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Menschen der Bibel

Krankenheilungen sind kein Argument - Politik gegen die Jünger Jesu

Die Folgen des Hohepriesters Joseph Kaiphas für die Politik

 


Zusammenfassung

Joseph Kaiphas war von 18 bis 36 n.Chr. Hoherpriester in Israel, ein Schwiegersohn des Ananus (Hannas), der von 6 bis 15 n.Chr. Hoherpriester war. In einem Jahrhundert, in dem 28 Hohepriester amtierten, schaffte er es, sich 18 Jahre im Amt zu halten. Er begegnet Jesus als oberster Richter seines Volkes und ist maßgeblich am Zustandekommen des Todesurteils beteiligt. Er hielt sich so lange an der Macht, wie auch Pilatus Statthalter von Kaiser Tiberius in Syrien war (26 bis 36 n.Chr.), hatte also offenbar gute Beziehungen zu Pilatus und verlor sein Amt nahezu gleichzitig mit Pilatus.

Kaum hat der Hohe Rat das Problem „Problem Jesus“ gelöst, da beginnt alles wieder von vorne. Es geschehen Wunder durch die Apostel und das Volk läuft den Aposteln nach. Der Hohe Rat ist herausgefordert. Der Hohe Rat gibt uns ein Beispiel, wie Führungsorgane unter Druck handeln, wie sie auch die Realität ignorieren, denn die Wunder der Apostel waren real, keine Gerüchte, die in Jerusalem gestreut wurden. Die Vorgänge stellen an uns die Frage, wie wir mit geistlichen Aufbrüchen umgehen, wo unsere Grenzen sind, Grenzen der Liebesfähigkeit, der Vergebungsbereitschaft. Lieber ist hier wie dort das „… willst du zur Rechten, so gehe ich zur Linken“ Abrahams der letzte Ausweg.

Schlagwörter: Abraham - Apostel Johannes - Barnabas - Bibel - Gott - Heiliger Geist - Hoher Rat - Jesus - Joseph Kaiphas - Lot - Mose - Paulus - Pharisäer - Salomo - Simon Petrus - Sohn - Trinität - Vater

Bereich Anregungen

Thema Vorangehender Beitrag Folgender Beitrag

Menschen in der Bibel
Menschen in der Begegnung mit Gott
Die großen Glaubensfrauen und -männer der Bibel - Ihre Stärken und ihre Schwächen

Jetzt muss sich der Hohepriester auch noch mit ungelehrten Leuten und Laien herumschlagen
Der Hohepriester Joseph Kaiphas und die werdende Gemeinde

Die Gewalt eskaliert
Gewalt statt gesetzeskonformer Prozesse - Und Gottes Geist führt die Gemeinde weiter

Bibelarbeiten
Bibelarbeiten für verschiedene Zielgruppen
Die Faszination des Wortes Gottes

Jetzt muss sich der Hohepriester auch noch mit ungelehrten Leuten und Laien herumschlagen
Der Hohepriester Joseph Kaiphas und die werdende Gemeinde

Die Gewalt eskaliert
Gewalt statt gesetzeskonformer Prozesse - Und Gottes Geist führt die Gemeinde weiter
Pragmatismus und das Reich Gottes  <<   1   2   3   4   5   6   7   8   9   10   11   12   13   14   15   16   17   >   >> 




Inhaltsverzeichnis

Thema: Pragmatismus und das Reich Gottes

Thema: Wie behalte ich die Lage im Griff

Thema: Die Himmelfahrt Jesu

Thema: Pfingsten - Die Ausgießung des Heiligen Geistes

Thema: Jetzt muss sich der Hohepriester auch noch mit ungelehrten Leuten und Laien herumschlagen

Thema: Krankenheilungen sind kein Argument - Politik gegen die Jünger Jesu

Thema: Die Gewalt eskaliert

Thema: Die Bekämpfung des Messias Jesus verselbständigt sich zu einer systematischen Verfolgung

