sogenannten Sikarier waren allmählich zu einer gewaltigen Menge angewachsen. Sie führten kleine Dolche, die sich der Grösse nach nicht viel von den persischen Akinaken unterschieden, aber gekrümmt waren wie die römischen „sicae“, woher auch die Banditen den Namen Sikarier erhielten. An Festtagen mischten sie sich, wie schon erwähnt, unter die Volksmenge, die von allen Seiten zum Gottesdienst in die Stadt strömte, und erdolchten so viele von den Andächtigen, als ihnen beliebte. Oft brachen sie auch bewaffnet in die Dörfer ihrer Opfer ein, plünderten alles und warfen den Feuerbrand in die Häuser. Um diese Zeit trat wieder ein Gaukler auf, welcher der Menge Glückseligkeit und Befreiung von allem Elend verhiess, wenn sie ihm in die Wüste folge. Porcius Festus aber sandte sogleich gegen den Betrüger und dessen Anhang Abteilungen zu Fuss und zu Pferde aus, die den ganzen Haufen niedermachten.

Allerdings berichtet der Talmud nicht über jüdische Sikarier, wohl aber darüber, dass den Juden durch marodierende römische Soldaten, Sikarier, das Land weggenommen wurde. Dies wird in «12.2 Der babylonische Talmud zu der Zerstörung Jerusalems» dargelegt.

10.11 Der HERR kennt die Seinen

Apostelgeschichte 23,11-35  *: Aber in der folgenden Nacht trat der Herr zu ihm und sprach: Sei getrost, Paulus! Denn wie du in Jerusalem von mir gezeugt hast, so sollst du auch in Rom zeugen. Als es aber Tag geworden war, rotteten sich etliche Juden zusammen und verschworen sich, weder zu essen noch zu trinken, bis sie den Paulus umgebracht hätten. Es waren aber ihrer mehr als vierzig, die diese Verschwörung gemacht hatten. Diese gingen zu den Hohenpriestern und Ältesten und sprachen: Wir haben uns mit einem Fluche verschworen, nichts zu genießen, bis wir den Paulus umgebracht haben. So machet nun ihr samt dem Hohen Rate es dem Obersten klar, daß er ihn morgen zu euch hinabführe, da ihr seine Sache genauer untersuchen möchtet; wir aber sind bereit, ihn vor seiner Ankunft umzubringen. Als aber der Schwestersohn des Paulus von diesem Anschlag hörte, kam er, ging in die Kaserne hinein und meldete es dem Paulus. Da rief Paulus einen der Hauptleute zu sich und sprach: Führe diesen Jüngling zu dem Obersten, denn er hat ihm etwas zu melden. Der nahm ihn und führte ihn zu dem Obersten und sprach: Der Gefangene Paulus rief mich zu sich und bat mich, diesen Jüngling zu dir zu führen, der dir etwas zu sagen habe. Da nahm ihn der Oberste bei der Hand, ging mit ihm beiseite und fragte ihn: Was hast du mir zu melden? Und er sprach: Die Juden sind übereingekommen, dich zu bitten, daß du morgen Paulus in den Hohen Rat hinabführen lassest, da sie seine Sache noch genauer untersuchen möchten. Laß dich aber nicht von ihnen bereden, denn mehr als vierzig Männer von ihnen stellen ihm nach; die haben sich verschworen, weder zu essen noch zu trinken, bis sie ihn umgebracht haben, und jetzt sind sie bereit und warten auf deine Zusage. Nun entließ der Oberste den Jüngling und gebot ihm, niemandem zu sagen, daß er ihm solches angezeigt habe. Und er ließ zwei Hauptleute zu sich rufen und sprach: Haltet zweihundert Soldaten bereit, damit sie nach Cäsarea ziehen, dazu siebzig Reiter und zweihundert Schleuderer, von der dritten Stunde der Nacht an; auch soll man Tiere bereitstellen, um den Paulus daraufzusetzen und ihn zu dem Landpfleger Felix in Sicherheit zu bringen. Und er schrieb einen Brief, der folgenden Inhalt hatte: «Claudius Lysias schickt dem edlen Landpfleger Felix einen Gruß! Diesen Mann, den die Juden ergriffen haben und umbringen wollten, habe ich mit Hilfe der Truppe befreit, da ich vernahm, daß er ein Römer sei. Da ich aber den Grund ihrer Anklage gegen ihn ermitteln wollte, führte ich ihn in ihren Hohen Rat hinab. Da fand ich, daß er wegen Streitfragen ihres Gesetzes angeklagt werde, aber keine Anklage auf sich habe, die des Todes oder der Bande wert wäre. Da mir aber angezeigt wurde, daß eine Verschwörung gegen diesen Mann bestehe, so habe ich ihn sogleich zu dir geschickt und auch den Klägern befohlen, sich seinetwegen an dich zu wenden. Lebe wohl!» Die Kriegsknechte nun nahmen den Paulus, wie ihnen befohlen war, und führten ihn bei Nacht nach Antipatris. Am folgenden Tage aber ließen sie die Reiter mit ihm ziehen und kehrten wieder in die Kaserne zurück. Jene aber übergaben bei ihrer Ankunft in Cäsarea dem Landpfleger den Brief und führten ihm auch den Paulus vor. Nachdem aber der Landpfleger den Brief gelesen und auf die Frage, aus welcher Provinz er wäre, erfahren hatte, daß er aus Cilicien sei, sprach er: Ich will dich verhören, wenn deine Ankläger auch eingetroffen sind. Und er befahl, ihn im Palast des Herodes zu bewachen.

Jetzt wird deutlich, dass Paulus die Reise nach Jerusalem im Gehorsam gegenüber seinem HERRN, Jesus Christus gemacht hat: „Denn wie du in Jerusalem von mir gezeugt hast, so sollst du auch in Rom zeugen.“ Der HERR sieht das Wirken des Paulus in Jerusalem als Zeugnis an, vielleicht die letzte Warnung an sein Volk vor der großen Katastrophe. Jerusalem hat dieses Zeugnis abgelehnt, so wie es auch das Zeugnis Jesu selbst abgelehnt hat. Und so wie sie wollten, dass Jesus nicht lebe, so wollten sie auch, dass Paulus nicht leben soll. Aber Paulus soll nicht in Jerusalem sterben, sondern er soll weiterziehen und sein Zeugnis bis vor den Kaiser bringen. Dort regierte seit 54 Nero, dessen erste fünf Jahre als quinquennium Neronis, das glückliche Jahrfünft in die Geschichte eingingen, ganz im Gegensatz zu den verbleibenden Jahren seiner Herrschaft, die 68 durch einen von Galba geführten Aufstand endete. Neros Fluchtversuch nach Ägypten scheiterte und er beging Selbstmord. Paulus würde also in Rom in eine stabile Phase kommen, obwohl es bis zum Brand von Rom im Jahr 64 und der damit verbundenen Christenverfolgung nur noch etwa 5 Jahre waren. Paulus hatte also eine klare Verheißung, nach Rom zu kommen, so wie er es sich gewünscht hat und im Brief an die Römer auch angekündigt hat (Römer 15,22-25  *). Allerdings hat er es sich damals anders vorgestellt. Jetzt reist er in Ketten. Und die Verheißung des HERRN gilt nur für Rom, nicht für Spanien.

