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... wenn Gott beruft.

Die Berufung Jeremias

 


Zusammenfassung

Die Berufung Jeremias als ein Abbild für unsere Berufung, im Reich Gottes zu arbeiten. Da ist das Reden Gottes, da sind die Ausreden des Menschen und die liebevolle Auseinandersetzung Gottes mit unseren naiven Einwänden. Und da ist schließlich die Herausforderung, um nicht zu sagen Zumutung, die der Ruf Gottes für ein menschliches Wesen bedeutet. Alles wird in der Berufungsgeschichte Jeremias deutlich.

Schlagwörter: Arbeitsbedingungen Gottes - Ausreden - Begabung - Berufung - Glauben - Mitarbeitermotivation - Reden Gottes - Ruf in die Nachfolge

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Schriftauslegungen für die Gemeindearbeit

Der HERR hat Großes an uns getan
Als der HERR die Gefangenen Zions zurückbrachte, da waren wir wie Träumende.

Authentisches Leben
Daniel und die babylonischen Traumdeuter



Der Text zur Predigt

Jeremia 1,1-10

Reden Jeremias, des Sohnes Hilkias, aus den Priestern zu Anatot im Lande Benjamin, an welchen das Wort des HERRN erging in den Tagen Josias, des Sohnes Amons, des Königs von Juda, im dreizehnten Jahre seiner Regierung, und auch in den Tagen Jojakims, des Sohnes Josias, des Königs von Juda, bis zum Ende des elften Jahres Zedekias, des Königs von Juda, bis zur Gefangenführung Jerusalems im fünften Monat. Und das Wort des HERRN erging an mich und sprach: Ehe denn ich dich im Mutterleibe bildete, kannte ich dich, und bevor du aus dem Mutterschoße hervorgingst, habe ich dich geheiligt und dich den Völkern zum Propheten gegeben! Da sprach ich: Ach, Herr, HERR, ich kann nicht reden; denn ich bin noch zu jung! Aber der HERR sprach zu mir: Sage nicht: Ich bin zu jung! Sondern du sollst überall hingehen, wohin ich dich sende, und alles reden, was ich dich heiße! Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin mit dir, um dich zu erretten, spricht der HERR. Und der HERR streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an; und der HERR sprach zu mir: Siehe, ich habe meine Worte in deinen Mund gelegt! Siehe, ich habe dich am heutigen Tage über Völker und Königreiche bestellt, daß du ausrottest und zerstörest, verderbest und niederreißest, bauest und pflanzest.





Wer schon einmal eine Stelle zu besetzen hatte, der weiß, dass dies eine aufregende Sache ist. Da reden wir von Anforderungsprofilen, Gesundheitsprüfungen, da soll die Chemie stimmen … Und wer sich schon einmal beworben hat, der weiß um all die Zweifel, die Fragen, die einen bewegen, der sich in eine solche Bindung begibt. Der Spruch: „Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich nicht noch was bess'res findet“ drückt spaßhaft aus, welche Unsicherheit uns in solchen Augenblicken beschleicht. Besonders für junge Menschen ist dies eine große Herausforderung: Ausbildung, Beruf, Lebenspartner, Wohnort, … Viele Entscheidungen sind zu treffen. Und schließlich ist da die Sache mit Gott …

Am Beispiel der Berufung des Jeremia wollen wir ein paar Grundzüge des Handelns Gottes am Menschen entdecken, und ihr mögt am Ende selbst entscheiden, ob dass ein einmaliges Ereignis war oder ob es in seinen Prinzipien auch auf uns zu übertragen ist.

Die Historiker sind immer sehr glücklich, wenn sie am Anfang einer Textquelle erst einmal Ansatzpunkte für eine Datierung finden. Dies hilft, den Text einzuordnen. Für uns bedeutet es zwei Dinge, die ich gerne verallgemeinern möchte: Gottes Berufung erfolgt in Zeit und Raum. Sie ist nicht ein pauschales Gefühl, ein „Man müsste eigentlich …“ Gottes Berufung ist klar, eindeutig, auf den einzelnen bezogen. Und nun spricht der HERR, der dich geschaffen hat, Jakob, und der dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! ( Jesaja 43,1 * ) heißt es bei Jesaja einmal. Oder in Johannes 1,47-50 *  lesen wir über die Berufung des Natanael:

Jesus sah den Nathanael auf sich zukommen und spricht von ihm: Siehe, wahrhaftig ein Israelit, in welchem keine Falschheit ist! Nathanael spricht zu ihm: Woher kennst du mich? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Ehe dich Philippus rief, als du unter dem Feigenbaum warst, sah ich dich! Nathanael antwortete und sprach zu ihm: Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König von Israel! Jesus antwortete und sprach zu ihm: Du glaubst, weil ich dir sagte, daß ich dich unter dem Feigenbaum sah! Du wirst Größeres sehen als das!