Thema: Die Staatsmacht greift ein

Thema: Paulus zurück in Jerusalem

Thema: Der Kampf gegen das messianische Judentum

Thema: Der Fall Jerusalems aus der Sicht des Talmud

Thema: Abgrenzung

Thema: Eine Theologie, um die Fehler der Väter zu rechtfertigen

Thema: Messiasprophetien des Alten Testamentes

Thema: Die Erfüllung der Messiasprophetien aus Sicht des Neuen Testamentes

1.1 Herkunft Kaiphas

1.2 Kaiphas im Neuen Testament

1.3 Der Prozess gegen Jesus im Hohen Rat

1.4 Der Prozess gegen Jesus - Nicht nur ein jüdisches Problem

1.6 Spielball der Mächtigen - Judas Iskarioth

1.7 Fazit zum Prozess gegen Jesus im Hohen Rat

2.1 Der Hohepriester Kaiphas begegnet dem Messias

2.2 Die Arroganz der Wissenden

2.3 Die Erleichterung nach der Kreuzigung

2.4 Die Angst vor der Auferstehung - Oder: Alte Lügen erfordern neue Lügen

2.5 Ostern ist der Höhepunkt göttlichen Handelns

3.1 Der Hohe Rat organisiert - Gott handelt

3.2 Unbemerkt vom Hohen Rat - Der auferstandene Herr, Jesus Christus, erscheint den wirklich wichtigen Menschen

3.3 Jesus Christus sucht den Glauben

4.1 Der Hohe Rat ist schwer beschäftigt - Das Pfingstfest in Jerusalem

4.2 Ein Fischer aus Galiläa predigt im Tempel in Jerusalem - Und Tausende hören zu

4.3 Was ist zu tun?

5.1 Der Hohe Rat übergeht das Pfingstereignis in Jerusalem schweigend - Aber es kommt noch schlimmer

5.2 Heilung ohne Erlaubnis des Hohen Rates - Und dann auch noch dies Gerede von der Auferstehung

5.3 Das Verhalten des Petrus ist unerträglich - Aber nur für den Hohen Rat

5.4 Schon wieder ein Prozess

5.5 Der Beschluss der Glaubensväter - Aber Petrus und Johannes sind nicht beeindruckt

5.6 Die kraftvolle Reaktion der Gemeinde

5.7 Gott zieht weiter

6 Erneute Wunder und die Reaktion der Staatsmacht

6.2 Rechtgläubigkeit - Irrtum ausgeschlossen oder Können wir Gott auf unser Bibelverständnis festlegen?

6.3 Konnte der Hohe Rat das eigentlich wissen? - Täter oder Opfer?

6.4 Gruppendynamik im Hohen Rat oder Man muss zu seinen Entscheidungen stehen(?)

6.5 Im Hohen Rat gab es mehr Weisheit als gedacht - Das weise Rat Gamaliels

6.6 Umkehr - Wie schwer fällt es gestandenen Männern

7.1 Stephanus wird Diakon in der wachsenden Gemeinde

7.2 Die Predigt des Stephanus - Keine Verteidigungsrede sondern Klartext

7.3 Die Reaktion - Dem Hohen Rat entgleitet der Prozess

7.4 Jesus steht und ist bereit, Stephanus zu entgegen zu gehen

7.5 Warum lässt Gott das zu

8.1 Saulus greift ein - Das Eigentor der Vertreibung

8.2 Jesus greift ein - Saulus bekehrt sich

9.1 Agrippa I - Herkunft

9.2 Agrippa I - Schulden über Schulden

9.3 König Agrippa I

9.4 König Agrippa I und die Christen

9.5 Gebetserhörung - und keiner will es glauben

9.6 Die wahre Stimme Gottes

9.7 ... und die Kirche wächst

10.1 Paulus weiß, was auf ihn zukommt

10.2 Der zeitlich Rahmen

10.3 Prophetische Warnungen des Paulus auf seiner Reise nach Jerusalem

10.4 Paulus kommt in Jerusalem an

10.5 Paulus wird in Jerusalem erkannt

10.6 Paulus in römischer Gefangenschaft

10.7 Paulus predigt in Jerusalem

10.8 Paulus nutzt sein römisches Bürgerrecht

10.9 Paulus vor dem Hohen Rat

10.10 Die Zeit des Hohenpriesters Ananias

10.11 Der HERR kennt die Seinen

10.12 Paulus vor Felix

10.13 Seelsorge am Statthalter Felix

10.14 Paulus vor dem Statthalter Festus

10.15 Festus und Herodes Agrippa II

10.16 Paulus verteidigt sich vor Herodes Agrippa II

10.17 Paulus verlässt Judäa - Fazit

11.1 Die spärlichen Informationen am Ende der Apostelgeschichte

11.2 Jahreszahlen vor dem Angesicht des ewigen Gottes

11.3 Der Bericht des Flavius Josephus über den Tod des Jakobus, des Bruders des Herrn

11.4 Eusebius ausführlicher Bericht über den Tod des Jakobus

11.5 Der Dienst des Jakobus

11.6 Zeitenwende zum Krieg

11.7 Nachdenkliches über Rechtgläubigkeit

11.8 Jakobus muss es nicht mehr erleben

11.9 Die weinenden Hohenpriester

11.10 Die Abwärtsspirale

12.1 Die Sikarier - Terrorismus bereits im Altertum

12.2 Der babylonische Talmud zu der Zerstörung Jerusalems

12.3 Einige Bemerkungen zum Bericht des babylonischen Talmuds zu der Zerstörung Jerusalems

12.4 Flavius Josephus zu den Eigentumsrechten nach der Zerstörung Jerusalems

12.5 Freuet euch mit Jerusalem

13.1 Jesus über die Gefahren für die Gemeinde

13.2 Instrumente der Abgrenzung im Talmud

13.2.1 Der zwölfte Lobpreis im Achtzehngebet

13.2.2 Der Synagogenbann

14.1 Jesus zitiert Psalm 110

14.2 Was lehrt uns das Verhalten Jesu?

14.3 Psalm 110 in der jüdischen Tradition vor Jesus

14.4 Die Bedeutung des Psalmes 110 für das Neue Testament

14.4.1 Die Kirchenväter über Paulus als Autor des Briefes an die Hebräer

14.4.2 Der Brief an die Hebräer und Psalm 110

14.4.3 Melchisedek ist ein Priester eigener Art, kein Mensch, der Vater und Mutter hätte

14.4.4 Melchisedek ist größer als Abraham und erst recht größer als Levi und Aaron

14.4.5 Das Priestertums Melchisedeks löst das levitische Priestertum ab

14.4.6 Der Messias aus dem Stamm Juda ist kraft seiner Auferstehung Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedeks

14.4.7 Der Eidschwur des allmächtigen Gottes

14.4.8 Die Freude über das Priestertum Jesu

14.4.9 Fazit

14.5 Zwei Messiasse? - Sacharja 4,14

14.6 Der Talmud und die Abgrenzung gegenüber den Christen

14.7 Der Umgang des Talmud mit Psalm 110

14.7.1 Deutung von Psalm 110 auf Abraham

14.7.2 Deutung von Psalm 110 auf Hiskia

14.7.3 Deutung von Psalm 110 auf David

14.8 Spricht Gott zu den Menschen oder sprechen Menschen zu Gott?

Frühe Prophetien vor Jakob

Jakob prophezeit den Messias aus dem Stamm Juda

Mose prophezeit den kommenden Propheten

Messiasprophetien der Psalmen

Messiasprophetien des Propheten Jesaja

Messiasprophetien der weiteren Propheten vor dem Exil

Messiasprophetien des Propheten nach dem Exil, Haggai, Sacharja und Maleachi

Das Bild vom Eckstein

Der Messias ist König und Hoherpriester zugleich

Der Spross

Die Deutung des Hohenpriestertums Christi im Hebräerbrief

Die Offenbarung des Christus am Ende der Zeiten

Gott, der Vater, ist Herr der Prophetien

Was sind Messias-Prophetien

Die frühen Prophetien auf den Messias

Der Messias, König und Priester im Alten Testament

Der Spross Davids

Der Messias, König und Priester im Neuen Testament

Der Gottesknecht

Das erste Gottesknechtlied

Das zweite Gottesknechtlied

Das dritte Gottesknechtlied

Das vierte Gottesknechtlied

Erfüllte Prophetien nach Matthäus

Die Ankündigungen des Messias seit Abraham

Der Messias kommt aus Bethlehem

Der Messias und Ägypten

Der Messias als Licht für die Menschen in der Finsternis

Der Messias wird für die Menschen leiden

Der Messias wird triumphieren

Der Messias wird verraten werden

Der Lohn des Verrats

Falsche Zeugen treten gegen den Messias auf, aber der Messias schweigt

... wie ein Verbrecher

Der Messias wird verspottet

Das Grab des Messias

Die Auferstehung des Messias

Fazit zu den Messiasprophetien bei Matthäus

Erfüllte Prophetien aus den weiteren Evangelien, der Apostelgeschichte und den Briefen

Jesus als der verheißene Prophet

Jesus als Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedeks

Jesus wird von den Seinen, den Juden, abgelehnt und gehasst

Jesus Christus und der Geist Gottes

Judas Iskarioth: Sein Amt soll ein anderer empfangen

Der Messias: Geschlagen und angespuckt

Der Messias: Durchbohrt

Der Messias: Er betet für seine Feinde

Der Messias: Nicht ein Bein wird gebrochen

Der Messias: Soldaten werfen das Los um sein Gewand

Der Messias: Aufgefahren zur Höhe

6 Erneute Wunder und die Reaktion der Staatsmacht

6.1 Der Hohe Rat kommt nicht zur Ruhe - Das Volk läuft Petrus und den Jüngern zu

Eine erste Krankenheilung durch die Jünger, die wir im vorangehenden Abschnitt behandelt haben, erfolgte eher beiläufig an der Schönen Pforte des Tempels. Sie führte sofort zum Eingreifen der Staatsmacht und zu einem Prozess vor dem Hohen Rat. Dieser endete mit einem strengen Verweis und der kraftvollen und mutigen Erwiderung der beiden Jünger: Petrus aber und Johannes antworteten ihnen und sprachen: Entscheidet ihr selbst, ob es vor Gott recht ist, euch mehr zu gehorchen als Gott; denn es ist uns unmöglich, nicht von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben. (Apostelgeschichte 4,19-20 *) Und die Jünger handeln danach:

Apostelgeschichte 5,12-16  *: Durch die Hände der Apostel aber geschahen viele Zeichen und Wunder unter dem Volk; und sie waren alle einmütig beisammen in der Halle Salomos. Von den übrigen aber wagte keiner sich ihnen anzuschließen; doch das Volk schätzte sie hoch; und immer mehr wurden hinzugetan, die an den Herrn glaubten, eine Menge von Männern und Frauen, so daß man die Kranken auf die Gassen hinaustrug und sie auf Betten und Bahren legte, damit, wenn Petrus käme, auch nur sein Schatten einen von ihnen überschattete. Es kamen aber auch viele aus den umliegenden Städten in Jerusalem zusammen und brachten Kranke und von unreinen Geistern Geplagte; die wurden alle geheilt.

Der Hohe Rat muss aber feststellen, dass es im Tempel weitergeht. Nicht nur, dass die Apostel die Räume des Tempels, die Halle Salomos, nutzen, um ihre Botschaft weiter zu verkündigen. Es geht auch weiter mit den Heilungswundern. Und die Geschehnisse in Jerusalem werden bekannt, Menschen kommen aus der Umgebung, um Heilung zu erfahren. Wie soll ein religiöser Führer damit umgehen. Sie sind doch die Repräsentanten Gottes auf Erden. Sie verwalten das Erbe des Mose, das Wissen um die in Jahrhunderten gewachsene jüdische Tradition. Das Volk sollte doch ihnen nachfolgen, den Trägern der heiligen Gewänder, den Familien, die die reine Lehre bis auf den heutigen Tag bewahrt haben. Wieder zeigt sich das Dilemma der Menschen, die meinen, Gott zu repräsentieren, zwischen Gott und den Menschen zu stehen: Gott sucht sich seinen eigenen Weg zu den Menschen, er lässt sich nicht verwalten, er duldet keine Stellvertreter, die ihre eigene Politik machen. Aber dies sehen viele religiöse Führer damals wie heute nicht, weil sie nicht vorurteilsfrei nach Gottes Willen fragen. Sie sind rechtgläubig im Sinne des mosaischen Gesetzes. Die Dynamik, die in dem Wort Moses liegt, wenn er ankündigt: Einen Propheten wie mich wird dir der HERR, dein Gott, erwecken aus deiner Mitte, aus deinen Brüdern; auf den sollst du hören! (5.Mose 18,15 *) Diese Dynamik sehen sie nicht oder sie ignorieren sie.