Gleichzeitig erhalten wir wieder Einblick in das ganz normale Leben in Jerusalem. „Als es aber Tag geworden war, rotteten sich etliche Juden zusammen und verschworen sich, weder zu essen noch zu trinken, bis sie den Paulus umgebracht hätten.“ Nun gibt es Verschwörungen in der Welt immer wieder. Bei dieser Verschwörung allerdings lesen wir: „Diese gingen zu den Hohenpriestern und Ältesten …“ Da gehen also Verschwörer zu den höchsten Repräsentanten des Staates und beziehen diese in die Planung ihrer Verschwörung mit ein. Dies wirft ein Licht auf die Verhältnisse in Jerusalem, das nicht kommentiert zu werden braucht. Leider hat der Schwestersohn, also der Neffe des Paulus das Ganze mit angehört. Es gibt keinen Hinweis, wie er an diese Information gekommen ist. Er offenbart es seinem Onkel Paulus und der schickt ihn zum Kommandanten. Und was macht der Kommandant, macht er eine Untersuchung? Stellt er die Hohenpriester zur Rede? Nichts dergleichen. Er lässt Paulus in der Nacht unverzüglich aus Jerusalem wegbringen. Dazu stellt er eine ernsthafte Truppe zusammen: 200 Mann, zusätzlich 70 Reiter und 200 Lanzenträger. Auch für Paulus wurde ein Pferd bereitgestellt. Zunächst ging es nach Antipatris, etwa 50 km Luftlinie von Jerusalem entfernt, 15 km östlich des heutigen Tel Aviv. Diese große Mannschaft wurde offensichtlich nur im Umfeld von Jerusalem für erforderlich gehalten, denn den Rest der Reise nach Cäsarea machten dann die 40 Reiter allein mit Paulus. Man sieht, wie auch die römische Besatzungsmacht hier nur taktiert und sich darum drückt, ernsthaft gegen die Ursachen der kriminellen Machenschaften vorzugehen, offenbar, weil ihnen für das verhalten der Bevölkerung dieser Besatzungszone jedes Verständnis abging. Niemand beschäftigte sich wirklich mit den Problemen, auch die Besatzer waren primär auf ihren persönlichen Vorteil bedacht. Dieses Unverständnis wird auch in dem folgenden Zitat deutlich.

Das Anklageschreiben, das der Oberste, Claudius Lysias, dem Statthalter Marcus Antonius Felix vorlegt, ist relativ milde: „Der Mann ist römischer Bürger und wurde von mir vor den Angriffen der Juden geschützt. Ich habe ihn vor den Hohen Rat gestellt, aber es ging nur um Streit über den jüdischen Glauben, nichts, was nach römischem Recht von Bedeutung wäre. Da in Jerusalem ein Mordanschlag gegen ihn geplant ist, sende ich ihn zu Dir.“ Der Brief ist ein wenig geschönt, denn die Tatsache, dass Paulus ein römischer Bürger ist, hat Lysias erst hinterher erfahren. Aber so stellte er sich bei seinem Chef in ein besseres Licht. Marcus Antonius Felix nimmt das auch alles gelassen zur Kenntnis. Das Mordanschläge aus religiösen Motiven in Jerusalem passieren, ist ihm keine weitere Erklärung wert. Auch er forscht da nicht nach. Man hat den Eindruck, dass alle Beteiligten froh sind, wenn das Pulverfass nicht hochgeht. Immerhin musste sich nun der Hohepriester Ananias auf den Weg machen. Mit ihm zog der Rechtsanwalt Tertullus.

Paulus hat nun nicht nur eine Perspektive für seinen weiteren Weg erhalten, sondern auch den Schutz seines HERRN erlebt. Wir können nur spekulieren, wie Paulus diese Vorgänge eingeschätzt hat. Die Prophezeiungen Jesu über den Untergang Jerusalem sind ihm sicherlich bekannt gewesen. Auch Jakobus, der Bruder des Herrn wird sie gekannt haben. Es wäre spannend, zu wissen, mit welchen Gedanken Paulus aus Jerusalem abgereist ist, wie Jakobus die Lage nach dem Paulusbesuch beurteilt hat.

10.12 Paulus vor Felix

Apostelgeschichte 24,1-23  *: Nach fünf Tagen aber kam der Hohepriester Ananias mit den Ältesten und einem Redner, einem gewissen Tertullus, hinab; diese erschienen vor dem Landpfleger wider Paulus. Als dieser aber gerufen worden war, erhob Tertullus die Anklage und sprach: Daß wir viel Frieden durch dich genießen und daß diesem Volke durch deine Fürsorge bessere Zustände geschaffen worden sind, das anerkennen wir allezeit und allenthalben, edelster Felix, mit aller Dankbarkeit! Damit ich dich aber nicht allzusehr bemühe, bitte ich dich, uns in Kürze nach deiner Freundlichkeit anzuhören. Wir haben nämlich diesen Mann als eine Pest befunden, als einen, der Zwietracht stiftet unter allen Juden in der ganzen Welt, als einen Anführer der Sekte der Nazarener; der auch versuchte, den Tempel zu entheiligen; den haben wir auch ergriffen und wollten ihn nach unsrem Gesetze richten. Aber Lysias, der Oberste, kam dazu und führte ihn mit großer Gewalt aus unsern Händen hinweg und hieß seine Ankläger zu dir kommen. Von ihm kannst du selbst, so du ihn verhörest, alles das erfahren, dessen wir ihn anklagen. Dem stimmten aber auch die Juden bei und behaupteten, es verhielte sich so. Paulus aber gab auf den Wink des Landpflegers folgende Antwort: Da ich weiß, daß du seit vielen Jahren unter diesem Volke Richter bist, so verteidige ich meine Sache guten Mutes, da du erfahren kannst, daß es nicht länger als zwölf Tage her ist, seit ich hinaufzog, um in Jerusalem anzubeten. Und sie fanden mich weder im Tempel, daß ich mich mit jemand unterredet oder einen Volksauflauf erregt hätte, noch in den Synagogen, noch in der Stadt. Sie können dir auch das nicht beweisen, wessen sie mich jetzt anklagen. Das bekenne ich dir aber, daß ich nach dem Wege, welchen sie eine Sekte nennen, dem Gott der Väter also diene, daß ich an alles glaube, was im Gesetz und in den Propheten geschrieben steht; und ich habe die Hoffnung zu Gott, auf welche auch sie selbst warten, daß es eine Auferstehung der Toten, sowohl der Gerechten als der Ungerechten, geben wird. Darum übe ich mich auch, allezeit ein unverletztes Gewissen zu haben gegenüber Gott und den Menschen. Ich bin aber nach vielen Jahren gekommen, um Almosen für mein Volk zu bringen und Opfer. Dabei fanden mich, als ich im Tempel ohne Lärm und Getümmel gereinigt wurde, etliche Juden aus Asien; die sollten vor dir erscheinen und Anklage erheben, wenn sie etwas wider mich hätten. Oder diese selbst mögen sagen, was für ein Unrecht sie an mir gefunden haben, als ich vor dem Hohen Rate stand; es wäre denn wegen jenes einzigen Wortes, das ich ausrief, als ich unter ihnen stand: Wegen der Auferstehung der Toten werde ich heute von euch gerichtet! Als Felix solches hörte, verwies er sie auf eine spätere Zeit, da er den Weg genauer kannte, und sprach: Wenn Lysias, der Oberste, herabkommt, will ich eure Sache untersuchen. Und er befahl dem Hauptmann, Paulus in Gewahrsam zu halten, jedoch in milder Haft, auch keinem der Seinigen zu wehren, ihm Dienste zu leisten.

