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Menschen der Bibel

Der Fall Jerusalems aus der Sicht des Talmud

Gott steht zu Israel

 


Zusammenfassung

Joseph Kaiphas war von 18 bis 36 n.Chr. Hoherpriester in Israel, ein Schwiegersohn des Ananus (Hannas), der von 6 bis 15 n.Chr. Hoherpriester war. In einem Jahrhundert, in dem 28 Hohepriester amtierten, schaffte er es, sich 18 Jahre im Amt zu halten. Er begegnet Jesus als oberster Richter seines Volkes und ist maßgeblich am Zustandekommen des Todesurteils beteiligt. Er hielt sich so lange an der Macht, wie auch Pilatus Statthalter von Kaiser Tiberius in Syrien war (26 bis 36 n.Chr.), hatte also offenbar gute Beziehungen zu Pilatus und verlor sein Amt nahezu gleichzitig mit Pilatus.

In diesem Abschnitt werden einige Aspekte dargestellt, die im Talmud über die Eroberung Jerusalems durch Titus dargestellt sind. Sie stehen teilweise im Widerspruch zu dem, was Josephus schreibt, insbesondere im Blick auf die Rolle der Sikarier. Erstaunlich ist, wie Jesus in diesem Zusammenhang zitiert wird. Der Talmud beschreibt ihn als jemand, der Israel für unantastbar hält, wie den Augapfel Gottes. Dies überrascht angesichts des Zornes auf die Christen, der sich gerade im ersten Jahrhundert zeigt.

Schlagwörter: Apostel Johannes - Bibel - Bileam - David - Flavius Josephus - Gott - Hadrian - Heiliger Geist - Jakob - Jesus - Jochanan - Kaiser Trajan - Mose - Porcius Festus - Sadduzäer - Sohn - Talmud - Titus - Trinität - Vater - Vespasian

Bereich Anregungen

Thema Vorangehender Beitrag Folgender Beitrag

Menschen in der Bibel
Menschen in der Begegnung mit Gott
Die großen Glaubensfrauen und -männer der Bibel - Ihre Stärken und ihre Schwächen

Der Kampf gegen das messianische Judentum
Jakobus, der Bruder des Herrn, stirbt als Märtyrer

Abgrenzung
Die Handlungsalternativen innerhalb der Praxis der Synagoge

Bibelarbeiten
Bibelarbeiten für verschiedene Zielgruppen
Die Faszination des Wortes Gottes

Der Kampf gegen das messianische Judentum
Jakobus, der Bruder des Herrn, stirbt als Märtyrer

Messiasprophetien des Alten Testamentes
... Blinde werden sehend, Lahme wandeln, Aussätzige werden rein, Taube hören, Tote werden auferweckt, Armen wird das Evangelium gepredigt
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Inhaltsverzeichnis

Thema: Pragmatismus und das Reich Gottes

Thema: Wie behalte ich die Lage im Griff

Thema: Die Himmelfahrt Jesu

Thema: Pfingsten - Die Ausgießung des Heiligen Geistes

Thema: Jetzt muss sich der Hohepriester auch noch mit ungelehrten Leuten und Laien herumschlagen

Thema: Krankenheilungen sind kein Argument - Politik gegen die Jünger Jesu

Thema: Die Gewalt eskaliert

Thema: Die Bekämpfung des Messias Jesus verselbständigt sich zu einer systematischen Verfolgung