6.2 Rechtgläubigkeit - Irrtum ausgeschlossen oder Können wir Gott auf unser Bibelverständnis festlegen?

Dies führt uns an einen sehr brisanten Punkt unserer Überlegungen. Kann es sein, dass Gott auch heute noch Entwicklungen zulässt oder akzeptiert, die unserem (vordergründigen) Bibelverständnis widersprechen? Wir haben ja Bibelstellen im Neuen Testament, wo die Apostel zeitbezogen argumentieren, etwa, wenn der Apostel Paulus an die Korinther schreibt: Urteilet bei euch selbst, ob es schicklich sei, daß ein Weib unverhüllt Gott anbete! Oder lehrt euch nicht schon die Natur, daß es für einen Mann eine Unehre ist, langes Haar zu tragen? (1.Korinther 11,13-14 *) Hier spricht er das kulturelle Umfeld an, in dem diese Regeln erforderlich sind und betont dies, indem er sagt: „Urteilet bei euch selbst, …“ oder „Oder lehrt euch nicht schon die Natur, …“. Trotzdem schreibt Paulus an anderer Stelle: Wenn jemand anders lehrt und sich nicht an die gesunden Worte unsres Herrn Jesus Christus hält und an die der Gottseligkeit entsprechende Lehre, so ist er aufgeblasen und versteht doch nichts, sondern krankt an Streitfragen und Wortgezänk, woraus Neid, Hader, Lästerung, böser Argwohn entstehen. (1.Timotheus 6,3-4 *) Er verwahrt sich also dagegen, dass seine Lehre in Frage gestellt wird. Dabei macht er aber eine Einschränkung: Wenn jemand anders lehrt und sich nicht an die gesunden Worte unsres Herrn Jesus Christus hält und an die der Gottseligkeit entsprechende Lehre, … Er gibt also seinem Wort deshalb ein solches Gewicht, weil er sich im Einklang mit dem Wort Jesu Christi weiß. Ähnlich ist es im Brief an die Galater, in dem Paulus noch deutlicher wird: Aber wenn auch wir oder ein Engel vom Himmel euch etwas anderes als Evangelium predigen würde außer dem, was wir euch verkündigt haben, der sei verflucht! Wie wir zuvor gesagt haben, so sage ich auch jetzt wiederum: Wenn jemand euch etwas anderes als Evangelium predigt außer dem, das ihr empfangen habt, der sei verflucht! Rede ich denn jetzt Menschen oder Gott zuliebe? Oder suche ich Menschen zu gefallen? Wenn ich noch Menschen gefiele, so wäre ich nicht Christi Knecht. Ich tue euch aber kund, Brüder, daß das von mir gepredigte Evangelium nicht von Menschen stammt; ich habe es auch nicht von einem Menschen empfangen noch gelernt, sondern durch eine Offenbarung Jesu Christi. (Galater 1,8-12 *) Hier scheint es zunächst so, als wenn Paulus sein eigenes Wort zum Maßstab setzt: „AAber wenn auch wir oder ein Engel vom Himmel euch etwas anderes als Evangelium predigen würde außer dem, was wir euch verkündigt haben, …“ Aber er belässt es nicht dabei, sondern er beendet diesen Abschnitt mit dem Bekenntnis: … ich habe es auch nicht von einem Menschen empfangen noch gelernt, sondern durch eine Offenbarung Jesu Christi. Christus ist die Instanz, an der er sich messen lässt. Es gibt also niemanden, auch Paulus nicht, der stellvertretend für Christus reden kann, sondern auch das Wort des Paulus muss sich an Christus messen lassen. Gott hat mit seinem Sohn eine Instanz auf Erden geschaffen, vor der sich alle Knie beugen sollen:

Deswegen beuge ich meine Knie vor dem Vater unsres Herrn Jesus Christus, nach welchem jede Vaterschaft im Himmel und auf Erden genannt wird, daß er euch nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit verleihe, an Kraft zuzunehmen durch seinen Geist am inwendigen Menschen, daß Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne, damit ihr, in Liebe gewurzelt und gegründet, mit allen Heiligen zu begreifen vermöget, welches die Breite, die Länge, die Höhe und die Tiefe sei, und die Liebe Christi erkennet, die doch alle Erkenntnis übertrifft, auf daß ihr erfüllt werdet bis zur ganzen Fülle Gottes. Dem aber, der weit mehr zu tun vermag, als wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die in uns wirkt, ihm sei die Ehre in der Gemeinde und in Christus Jesus, auf alle Geschlechter der Ewigkeit der Ewigkeiten! Amen. (Epheser 3,14-21 *)

Beantwortet dieser Text nun die Frage, die wir am Anfang dieser Abschnitts gestellt haben: „Kann es sein, dass Gott auch heute noch Entwicklungen zulässt oder akzeptiert, die unserem (vordergründigen) Bibelverständnis widersprechen?“ Ja und nein.

Zunächst das JA: „die Liebe Christi erkennet, die doch alle Erkenntnis übertrifft“ Wir müssen akzeptieren, dass auch unsere Bibelauslegung Stückwerk ist. In der Bibel ist in menschliche Worte gefasst, was „alle Erkenntnis übertrifft“. Dies müssen wir auch auf unsere Bibelauslegung beziehen. Paulus schreibt ein bemerkenswertes Wort über den Pneumaticos, den Mensch des Geistes: Der geistliche Mensch aber erforscht alles, er selbst jedoch wird von niemand erforscht; (1.Korinther 2,15  *) Manchmal müssen wir damit leben, dass Menschen, zwar geleitet vom Geist Gottes, doch zu unterschiedlichen Resultaten kommen. Als Paulus und Barnabas über eine weitere Missionsreise beraten, kommt es zum Streit: Nach etlichen Tagen aber sprach Paulus zu Barnabas: Laß uns wieder umkehren und nach den Brüdern sehen in all den Städten, in welchen wir das Wort des Herrn verkündigt haben, wie es um sie stehe. Barnabas aber wollte auch den Johannes, der Markus zubenannt wird, mitnehmen. Paulus aber hielt dafür, daß der, welcher in Pamphylien von ihnen gewichen und nicht mit ihnen zu dem Werke gekommen war, nicht mitzunehmen sei. Darob entstand eine Erbitterung, so daß sie sich voneinander trennten und Barnabas den Markus zu sich nahm und zu Schiff nach Cypern fuhr. Paulus aber wählte sich Silas und zog aus, von den Brüdern der Gnade Gottes anbefohlen. Er durchzog aber Syrien und Cilicien und stärkte die Gemeinden. (Apostelgeschichte 15,36-41 *) Wenn es schon den Aposteln so ging, müssen wir uns ebenfalls darauf gefasst machen. Dann gilt es, in der Liebe Jesu etwas zu organisieren, was schon Abraham mit Lot organisieren musste, als es Streit zwischen ihren Knechten gab: Steht dir nicht das ganze Land offen? Trenne dich von mir! Willst du zur Linken, so gehe ich zur Rechten; und willst du zur Rechten, so gehe ich zur Linken. (1.Mose 13,9 *) Wir sollten nicht stolz darüber sein, dass es so viele christliche Konfessionen gibt, aber sie sind Ausdruck der Tatsache, dass unsere Erkenntnis immer Stückwerk ist (1.Korinther 13,9 *). Das Gebet Jesu zum Vater: „… auf daß sie eins seien, gleichwie wir eins sind.“ (Johannes 17,22 *) wird davon nicht beeinträchtigt, solange wir uns in Liebe begegnen und unsere unterschiedliche Sicht in Demut vor unseren Herrn bringen und nicht als Schwert benutzen, uns zu bekämpfen. Gott wird nicht dadurch verherrlicht, dass wir mit Gewalt Menschen zu einem Bekenntnis zwingen. Nur der Lobpreis eines Menschen, der ohne Zwang gesprochen oder gesungen wird, verherrlicht Gott.