Fast die Hälfte der Rede des Rechtsanwaltes Tertullus, der mit dem Hohenpriester Ananias und einigen anderen Personen aus Jerusalem gekommen war, besteht aus einschmeichelnden Worten gegenüber dem Statthalter Marcus Antonius Felix. Zunächst erfolgt eine Beschimpfung: „Wir haben nämlich diesen Mann als eine Pest befunden, als einen, der Zwietracht stiftet unter allen Juden in der ganzen Welt, als einen Anführer der Sekte der Nazarener; …“ Die Anklage ist dagegen kurz: „… der auch versuchte, den Tempel zu entheiligen“. Und genau darüber wurde vor dem Hohen Rat gar nicht gesprochen. Aber alle mitgereisten Ankläger können bestätigen, dass Paulus das versucht habe. Auf diese Diskrepanz geht Paulus in seiner Verteidigung ein:

Paulus verbeugt sich auch zunächst vor Marcus Antonius Felix, indem er sein Vertrauen in die Urteilsfähigkeit des Marcus Antonius Felix unterstreicht. Dann weist er darauf hin, dass er erst vor 12 Tagen nach Jerusalem gekommen ist, benennt Zeugen, die mit ihm im Tempel waren, betont, dass an der Anklage nichts wahr ist und dass es vor dem Hohen Rat auch gar nicht darum ging, sondern einzig und allein um eine Glaubensaussage, um die Auferstehung der Toten. Allerdings haben die Ankläger gelernt, sie halten sich zurück und es entsteht jetzt kein Tumult mehr, vermutlich wurden nur Sadduzäer mitgenommen und die Pharisäer in Jerusalem gelassen. Der Statthalter Marcus Antonius Felix vertagt die Sitzung. Dies ist auch ein Test des Statthalters, wie ernst es die Hohenpriester mit der Anklage meinen, denn nun müssen sie wieder nach Jerusalem zurückreisen und dann wiederkommen, auf dem Rücken eines Esels oder Pferdes oder auch in einer Kutsche ist das kein reines Vergnügen.

Man sieht unschwer, dass es hier nur darum geht, wer sich durchsetzt. Von einer wie auch immer gearteten Wahrheitsfindung kann keine Rede sein. Die römische Besatzungsmacht will ihre Positionen halten, die jüdischen Parteiungen wollen ihren Einfluss wahren. Das neu aufkommende Christentum bedroht diesen mühsam gewahrten Frieden, aber ebenso die unterschwellig herrschende Korruption und das religiös verbrämte Verbrechen. Diese Verbrecher sammeln sich zu Räuberbanden, die ganze Dörfer in Schutt und Asche legen, paramilitärisch organisiert sind und für Marcus Antonius Felix eine große Bedrohung darstellen, da solche Verbrechen schnell dazu führen können, dass er sich vor dem Kaiser verantworten muss, entweder, weil er nicht genug durchgegriffen hat oder aber auch umgekehrt, weil er überreagiert hat und zu viele Menschen bei seinen Säuberungsaktionen umgekommen sind.

10.13 Seelsorge am Statthalter Felix

Apostelgeschichte 24,24-27  *: Nach etlichen Tagen aber kam Felix mit seinem Weibe Drusilla, die eine Jüdin war, und ließ den Paulus holen und hörte ihn über den Glauben an Christus Jesus. Als er aber von Gerechtigkeit und Enthaltsamkeit und dem zukünftigen Gericht redete, wurde dem Felix bange, und er antwortete: Für diesmal gehe hin; wenn ich aber gelegene Zeit bekomme, will ich dich wieder rufen lassen! Zugleich hoffte er aber auch, daß ihm von Paulus Geld gegeben würde, damit er ihn freiließe. Darum ließ er ihn auch öfters kommen und besprach sich mit ihm. Als aber zwei Jahre verflossen waren, bekam Felix zum Nachfolger den Porcius Festus, und da sich Felix die Juden zu Dank verpflichten wollte, ließ er den Paulus gebunden zurück.

Marcus Antonius Felix mit seiner Frau Drusilla interessieren sich für diesen Paulus und so sprachen sie mit ihm.

Drusilla war die Tochter Agrippas I. und damit Schwester von Agrippa II.. Sie war mit dem Sohn des Königs der Komagene, einer Landschaft nördlich Syriens und westlich des Euphrats, verlobt. Die Hochzeit kam nicht zu Stande, weil der Königssohn nicht bereit war, sich beschneiden zu lassen. Stattdessen heiratete Drusilla den Fürsten Azizus von Emesa, dem heutigen Homs in Syrien, südwestlich der Komagene. Der Fürst konvertierte ihretwegen zum Judentum und ließ sich beschneiden. Er starb kurz darauf. Ob Drusilla ihn bereits zu Lebzeiten verließ, wie Flavius Josephus berichtet, oder sich erst danach Marcus Antonius Felix zuwandte, ist umstritten. Jedenfalls heiratete sie bereits nach zwei Jahren den Statthalter Marcus Antonius Felix, im Todesjahr ihres ersten Mannes Azizus. Sie bestand jetzt nicht darauf, dass Marcus Antonius Felix den jüdischen Glauben annahm. Dies galt als Gesetzesverstoß. Allerdings beurteilte Tacitus die Situation aus dem Blickwinkel des Statthalters und kommentierte die Heirat so, „dass er gestützt auf solche Macht sich ungestraft alles erlauben dürfe“. Man mag spekulieren, ob beide Paulus aus echtem Interesse befragten.