Unsere Berufung hier ist nach Ort und Zeit genau datiert. Was war das für eine Zeit?

Seit 200 Jahren hatte man sich daran gewöhnt, dass Assur die entscheidende Weltmacht war. Politik, Kultur und Wirtschaft wurden von diesem Reich dominiert. Selbst im jüdischen Tempel war ein Altar des assyrischen Gottes. Im 2. Buch der Könige, Kapitel 16 von Vers 10 ab lesen wir ( 2.Könige 16,10-16 * ): Da zog der König Ahas Tiglat-Pileser, dem König von Assyrien, entgegen nach Damaskus. Und als er den Altar sah, der zu Damaskus war, sandte der König Ahas das Modell des Altars und eine genaue Abbildung, wie er gemacht war, dem Priester Urija. Und der Priester Urija baute den Altar genau so, wie der König Ahas von Damaskus aus befohlen hatte; so verfertigte ihn der Priester Urija, ehe der König Ahas von Damaskus kam. Und als der König von Damaskus kam und den Altar sah, trat er zum Altar und opferte darauf Aber den ehernen Altar, der vor dem HERRN stand, rückte er von der Vorderseite des Hauses weg aus dem Zwischenraum zwischen dem neuen Altar und dem Hause des HERRN und stellte ihn nördlich vom Altar auf. Und der Priester Urija machte alles genau, wie ihm der König Ahas befahl.

Es war zu jener Zeit recht klar, dass der Gott Assurs der Gott war, mit dem sich die Mächtigen auseinandersetzen mussten. Und sie taten es und fanden ihren Kompromiss. Diese Art der Kompromisse hat Folgen, Israel geriet in die Verbannung und Juda schwankte zwischen dem Gott Assurs und dem lebendigen Gott hin und her. Erst Hiskia begann wieder, den Tempel zu reinigen und nach den Geboten Gottes zu leben. Er erlebte, wie das stolze Assur es nicht vermochte, Jerusalem zu erobern, weil es in sich uneins wurde. 100 Jahre nachdem Ahas dem assyrischen Gott im Tempel einen Altar errichtet hatte, war der Niedergang Assyriens auch in Jerusalem zu bemerken. Der junge König Josia, der mit acht Jahren König geworden war, regierte bereits 13 Jahre und war 21 Jahre alt und begann ein Reformwerk. In diese Zeitenwende hinein wurde Jeremia berufen.

Ein Jahr später, 626 vor Christus, starb Assurbanipal. Babylon nutzte dies, um sich von Assyrien selbständig zu machen. Bereits vorher hatte sich Ägypten selbständig gemacht. Jahrhunderte war alle Welt gewohnt, dass Assyrien die entscheidende Supermacht war. Man verehrte assyrische Götter, sprach ihre Sprache, sang ihre Lieder. Es entstand ein Machtvakuum, wer würde es füllen?

Wo lebte er eigentlich, unser Jüngling Jeremia?

Anatot ist ein kleiner Ort, eine Levitenstadt, 5 km nordöstlich von Jerusalem. Über eine Stunde beschwerlicher Fußmarsch lagen zwischen dem Tempel und Anatot. So war Anatot eine Stadt, in der die Könige Judas gerne einmal unliebsame Priester verbannten. Samuel verbannt Abjatar nach Anatot ( 1.Könige 2,26 * ), übrigens als Ersatz für die Todesstrafe. Später werden die Männer von Anatot Jeremia nach dem Leben trachten. Die Regeln, nach denen in Anatot Theologie betrieben wurde, scheinen heutigem Terrorismus nicht so völlig fern gewesen zu sein. In diesem Städtchen wuchs der kleine Jeremia heran. Wir wissen nicht, wo er und seine Familie theologisch standen. Aber wir können davon ausgehen, dass er in dieser Priesterstadt viele widersprüchliche Lehren kennen gelernt hat.