Und das NEIN: Es gibt in der Tat Grenzen, die wir nicht überschreiten dürfen. Und doch werden wir auch da immer wieder zur Vergebung aufgerufen. (Matthäus 18,21-22 *) Wir sind zunächst zur persönlichen Heiligung aufgerufen. Jesus lebt uns das vor, wenn er betet: Und ich heilige mich selbst für sie, damit auch sie geheiligt seien in Wahrheit. (Johannes 17,19 *) Aber auch in diesem Vorleben der Heiligung gibt es Grenzen, aber es sind primär Grenzen unserer Liebesfähigkeit. Irgendwann ist unsere Fähigkeit, einen Sünder zu lieben, am Ende. Auch dann müssen sich unsere Wege trennen, denn Gleichgültigkeit ist keine Option im Reich Gottes. Wieder ist unsere Konfessionalität der Ausweg, das „… willst du zur Rechten, so gehe ich zur Linken“ Abrahams.

Diese Überlegungen machen vielleicht deutlich, welche tiefe Erkenntnis in diesem Wort von der Selbstentäußerung Christi liegt: Denn ihr sollt so gesinnt sein, wie Jesus Christus auch war, welcher, da er sich in Gottes Gestalt befand, es nicht wie einen Raub festhielt, Gott gleich zu sein; sondern sich selbst entäußerte, die Gestalt eines Knechtes annahm und den Menschen ähnlich wurde, und in seiner äußern Erscheinung wie ein Mensch erfunden, sich selbst erniedrigte und gehorsam wurde bis zum Tod, ja bis zum Kreuzestod. Darum hat ihn auch Gott über alle Maßen erhöht und ihm den Namen geschenkt, der über allen Namen ist, damit in dem Namen Jesu sich alle Knie derer beugen, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen, daß Jesus Christus der Herr sei, zur Ehre Gottes, des Vaters. (Philipper 2,5-11 *)

6.3 Konnte der Hohe Rat das eigentlich wissen? - Täter oder Opfer?

Konnte der Hohe Rat das überhaupt wissen? Ja, er konnte es, denn Jesus hat bereits zu den Pharisäern gesagt, die ihn der Gotteslästerung beschuldigten: Tue ich nicht die Werke meines Vaters, so glaubet mir nicht! Tue ich sie aber, so glaubet, wenn ihr auch mir nicht glaubet, doch den Werken, auf daß ihr erkennet und glaubet, daß der Vater in mir ist und ich im Vater. (Johannes 10,37-38 *)

Statt zu überlegen, ob man Lazarus umbringen müsse, weil alle Menschen Jesus nachlaufen, nachdem er Lazarus auferweckt hat, hätten sie prüfen müssen, woher das Allmachtswort Jesu kommt. Statt die Jünger zu verfolgen, sollte der Hohe Rat prüfen, woher diese Vollmacht zum Heilen kommt. Statt Menschen zu verurteilen, die ihren Glauben anders leben als wir es gewohnt sind, sollten wir zunächst prüfen, welche Vollmacht diese Menschen haben, und auch, woher diese Vollmacht kommt. Die Antwort, das sei vom Teufel, kann nie völlig ausgeschlossen werden, ist aber bei Heilungen sehr sehr sorgfältig zu prüfen, denn der Teufel ist ein Durcheinanderbringer, keiner, der heilt, kein Heiland.

6.4 Gruppendynamik im Hohen Rat oder Man muss zu seinen Entscheidungen stehen(?)

Dies alles spielt für den Hohen Rat kleine Rolle, denn Jesus war ja bereits zum Tode verurteilt und gestorben, also, aus Sicht des Hohen Rates, der ja die Auferstehung für eine Lüge und einen Betrug der Jünger hielt, war damit der Beweis geführt, dass Jesus nicht Gottes Sohn war. Jesaja 53 * bezieht sich auf das Leiden des Volkes Israel und durfte hier nicht herangezogen werden. Die Sache war klar. Man muss zu seinen einmal getroffenen Entscheidungen stehen. Die gruppendynamischen Prozesse innerhalb des Hohen Rates liefen so ab, wie es in jedem Führungsgremium der Welt wäre, wenn es von außen bedroht wird. Sie halten zusammen und setzen sich zur Wehr.

Sie brauchen nichts zu prüfen. Deshalb reagieren sie ganz menschlich.