Thema: Die Staatsmacht greift ein

Thema: Paulus zurück in Jerusalem

Thema: Der Kampf gegen das messianische Judentum

Thema: Der Fall Jerusalems aus der Sicht des Talmud

Thema: Abgrenzung

Thema: Eine Theologie, um die Fehler der Väter zu rechtfertigen

Thema: Messiasprophetien des Alten Testamentes

Thema: Die Erfüllung der Messiasprophetien aus Sicht des Neuen Testamentes

1.1 Herkunft Kaiphas

1.2 Kaiphas im Neuen Testament

1.3 Der Prozess gegen Jesus im Hohen Rat

1.4 Der Prozess gegen Jesus - Nicht nur ein jüdisches Problem

1.6 Spielball der Mächtigen - Judas Iskarioth

1.7 Fazit zum Prozess gegen Jesus im Hohen Rat

2.1 Der Hohepriester Kaiphas begegnet dem Messias

2.2 Die Arroganz der Wissenden

2.3 Die Erleichterung nach der Kreuzigung

2.4 Die Angst vor der Auferstehung - Oder: Alte Lügen erfordern neue Lügen

2.5 Ostern ist der Höhepunkt göttlichen Handelns

3.1 Der Hohe Rat organisiert - Gott handelt

3.2 Unbemerkt vom Hohen Rat - Der auferstandene Herr, Jesus Christus, erscheint den wirklich wichtigen Menschen

3.3 Jesus Christus sucht den Glauben

4.1 Der Hohe Rat ist schwer beschäftigt - Das Pfingstfest in Jerusalem

4.2 Ein Fischer aus Galiläa predigt im Tempel in Jerusalem - Und Tausende hören zu

4.3 Was ist zu tun?

5.1 Der Hohe Rat übergeht das Pfingstereignis in Jerusalem schweigend - Aber es kommt noch schlimmer

5.2 Heilung ohne Erlaubnis des Hohen Rates - Und dann auch noch dies Gerede von der Auferstehung

5.3 Das Verhalten des Petrus ist unerträglich - Aber nur für den Hohen Rat

5.4 Schon wieder ein Prozess

5.5 Der Beschluss der Glaubensväter - Aber Petrus und Johannes sind nicht beeindruckt

5.6 Die kraftvolle Reaktion der Gemeinde

5.7 Gott zieht weiter

6 Erneute Wunder und die Reaktion der Staatsmacht

6.2 Rechtgläubigkeit - Irrtum ausgeschlossen oder Können wir Gott auf unser Bibelverständnis festlegen?

6.3 Konnte der Hohe Rat das eigentlich wissen? - Täter oder Opfer?

6.4 Gruppendynamik im Hohen Rat oder Man muss zu seinen Entscheidungen stehen(?)

6.5 Im Hohen Rat gab es mehr Weisheit als gedacht - Das weise Rat Gamaliels

6.6 Umkehr - Wie schwer fällt es gestandenen Männern

7.1 Stephanus wird Diakon in der wachsenden Gemeinde

7.2 Die Predigt des Stephanus - Keine Verteidigungsrede sondern Klartext

7.3 Die Reaktion - Dem Hohen Rat entgleitet der Prozess

7.4 Jesus steht und ist bereit, Stephanus zu entgegen zu gehen

7.5 Warum lässt Gott das zu

8.1 Saulus greift ein - Das Eigentor der Vertreibung

8.2 Jesus greift ein - Saulus bekehrt sich

9.1 Agrippa I - Herkunft

9.2 Agrippa I - Schulden über Schulden

9.3 König Agrippa I

9.4 König Agrippa I und die Christen

9.5 Gebetserhörung - und keiner will es glauben

9.6 Die wahre Stimme Gottes

9.7 ... und die Kirche wächst

10.1 Paulus weiß, was auf ihn zukommt

10.2 Der zeitlich Rahmen

10.3 Prophetische Warnungen des Paulus auf seiner Reise nach Jerusalem

10.4 Paulus kommt in Jerusalem an

10.5 Paulus wird in Jerusalem erkannt

10.6 Paulus in römischer Gefangenschaft

10.7 Paulus predigt in Jerusalem

10.8 Paulus nutzt sein römisches Bürgerrecht

10.9 Paulus vor dem Hohen Rat

10.10 Die Zeit des Hohenpriesters Ananias

10.11 Der HERR kennt die Seinen

10.12 Paulus vor Felix

10.13 Seelsorge am Statthalter Felix

10.14 Paulus vor dem Statthalter Festus

10.15 Festus und Herodes Agrippa II

10.16 Paulus verteidigt sich vor Herodes Agrippa II

10.17 Paulus verlässt Judäa - Fazit

11.1 Die spärlichen Informationen am Ende der Apostelgeschichte

11.2 Jahreszahlen vor dem Angesicht des ewigen Gottes

11.3 Der Bericht des Flavius Josephus über den Tod des Jakobus, des Bruders des Herrn

11.4 Eusebius ausführlicher Bericht über den Tod des Jakobus

11.5 Der Dienst des Jakobus

11.6 Zeitenwende zum Krieg

11.7 Nachdenkliches über Rechtgläubigkeit

11.8 Jakobus muss es nicht mehr erleben

11.9 Die weinenden Hohenpriester

11.10 Die Abwärtsspirale

12.1 Die Sikarier - Terrorismus bereits im Altertum

12.2 Der babylonische Talmud zu der Zerstörung Jerusalems

12.3 Einige Bemerkungen zum Bericht des babylonischen Talmuds zu der Zerstörung Jerusalems

12.4 Flavius Josephus zu den Eigentumsrechten nach der Zerstörung Jerusalems

12.5 Freuet euch mit Jerusalem

13.1 Jesus über die Gefahren für die Gemeinde

13.2 Instrumente der Abgrenzung im Talmud

13.2.1 Der zwölfte Lobpreis im Achtzehngebet

13.2.2 Der Synagogenbann

14.1 Jesus zitiert Psalm 110

14.2 Was lehrt uns das Verhalten Jesu?

14.3 Psalm 110 in der jüdischen Tradition vor Jesus

14.4 Die Bedeutung des Psalmes 110 für das Neue Testament

14.4.1 Die Kirchenväter über Paulus als Autor des Briefes an die Hebräer

14.4.2 Der Brief an die Hebräer und Psalm 110

14.4.3 Melchisedek ist ein Priester eigener Art, kein Mensch, der Vater und Mutter hätte

14.4.4 Melchisedek ist größer als Abraham und erst recht größer als Levi und Aaron

14.4.5 Das Priestertums Melchisedeks löst das levitische Priestertum ab

14.4.6 Der Messias aus dem Stamm Juda ist kraft seiner Auferstehung Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedeks

14.4.7 Der Eidschwur des allmächtigen Gottes

14.4.8 Die Freude über das Priestertum Jesu

14.4.9 Fazit

14.5 Zwei Messiasse? - Sacharja 4,14

14.6 Der Talmud und die Abgrenzung gegenüber den Christen

14.7 Der Umgang des Talmud mit Psalm 110

14.7.1 Deutung von Psalm 110 auf Abraham

14.7.2 Deutung von Psalm 110 auf Hiskia

14.7.3 Deutung von Psalm 110 auf David

14.8 Spricht Gott zu den Menschen oder sprechen Menschen zu Gott?

Frühe Prophetien vor Jakob

Jakob prophezeit den Messias aus dem Stamm Juda

Mose prophezeit den kommenden Propheten

Messiasprophetien der Psalmen

Messiasprophetien des Propheten Jesaja

Messiasprophetien der weiteren Propheten vor dem Exil

Messiasprophetien des Propheten nach dem Exil, Haggai, Sacharja und Maleachi

Das Bild vom Eckstein

Der Messias ist König und Hoherpriester zugleich

Der Spross

Die Deutung des Hohenpriestertums Christi im Hebräerbrief

Die Offenbarung des Christus am Ende der Zeiten

Gott, der Vater, ist Herr der Prophetien

Was sind Messias-Prophetien

Die frühen Prophetien auf den Messias

Der Messias, König und Priester im Alten Testament

Der Spross Davids

Der Messias, König und Priester im Neuen Testament

Der Gottesknecht

Das erste Gottesknechtlied

Das zweite Gottesknechtlied

Das dritte Gottesknechtlied

Das vierte Gottesknechtlied

Erfüllte Prophetien nach Matthäus

Die Ankündigungen des Messias seit Abraham

Der Messias kommt aus Bethlehem

Der Messias und Ägypten

Der Messias als Licht für die Menschen in der Finsternis

Der Messias wird für die Menschen leiden

Der Messias wird triumphieren

Der Messias wird verraten werden

Der Lohn des Verrats

Falsche Zeugen treten gegen den Messias auf, aber der Messias schweigt

... wie ein Verbrecher

Der Messias wird verspottet

Das Grab des Messias

Die Auferstehung des Messias

Fazit zu den Messiasprophetien bei Matthäus

Erfüllte Prophetien aus den weiteren Evangelien, der Apostelgeschichte und den Briefen

Jesus als der verheißene Prophet

Jesus als Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedeks

Jesus wird von den Seinen, den Juden, abgelehnt und gehasst

Jesus Christus und der Geist Gottes

Judas Iskarioth: Sein Amt soll ein anderer empfangen

Der Messias: Geschlagen und angespuckt

Der Messias: Durchbohrt

Der Messias: Er betet für seine Feinde

Der Messias: Nicht ein Bein wird gebrochen

Der Messias: Soldaten werfen das Los um sein Gewand

Der Messias: Aufgefahren zur Höhe

12.1 Die Sikarier - Terrorismus bereits im Altertum

Der Bericht des Flavius Josephus über die Sikarier steht im Gegensatz zu dem, was der Talmud über Sikarier berichtet, deshalb wird er hier noch einmal in Erinnering gerufen. Über Sikarier und ihr terroristisches Unwesen wurde bereits im Abschnitt 10 Kapitel 2, Kapitel 6, Kapitel 10, und im Abschnitt 11 Kapitel 6 berichtet. Aus der Vielzahl der Erwähnungen mag man schließen, dass es für Flavius Josephus ein gravierendes Problem der Zeit war, also nicht nur beiläufig und daher möglicherweise falsch berichtet worden ist.

Flavius Josephus stellt die Sikarier als heimtückische Terroristen dar. Er sagt nichts über die Volkszugehörigkeit aus, kennzeichnet sie aber als Menschen, die sich unauffälig unter die Bewohner Jerusalems mischen konnten und glaubwürdig an ihren religiösen Zeremonien teilnehmen konnten. So schreibt er über das fortschreitende Sikarierunwesen in Jüdische Altertümer XX 8.10 (dt) oder XX 8.10 (gr):

Bei seiner Ankunft in Judaea (61 n.Chr.) fand Porcius Festus das Land in stetem Schrecken vor den Banditen, welche allenthalben die Dörfer einäscherten und plünderten. Diese sogenannten Sikarier waren allmählich zu einer gewaltigen Menge angewachsen. Sie führten kleine Dolche, die sich der Grösse nach nicht viel von den persischen Akinaken unterschieden, aber gekrümmt waren wie die römischen „sicae“, woher auch die Banditen den Namen Sikarier erhielten. An Festtagen mischten sie sich, wie schon erwähnt, unter die Volksmenge, die von allen Seiten zum Gottesdienst in die Stadt strömte, und erdolchten so viele von den Andächtigen, als ihnen beliebte. Oft brachen sie auch bewaffnet in die Dörfer ihrer Opfer ein, plünderten alles und warfen den Feuerbrand in die Häuser. Um diese Zeit trat wieder ein Gaukler auf, welcher der Menge Glückseligkeit und Befreiung von allem Elend verhiess, wenn sie ihm in die Wüste folge. Porcius Festus aber sandte sogleich gegen den Betrüger und dessen Anhang Abteilungen zu Fuss und zu Pferde aus, die den ganzen Haufen niedermachten.

Diese Sikarier wirken fast wie heutige islamische „Gottes“-Krieger, die man auch als «einsame Wölfe» bezeichnet. Es sind Terroristen, deren einziges Ziel es ist, Angst und Schrecken zu verbreiten und damit den Boden zu bereiten, um selbst die Macht zu ergreifen.