Möglicherweise erging es ihm genauso, wie manchem jungen Menschen heute. Da ist die Weltmacht, die reale Politik und in ihrem Gefolge die aufgeklärte realistische weltoffene Priesterschaft. Und dann ist da das alte konservative Priestertum. Man wusste gar nicht so genau, was die eigentlich meinten. Die Thora scheint in der Zeit mehr oder weniger unbekannt gewesen zu sein. So hatte man nur wenige Anhaltspunkte, an denen man sich orientieren konnte.

Aber wir lesen in Jeremia 1,4-5  * : Und das Wort des HERRN erging an mich und sprach: Ehe denn ich dich im Mutterleibe bildete, kannte ich dich, und bevor du aus dem Mutterschoße hervorgingst, habe ich dich geheiligt und dich den Völkern zum Propheten gegeben!

Wie mag es gewesen sein, als Gott Jeremia ansprach? Hörte er eine Stimme? Hatte er eine Vision? Oder war es nur eine ganz große Gewissheit, die ihn übermannte und von der er nicht wieder los kam, weil er darin die Stimme Gottes erkannt. Im Evangelium nach Johannes Kapitel 10 Vers 27  *  sagt Jesus: Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir nach. So können wir gewiss sein, dass wir es hören werden und auch als Wort Gottes identifizieren können, wenn unser HERR zu uns spricht – wie immer das im Einzelfall auch geschehen mag.

Gott geht nicht zimperlich mit diesem jungen Mann um:

Da ist zunächst einmal der Anspruch des Schöpfers an das Geschöpf ( Jeremia 1,5   * ): „Ehe denn ich dich im Mutterleibe bildete, kannte ich dich.“ Nicht dein Vater, nicht deine Mutter, ich, dein Schöpfer kenne dich. Dieses Wort Gottes sagt doch, dass ich eine Idee Gottes bin. „Nicht durch Zufall bin ich da …“ singen wir. Gott selber ist es, der mich gebildet hat. Er hat über die Gen-Kombination entschieden, niemand sonst. Eine gewaltige Aussage, ein gewaltiger Anspruch. Liebe Eltern, wir sind immer recht stolz auf unsere Kinder. Gott sagt uns hier sehr klar, nicht ihr, ich habe gehandelt. Wenn man diesen Gedanken weiter denkt, so hat er etwas sehr wohltuendes. Nicht ich muss es leisten, Gott handelt an meinen Kindern, lange bevor ich überhaupt an Kinder denke. Dies entbindet mich nicht von meiner Verantwortung meinen Kindern gegenüber, aber es liegt eine große Hoffnung darin. Denn Gott sagt am Ende des sechsten Schöpfungstages über seine Schöpfung: „ Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. Und es ward Abend, und es ward Morgen: der sechste Tag.“ ( 1.Mose 1,31 * ). So gilt dieses SEHR GUT Gottes für jeden Menschen.

Und es geht so weiter ( Jeremia 1,5   * ): „Bevor du aus dem Mutterschoße hervorgingst, habe ich dich geheiligt.“ Ja, wie denn das, wird man fragen. Keine Erbsünde? Kein Sakrament? Keine Taufe? Einfach so: Ich habe dich geheiligt. So hat meine Heiligung also gar nicht ihren Ursprung in meinen Handlungen, in meinem Gut-Sein. Sie hat ihren Ursprung im Schöpfungshandeln Gottes. Sie ist ein Geschenk Gottes. Oder handelt es sich hier nur um eine Ausnahme. Schließlich geht es doch um einen zukünftigen Propheten. Hat Gott sich da vielleicht einmal besondere Mühe gegeben? Im ersten Brief an Timotheus Kapitel 2 Vers 4   *  lesen wir über Gott, unsrem Retter, welcher will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Wenn das denn so ist, dass Gott will, dass alle Menschen gerettet werden, wie kann er sich dann mit einigen weniger Mühe geben. Gott tut alles für unser Heil, nur wir selbst können uns aus dem Heilshandeln Gottes herausstehlen.

So spricht Gott seine Berufung an Jeremia aus: Und ich habe dich den Völkern zum Propheten gegeben! Ein großes Wort, Jeremia wird schon damit seine Schwierigkeiten gehabt haben. Kann das überhaupt von Gott sein? Ist das nicht überzogen? Warum gerade ich?