Apostelgeschichte 5,17-18   *: Es erhob sich aber der Hohepriester und sein ganzer Anhang, nämlich die Sekte der Sadduzäer. Die wurden voll Eifersucht und legten ihre Hände an die Apostel und setzten sie in öffentlichen Gewahrsam.

Es war noch nie eine gute Idee, sich mit dem lebendigen Gott anzulegen. Dies musste auch der Hohe Rat feststellen, obwohl er glaubte, er kämpfe gegen finstere Mächte: Apostelgeschichte 5,19-25   *: Aber ein Engel des Herrn öffnete in der Nacht die Türen des Gefängnisses und führte sie heraus und sprach: Gehet hin, tretet auf und redet im Tempel zum Volk alle Worte dieses Lebens! Als sie das hörten, gingen sie frühmorgens in den Tempel und lehrten. Es kam aber der Hohepriester und sein Anhang, und sie riefen den Hohen Rat und alle Ältesten der Kinder Israel zusammen und sandten in das Gefängnis, um sie herbringen zu lassen. Als aber die Diener hinkamen, fanden sie jene nicht im Gefängnis. Da kehrten sie zurück, meldeten es und sprachen: Das Gefängnis fanden wir zwar mit aller Sorgfalt verschlossen und die Wächter vor den Türen stehen; als wir aber öffneten, fanden wir niemand darin! Als aber der Tempelhauptmann und die Hohenpriester diese Worte hörten, konnten sie sich nicht erklären, wieso das komme. Da kam jemand und verkündigte ihnen: Siehe, die Männer, welche ihr ins Gefängnis gesetzt habt, stehen im Tempel und lehren das Volk!

Wieder haben die Mitglieder des Hohen Rates Gelegenheit zu prüfen, was da wirklich vor sich gegangen ist. Aber sie lassen die Möglichkeit verstreichen. Sie prüfen lieber nicht so genau, wie die eingekerkerten Apostel plötzlich frei geworden sind. Sie hatten Angst vor der Wahrheit. Dabei hatten sie wohl weniger Angst, dass sie es hier mit dem Eingreifen eines Engels zu tun haben. Ihre Angst bezog sich wohl eher darauf, dass die Apostel selbst in der römischen Besatzungsmacht schon Freunde haben könnten. Also setzten sie jetzt auf Kooperation: Apostelgeschichte 5,26-32   *: Da ging der Hauptmann mit den Dienern hin und führte sie herbei, nicht mit Gewalt; denn sie fürchteten, das Volk könnte sie steinigen. Und sie brachten sie und stellten sie vor den Hohen Rat; und der Hohepriester fragte sie und sprach: Haben wir euch nicht streng verboten, in diesem Namen zu lehren? Und siehe, ihr habt mit eurer Lehre Jerusalem erfüllt und wollt das Blut dieses Menschen auf uns bringen! Petrus aber und die Apostel antworteten und sprachen: Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen! Der Gott unsrer Väter hat Jesus auferweckt, den ihr ans Holz gehängt und umgebracht habt. Diesen hat Gott zum Anführer und Retter zu seiner Rechten erhöht, um Israel Buße und Vergebung der Sünden zu verleihen. Und wir sind Seine Zeugen dieser Tatsachen, und der heilige Geist, welchen Gott denen gegeben hat, die ihm gehorsam sind.

Schlaue und lebenserfahrene Theologen haben nun noch nie erlebt, dass ein Engel ihnen eine Tür aufgeschlossen hat und schließen deshalb messerscharf, dass es so nicht gewesen sein kann. Wenn Gott seinen Sohn Jesus Christus aus dem Kreuzestod und aus einem schwer bewachten Grab auferwecken kann, wie soll ihm dann irgend etwas unmöglich sein. Hier verstehe ich den historisch kritischen Ansatz überhaupt nicht, denn die Auferstehung Jesu ist eine Grenzüberschreitung, die weit über meine Erfahrungswelt hinausgeht. Wie kann ich dann meine kleine und beschränkte Erfahrungswelt noch aufrechterhalten und meinen, alles andere müsse nun aber daran gemessen werden. Eine solche Position ist logisch nicht haltbar, sie ist sozusagen eine Logik mit Ausnahmen: Ja, Jesus ist auferstanden und dies überschreitet meinen Horizont. Aber nein, alles andere sind Legenden, wenn es denn meinen Horizont überschreitet. Da sollte man schon konsequent sein und anerkennen, dass die Bibel Dinge beschreibt, die ich mit meiner Erfahrungswelt nicht beurteilen kann und auch nicht zu beurteilen habe. Es sind Lichter aus einer viel größeren Welt, die meine Vernunft überschreitet. Das allein macht die Bibel so spannend. Und deshalb ist auch der Blickwinkel des Joseph Kaiphas so spannend. Ich bin Joseph Kaiphas, solange ich auf das Handeln Gottes ohne Glauben blicke. Der natürliche Mensch ist Joseph Kaiphas, weil er geistliche Dinge nicht geistlich beurteilt. Erst wenn der Heilige Geist in mir den Glauben wirkt, dann öffnen sich mir die Augen: Klar, wenn Gott Jesus auferweckt hat, warum dann nicht auch Lazarus, um Jesu Sohnschaft zu besiegeln? Oder in den Worten des Paulus: Wir aber haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist aus Gott, so daß wir wissen können, was uns von Gott gegeben ist; und davon reden wir auch, nicht in Worten, die von menschlicher Weisheit gelehrt sind, sondern in solchen, die vom Geist gelehrt sind, indem wir Geistliches geistlich beurteilen. Der seelische Mensch aber nimmt nicht an, was vom Geiste Gottes ist; denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht verstehen, weil es geistlich beurteilt werden muß. Der geistliche Mensch aber erforscht alles, er selbst jedoch wird von niemand erforscht; denn wer hat des Herrn Sinn erkannt, daß er ihn belehre? Wir aber haben Christi Sinn. (1.Korinther 2,12-16  *)