Ganz anders erscheinen die Sikarier im Talmud:

12.2 Der babylonische Talmud zu der Zerstörung Jerusalems

Im Talmud werden die Sikarier als vagabundierende römische Soldaten beschrieben. Man muss allerdings beachten, dass im Talmud nur vom Sikaricon, also einem Gesetz zur Behandlung von Landgütern, die mit Waffengewalt erbeutet worden sind, die Rede ist. Bei Flavius Josephus lesen wir weder von einem solchen Gesetz noch von Vorgängen, die solch ein Gesetz erforderlich gemacht hätten, obwohl auch Flavius Josephus sich nicht scheut, über Gräuel römischer Soldaten zu sprechen (etwa Geschichte des jüdischen Krieges V 13.4 (dt) oder V 13.4 (gr)):

Im folgenden wird Gittin 55b zitiert aus: Der babylonische Talmud, Komet Verlag, Frechen, 2000 übertragen und erläutert von Jakob Fromer (Seiten 315 - 332)

Kommentar Jakob Frommer:

Nach der im Jahre 70 n.Chr. durch Titus erfolgten Zerstörung Jerusalems, suchten sich die römischen Soldaten auf gewaltsame Weise in den Besitz jüdischer Grundstücke zu setzen. Um dem Raub einen Rechtsschein zu verleihen, erpressten sie mit gezücktem Dolche vom Besitzer eine schriftliche Bestätigung, wonach er ihm das Grundstück freiwillig überlassen hätte. Hinterher verkauften sie es einem anderen Juden. Diese Räuber nannte man wegen des Sicus, des Dolches, dessen sie sich dabei bedienten, ,Sicaricon'. Als später geordnete Verhältnisse eintraten, wurde ein sogenanntes Sicaricongesetz geschaffen, wonach die geraubten Güter dem Besitzer zurückgegeben wurden. Unter dem in unserer Mischna gebrauchten Ausdruck «Sicaricon» ist nicht der Räuber, sondern das Gesetz, das gegen den von ihm verübten Raub geschaffen wurde, zu verstehen. Nach der Eroberung Jerusalems haben die Römer drei Verfügungen erlassen. Die erste lautete: „Wer einen Juden nicht tötet, der soll selbst getötet werden“. Die zweite: „Wer einen Juden tötet, muß vier Goldstücke zur Strafe bezahlen“. Die dritte: „Wer einen Juden tötet, der wird getötet“. ln der Zeit während der ersten beiden Verfügungen gaben die Juden ihre Grundstücke vorbehaltlos her, um sich zu retten. Während der letzten Verordnung fügten sie sich wohl dem Zwange, hegten aber dabei den Gedanken, den Räuber zu verklagen. Unsere Mischna bezieht sich nun auf die erste und zweite Verordnung. Da während dieser Zeit die Beraubten die Grundstücke vorbehaltlos hingaben, war der Kauf gültig, deshalb konnte das Sicaricongesetz dagegen nicht angewendet werden:

Wortgetreue Übersetzung von BL 55b:

Wenn es während der Kriegsmetzeleien kein Sicaricon gegeben hat, wie konnte es nach den Kriegsmetzeleien ein Sicaricon geben? Rab Jehuda sagte: „Man übte während dieser Zeit das Sicariconrecht nicht aus“, sagt er (der Mischnaist). Denn Rab Asi hat gesagt: Drei Verfügungen haben sie erlassen. Die erste: „Wer (Juden) nicht tötet, soll getötet werden”, die mittlere: %AZwer (Juden) tötet, soll vier Sus bringen#; die letzte: „wer (Juden) tötet, soll getötet werden”. Deshalb hat ihm der Besitzer während der ersten und der mittleren, da man doch tötete, unter dem Zwang das Grundstück ohne Nebengedanken überlassen; während der letzten dachte er: „Jetzt mag er es nehmen, morgen werde ich ihn vor Gericht fordern“".

Randbemerkung 1: Anschließend an das Sicaricongesetz, berichtet die Gemara (Lehre) über die Empörungen der Juden gegen die Römer unter Titus, Kaiser Trajan und Hadrian. Die erste ging von Jerusalem, die zweite von einem Tur-Malka, Königsburg, genannten Orte, die dritte von Bettur aus. Alle sind aus Eitelkeit und Leichtsinn entstanden. Bei allen bewährte sich der Spruch (Sprüche 28,14 *): „Wohl dem, der sich stets fürchtet, wer aber sein Herz verhärtet, wird ins Unglück fallen“.

Wort- und sinngemäße Übersetzung von BL 55b und folgende:

Die Zerstörung Jerusalems wurde durch eine Namensverwechslung herbeigeführt. In dieser Stadt lebte nämlich ein Mann, bei dem die Vornehmsten Jerusalems verkehrten. Er hatte einen Freund und einen Feind, deren Namen ähnlich waren. Der eine hieß Kamza und der andere Barkamza. Einst veranstaltete nun jener Mann ein Gastmahl und ließ durch seinen Diener den Kamza einladen. Aus Versehen überbrachte der Diener die Einladung dem Barkamza. Als dieser der Einladung Folge leistete, forderte ihn der Wirt auf, das Haus zu verlassen. Vergebens bat der Gast, ihn angesichts der vornehmen Gäste nicht zu beschämen; er wurde hinausgewiesen. Aus Rache über diese Beschämung und aus Empörung darüber, dass die Vornehmen dazu geschwiegen haben, ging er nach Rom und verklagte die Juden beim Kaiser, dass sie ihm übel gesinnt wären. Zum Beweise schlug er dem Kaiser vor, ein Opfertier nach Jerusalem zu schicken und zu sehen, ob es die Juden darbringen oder nicht. Der Kaiser übergab ihm nun ein tadelloses Tier. Bei den Römern ebenso wie bei den Juden war es Brauch, dass ein fehlerhaftes Tier nicht als Opfer dargebracht werden durfte. Die Juden aber betrachteten ein Tier selbst dann als fehlerhaft, wenn es an der Oberlippe oder am Augenlid verletzt war. Für die Römer hingegen galt solch ein Tier für tadellos. Unterwegs brachte Barkamza dem Tier an den genannten Stellen Verletzungen bei. Als er damit nach Jerusalem kam, rieten die zum Frieden geneigten Rabbanan, dass man aus Rücksicht auf den Kaiser eine Ausnahme machen solle. Dagegen aber sträubte sich Rabbi Sekaria ben Eukolos, der Vertreter der schrofferen Richtung; er meinte, man dürfe keinen Präzedenzfall schaffen. Man wollte nun den Barkamza töten, damit er dem Kaiser nicht berichten konnte, dass das Opfer abgewiesen wurde. Auch diesen Vorschlag wies Rabbi Sekaria ab, weil, wie er befürchtete, daraus die irrige Meinung entstehen könnte, dass die Verstümmelung eines Opfertieres mit dem Tode bestraft wird. Das Opfer wurde nun abgewiesen. Als der Kaiser davon erfuhr, sandte er einen Feldherrn (wörtlich: Kaiser) Neron mit einem Heer gegen Jerusalem. Als er vor dieser Stadt stand, schoß er vier Pfeile nach den vier Weltrichtungen ab; alle flogen nach Jerusalem. Dann forderte er einen Knaben auf, ihm einen Bibelvers aufzusagen. Dieser zitierte (Hesekiel 25,14 *): „Und ich will mich an Edom rächen durch mein Volk Israel“. Unter Edom verstanden die Juden Rom. Der Feldherr faßte den Sinn dieses Verses ebenso wie das Zurückfliegen der vier Pfeile nach Jerusalem so auf, dass Gott seinen Tempel durch die Römer zerstören wollte, um dann dafür an Rom Rache zu nehmen. Neron sagte sich nun: Gott will sein Haus zerstören und sich dann an einem andern die Hand abwischen. Er lief vom Heere weg und trat zum Judentum über. Von ihm stammte Rabbi Meir.