Wenn Jeremia in einem modernen Assessment eines modernen Unternehmens gewesen wäre, dann wäre er mit dem was folgt, sofort durchgefallen. Denke groß oder in der Sprache unserer Weltmacht: Think big. Entwickle mutig Visionen und handele danach, zielgerichtet, mutig, Ideen- und Phantasie-reich. Nicht so unser Jeremia:

Da sprach ich: Ach, Herr, HERR, ich kann nicht reden; denn ich bin noch zu jung! ( Jeremia 1,6   * )

Ich weiß schon, wie man fromm antwortet: Ach, Herr, HERR. Das klingt korrekt. Aber man hört das Genöhle schon heraus. So spricht man nicht, wenn man sich herausgefordert weiß. So spricht man, während man noch überlegt, wie denn die richtige Ausrede aussehen muss.

Wenn der Pastor einen Mitarbeiter für die Sonntagschule sucht: „Ach, Oliver, …“

Wenn der Gemeindeleiter einen Gruppenleiter sucht: „Ach, Torsten, …“

Wenn die Suppenküchenmitarbeiter Köchinnen oder Köche suche: „Ach, Heidi, …“

Und dann muss man erstens einen Mangel nachweisen: „Ich kann das nicht, weil ich diese oder jene Fähigkeit nicht habe.“ Und weil man dann schon die Antwort ahnt: „Oh, du bist doch so gut, so schlau, so gewandt, …“ dann muss man noch einen unbestreitbaren körperlichen Mangel nachweisen: „Ich habe zwei linke Hände oder ich bin noch zu jung, schon zu alt, zu dick, zu dünn oder was auch immer.“ Diese Doppelstrategie wird dann helfen.

In diesem Argument: ZU JUNG, das Jeremia hier bringt, liegt noch ein zweites: „Ich muss noch älter werden, lass es uns auf später verschieben, heute nicht, es passt mir grad nicht so recht, …“

Da sprach ich: Ach, Herr, HERR, ich kann nicht reden; denn ich bin noch zu jung!

So ganz wirklich hat sich die Welt in den 2.600 Jahren wohl nicht verändert.

Wie reagiert Gott nun? Wie reagieren wir, wenn wir so auflaufen mit unseren Versuchen in Mitarbeitermotivation?

Aber der HERR sprach zu mir: Sage nicht: Ich bin zu jung! Sondern du sollst überall hingehen, wohin ich dich sende, und alles reden, was ich dich heiße! Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin mit dir, um dich zu erretten, spricht der HERR. ( Jeremia 1,7-8   * )

Als erstes wollen wir feststellen: Gott schweigt nicht, er lässt sich auf das Gespräch mit Jeremia ein. Dies ist nicht die Einladung, heftig zu nöhlen, aber es ist die gute Botschaft, dass Gott uns zuhört, auch dann, wenn wir Ausflüchte benutzen. Damit ist es aber auch die Botschaft an uns, nicht gleich aufzugeben, wenn die oder der von uns angesprochene sich nicht gleich so begeistert für die Aufgabe, wie wir das für angemessen halten. Und es ist die Botschaft, nicht über alles und jedes zu diskutieren. Gottes Antwort übergeht das Argument des Jeremia: „Ich kann nicht reden“ mit Schweigen. Gott hätte allen Grund gehabt, sich über diese Ausrede des Jeremia zu ärgern. Hat er sich nicht als der Schöpfer offenbart? Will Jeremia ihm sagen, dass er, Gott, bei seiner Schöpfung vielleicht etwas vergessen hat. Statt diese Anmaßung Jeremias zu tadeln, schweigt Gott. Ein Beispiel für uns?

Gott greift stattdessen das ZU JUNG auf und weist es zurück: „Sage nicht: Ich bin zu jung!“ Kein weiteres Argumentieren. „Sage nicht: Ich bin zu jung!“ Stattdessen blickt er nach vorne und beschreibt die Aufgabe: Sondern du sollst überall hingehen, wohin ich dich sende. Die Berufung durch den allmächtigen Gott bedeutet eine dramatische Wende im Leben des Jeremia. Ein anderer wird jetzt entscheiden, wohin er geht. Es erinnert ein wenig an das Gespräch Jesu mit Petrus im Johannesevangelium Kapitel 21 Vers 18  * : Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, als du jünger warst, gürtetest du dich selbst und wandeltest, wohin du wolltest; wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und führen, wohin du nicht willst. Die Berufung durch Jesus Christus greift in unser Leben ein. ER will der Herr sein. ER will uns führen. Das ist nicht zeitgemäß heute, wo Selbstverwirklichung so ein hohes Gut ist, aber, so ist unser Gott.