Zurück zu den Ereignissen in Jerusalem: Hier geht es erst einmal um die rechtliche Situation: „Haben wir euch nicht streng verboten, in diesem Namen zu lehren?“ Ihr habt gegen unsere Anweisungen verstoßen. Simon Petrus und Johannes hatten, als das Gebot ausgesprochen wurde, bereits spontan reagiert und gesagt: „Entscheidet ihr selbst, ob es vor Gott recht ist, euch mehr zu gehorchen als Gott …“ Dieser Einwand kann natürlich vor einem Hohen Rat nicht gelten. Stattdessen beklagen sie: „Und siehe, ihr habt mit eurer Lehre Jerusalem erfüllt …“ ohne zu fragen, warum das denn so ist. Aber sie haben schon etwas gemerkt: „… und wollt das Blut dieses Menschen auf uns bringen!“ Hier zeigen sie, dass sie auch noch Feiglinge sind. Sie stehen nicht zu dem, was sie getan haben, sondern sie fühlen sich als Opfer. Sie haben doch nur ihre Pflicht getan, das, wozu sie als Hoher Rat berufen sind. Und jetzt werden sie auch noch zur Verantwortung gezogen. Führungspersönlichkeiten haben große Schwierigkeiten, mit Kritik umzugehen. Das war nicht nur ein Problem des Hohen Rates. Sie sind es einfach gewohnt, dass Kritik von außen, von den Bösen kommt. Intern stehen wir zusammen. Wir tuen nur, was zum Besten des Volkes dient. Joseph Kaiphas wollte das sagen, als er den in einem anderen Sinne prophetischen Ausspruch tat: Ihr wisset nichts und bedenket nicht, daß es für uns besser ist, ein Mensch sterbe für das Volk, als daß das ganze Volk verderbe! (Johannes 11,50 *) „Pragmatisch gehen wir den Weg, der für das Volk als Ganzes am Besten ist, auch wenn das viele nicht verstehen und dieser Jesus deshalb geopfert werden muss..“

Simon Petrus konnte sich nicht zurückhalten und tat Salz in die Wunden des beleidigten Hohen Rates: Apostelgeschichte 5,26-31   *: Da ging der Hauptmann mit den Dienern hin und führte sie herbei, nicht mit Gewalt; denn sie fürchteten, das Volk könnte sie steinigen. Und sie brachten sie und stellten sie vor den Hohen Rat; und der Hohepriester fragte sie und sprach: Haben wir euch nicht streng verboten, in diesem Namen zu lehren? Und siehe, ihr habt mit eurer Lehre Jerusalem erfüllt und wollt das Blut dieses Menschen auf uns bringen! Petrus aber und die Apostel antworteten und sprachen: Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen! Der Gott unsrer Väter hat Jesus auferweckt, den ihr ans Holz gehängt und umgebracht habt. Diesen hat Gott zum Anführer und Retter zu seiner Rechten erhöht, um Israel Buße und Vergebung der Sünden zu verleihen.

Er bestätigt die Vorwürfe des Hohen Rates. Und er setzt noch einen Vorwurf oben drauf: Apostelgeschichte 5,32   *: Und wir sind Seine Zeugen dieser Tatsachen, und der heilige Geist, welchen Gott denen gegeben hat, die ihm gehorsam sind. damit sagt er indirekt: Ihr habt das nicht verstanden und damit ist klar, dass ihr Gott nicht gehorsam seid, dass ihr den Heiligen Geist nicht habt.

In der Sache hatte Simon Petrus Recht, aber der Hohe Rat konnte und wollte sich einen solchen Vorwurf nicht gefallen lassen: Apostelgeschichte 5,33   *: Als sie aber das hörten, fühlten sie sich tief getroffen und wollten sie umbringen.

6.5 Im Hohen Rat gab es mehr Weisheit als gedacht - Das weise Rat Gamaliels

Jetzt tritt Gamaliel auf. Er will den Hohen Rat in seinem Zorn bremsen, möchte aber nicht in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden als jemand, der diese Jünger eines zum Tode verurteilten und abgeurteilten Verbrechers in Schutz nimmt. Daher schickt er die Jünger erst einmal hinaus: Apostelgeschichte 5,34-39   *: Es stand aber im Hohen Rate ein Pharisäer namens Gamaliel auf, ein beim ganzen Volke angesehener Gesetzeslehrer, und befahl, die Leute ein wenig abtreten zu lassen; dann sprach er zu ihnen: Ihr israelitischen Männer, nehmt euch in acht, was ihr mit diesen Menschen tun wollt! Denn vor diesen Tagen trat Theudas auf, der sich für etwas Großes ausgab und dem eine Anzahl Männer, etwa vierhundert, anhing; der wurde erschlagen, und alle, die ihm folgten, zerstreuten sich und wurden zunichte. Nach diesem trat Judas, der Galiläer, in den Tagen der Schatzung auf und brachte unter seiner Führung viel Volk zum Abfall; und auch er kam um, und alle, die ihm folgten, wurden zerstreut. Und jetzt sage ich euch: Stehet von diesen Menschen ab und lasset sie! Denn ist dieses Vorhaben oder dieses Werk von Menschen, so wird es zunichte werden; ist es aber von Gott, so vermöget ihr es nicht zu vernichten. Daß ihr nicht gar als solche erfunden werdet, die wider Gott streiten!

Hier hat ein alter Mann das Empfinden, es könne sein, dass der Hohe Rat gegen Gott streitet: „… Daß ihr nicht gar als solche erfunden werdet, die wider Gott streiten!“ Hier wird das erste Mal sichtbar, dass es einzelne im Hohen Rat gab, die sich durchaus wunderten über das, was da vor ihren Augen geschah. Aber nur Gamaliel, „ein beim ganzen Volke angesehener Gesetzeslehrer“, traute sich, das zu sagen. Auch darin wird deutlich, wie schwer es ein solches Leitungsgremium hat, eine falsche Entscheidung zu korrigieren. Manchmal dauert es Jahrhunderte, wie der Umgang der katholischen Kirche mit Luther beweist.