Darauf schickte der Kaiser den Feldherrn Vespasian, der die Stadt drei Jahre belagerte. Es gab damals in Jerusalem drei reiche Leute: Nikodemon ben Gorion, Ben Kalba Sabua und Ben Zizit ha-Keset. Alle diese Namen waren Spitznamen. Von Nikodernon wird erzählt, dass er, als einst die Wallfahrer nach Jerusalem kamen und es keinen Regen gab, sich zwölf Wassergruben auslieh unter dem Versprechen, entweder bis zu einer bestimmten Zeit das Wasser zurückzugeben oder dafür zwölf Zentner Silber zu bezahlen. Der Termin war abgelaufen, ohne dass Nikodemon es möglich war, das Wasser zurückzugeben. Der Ausleiher bestand nun auf die Zahlung. Nikodemon flehte Gott den ganzen Tag um Regen an. Kurz vor Sonnenuntergang kam endlich der ersehnte Regen, so dass Nikodemon das Wasser zurückerstatten konnte. Der Ausleiher aber wandte dagegen ein, dass der Tag bereits vorüber war. Wieder flehte Nikodemon Gott an, dass er die Sonne von Neuem aufgehen lassen soll. Als dies wirklich geschah, erhielt er wegen dieses Wunders den Namen Nikodemon. «Nikod» bedeutet «hervorbrechen», «Emon» bedeutet «Sonne». Der zweite reiche Mann war äußerst freigebig. Wer hungrig zu ihm hineinkam, ging wie ein gesättigter Hund hinaus. Daher erhielt er den Namen Ben Kalba Sabua, der bedeutet: «der gesättigte Hund». Der Name des dritten reichen Mannes bedeutet, dass die Schaufäden («Zizit»), die nach jüdischem Brauch von dem Saum des Kleides herabhängen müssen, stets die feinen Teppiche («Keset») streiften, auf denen er einherschritt. Damit soll sein außergewöhnlicher Reichtum und Luxus bezeichnet werden. Nach anderen war sein wirklicher Name Ben Zizit und er erhielt den Beinamen «Keset», der auch «Sessel» bedeuten kann, weil sein Sessel unter den Großen Roms stand, womit gesagt werden soll, dass er einen Sitz im römischen Senat, hatte. Diese drei reichen Männer verpflichteten sich, Jerusalem mit Lebensmitteln zu versehen. Der eine versprach Weizen und Gerste, der andere Wein, Salz und Öl, der dritte Holz. Das letztere Angebot hielten die Rabbanan für das Wertvollste. Rab Chisda pflegte nämlich seinem Diener die Schlüssel zu allen Behältnissen anzuvertrauen, nur nicht die zur Holzkammer, weil man zu einer Kammer Weizen sechzig Kammern Holz braucht. Obwohl die Stadt durch diese Angebote einundzwanzig Jahre lang hätte verpflegt werden können, rieten die Rabbanan, mit den Römem Frieden zu schließen. Dagegen aber wehrten sich die ,Barjone' (Gewaltmenschen), die das Volk aufhetzten. Um es zum Ausfall zu zwingen, brannten sie alle Lebensmittellager nieder, so dass eine Hungersnot entstand.

Martha, die Tochter des Boethos, war die reichste Frau Jerusalems. Während der Hungersnot sandte sie ihren Diener auf den Markt mit dem Auftrage, feinstes Mehl zu kaufen. Er kam zurück und berichtete, dass das feinste Mehl bereits verkauft und nur noch feines Mehl zu haben sei. Sie beauftragte ihn nun, feines Mehl zu kaufen. Doch das war jetzt auch nicht mehr vorhanden, sondern nur noch grobes Mehl. Und als er dieses verlangte, war auch das nicht mehr vorrätig, sondern nur noch Gerstenmehl. Auch dies war schließlich ausverkauft. Martha, die so verwöhnt war, dass sie nie auf die Straße ging, zog sich die Schuhe an, um sich selbst nach Nahrung umzusehen. Unterwegs trat sie auf Unrat, und sie starb daran. Damit war in Erfüllung gegangen, was Mose den lsraeliten für den Fall angedroht hatte, dass sie die Gebote Gottes nicht erfüllen 5.Mose 28,56 *: „Ein Weib unter euch, das zuvor verzärtelt und in Üppigkeit gelebt hat, dass sie nicht versucht hat, ihre Fußsohle auf die Erde zu setzen vor Verzärtlichung und Wohlleben. …“ Einer anderen Überlieferung zufolge hat sie die Feige des Rabbi Zadok, die sie beim Suchen nach Nahrungsmitteln auf der Straße gefunden hatte, aus Hunger verzehrt und ist daran gestorben. Rabbi Zadok fastete nämlich vierzig Jahre lang, damit der Tempel nicht zerstört werden sollte. Er magerte so ab, dass jeder Bissen, den er verschluckte, in seinem Körper zu sehen war. Wenn er nach einem Fasttag sich erquicken wollte, nahm er eine Feige in den Mund, sog den Saft aus und speite sie dann aus. Eine solche Feige hatte Martha gefunden. Vor ihrem Tode warf sie all ihr Gold und Silber auf die Straße hinaus, indem sie ausrief: „Was kann es mir noch nützen!“ Damit war in Erfüllung gegangen, was geschrieben steht (Hesekiel 7,19 *): „Sie werden ihr Silber hinaus auf die Gassen werfen und ihr Geld als einen Unflat achten“.

Abba Sikara, das Haupt der Barjone, war ein Schwestersohn des Rabban Jochanan ben Sakkai, des Hauptes der Rabbanan. Dieser ließ seinen Neffen heimlich zu sich kommen und sagte zu ihm: „Wie lange wollt ihr es so treiben und die ganze Stadt durch Hunger umkommen lassen“ Jener antwortete: „Was soll ich tun? Wenn ich sie davon abbringen wollte, würden sie mich töten“. Hierauf entgegnete Jochanan „Rate mir, wie ich hinauskomme, vielleicht kann ich etwas ausrichten“. Da riet ihm jener: „Stelle dich krank, so dass alle Welt zu dir komme, um sich nach deinem Ergehen zu erkundigen. Dann lege etwas Übelriechendes in dein Bett, so dass die Besucher verbreiten, du wärest tot. Nun lasse deine Schüler dich hinaustragen und keinen anderen an die Bahre herankommen, weil das Gewicht dich verraten könnte, denn bekanntlich ist der Lebende leichter als cler Tote“. Jochanan tat also. Es traten an die eine Seite seiner Bahre Rabbi Elieser und an die andere Rabbi Jehoschua. Als sie ans Stadttor kamen, wollten die Barione sich durch Stechen überzeugen, ob eine Leiche auf der Bahre liege. Da sagte Abba Sikara: „Die Römer könnten sagen, die Juden haben selbst ihren eigenen Lehrer erstochen“'. Nun wollten die Barjone den vermeintlichen Leichnam stoßen. Auch dies wehrte Abba Sikara ab mit der Begründung, die Römer könnten sagen, sie haben ihren Lehrer erschlagen. Endlich öffneten die Barjone das Tor, so kam Jochanan hinaus.

Als er zu Vespasian gelangte, rief er: „Heil dir, o König! Heil dir, o König!“ Vespasian antwortete: „Du hast zweimal den Tod verdient. Einmal, weil du mich König nennst und ich es nicht bin, das andere Mal, wenn ich König wäre, warum bist du bisher nicht zu mir gekommen?“ Hierauf Jochanan: „Darauf, dass du sagst, du bist kein König, erwidere ich: Wahrlich, du bist ein König! Warst du es nicht, so könnte dir Jerusalem nicht ausgeliefert werden. Denn es ist geschrieben (Jesaja 10,34 *): „Und der Lebanon wird durch den Addir fallen“. «Addir» bedeutet «König», denn es heißt (Jesaja 10,21 *): „Und ihr Addir soll aus ihnen herkommen und ihr Herrscher von ihnen ausgehen“. Und «Lebanon» bedeutet «das heilige Haus». Denn es heißt (5.Mose 3,25 *): „Laß mich hinübergehen und sehen das gute Land jenseits des Jordans, dieses gute Gebirge und den Lebanon“. Und darauf, dass du sagst: «Wenn ich König wäre, warum bist du nicht zu mir gekommen» antworte ich dir: «Die in Jerusalem herrschenden Barjone haben es nicht zugelassen»““. Die letzte Antwort wollte Vespasian nicht gelten lassen. Man hätte die Stadt anzünden sollen, um sich von den Barjone zu befreien. Dabei wandte er das Beispiel des Honigfasses an, um das sich eine Schlange (wörtlich Drakon) windet. „Zerbricht man nicht das Faß, um es von der Schlange zu befreien?“ Darauf wußte Jochanan nichts zu antworten. An diese Erzählung knüpft Rab Josef und nach manchen Rabbi Akiba die Bemerkung, dass sich an Rabban Jochanan erfüllt hat, was geschrieben steht (Jesaja 44,25 *): „Der die Zeichen der Weisen zu nichts macht und ihren Verstand verblödet““. Er hätte Vespasian antworten sollen, dass man in diesem Falle die Schlange mit einer Zange vom Faß entfernt und die Schlange tötet, so dass das Faß verschont bleibt.