„Alles reden, was ich dich heiße!“ Das sind die Arbeitsbedingungen Gottes. Nicht den Leuten nach dem Munde darf er reden. Unangenehmes darf er nicht mehr feige übergehen: „Alles reden, was ich dich heiße!“! Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin mit dir, um dich zu erretten, spricht der HERR. ( Jeremia 1,8   * )

Auch dies Wort ist nicht zeitgemäß. Bestimmt doch die Furcht mehr und mehr unser Leben. Wie aufwändig sind heute die Kontrollen an unseren Flughäfen. Menschen, die Kontakt mit jüdischen Mitbürgern halten, werden bedroht. Ausländer müssen sich auf unseren Straßen fürchten und wenn ein Theologe mittelalterliche Texte zitiert, wird er in Indien gleich symbolisch verbrannt. Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin mit dir, um dich zu erretten, spricht der HERR. Reicht unser Glaube so weit?

Und der HERR streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an; und der HERR sprach zu mir: Siehe, ich habe meine Worte in deinen Mund gelegt! Siehe, ich habe dich am heutigen Tage über Völker und Königreiche bestellt, daß du ausrottest und zerstörest, verderbest und niederreißest, bauest und pflanzest. ( Jeremia 1,9-10  * )

Die ganze Liebe unseres HERRN drückt sich in diesem Text aus. Gott rührt Jeremia an. Er lässt ihn seine Nähe, seine Kraft spüren: (H34-9) Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist; wohl dem, der auf ihn traut! heißt es in Psalm 34 Vers 8  * . Gott lässt uns seine Nähe spüren, im Abendmahl, in Brot und Kelch, aber auch in besonderer Weise, wenn er zu uns spricht. Und sie sprachen zueinander: Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Weg, als er uns die Schrift öffnete? stellen die Emmaus-Jünger fest, als Jesus von ihnen gewichen war ( Lukas 24,32 * ). Wieder weist Gott darauf hin, dass ER ja bereits alles getan hat. Es gibt eine sehr schöne und tiefe Aussage des Paulus, die uns Mut machen kann, dem Ruf Gottes zu folgen: Denn wir sind sein Werk, erschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, welche Gott zuvor bereitet hat, daß wir darin wandeln sollen. ( Epheser 2,10 * ) Die guten Werke, die wir tun sollen, hat Gott schon vorbereitet. Wir müssen es nur noch ausführen. Welch wunderbares Wort.

Aber leider folgt da noch ein hartes Wort, an dem wir bei diesem Text nicht vorbei kommen: Siehe, ich habe dich am heutigen Tage über Völker und Königreiche bestellt, daß du ausrottest und zerstörest, verderbest und niederreißest, bauest und pflanzest. Ist er da wieder, dieser alttestamentliche Gott, der uns so fremd ist? Machen wir uns nichts vor. Das Wort Gottes bedeutet auch Trennung. Der Apostel schreibt im Brief an die Hebräer in ähnlicher Weise: Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, und es dringt durch, bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens; ( Hebräer 4,12 * ) Wer in der Nachfolge Jesu geht, der kann nicht mit jedermann gut Freund sein. Jeremia musste das schmerzlich erfahren.

Was bedeutet dies alles nun für mich? Was lernen wir für uns daraus. Ich möchte dies in einigen Thesen zusammenfassen. Ich werde sie an einem neutestamentlichen Text spiegeln. Dies soll dazu dienen, dass ihr entdeckt, dass wir ein wenig vom Wesen Gottes durch den Text schimmern sehen. Es ist eben nicht nur eine Schlussfolgerung aus einer einzelnen Berufungsgeschichte eines einzelnen Propheten, der vor 2.600 Jahren lebte.

Die erste These:

Es gibt eine konkrete Berufung für mich, die im Himmel bereits vollzogen ist. Meine Aufgabe ist es, mich so für das Reden Gottes zu öffnen, dass ich seinen Willen erkenne.