Der Einwand des Gamaliel hat auch nicht zu einer Sinnesänderung im Hohen Rat geführt, sondern den Hohen Rat bestenfalls gemäßigt, denn: Apostelgeschichte 5,40   *: Und sie fügten sich ihm und riefen die Apostel herbei und gaben ihnen Streiche und verboten ihnen, von dem Namen Jesus zu reden, und entließen sie.

Hat der Hohe Rat nun sein Ziel erreicht? Welchen Eindruck hat er auf die Jünger gemacht: Apostelgeschichte 5,41-42  *: Sie aber gingen fröhlich vom Hohen Rat hinweg, weil sie gewürdigt worden waren, um Seines Namens willen Schmach zu leiden; und sie hörten nicht auf, alle Tage im Tempel und in den Häusern zu lehren und das Evangelium von Jesus als dem Christus zu verkündigen.

So macht uns dieser Text zunächst einmal Mut: Der Mensch, der sich mit seinem Gott im Einklang weiß, der sich im Gehorsam vor Gott weiß, kann seinen Weg fröhlich gehen, muss sich von Schmähungen nicht beirren lassen, im Gegenteil, sie erinnern ihn daran, dass es seinem Herrn, Jesus Christus, nicht besser erging und Jesus uns gesagt hat: Wäret ihr von der Welt, so hätte die Welt das Ihrige lieb; weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch aus der Welt heraus erwählt habe, darum haßt euch die Welt. Gedenket an das Wort, das ich zu euch gesagt habe: Der Knecht ist nicht größer als sein Herr. Haben sie mich verfolgt, so werden sie auch euch verfolgen; haben sie mein Wort befolgt, so werden sie auch das eurige befolgen. Aber das alles werden sie euch tun um meines Namens willen; denn sie kennen den nicht, der mich gesandt hat. (Johannes 15,19-21 *)

Und Jesus hat solche Menschen selig gepriesen: Selig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen und lügnerisch allerlei Arges wider euch reden um meinetwillen! (Matthäus 5,11 *)

Es ist also auch für uns Grund zur Fröhlichkeit.

6.6 Umkehr - Wie schwer fällt es gestandenen Männern

Andererseits merken wir an dieser Begebenheit auch, wie schwer es Menschen fällt, die in einer exponierten Position sind, wenn sie sich einmal auf einen falschen Weg begeben haben, umzukehren. Selbst Gamaliel, der Schlimmeres verhindern wollte, musste zunächst einmal sicherstellen, dass man unter sich war, bevor er redetet, dass kein unberufenes Ohr seine etwas abweichende Meinung hörte. Und gerade wegen des Gruppendruckes, der in Führungsgremien immer herrscht, muss ein solches Gremium aufpassen, dass es die Grenze nicht überschreitet, die uns der Schreiber des Hebräerbriefes mit Ernst vor Augen stellt: Denn es ist unmöglich, die, welche einmal erleuchtet worden sind und die himmlische Gabe geschmeckt haben und des heiligen Geistes teilhaftig geworden sind und das gute Wort Gottes, dazu Kräfte der zukünftigen Welt geschmeckt haben, wenn sie dann abgefallen sind, wieder zu erneuern zur Buße, während sie sich selbst den Sohn Gottes wiederum kreuzigen und zum Gespött machen! (Hebräer 6,4-6 *)

Diese Worte sollten uns nachdenklich und vorsichtig machen: Haben wir uns zu weit in unsere eigene Vorstellung verrannt, so wird es immer schwerer umzukehren, weil wir damit vermeintlich unser Gesicht verlieren. Irgendwann ist der Punkt erreicht, wo wir als einzelne oder als Gruppe nicht mehr den Mut und die Kraft haben, unsere Fehler einzugestehen. Und dann ist auch schnell der Punkt erreicht, den Jesus als Sünde wider den Heiligen Geist beschreibt und den der Schreiber des Hebräerbriefes mit den Worten „Denn es ist unmöglich, …“ beschreibt. Solche Überlegungen aber sollten uns nicht den Mut nehmen, im Vertrauen auf Gott zu handeln, solange der Heilige Geist in uns Raum hat zu reden und uns auch, wenn nötig, korrigieren kann. Der Hohe Rat meinte ganz sicher, dass er „das gute Wort Gottes, dazu Kräfte der zukünftigen Welt geschmeckt“ habe.

Und so sollte uns dieser Text zu allererst vor Augen führen, dass wir nicht unseren Emotionen folgen, auch nicht dem Gruppenzwang, der sich sehr schnell entwickelt, sondern dass wir zu allererst fragen, was Gott von uns will, was der heilige Geist uns zu sagen hat. Denn der Heilige Geist brüllt nicht laut, damit er unser Geschwätz übertönt, sondern er kommt mit leisen Tönen daher und ist nur für den erfahrbar, der ihm Raum gibt zu reden. Dies kann bedeuten, dass ich in einer hitzigen Sitzung einmal innehalte und still bete: „HERR, was ist jetzt dein Wille …“ Dann kann ich auch gewiss sein, dass der HERR mich nicht leichtfertig irre gehen lässt. Aber es kann auch einmal bedeuten, dass ich eine Entscheidung nicht mittrage, auch gegen den Gruppenzwang. Für die Jünger war wichtig, dass über sie gesagt werden konnte: „Sie aber gingen fröhlich vom Hohen Rat hinweg, …“. Diese Freude, die trotz der Bedrohung in ihnen entstand, ist ein deutliches Signal ihres HERRN, der gesagt hat: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Weltzeit!“ (Matthäus 28,20 *).







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