Jedenfalls hat Paulus das Gespräch ernst genommen und ganz frei offenbar auch über seelsorgliche Fragen gesprochen, von „Gerechtigkeit und Enthaltsamkeit und dem zukünftigen Gericht“. Marcus Antonius Felix scheint durchaus bemerkt zu haben, von wem Paulus hier redete. Marcus Antonius Felix wurde bange, berichtet Lukas und er schickt Paulus wieder weg. Lukas macht sich keine Illusionen: Marcus Antonius Felix wollte Geld. Auch wenn über die anderen Gespräche nicht berichtet wird, können wir annehmen, dass Paulus sie ebenfalls genutzt hat.

Zwei Jahre blieb Paulus in dieser Haft, bis Marcus Antonius Felix abgelöst wurde. Um sich nicht mit den Juden anzulegen, ließ Marcus Antonius Felix Paulus in Haft. Diesen schwierigen Fall überließ er seinem Nachfolger Porcius Festus.

So bleibt die Frage offen, ob die Reden von Paulus in der Fmilie des Marcus Antonius Felix irgend einen Eindruck hinterlassen haben. Aber Paulus war seinem Ziel näher gekommen, sein Zeugnis auch vor den Großen des römischen Reiches zu sagen. Er hat dafür die Haft in Cäsarea in Kauf genommen, konnte seine Reisen nicht mehr fortsetzen, aber er hatte damit auch einen sicheren Raum, von dem aus er in der Provinz Syrien wirken konnte. Seine Freunde konnten ihn besuchen und er konnte mit ihnen sprechen, also Einfluss nehmen. Erstaunlich ist, dass Lukas über all diese Dinge schweigt. Ob und wie weit zu Jakobus, dem Bruder des Herrn, Kontakte bestanden, bleibt offen. Einen direkten Kontakt kann man wohl ausschließen, weil Jakobus, der Bruder des Herrn, Jerusalem nach unserer Kenntnis nicht verlassen hat, jedenfalls zitiert Eusebius von Caesarea den Hegesippus, dass Jakobus ständig im Tempel für das jüdische Volk um Vergebung gebetet habe, was eine Reisetätigkeit ebenfalls unwahrscheinlich erscheinen lässt: «Seine Knie wurden hart wie die eines Kameles, da er ständig auf den Knien lag, um zu Gott zu beten und ihn um Verzeihung für sein Volk zu bitten.» (Kirchengeschichte 2.Buch Kap. 23). Vgl. auch den Abschnitt über Jakobus Tod. Wieweit er über den Einfluss des Paulus glücklich war, können wir offenlassen. Während des Apostelkonzils haben beide gut zusammengearbeitet (Apostelgeschichte 15  *), auch wenn einzelne Mitglieder der Gemeinde aus Jerusalem in Antiochia für Unruhe gesorgt haben. Vermutlich wird es jetzt nicht viel anders gewesen sein. Einzelne Gemeindemitglieder werden die Anwesenheit des Paulus wohl für störend empfunden haben, denn wir können davon ausgehen, dass das Verhalten der Gemeinde sehr vom mosaischen Gesetz geprägt war, nach außen in Jerusalem also nicht auffiel. Die Mission ergab sich mehr aus dem persönlichen Gespräch. Wir werden dies am Bericht des Hegesippus über den Tod des Jakobus noch darstellen (Abschnitt 11).

10.14 Paulus vor dem Statthalter Festus

Apostelgeschichte 25,1-12 *: Als nun Festus in der Provinz angekommen war, zog er nach drei Tagen von Cäsarea nach Jerusalem hinauf. Da wurden die Hohenpriester und die Vornehmsten der Juden bei ihm vorstellig gegen Paulus, redeten ihm zu und baten es sich als eine Gunst wider ihn aus, daß er ihn nach Jerusalem holen ließe; dabei planten sie einen Anschlag, um ihn unterwegs umzubringen. Da antwortete Festus, Paulus werde in Cäsarea in Verwahrung gehalten, er selbst aber werde in Bälde wieder abreisen. So lasset nun, sprach er, eure Bevollmächtigten mit hinabziehen; und wenn eine Schuld an diesem Manne ist, sollen sie ihn anklagen! Nachdem er aber nicht mehr als acht oder zehn Tage bei ihnen gewesen war, zog er nach Cäsarea hinab, und am folgenden Tage setzte er sich auf den Richterstuhl und ließ den Paulus vorführen. Und als dieser erschien, umringten ihn die Juden, die von Jerusalem herabgekommen waren, und brachten viele und schwere Klagen gegen ihn vor, die sie nicht beweisen konnten, während Paulus sich also verteidigte: Weder gegen das Gesetz der Juden, noch gegen den Tempel, noch gegen den Kaiser habe ich etwas verbrochen! Festus aber, der sich die Juden zu Dank verpflichten wollte, antwortete dem Paulus und sprach: Willst du nach Jerusalem hinaufziehen und dich dort hierüber von mir richten lassen? Aber Paulus sprach: Ich stehe vor dem Richterstuhl des Kaisers, da muß ich gerichtet werden! Den Juden habe ich kein Unrecht getan, wie du selbst am besten weißt. Bin ich aber im Unrecht und habe etwas begangen, was des Todes wert ist, so weigere ich mich nicht zu sterben. Ist aber nichts an dem, dessen diese mich anklagen, so kann mich niemand ihnen zu Gefallen preisgeben. Ich berufe mich auf den Kaiser! Da besprach sich Festus mit seinem Rat und antwortete: Du hast dich auf den Kaiser berufen; zum Kaiser sollst du ziehen!

Es sieht fast aus, als halten Porcius Festus und Paulus zusammen. Die Hohenpriester stellen ihren Antrag, Lukas kommentiert ihn als hinterlistig, und Porcius Festus antwortet, offenbar weil er die Hintergründe kennt, Paulus würde nicht nach Jerusalem kommen, sondern die Hohenpriester sollten einen Bevollmächtigten nach Cäsarea schicken. Die Statthalter von Judäa wussten, auf was für einem Pulverfass sie saßen und waren deshalb sehr vorsichtig. Dies würde sich allerdings unter den Statthaltern Lucceius Albinus und Gessius Florus deutlich ändern und zum jüdischen Krieg führen, der vom Jahr 64 bis zum Jahr 74 dauerte. 70 wurde Jerusalem erobert und im Jahr 74 Massada. Den Juden stand eine unbeschreibliche Leidenszeit bevor. Flavius Josephus macht dies in seinem Buch über den jüdischen Krieg sehr deutlich.