Während dieser Unterredung kam ein Gesandter aus Rom zu Vespasian und sagte: „Auf! Der Kaiser ist gestorben, und die Vornehmen Roms haben dich zu seinem Nachfolger erwählt“. Vespasian hatte sich gerade einen Schuh angezogen; er wollte den andern anziehen und konnte nicht; er wollte nun den ersteren ausziehen, auch das ging nicht. Er fragte Rabbi Jochanan nach der Ursache. Dieser erwiderte: „Ängstige dich nicht. Du hast eine gute Nachricht empfangen, und es steht geschrieben (Sprüche 15,30 *): „Eine gute Nachricht macht das Bein fett.““ „Was soll ich nun tun?“ fragte Vespasian. „Laß einen Menschen kommen, dem du abgeneigt bist. Denn es steht geschrieben (Sprüche 17,22 *): „Ein getrübter Mut vertrocknet das Bein.“Vespasian befolgte diesen Rat und konnte den zweiten Schuh anziehen. „Wenn Ihr so klug seid (man beachte, dass er ihn nicht mehr mit «Du», sondern mit «Ihr» anredet), warum seid Ihr nicht früher zu mir gekommen?“ „Ich habe Dir ja geantwortet“, erwiderte Jochanan. „Auch ich habe Dir geantwortet“, entgegnete Vespasian. „Ich gehe fort und sende einen anderen hierher. Erbitte etwas von mir, dass ich es Dir gewähre“. Jochanan bat um dreierlei: um die Verschonung der Akademie zu Jabne und ihrer Weisen, um die Wiedereinsetzung der Nachkommen des Rabban Gamliel ins Nasiat und um Ärzte für Rabbi Zadok. Auch hierzu bemerkte Rabbi Josef und nach manchen Rabbi Akiba, dass Rabbi Jochanan sich nicht klug benommen hat. Er hätte Vespasian bitten sollen, Jerusalem diesmal zu verschonen. Rabban Jochanan aber sagte sich, dass Vespasian vielleicht so viel nicht gewähren und dass dadurch auch die geringe Rettung nicht erfolgen würde.

Die Ärzte, die Rabbi Zadok geheilt haben, verfuhren folgendermaßen: Am ersten Tage gaben sie ihm Suppe von feiner Kleie, am zweiten Tage Suppe von grober Kleie und zuletzt Mehlsuppe. Auf diese Weise erweiterten sich seine Eingeweide nach und nach.

Vespasian ging fort und sandte den Titus. Als dieser vor Jerusalem ankam, rief er aus (5.Mose 32,37 *): „Wo sind ihre Götter, ihr Fels, darauf sie trauen?“ So lästerte und fluchte Titus gegen den Höchsten. Er nahm eine Dirne bei der Hand, ging mit ihr ins Allerheiligste, nahm eine Torarolle heraus und breitete sie auf dem Boden aus und sündigte darauf mit ihr. Dann nahm er ein Schwert und stach damit in den Vorhang. Ein Wunder geschah! Es spritzte Blut heraus. Da meinte Titus, dass er sich selbst (euphemistisch für Gott) getötet hätte. Denn es heißt (Psalmen 74,4 *): „Deine Widersacher brüllten in deinen Häusern «samu ototam otot».“ (Damit sind vielleicht die griechischen Worte angedeutet: «exaim autos, exaim autos», «er blutet, er blutet».) Abba Chanan erklärte den Vers (Psalmen 89,9 *): „Wer ist wie du geduldig, o Herr!“ mit „Wer ist so geduldig wie du, o Herr, der du die Lästerungen dieses Frevlers anhörst und schweigst.“ Die Schule des Rabbi Jischmael deutete den Vers (2.Mose 5,11 *): „Wer ist dir gleich, o Herr, unter den ,Elim` (Göttern)“. Man lese nicht ,Elim', sondern, Ilmim` (den Stummen). Was tat Titus ? Er nahm den Vorhang, machte aus ihm eine Art Sack, legte alle Geräte des Tempels hinein, bestieg damit das Schiff, um damit in seiner Stadt (Rom) zu triumphieren. Denn es heißt (Prediger 8,10 *): „Und da sah ich Gottlose, die ,keburim` (begraben) wurden und zur Stadt kamen; aber sie wandelten hinweg von der heiligen Stätte wejischtakchu (und wurden vergessen) in der Stadt, die also getan hatten?“ Man lese nicht «keburim», sondern «kebuzim», «zusammenraffen», und man lese nicht «wejischtakchu», sondern, «wejischtabchu» (und sie triumphierten). Manche sagen, dass man wirklich «keburim» zu lesen hat, und dass dieses Wort bedeutet, dass die Feinde selbst die verborgenen Dinge ausgegraben haben. Während der Fahrt stieg eine Welle auf und drohte ihn zu ertränken. Da sagte Titus: „Es scheint, dass die Stärke des jüdischen Gottes sich nur auf dem Wasser zeigt. Er hat Pharao und den Sisera ertränkt, nun will er auch mich ertränken. Wenn er wirklich stark ist, soll er doch aufs Festland steigen und mit mir kämpfen.“ Da ertönte eine Stimme vom Himmel (wörtlich: die Tochter einer Stimme): „Frevler, Sohn des Frevlers, Enkelsohn des Frevlers Esau! Ein geringes Geschöpf habe ich in meiner Welt, Mücke heißt es“ [warum nennt man es gering? Weil es für die Nahrungsaufnahme eine Öffnung hat, für die Ausscheidung aber keine. Steige aufs Festland und kämpfe mit ihr“. Er stieg aus. Da flog eine Mücke in seine Nase, drang in sein Gehirn und stach es sieben Jahre lang. Eines Tages ging er vor einer Schmiede vorbei. Als die Mücke den Hammerschlag hörte, stellte sie ihr Stechen ein. „Es gibt also eine Hilfe“, sagte Titus. Er ließ täglich einen Schmied zu sich kommen, der bei ihm hämmerte. Wenn es ein Nichtjude war, zahlte er ihm vier Sus, wenn es aber ein Jude war, zahlte er ihm gar nichts und sagte zu ihm: „Du bist schon genug bezahlt, wenn du deinen Feind leiden siehst“. Dreißig Tage lang ließ sich die Mücke durch das Hämmern einschüchtern. Mit der Zeit gewöhnte sie sich aber an das Geräusch und stach weiter. Es wird überliefert, dass Rabbi Pinchas ben Aruba bezeugt hätte: „Ich befand mich damals unter den Großen Roms. Als Titus starb, spalteten sie sein Gehirn und fanden sie (die Mücke) groß wie eine Schwalbe, die zwei Sela wog.“ Nach einer anderen Überlieferung hatte sie die Größe einer einjährigen Taube und das Gewicht von zwei Litra. Abajji sagte: „Wir haben eine sichere Überlieferung, dass der Schnabel aus Kupfer und die Zähne aus Eisen waren.“ Vor seinem Tode befahl Titus, dass man seine Leiche verbrennen und die Asche über sieben Meere streuen solle, damit ihn der Judengott nicht fände und ihn vor Gericht forderte.