So seid ihr nun nicht mehr Fremdlinge und Gäste, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, auferbaut auf die Grundlage der Apostel und Propheten, während Jesus Christus selber der Eckstein ist, in welchem der ganze Bau, zusammengefügt, wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn, in welchem auch ihr miterbaut werdet zu einer Behausung Gottes im Geist. ( Epheser 2,19-22 * ) Wenn Gott mit der Gemeinde einen Tempel erbauen will, so wird er darauf achten, dass die Steine halten, die er in den Tempel einfügt. Und dass Gott niemandem von diesem Tempel ausschliesst, hatten wir bereits bei Timotheus Kapitel 2 Vers 4   *  gelesen über Gott, welcher will, daß alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.

Die zweite These:

Da meine Berufung im Himmel bereits vollzogen ist, kann ich an meinen Begabungen schon erkennen, was Gott mit mir vorhat. Niemand verachte deine Jugend, sondern werde ein Vorbild den Gläubigen im Wort, im Wandel, in der Liebe, im Geist, im Glauben, in der Keuschheit! Bis ich komme, halte an mit Vorlesen, mit Ermahnen, mit Lehren. Vernachlässige die Gabe nicht, die du hast, die dir durch Weissagung unter Handauflegung der Ältesten verliehen wurde! Dies laß dein Anliegen sein, damit gib dich ab, auf daß dein Fortschreiten in allen Dingen offenbar sei! Habe acht auf dich selbst und auf die Lehre; bleibe dabei! Denn wenn du solches tust, wirst du sowohl dich selbst retten als auch die, welche dich hören. ( 1.Timotheus 4,12-16 * )

Übrigens sind hier auch die Ältesten gefordert, Begabungen zu erkennen und zu befördern. Also macht davon Gebrauch. Geht hin, wenn das Gebet unter Handauflegung eine solche Verheißung hat.

Die dritte These:

Es wird immer Lücken in unserem Begabungsspektrum geben, die Gott füllen will, indem er uns anrührt.

Und damit ich mich der außerordentlichen Offenbarungen nicht überhebe, wurde mir ein Pfahl fürs Fleisch gegeben, ein Engel Satans, daß er mich mit Fäusten schlage, damit ich mich nicht überhebe. Seinetwegen habe ich dreimal den Herrn gebeten, daß er von mir ablassen möchte. Und er hat zu mir gesagt: Laß dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft wird in der Schwachheit vollkommen! Darum will ich mich am liebsten vielmehr meiner Schwachheiten rühmen, damit die Kraft Christi bei mir wohne. ( 2.Korinther 12,7-9 * )

Paulus war offenbar krank, aber er nahm dies nicht zum Vorwand, sich seiner Berufung zu entziehen.

Die vierte These:

Wir müssen unsere natürlichen Reaktionen nicht unterdrücken, wir dürfen sie Gott bringen, aber sie sind nicht der Maßstab unseres Handelns.

Und da Jesus sah, daß er verständig geantwortet, sprach er zu ihm: Du bist nicht fern vom Reiche Gottes! Und es unterstand sich niemand mehr, ihn weiter zu fragen. Und Jesus hob an und sprach, indem er im Tempel lehrte: Wie können die Schriftgelehrten sagen, daß Christus Davids Sohn sei? David selbst sprach doch im heiligen Geiste: «Der Herr hat gesagt zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde hinlege als Schemel deiner Füße!» ( Markus 12,34-36 * )

Wenn selbst Jesus unter der Last seines Auftrages geseufzt hat, wer bin ich, dass ich immer nur stark sein kann. Aber es gilt der letzte Satz: Doch nicht, was ich will, sondern was du willst.

Die fünfte These:

Berufung erfordert immer auch Glauben.

Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr Glauben habt und nicht zweifelt, so werdet ihr nicht nur tun, was mit dem Feigenbaum geschah, sondern auch, wenn ihr zu diesem Berge sagt: Hebe dich und wirf dich ins Meer! so wird es geschehen. ( Matthäus 21,21 * )

Dieser Text ist von einer solchen Intensität, dass er sich jeder vorschnellen Interpretation entzieht. Wir alle stehen wie kleine Anfänger davor. Und doch ruft er uns auf, im Glauben Schritte zu tun. Es lohnt sich.