Wie groß der Hass auf Paulus war, mag man daran ermessen, dass eine größere Schar nach Cäsarea reist, um Paulus zu verklagen. Allerdings wirft es ein bezeichnendes Bild auf die Unbeherrschtheit seiner Ankläger, dass sie nicht mit einer in sich stimmigen Anklage kamen, sondern sie brachten „viele und schwere Klagen gegen ihn vor, die sie nicht beweisen konnten“. Damit beschädigten sie auf jeden Fall ihre Glaubwürdigkeit. Deshalb ist die Verteidigung des Paulus einfach: „Weder gegen das Gesetz der Juden, noch gegen den Tempel, noch gegen den Kaiser habe ich etwas verbrochen!“

Man erkennt, dass Paulus seinen Auftrag in Jerusalem für erfüllt hält. Denn als Porcius Festus ihm anbietet, sich in Jerusalem zu verteidigen, da lehnt er es ab, indem er sich auf den Kaiser beruft. Warum er nicht nach Jerusalem zurückkehren will, mag damit zusammenhängen, dass er Nachrichten aus der Gemeinde in Jerusalem erhalten hat, die ihn davor gewarnt haben. Von dem Mordanschlag, der auf dem Weg nach Jerusalem auf ihn geplant war, erwähnt er jedenfalls nichts vor Porcius Festus. Möglicherweise hat auch Lukas davon erst später gehört und es in die Apostelgeschichte eingefügt. Als Paulus in Jerusalem von dem geplanten Anschlag hörte, scheute er sich jedenfalls nicht, die römischen Soldaten davon in Kenntnis zu setzen und auch diese haben den Anschlagsplan sehr ernst genommen, wie man an der Truppenstärke ablesen kann, mit der Paulus nach Cäsarea gebracht worden ist.

Ganz offensichtlich war der Blick des Paulus jetzt auf Rom gerichtet. Er hatte in Jerusalem sein Zeugnis gegeben, auch vor ranghohen Politikern. Und er hatte bemerkt, dass Jerusalem sein Zeugnis abgelehnt hat. Ob ihm auch die Gemeinde signalisiert hat, dass sein Zeugnis Schwierigkeiten gebracht habe, wissen wir nicht. Der Besuch des Paulus fällt in eine Zeit zunehmender Aggression der Juden gegen ihre Besatzungsmacht. Paulus hatte eine starke innere Beziehung zu Jesus, deshalb wird er dies nicht ohne Auftrag getan haben. Wir haben das daher nicht zu beurteilen. Auf jeden Fall ist dieser Auftrag, in Jerusalem für Jesus ein Zeugnis zu geben, erfüllt. Paulus beruft sich auf den Kaiser und Porcius Festus akzeptiert das.

10.15 Festus und Herodes Agrippa II

Apostelgeschichte 25,13-27 *: Als aber etliche Tage vergangen waren, kam der König Agrippa mit Bernice nach Cäsarea, um Festus zu begrüßen. Und da sie sich mehrere Tage dort aufhielten, legte Festus dem König die Sache des Paulus vor und sprach: Es ist von Felix ein Mann gefangen zurückgelassen worden, wegen dessen, als ich in Jerusalem war, die Hohenpriester und Ältesten der Juden vorstellig wurden, indem sie seine Verurteilung verlangten. Denen antwortete ich, es sei nicht der Römer Brauch, einen Menschen preiszugeben, ehe der Angeklagte die Kläger vor Augen habe und Gelegenheit erhalte, sich der Klage wegen zu verteidigen. Als sie nun hier zusammengekommen waren, machte ich keinen Aufschub, sondern setzte mich am folgenden Tage auf den Richterstuhl und ließ den Mann vorführen. Als nun die Kläger auftraten, brachten sie gar keine Klage wegen eines Verbrechens über ihn vor, wie ich vermutet hatte; dagegen hatten sie einige Streitfragen betreffend ihre Religion und einen verstorbenen Jesus, von welchem Paulus behauptete, er lebe. Da ich aber nicht wußte, wie ich über solche Fragen ein Verhör anstellen sollte, fragte ich, ob er nach Jerusalem ziehen und sich dort hierüber richten lassen wolle. Da sich aber Paulus darauf berief, daß er in Erwartung der Entscheidung des Kaisers in Gewahrsam gehalten werde, befahl ich, ihn in Haft zu behalten, bis ich ihn zum Kaiser sende. Agrippa aber sprach zu Festus: Ich möchte den Menschen auch gerne hören! Er sprach: Morgen sollst du ihn hören! Am folgenden Tage nun kamen Agrippa und Bernice mit großem Gepränge und gingen mit den Obersten und den angesehensten Männern der Stadt in den Hörsaal, und auf Befehl des Festus wurde Paulus gebracht. Und Festus sprach: König Agrippa und alle anwesenden Männer! Da seht ihr den, um dessentwillen die ganze Menge der Juden in Jerusalem und hier mich anging, indem sie schrieen, er dürfe nicht länger leben. Weil ich aber erkannte, daß er nichts getan hat, was des Todes würdig wäre, und auch er selbst sich auf den Kaiser berufen hat, so habe ich beschlossen, ihn abzusenden. Ich weiß jedoch dem Herrn nichts Gewisses über ihn zu schreiben. Darum habe ich ihn euch vorgeführt, allermeist dir, König Agrippa, damit ich nach geschehener Untersuchung etwas zu schreiben wisse. Denn es dünkt mich unvernünftig, einen Gefangenen abzusenden, ohne die gegen ihn erhobenen Klagen anzugeben.