Onkelos bar Kalonikos war ein Schwestersohn des Titus. Er wollte zum Judentum übertreten. Vorher beschwor er den Geist des Titus herauf und fragte ihn: „Wer ist im Jenseits angesehen?“ „lsrael“, erwiderte Titus. „Soll man sich ihnen anschließen?“ Titus erwiderte: „Ihrer Gebote sind zu viele und man kann sie nicht ausüben. Bedränge sie lieber und du wirst ein Oberhaupt werden. Denn es heißt (Klagelieder 1,5 *): „Ihre Widersacher schweben empor“. Wer die Juden bedrängt, der wird ein Oberhaupt.“ Hierauf fragte ihn der Neffe, womit er drüben gerichtet wird. Titus erwiderte, dass er mit dem gerichtet werde, was er über sich selbst verhängt hat. Täglich sammelte man seine Asche, machte ihn wieder lebendig, verurteilte ihn, verbrannte ihn immer von neuem und streute seine Asche über sieben Meere. Alsdann ließ Onkelos den Geist des Bileam erscheinen und fragte ihn: „Wer ist in jener Welt angesehen?“ „lsrael“, erwiderte jener. „Soll man sich ihnen anschließen?“ Bileam zitierte (5.Mose 23,7 *): „Du sollst weder ihren Frieden noch ihr Bestes suchen dein Leben lang“. Darauf fragte er ihn, womit er gerichtet wird. Er antwortete: „Mit siedendem Sperma.“ (Bileam hat, als es ihm nicht gelungen war, den Auftrag Balaks, des Königs von Moab, den Juden zu fluchen, auszuführen, den den Moabitern benachbarten Midjanitern den Rat erteilt, ihre Töchter ins Lager der lsraeliten zu schicken, um sie zur Sünde zu verleiten und dadurch den Zorn Gottes gegen sie zu erregen. Daher diese Strafe.) Alsdann ließ Onkelos den Geist des Jesu erscheinen (dieser Name findet sich nur in der ersten Ausgabe des Talmud, die unzensiert ist. Die zensierten Ausgaben haben für diesen Namen Posche Jisrael, die israelitischen Abtrünnigen, gesetzt) und fragte ihn: „Wer ist in jener Welt angesehen?“ Er antwortete: „lsrael“. „Soll man sich ihnen anschließen?“ „Du sollst ihr Bestes suchen und nicht ihr Schlechtes. Wenn man sie anrührt, ist's, als wenn man den Augapfel Gottes berührt.“ Alsdann fragte er ihn, womit er gerichtet wird. Jener antwortete: „Mit kochendem Kot“. Denn der Herr (ein Talmudlehrer) hat gesagt: „Wer über die Worte der Chakamim spottet, wird gerichtet mit kochendem Kot“. Komm und sieh den Unterschied zwischen den israelitischen Abtrünnigen und den heidnischen Propheten (jene haben dem Onkelos vom Verkehr mit den Juden abgeraten, dieser hat ihm den Verkehr angeraten). Es ist gelehrt worden, Rabbi Eleasar hat gesagt: „Komm und sieh, wie groß die Kraft der Beschämung ist. Denn Gott trat für den beleidigten Barkamza ein und zerstörte sein Haus und verbrannte seinen Tempel.“

Wegen eines Hahns und einer Henne ist der Königsberg zerstört worden. Es herrschte dort der Brauch, dass man bei einem Hochzeitszug dem Bräutigam und der Braut einen Hahn und eine Henne vorantrug, womit angedeutet werden sollte: „Seid fruchtbar und mehret euch wie die Hühner!“ Eines Tages begegnete dem Hochzeitszug eine Schar römischer Soldaten; Sie nahm ihnen das Hühnerpaar weg. Die Hochzeitsgäste fielen über die Schar her und schlugen sie nieder. Man meldete nun dem Kaiser, dass die Juden sich gegen ihn empört hätten. Er zog gegen sie aus. Unter ihnen befand sich ein Mann namens Bardaroma, der mit einem einzigen Sprunge eine Meile zurücklegen konnte. Dieser richtete unter den Römern ein Gemetzel an. Der Kaiser legte nun seine Krone auf die Erde und sprach: „Herr der ganzen Welt! Wenn es dir gefällt, liefere mich und mein Reich nicht in die Hand eines einzelnen Menschen aus.“ Bardaroma versündigte sich durch den kecken Ausspruch (wörtlich: sein Mund machte ihn straucheln, indem er sprach): „Fürwahr, o Herr, du verstoßest uns und ziehest nicht aus mit unserem Heer.“ Auch David hat dieselben Worte (Psalmen 60,12 *), aber fragend, an Gott gerichtet: „Hast du uns verstoßen, o Herr, und ziehest nicht mit unserem Heere aus?“ Zur Strafe zog dem Bardaroma eine Schlange, als er eine Bedürfnisanstalt aufsuchte, den Mastdarm heraus, und er starb daran. Der Kaiser sagte darauf: „Da mir ein Wunder geschehen ist, will ich diesmal von ihnen lassen!““ und er zog ab. Aus Freude darüber veranstalteten die Juden ein nächtliches Festgelage, aßen, tranken und tanzten und zündeten Freudenfeuer an, die so hell leuchteten, dass man das Bild eines Siegelringes in der Entfernung eines Mil sehen konnte. Der Kaiser glaubte nun, dass die Juden sich über ihn lustig machten und kehrte zurück. Rabbi Asi sagte: „Dreihunderttausend Schwertträger zogen in den Königsberg ein und mordeten auf der einen Seite der Stadt drei Tage und drei Nächte, während man auf der andem Seite sang und tanzte, da die einen von den anderen nichts wußten“.“ Es heißt (Klagelieder 2,2 *): „Der Herr hat alle Wohnungen Jakobs ohne Barmherzigkeit vertilgt““. Als Rabin kam, sagte er im Namen des Rabbi Jochanan: „Damit sind die sechshunderttausend Städte gemeint, die der König Jannai im Königsberg besaß.“ Denn Rab Jehuda hat im Namen des Rab Asi überliefert, dass der König Jannai sechshunderttausend Städte in Tur Malka besaß und eine jede dieser Städte so viel Einwohner, als die Ausziehenden aus Ägypten zählten, nämlich sechshunderttausend. Außerdem gab es darunter drei Städte, von denen eine jede sogar zweimal so viel Einwohner hatte, als die Zahl der Ausziehenden aus Ägypten betrug. Diese hießen Bisch, Schichlajim und Dikraja. Bisch (zurückweisen), hieß der Ort, weil man darin dem Gaste keine Herberge gewährte. Schichlajim (Kresse), weil sich die Einwohner dieses Ortes vom Handel damit ernährten. Dikraja (männlich), weil die Frauen dieses Ortes, wie Rabbi Jochanan sagte, zuerst Knaben und dann Mädchen gebaren und dann keine Kinder mehr zur Welt brachten. Ula wandte gegen diese Überlieferung ein: „Ich sah jenen Ort, er faßt nicht einmal hunderttausend Rohrstöcke“. Ein Sadduzäer drückte sich Rabbi Chanina gegenüber darüber deutlicher aus, indem er ausrief: „Ihr lügt ja!“ Dieser verwies ihn auf Jeremia 3,19 *, worin Palästina Jebi, Hirsch, genannt wird. Wie das abgezogene Fell eines Hirsches so zusammenschrumpft, dass es dann den Körper des Hirsches nicht fassen kann, ebenso ist Palästina, nachdem die Juden daraus vertrieben wurden, zusammengeschrumpft, so dass es die ursprüngliche Zahl der Einwohner nicht mehr fassen konnte.