Aber ich will nicht schließen, ohne ein Wort anzuschließen, das uns eine weitere Triebkraft unseres Handelns offenbart und das uns gleichzeitig davor bewahren will, dass wir in unserer Berufung verbissen und unleidlich werden:

Und wenn ich weissagen kann und alle Geheimnisse weiß und alle Erkenntnis habe, und wenn ich allen Glauben besitze, so daß ich Berge versetze, habe aber keine Liebe, so bin ich nichts. ( 1.Korinther 13,2 * )

So soll diese Predigt ein Aufruf sein, den Ruf Jesu zu hören und ihn nicht auf zu schieben auf eine ferne Zukunft. Wenn du den Ruf Jesu in die Mitarbeit, in die bewusste Entscheidung, in die Taufe hörst, dann folge ihm jetzt. Möge der HERR es schenken, dass wir den Mut haben, seinem Ruf zu folgen.

AMEN







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Die in dieser Predigt zitierten 19 Bibelstellen:

Nr.BibelstelleBibeltext
11.Mose 1,31
1
Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. Und es ward Abend, und es ward Morgen: der sechste Tag.
21.Könige 2,26
1
Und zu dem Priester Abjatar sprach der König: Gehe hin nach Anatot, auf deinen Acker; denn du bist ein Mann des Todes; aber ich will dich heute nicht töten, denn du hast die Lade Gottes, des HERRN, getragen...
32.Könige 16,10-16
1
Da zog der König Ahas Tiglat-Pileser, dem König von Assyrien, entgegen nach Damaskus. Und als er den Altar sah, der zu Damaskus war, sandte der König Ahas das Modell des Altars und eine genaue Abbildung,...
4Psalmen 34,8
1
(H34-9) Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist; wohl dem, der auf ihn traut!
5Jesaja 43,1
1
Und nun spricht der HERR, der dich geschaffen hat, Jakob, und der dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!
6Jeremia 1,1-10
1   2   3   4   5   6
7
Reden Jeremias, des Sohnes Hilkias, aus den Priestern zu Anatot im Lande Benjamin, an welchen das Wort des HERRN erging in den Tagen Josias, des Sohnes Amons, des Königs von Juda, im dreizehnten Jahre...
7Matthäus 21,21
1
Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr Glauben habt und nicht zweifelt, so werdet ihr nicht nur tun, was mit dem Feigenbaum geschah, sondern auch, wenn ihr zu diesem...
8Markus 12,34-36
1
Und da Jesus sah, daß er verständig geantwortet, sprach er zu ihm: Du bist nicht fern vom Reiche Gottes! Und es unterstand sich niemand mehr, ihn weiter zu fragen. Und Jesus hob an und sprach, indem er...
9Lukas 24,32
1
Und sie sprachen zueinander: Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Weg, als er uns die Schrift öffnete?
10Johannes 1,47-50
1
Jesus sah den Nathanael auf sich zukommen und spricht von ihm: Siehe, wahrhaftig ein Israelit, in welchem keine Falschheit ist! Nathanael spricht zu ihm: Woher kennst du mich? Jesus antwortete und sprach...
11Johannes 10,27
1
Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir nach.
12Johannes 21,18
1
Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, als du jünger warst, gürtetest du dich selbst und wandeltest, wohin du wolltest; wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird...
131.Korinther 13,2
1
Und wenn ich weissagen kann und alle Geheimnisse weiß und alle Erkenntnis habe, und wenn ich allen Glauben besitze, so daß ich Berge versetze, habe aber keine Liebe, so bin ich nichts.
142.Korinther 12,7-9
1
Und damit ich mich der außerordentlichen Offenbarungen nicht überhebe, wurde mir ein Pfahl fürs Fleisch gegeben, ein Engel Satans, daß er mich mit Fäusten schlage, damit ich mich nicht überhebe. Seinetwegen...
15Epheser 2,10
1
Denn wir sind sein Werk, erschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, welche Gott zuvor bereitet hat, daß wir darin wandeln sollen.
16Epheser 2,19-22
1
So seid ihr nun nicht mehr Fremdlinge und Gäste, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, auferbaut auf die Grundlage der Apostel und Propheten, während Jesus Christus selber der Eckstein...
171.Timotheus 2,4
1   2
welcher will, daß alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.
181.Timotheus 4,12-16
1
Niemand verachte deine Jugend, sondern werde ein Vorbild den Gläubigen im Wort, im Wandel, in der Liebe, im Geist, im Glauben, in der Keuschheit! Bis ich komme, halte an mit Vorlesen, mit Ermahnen, mit...
19Hebräer 4,12
1
Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, und es dringt durch, bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und...




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