Die Erzählung nimmt jetzt einen ganz anderen Verlauf. War der Auftritt der Ankläger aus Jerusalem von Vorwürfen und Streit geprägt, so herrscht jetzt eine gewisse Gelassenheit. Agrippa II. erscheint zu seinem Antrittsbesuch bei Porcius Festus. Man erkennt daraus schon die Machtverhältnisse. Nicht der neu angekommene Porcius Festus sucht den amtierenden König der Region, Agrippa II. auf, sondern Agrippa II. fährt nach Cäsarea zu Porcius Festus. Darüber regt sich Agrippa II. auch in keiner Weise auf, denn er weiß die Machtverhältnisse richtig einzuschätzen. Er bringt seine Schwester Julia Berenike mit. Sie war damals so etwas wie die erste Dame am Hofe des Agrippa II. Lukas schweigt über die Gerüchte, die sich um die Beziehung der Geschwister ranken, obwohl er sich in anderen Fällen nicht scheut, ungesetzliches Verhalten auch zu benennen (Lukas 3,19-20 *). Interesant ist die Erzählung, mit der Porcius Festus das Verhör des Paulus beschreibt. Man erkennt, wie fern ihm die Streitigkeiten um die Religion waren: „Als nun die Kläger auftraten, brachten sie gar keine Klage wegen eines Verbrechens über ihn vor, wie ich vermutet hatte; dagegen hatten sie einige Streitfragen betreffend ihre Religion und einen verstorbenen Jesus, von welchem Paulus behauptete, er lebe.“ Porcius Festus fühlt sich hier gar nicht zuständig. Es geht nur um religiösen Streit, der keine strafrechtliche Bedeutung hat. Er wusste nicht einmal, was er fragen sollte, um zu verstehen, was der Hintergrund der Aufregung war. Er wendet sich sehr vertrauensvoll an Agrippa II., das Vertrauen der römischen Besatzungsmacht in die Herodianer ist offenbar ungebrochen. Und Agrippa II. zeigt Interesse, er möchte Paulus gerne hören.

Man fragt sich, woher Lukas das alles wusste, denn Paulus wird erst am nächsten Tag vorgeladen. Das Gespräch hier fand im kleinen Kreis statt. Ganz offenbar hatte die Gemeinde der Christen Beziehungen bis in die inneren Machtzirkel. Wer sich da bekehrt hat und in der Gemeinde der Christen berichtet hat, wissen wir nicht. Es verbietet sich auch, darüber zu spekulieren. Aber das es so war, ist doch recht wahrscheinlich.

Am nächsten Tag wird Paulus vorgestellt. Porcius Festus möchte gerne wissen, was er denn dem Kaiser in der Strafsache Paulus als Anklagepunkte nennen solle. Diese Frage richtet sich primär an Agrippa II..

10.16 Paulus verteidigt sich vor Herodes Agrippa II

Apostelgeschichte 26  *: Agrippa aber sprach zu Paulus: Es ist dir erlaubt, für dich zu reden! Da streckte Paulus die Hand aus und verantwortete sich also: Ich schätze mich glücklich, König Agrippa, mich heute vor dir verantworten zu dürfen wegen aller Anklagen, welche die Juden gegen mich erheben, da du ja alle Gebräuche und Streitfragen der Juden genau kennst; darum bitte ich dich, mich geduldig anzuhören. Was nun meinen Lebenswandel von Jugend auf betrifft, den ich von Anfang an unter meinem Volke, und zwar in Jerusalem führte, so kennen mich alle Juden; da sie wissen, wenn sie es bezeugen wollen, daß ich früher nach der strengsten Richtung unserer Religion gelebt habe, als ein Pharisäer. Und jetzt stehe ich vor Gericht wegen der Hoffnung auf die von Gott an unsre Väter ergangene Verheißung, zu welcher unsere zwölf Stämme Tag und Nacht mit anhaltendem Gottesdienst zu gelangen hoffen. Wegen dieser Hoffnung werde ich, König Agrippa, von den Juden angeklagt! Warum wird es bei euch für unglaublich gehalten, daß Gott Tote auferweckt? Ich habe zwar auch gemeint, ich müßte gegen den Namen Jesus von Nazareth viel Feindseliges verüben, was ich auch zu Jerusalem tat; und viele der Heiligen ließ ich ins Gefängnis schließen, wozu ich von den Hohenpriestern die Vollmacht empfangen hatte, und wenn sie getötet werden sollten, gab ich die Stimme dazu. Und in allen Synagogen zwang ich sie oft durch Strafen, zu lästern, und über die Maßen gegen sie wütend, verfolgte ich sie sogar bis in die auswärtigen Städte. Als ich nun in solchem Tun mit Vollmacht und Erlaubnis der Hohenpriester nach Damaskus reiste, sah ich mitten am Tage auf dem Wege, o König, vom Himmel her ein Licht, heller als der Sonne Glanz, welches mich und meine Reisegefährten umleuchtete. Und da wir alle zur Erde fielen, hörte ich eine Stimme in hebräischer Sprache zu mir sagen: Saul, Saul! was verfolgst du mich? Es wird dir schwer werden, gegen den Stachel auszuschlagen! Ich aber sprach: Wer bist du, Herr? Der Herr aber sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgst! Aber steh auf und tritt auf deine Füße! Denn dazu bin ich dir erschienen, dich zu verordnen zum Diener und Zeugen dessen, was du von mir gesehen hast und was ich dir noch offenbaren werde, und ich will dich erretten von dem Volk und von den Heiden, unter welche ich dich sende, um ihnen die Augen zu öffnen, damit sie sich bekehren von der Finsternis zum Licht und von der Gewalt des Satans zu Gott, auf daß sie Vergebung der Sünden und ein Erbteil unter den Geheiligten empfangen durch den Glauben an mich! Daher, König Agrippa, bin ich der himmlischen Erscheinung nicht ungehorsam gewesen, sondern ich habe zuerst denen in Damaskus und in Jerusalem und dann im ganzen jüdischen Lande und den Heiden verkündigt, sie sollten Buße tun und sich zu Gott bekehren, indem sie Werke tun, die der Buße würdig sind. Deswegen griffen mich die Juden im Tempel und suchten mich umzubringen. Aber da mir Hilfe von Gott widerfahren ist, so stehe ich bis auf diesen Tag und lege Zeugnis ab vor Kleinen und Großen und lehre nichts anderes, als was die Propheten und Mose gesagt haben, daß es geschehen werde: nämlich, daß Christus leiden müsse und daß er, der Erstling aus der Auferstehung der Toten, Licht verkündigen werde dem Volke und auch den Heiden. Als er aber zu seiner Verteidigung solches sagte, sprach Festus mit lauter Stimme: Paulus, du bist von Sinnen! Das viele Studieren bringt dich um den Verstand! Er aber sprach: Edelster Festus, ich bin nicht von Sinnen, sondern ich rede wahre und wohlüberlegte Worte! Denn der König versteht diese Dinge sehr wohl, an ihn richte ich meine freimütige Rede. Denn ich bin überzeugt, daß ihm nichts davon unbekannt ist; denn solches ist nicht im Winkel geschehen! Glaubst du, König Agrippa, den Propheten? Ich weiß, daß du glaubst. Agrippa aber sprach zu Paulus: Du überredest mich bald, daß ich ein Christ werde! Paulus erwiderte: Ich wünschte zu Gott, daß über kurz oder lang nicht allein du, sondern auch alle, die mich heute hören, solche würden, wie ich bin, ausgenommen diese Bande! Und der König stand auf, ebenso der Landpfleger und Bernice und die bei ihnen saßen. Und sie zogen sich zurück und redeten miteinander und sprachen: Dieser Mensch tut nichts, was des Todes oder der Bande wert ist! Agrippa aber sprach zu Festus: Man könnte diesen Menschen freilassen, wenn er sich nicht auf den Kaiser berufen hätte!