Rab Manjome bar Chilkijia, Rab Chilkijia bar Tobijia und Rab Huna bar Chijja saßen beisammen. Sie sagten: „Wer etwas von der Ortschaft Sekanja in Ägypten weiß, soll darüber berichten.“ Einer begann zu erzählen: „Es geschah, dass ein Brautpaar aus diesem Orte gefangen und als Sklaven verkauft wurde. Der Herr verheiratete sie miteinander. Da sagte die Braut zum Bräutigam: «Ich bitte dich, mich nicht anzurühren, weil ich von dir keine Ketuba, Heiratsurkunde, habe.» Er berührte sie sein Leben lang nicht. Nach seinem Tode berichtete sie über sein Verhalten. Daraufhin wurde in der Trauerrede über ihn ihm nachgerühmt, dass er in der Bezwingung seiner Leidenschaft Josef übertraf. Dieser war nur einmal in Versuchung geraten, jener aber Tag für Tag. Josef teilte mit der Frau Potiphar nicht das Bett, während jener mit seiner Frau zusammen schlief. Josef hatte es mit einer fremden Frau zu tun, jener aber mit der eigenen Frau.“ Der andere erzählte: „Es geschah einst in diesem Orte, dass eine Teuerung eingetreten war. Man suchte nach der Ursache und fand, dass ein Vater und sein Sohn sich an einem Versöhnungstage an einer verlobten Jungfrau vergangen haben. Man brachte sie vor Gericht und steinigte sie. Darauf erreichten die Marktpreise wieder ihren früheren Stand.“ Der dritte erzählte: „Es geschah an diesem Orte, dass ein Mann sich von einer Frau scheiden wollte, er konnte aber nicht das ihr ausgesetzte Heiratsgut aufbringen. Er lud nun Gäste zu sich ein, setzte ihnen ein Mahl vor, machte sie betrunken und legte sie auf ein Bett. Dann schüttete er Eiweiß zwischen sie, woraus hervorgehen sollte, dass die Frau sich mit ihnen eingelassen hätte. Er rief Zeugen herbei und ließ sie vor Gericht aussagen. Unter den Richtern gab es einen Greis, der zu den Schülern Schammais des Älteren gehörte und Babben Buta hieß. Dieser sprach: «So ist mir von Schammai dem Älteren überliefert worden: Eiweiß gerinnt durch das Feuer, Sperma aber weicht vor dem Feuer zurück.» Daraufhin untersuchten sie und ermittelten den wahren Sachverhalt. Sie ließen den Mann geißeln und zogen von ihm das Heiratsgut der Frau ein.“ Wenn nun, sagte Abajji zu Rab Josef, die Bewohner dieses Ortes so fromm waren, warum hat sie Gott bestraft, indem er den Ort zerstörte? Hierauf antwortete Rab Josef: „Weil sie über die Zerstörung Jerusalems nicht getrauert haben.“ Denn es heißt (Jesaja 66,10  *): „Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über sie alle, die ihr sie lieb habt. Freuet euch mit ihr alle, die ihr über sie traurig gewesen seid.“

Wegen der Deichsel einer Sänfte ist Bettur zerstört worden. ln diesem Orte herrschte der Brauch, dass man bei der Geburt eines Knaben eine Zeder pflanzte und bei der Geburt eines Mädchens eine Akazie. Und wenn sie heirateten, dann fällte man die Bäume und machte aus ihrem Holze ein Trauzelt. Als die Tochter des Kaisers einst durch Bettur reiste, zerbrach die Deichsel ihrer Sänfte. Ihre Diener fällten nun eine dieser Zedern und ersetzten durch sie die schadhafte Deichsel. Darauf fielen die Bewohner des Ortes über sie her und töteten sie. Dann berichtete man dem Kaiser, die Juden hätten sich gegen ihn empört. Er zog nun mit einem Heere gegen Bettur. ln den Klageliedern (Klagelieder 2,3 *) heißt es: „Er hat alle Hörner Israel in seinem grimmigen Zorn zerbrochen.“ Rabbi Sera sagte im Namen des Rabbi Abahu und dieser im Namen des Rabbi Jochanan: „Damit sind die achtzigtausend Träger von Kriegshörnern gemeint, die in Bettur eingedrungen sind, zur Zeit als sie diesen Ort bezwungen haben. Sie töteten darin Männer, Frauen und Kinder, so dass ihr Blut bis ins große Meer floß. Die Entfernung von Bettur bis zum großen Meere betrug ein Mil.“ Rabbi Elieser, der Große, sagte: „Zwischen Bettur und dem großen Meer lag ein Tal namens Jadajim (Hände); durch dieses flossen rechts und links zwei Flüsse, wie zwei Hände ins große Meer. Nach dem Gemetzel haben die Chakamini festgestellt, dass ein Drittel dieser Flüsse Blut war.“ ln einer Mischna wird gelehrt, dass die heidnische Bevölkerung sieben Jahre lang ihre Weinberge mit dem Blut der Juden gedüngt haben.

12.3 Einige Bemerkungen zum Bericht des babylonischen Talmuds zu der Zerstörung Jerusalems

Einerseits wird in dieser Darstellung der hohe Blutzoll der Menschen in Judäa in drastischen Bildern dargestellt. Auch Freund und Feind, deren Namen ähnlich waren, Kamza und Barkamza, können bildlich verstanden werden als zwei Parteien in Judäa, die sich ähnlich, aber feindlich sind, und damit den Krieg ausgelöst haben. Die Vernichtung der Nahrungsvorräte in Jerusalem, die Geiselhaft der Bevölkerung Jerusalems werden bildhaft dargestellt. Die Tatsache, dass Rabbi Jochanan zu Vespasian vorgedrungen ist, hätte Flavius Josephus bestimmt erwähnt und auch in seiner Rede an die Judäer genutzt. Rabbi Jochanan wird bei Flavius Josephus aber mit keinem Wort erwähnt, weder in den jüdischen Altertümern noch in der Geschichte des jüdischen Krieges. Flavius Josephus nimmt für sich in Anspruch, er habe Vespasian die Kaiserkrone vorhergesagt. Denkbar ist auch, dass Flavius Josephus von den Verhandlungen Rabbi Jochanans gar nichts mitbekommen hat, da er bis zur Kaiserkrönung Vespasians noch in Ketten lag.

Sehr eindrucksvoll ist dabei das Gespräch zwischen Abba Sikara, dem Haupt der Barjone, der Kämpfer in Jerusalem, und Rabbi Jochanan ben Sakkai, dem Haupt der Rabbiner. Auf die Frage Jochanans: „Wie lange wollt ihr es so treiben und die ganze Stadt durch Hunger umkommen lassen?“ antwortet er: „Was soll ich tun? Wenn ich sie davon abbringen wollte, würden sie mich töten!“. Klarer kann man die Situation in Jerusalem, die Verirrung und Verwirrung in der Stadt gar nicht beschreiben. Er bestätigt damit umgekehrt Flavius Josephus, der dies mit einzelnen Begebenheiten belegt, und ebenfalls den Eindruck wiedergibt, dass der politischen Führung und auch den religiösen Führern die Situation völlig entglitten ist.

Israel ist seinem Gott in Jesus Christus begegnet, aber es hat ihn nicht erkannt, es hat ihn verworfen. Und nun läuft es in sein Verderben, weil es in jedem, der sich auch nur den Anschein gibt, er könne das Volk vom römischen Joch befreien, den lang erwarteten Messias sieht. Aber es lernt nicht daraus, Israel hält an der Verwerfung Jesu fest, es verbeißt sich sogar immer mehr in seine Ablehnung.

Aber dies ist nur die eine Seite. Denn viel wichtiger ist, Israel hält an diesem Gott fest. Über dem Ganzen liegt damit eine große Tragik, die der Apostel Johannes verstanden hat, wenn er im Prolog seines Evangeliums schreibt: Das wahrhaftige Licht, welches jeden Menschen erleuchtet, sollte in die Welt kommen. Es war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen denen aber, die ihn aufnahmen, gab er Vollmacht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben; (Johannes 1,9-12  *) Dies macht die Erzählung über Onkelos bar Kalonikos, einem angeblichen Schwestersohn des Kaisers Titus deutlich. Er wollte zum Judentum übertreten. Darin erkennt man den Wunsch der jüdischen Gemeinde nach Anerkennung, auch ohne Jesus, ihre Hoffnung, dass Menschen sich zum althergebrachten Judentum bekennen und nicht zu Christus. Und so werden drei Menschen als Zeugen aus dem Totenreich zurückgerufen, die alle auf die Frage „Wer ist im Jenseits angesehen?“ bezeugen: „lsrael“. Trotz des Verlustes Jerusalems bleiben sie dabei: „Wir sind das Volk Gottes!”. Auf die Frage: „Soll man sich ihnen anschließen?“ antwortet der aus den Toten zurückgerufene Titus nach Ansicht des Talmud: „Bedränge sie!” Bileam antwortet: „Du sollst weder ihren Frieden noch ihr Bestes suchen dein Leben lang“ Und Jesus sagt: „Du sollst ihr Bestes suchen und nicht ihr Schlechtes. Wenn man sie anrührt, ist's, als wenn man den Augapfel Gottes berührt.“ Dies ist eine jüdische Geschichte. Und in dieser Geschichte ist der Jesus, der als der Abtrünnige gilt und von dem sie unterstellen, man müsse ihn aus dem Totenreich zurückholen, der einzige, der Israel Gutes wünscht und zwar mit der Begründung, dass Israel wie der Augapfel Gottes ist. Dies muss man mit Respekt zur Kenntnis nehmen. Bei aller Ablehnung Jesu durch das jüdische Priestertum hat diese Geschichte auch einen Hoffnungsschimmer für Israel.