Paulus hat nun die Möglichkeit, sein Zeugnis auch vor dem König Agrippa II. zu geben. Und er nutzt diese Möglichkeit, als Agrippa II. ihm das Wort erteilt.

Zunächst drückt er seine Freude darüber aus, vor Agrippa II. sprechen zu dürfen, weil er die jüdischen Gepflogenheiten kennt. Er appelliert also an Agrippas Kompetenz und seine Geduld in diesen Fragen. Er bekennt sich als Pharisäer und betont, dass er nicht als Christ sondern als Pharisäer angeklagt wird, weil er an die Auferstehung der Toten glaubt. Und er fragt, was die Juden denn hindere, an die Auferstehung der Toten zu glauben. Er macht also keine Ausführungen, wie wir sie aus seinen Briefen kennen, sondern er fokussiert auf die Auferstehung der Toten. Er bekennt, dass er auch ein Verfolger der Christen gewesen ist. Aber er bekennt sich auch dazu, dass ihm der auferstandene Jesus begegnet ist. Und er betont, dass er dieser „himmlischen Erscheinung nicht ungehorsam gewesen“ ist, sondern: „ich habe zuerst denen in Damaskus und in Jerusalem und dann im ganzen jüdischen Lande und den Heiden verkündigt, sie sollten Buße tun und sich zu Gott bekehren, indem sie Werke tun, die der Buße würdig sind.“

Dies ist ein großes Wort und erinnert sehr an Jakobus: Was hilft es, meine Brüder, wenn jemand sagt, er habe Glauben, dabei aber keine Werke hat? Kann ihn denn der Glaube retten? Wenn es einem Bruder oder einer Schwester an Kleidung und täglicher Nahrung gebricht und jemand von euch zu ihnen sagen würde: Gehet hin in Frieden, wärmet und sättiget euch, ihr gäbet ihnen aber nicht, was zur Befriedigung ihrer leiblichen Bedürfnisse erforderlich ist, was hülfe ihnen das? So ist es auch mit dem Glauben: Wenn er keine Werke hat, so ist er an und für sich tot. (Jakobus 2,14-17 *) Paulus spricht von seiner Tätigkeit unter den Heiden und betont, dass er von den Heiden Werke erwartet, „die der Buße würdig sind“. Diese Anspreache des Paulus zeigt, wie Römer 3,23-24 * zu verstehen ist: Denn es ist kein Unterschied: Alle haben gesündigt und ermangeln der Herrlichkeit Gottes, so daß sie gerechtfertigt werden ohne Verdienst, durch seine Gnade, mittels der Erlösung, die in Christus Jesus ist. Das Wort „ohne Verdienst“ schließt aus, dass wir noch irgend etwas tun könnten, was das Erlösungswerk Jesu vollendet. Es erwartet aber, dass die Gnade uns zur Buße leitet. Auch im Römerbrief schreibt er: Oder verachtest du den Reichtum seiner Güte, Geduld und Langmut, ohne zu erkennen, daß dich Gottes Güte zur Buße leitet? (Römer 2,4 *) Genau dieses betont er jetzt auch vor Agrippa II.. Und er verstärkt die Aussage noch, indem er von Werken spricht, „die der Buße würdig sind“. Ich bin überzeugt, dass Paulus und Jakobus, der Bruder des Herrn, sich gut verstanden haben. Die Auseinandersetzungen, die es innerhalb der Gemeinde um den rechten Weg immer auch gegeben hat, gingen nicht von den Aposteln aus, sondern von unteren Ebenen.

Darauf spricht er davon, dass Jesus Christus auferstanden ist. Er spricht von der „Auferstehung der Toten“. Und da hakt Porcius Festus ein und daran wird auch klar, warum er den ganzen Vorgang nicht versteht. „Auferstehung der Toten“, das ist für Porcius Festus Irrsinn: „Paulus, du bist von Sinnen! Das viele Studieren bringt dich um den Verstand!“ Was Paulus redet ist so weit weg von der Wirklichkeit, in der Porcius Festus lebt, dass er es nur als Irrsinn empfindet. Es geht also nicht nur uns so, dass wir mit unserem Zeugnis Menschen nicht erreichen, weil sie die Botschaft der Bibel für Irrsinn halten, schon Paulus musste dies an vielen Stellen erleben, nicht nur hier vor Porcius Festus sondern auch auf dem Areopag etwa (Apostelgeschichte 17,32-34  *).

Paulus diskutiert nun nicht mit Porcius Festus sondern sucht Zustimmung bei Agrippa II.. Hier wird etwas deutlich, was wir für unser persönliches Zeugnis auch übernehmen sollten. Paulus gibt ein klares Zeugnis und bringt die Dinge auf den Punkt. Er redet nicht darum herum, um vielleicht den einen oder anderen nicht zu verprellen. Er riskiert den Spott oder auch, wie in Jerusalem, den Zorn der Andersdenkenden. Und dann wendet er sich denen zu, die Interesse haben. Er lässt sich nicht auf Diskussionen mit den Spöttern ein. Wieviel Zeit vergeuden wir oft, weil wir mit denen reden, die lautstark ihre Ablehnung artikulieren, statt mit denen zu reden, die wirklich fragend geworden sind. Möge der Heilige Geist uns die Augen für die Menschen öffnen, die fragend sind.

Agrippa II. windet sich mit einem Scherz aus der Situation: „Du überredest mich bald, daß ich ein Christ werde!“ und Paulus lässt nicht locker: „Ich wünschte zu Gott, daß über kurz oder lang nicht allein du, sondern auch alle, die mich heute hören, solche würden, wie ich bin, ausgenommen diese Bande!“

Paulus ist hier mitten in einem seelsorglichen Gespräch. Er nutzt diese Begegnung bis zum Schluss aus. Er nimmt keine Rücksicht darauf, dass es den beiden, Porcius Festus und Agrippa II. zunehmend unangenehm wird. Noch kann er reden und er tut es auch. Aber Agrippa II. ist der König. Wenn er ein Gespräch beenden will, so beendet er es und geht. Genau das tut er. Er lässt Paulus einfach stehen. Er ist König der Juden. Er kann keinen neuen Ärger gebrauchen. Es wird nicht mehr lange dauern, dann wird er vor seinem Volk stehen und es unter Tränen zur Mäßigung gegenüber Rom aufrufen. Dies wird ihm nur kurzfristig gelingen, dann werden sie ihn mit Steinen aus Jerusalem jagen und das Unheil wird seinen Lauf nehmen (Flavius Josephus Geschichte des jüdischen Krieges II.16.5 und II 17.1(dt) oder II.16.5 (gr) und II 17.1 (gr)).

10.17 Paulus verlässt Judäa - Fazit

Apostelgeschichte 27,1-3 *: Als es aber beschlossen worden war, daß wir nach Italien abfahren sollten, übergaben sie Paulus und einige andere Gefangene einem Hauptmann namens Julius von der Kaiserlichen Schar. Nachdem wir aber ein adramyttenisches Schiff bestiegen hatten, welches der kleinasiatischen Küste entlang fahren sollte, reisten wir ab in Begleitung des Mazedoniers Aristarchus aus Thessalonich. Und am andern Tage liefen wir in Zidon ein; und Julius erzeigte sich menschenfreundlich gegen Paulus und erlaubte ihm, zu seinen Freunden zu gehen und ihrer Pflege zu genießen.

Es ist vermutlich Herbst im Jahr 58, als Paulus als Gefangener nach Rom geht. Er hatte in Jerusalem vor den Menschen, die in der Stadt waren, vor den Soldaten und sogar vor dem römischen Statthalter und vor dem König Agrippa II. sein Zeugnis geben können. Ganz offensichtlich hatte sich für Paulus das Ziel seiner Missionatätigkeit verschoben. Er wollte jetzt auch die Entscheidungsträger erreichen. Damit hatte er eine Vision, die weit über seine Lebenszeit hinausreichte und die erst Jesus selbst erfüllen würde, wenn der römische Tetrarch und Feldherr und spätere Kaiser Konstantin der Große im Jahr 312, also 254 Jahre später träumen wird, dass er nur im Zeichen des Kreuzes werde siegen können (Göttliche Vorzeichen? Der Sieg über Maxentius in der Schlacht an der Milvischen Brücke im Jahr 312).

Als Zusammenfassung dieser Begebenheiten bleibt festzuhalten:

Als Fazit können wir feststellen:

Es wird in diesen Ereignissen deutlich, wie Judäa immer mehr in eine Nebenrolle gerät, ihre Vorwürfe treffen nur noch auf Unverständnis, die kommenden Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Die Politik des Joseph Kaiphas hat den jüdischen Glauben in eine Rolle geführt, die nur noch als destruktiv empfunden wird. Fanatiker gewinnen zunehmend die Oberhand, was schießlich für fast 2000 Jahre zum Untergang des jüdischen Staates führt.







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Als nun Festus in der Provinz angekommen war, zog er nach drei Tagen von Cäsarea nach Jerusalem hinauf.Da wurden die Hohenpriester und die Vornehmsten der Juden bei ihm vorstellig gegen Paulus,redeten...
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Als aber etliche Tage vergangen waren, kam der König Agrippa mit Bernice nach Cäsarea, um Festus zu begrüßen.Und da sie sich mehrere Tage dort aufhielten, legte Festus dem König die Sache des Paulus vor...
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33Römer 15,17-33
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Ich habe also Grund zum Rühmen in Christus Jesus, vor Gott.Denn ich würde nicht wagen, etwas davon zu sagen, wenn nicht Christus es durch mich gewirkt hätte, um die Heiden zum Gehorsam zu bringen durch...
34Römer 16,25
1
Dem aber, der euch stärken kann laut meines Evangeliums und der Predigt von Jesus Christus, gemäß der Offenbarung des Geheimnisses, das von ewigen Zeiten her verschwiegen gewesen,jetzt aber geoffenbart...
351.Korinther 9,1-12
1
Bin ich nicht frei? Bin ich nicht ein Apostel? Habe ich nicht unsern Herrn Jesus Christus gesehen? Seid nicht ihr mein Werk im Herrn?Bin ich für andere kein Apostel, so bin ich es doch für euch; denn das...
361.Korinther 16,1-3
1
Was aber die Sammlung für die Heiligen anbelangt, so handelt auch ihr so, wie ich es für die Gemeinden in Galatien angeordnet habe.An jedem ersten Wochentag lege ein jeder unter euch etwas beiseite und...
372.Korinther 2,4-10
1
Denn ich habe euch aus viel Trübsal und Herzeleid heraus geschrieben, unter vielen Tränen, nicht damit ihr betrübt werdet, sondern damit ihr die Liebe erkennet, die ich in besonderer Weise zu euch habe.Hat...
382.Korinther 12,5-10
1
Wegen eines solchen will ich mich rühmen, meiner selbst wegen aber will ich mich nicht rühmen, als nur meiner Schwachheiten.Wenn ich mich zwar rühmen wollte, würde ich darum nicht töricht sein, denn ich...
39Galater 1-2
1
Paulus, Apostel, nicht von Menschen, auch nicht durch einen Menschen, sondern durch Jesus Christus und Gott, den Vater, der ihn auferweckt hat von den Toten;und alle Brüder, die mit mir sind, an die Gemeinden...
40Galater 4,14
1
Und ihr habt die mir am Fleische widerfahrene Anfechtung nicht gering angeschlagen oder gar verabscheut, sondern wie einen Engel Gottes nahmet ihr mich auf, wie Christus Jesus.Was ist nun aus eurer Glückseligkeit...
412.Timotheus 2,8
1
Halt im Gedächtnis Jesus Christus, der von den Toten auferstanden ist, aus Davids Samen, nach meinem Evangelium,in dessen Dienst ich Ungemach leide, sogar Ketten wie ein Übeltäter; aber das Wort Gottes...
42Hebräer 10,30-31
1
Denn wir kennen den, der da sagt: «Die Rache ist mein; ich will vergelten!» und wiederum: «Der Herr wird sein Volk richten».Schrecklich ist es, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen!Gedenket aber...
43Jakobus 2,14-17
1
Was hilft es, meine Brüder, wenn jemand sagt, er habe Glauben, dabei aber keine Werke hat? Kann ihn denn der Glaube retten?Wenn es einem Bruder oder einer Schwester an Kleidung und täglicher Nahrung gebrichtund...
442.Petrus 3,15-16
1
Und die Geduld unsres Herrn achtet für euer Heil, wie auch unser lieber Bruder Paulus nach der ihm verliehenen Weisheit euch geschrieben hat,wie auch in allen Briefen, wo er davon spricht, in welchen etliches...




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