12.4 Flavius Josephus zu den Eigentumsrechten nach der Zerstörung Jerusalems

Auch bei Flavius Josephus findet sich ein Hinweis auf die Eigentumsrechte in Israel nach der Zerstörung Jerusalems, die ja als ein Zusammenruch der staatlichen Ordnung der Region verstanden werden kann. Er schreibt:

Um diese Zeit schickte der Caesar an Bassus und an Liberius Maximus, der damals Prokurator war, den schriftlichen Befehl, das gesamte Land der Judäer zu verpachten. Eine neue Stadt wollte er nicht gründen; doch behielt er sich das Land als persönliches Eigentum vor. Nur 800 ausgedienten Veteranen wies er im Bezirk Ammaus, das dreißig Stadien von Jerusalem entfernt ligt, Ländereien an. Allen Judäern aber, wo sie auch wohnen mochten, legte er eine jährliche Kopfsteuer von zwei Drachmen auf, die sie für das Kapítol wie früher für den Tempel zu Jerusalem entrichten sollten. So stand es zu dieser Zeit um das judäische Volk. (Geschichte des jüdischen Krieges VII 6.6 (dt) oder VII 6.6 (gr))

Dieser Bericht des Flavius Josephus erwähnt kein Sicaricon, es achaut eher so aus, als gehörte das gesamte Land danach dem Kaiser und wurde von ihm verpachtet. Zwei weitere Kriege um Judäa, 116 und 132 bis 135 führten dann dazu, dass die Juden Judäa zum großen Teil verließen und die Diaspora zu einer dauerhaften Situation der Juden wurde.

Allerdings haben jüdische Beobachter die Kürze der Regierungszeit des Titus und die Ereignisse während seiner Herrschaft als Strafe Gottes für die Zerstörung des Tempels angesehen. Da ist zunächst die Tatsache, dass Titus nur zwei Jahre Kaiser war, dass fast zeitgleich mit dem Amtsantritt des Titus(24.6.79) der Vesuv ausbrach (24.8.79) und die Orte Pompeji, Herculaneum, Oplontis und das rund zwölf Kilometer entfernte Stabiae unter Staub- und Aschemassen vollständig begrub. Dieser Ausbruch hat Rom nicht betroffen, allerdings gab es danach eine schreckliche Seuche in Rom selbst. Im darauffolgenden Jahr (80) brannte Rom und viele Tempel wurden zerstört. (Cassius Dio Römische Geschichte 66.22-24 (engl.)) vgl. auch Cassius Dio Römische Geschichte 66.22-24 (S.1547-1550) (deutsch) Zwar wird Titus gerühmt, weil er in allen Fällen vorbildliche Hilfsmaßnahmen organisiert hat. Aber er starb dann bereits am 13.9.81 an einem Fieber.

12.5 Freuet euch mit Jerusalem

Jesaja 66,10  *: Freuet euch mit Jerusalem und frohlocket über sie, ihr alle, die ihr sie liebet; teilet nun auch ihre Freude mit ihr, ihr alle, die ihr euch um sie betrübt habt,

Dieser Text wird gemeinhin positiv gelesen: „Freuet euch mit Jerusalem“. In der Geschichte von der Ortschaft Sekanja in Ägypten wird aber deutlich, dass auch das Negative mit einbezogen ist: Der Talmud deutet diesen Vers auch auf die Unglücke, die Jerusalem widerfahren: Wenn nun, sagte Abajji zu Rab Josef, die Bewohner dieses Ortes so fromm waren, warum hat sie Gott bestraft, indem er den Ort zerstörte? Hierauf antwortete Rab Josef: „Weil sie über die Zerstörung Jerusalems nicht getrauert haben.“ Diese Deutung ist des Nachdenkens wert. Sie nimmt das „ihr alle, die ihr euch um sie betrübt habt,“ auf. Und sie ist für die Christen aller Zeiten eine Warnung, alles, was Jerusalem widerfahren ist, nicht mit Häme, sondern mit Trauer zu lesen, einschließlich der Trauer, dass das Wort des Apostel Johannes: Er kam in sein Eigentum, und die Seinen nahmen ihn nicht auf. (Johannes 1,11  *) bis heute für viele Juden gilt. Und trotzdem sind und bleiben sie das Volk, das Gott sich zum Eigentum erwählt hat, der Ölbaum, in den wir eingepfropft sind.:

darum sage ich: Wenn ihre Verwerfung die Versöhnung der Welt geworden ist, was würde ihre Annahme anderes sein, als Leben aus den Toten? Ist aber der Anbruch heilig, so ist es auch der Teig, und ist die Wurzel heilig, so sind es auch die Zweige. Wenn aber etliche der Zweige ausgebrochen wurden und du als ein wilder Ölzweig unter sie eingepfropft und der Wurzel und der Fettigkeit des Ölbaums teilhaftig geworden bist, so rühme dich nicht wider die Zweige! Rühmst du dich aber, so wisse, daß nicht du die Wurzel trägst, sondern die Wurzel trägt dich! Nun sagst du aber: Die Zweige sind ausgebrochen worden, damit ich eingepfropft würde! Gut! Um ihres Unglaubens willen sind sie ausgebrochen worden; du aber stehst durch den Glauben. Sei nicht stolz, sondern fürchte dich! Denn wenn Gott die natürlichen Zweige nicht verschont hat, so wird er wohl auch dich nicht verschonen. So schaue nun die Güte und die Strenge Gottes; die Strenge an denen, die gefallen sind; die Güte aber an dir, sofern du in der Güte bleibst, sonst wirst auch du abgehauen werden! Jene dagegen, wenn sie nicht im Unglauben verharren, sollen wieder eingepfropft werden; denn Gott vermag sie wohl wieder einzupfropfen. Denn wenn du aus dem von Natur wilden Ölbaum herausgeschnitten und wider die Natur in den edlen Ölbaum eingepfropft worden bist, wieviel eher können diese, die natürlichen Zweige, wieder in ihren eigenen Ölbaum eingepfropft werden! Denn ich will nicht, meine Brüder, daß euch dieses Geheimnis unbekannt bleibe, damit ihr euch nicht selbst klug dünket, daß Israel zum Teil Verstockung widerfahren ist, bis daß die Vollzahl der Heiden eingegangen sein wird und also ganz Israel gerettet werde, wie geschrieben steht: «Aus Zion wird der Erlöser kommen und die Gottlosigkeiten von Jakob abwenden», und: «das ist mein Bund mit ihnen, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde». Nach dem Evangelium zwar sind sie Feinde um euretwillen, nach der Erwählung aber Geliebte um der Väter willen. Denn Gottes Gnadengaben und Berufung sind unwiderruflich. (Römer 11,15-29 *)







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23Johannes 1,9-12
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Das wahrhaftige Licht, welches jeden Menschen erleuchtet, sollte in die Welt kommen.Es war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht.Er kam in sein Eigentum, und...
24Römer 11,15-29
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darum sage ich: Wenn ihre Verwerfung die Versöhnung der Welt geworden ist, was würde ihre Annahme anderes sein, als Leben aus den Toten?Ist aber der Anbruch heilig, so ist es auch der Teig, und ist die...




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