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Führungsstile

Rehabeam und Jerobeam

Der aus der Angst geborene machtvolle Auftritt des neuen Chefs

 


Zusammenfassung

Die Herrschaft Salomos hatte viel Prunk in Israel entfaltet und damit auch erhebliche Lasten für das Volk gebracht. Rehabeam, sein Sohn, wird nun durch Jerobeam, der sich zur Stimme des Volkes gemacht hat, aufgefordert, diese Lasten zu verringern. Er versucht es mit Härte, die zur Teilung Israels führt. Jerobeam wird König des Nordreiches, lebt aber in der Angst, dass sein Reich nicht von Dauer sein wird. Die Erzählung zeigt, wie zerstörerisch Angst bei Führungsaufgaben wirkt.

Schlagwörter: Angst - Führung - Härte - Jerobeam - Misstrauen - Rehabeam - Vertrauen

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Nebukadnezar, der Potentat, der Angst vor seinen Mitarbeitern hat
 

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Nebukadnezar, der Potentat, der Angst vor seinen Mitarbeitern hat





Führungsstile

Rehabeam und Jerobeam

Rehabeam: Stärke zeigen

oder: Eine gewisse Intelligenz schadet auch bei Führungsaufgaben nicht.

Jerobeam: Die Angst des Neulings

Die verpatzte Königs-Proklamation

1.Könige 12  * : Und Rehabeam zog gen Sichem; denn ganz Israel war gen Sichem gekommen, um ihn zum König zu machen. Als aber Jerobeam, der Sohn Nebats, solches hörte, da er noch in Ägypten war (denn dahin war er vor dem König Salomo geflohen), kehrte er aus Ägypten zurück. Und man sandte hin und ließ ihn rufen. Da kamen Jerobeam und die ganze Gemeinde Israel und redeten mit Rehabeam und sprachen: Dein Vater hat unser Joch zu hart gemacht; so mache du nun den harten Dienst deines Vaters und das schwere Joch, welches er uns aufgelegt hat, leichter, so wollen wir dir untertänig sein! Er aber sprach zu ihnen: Geht hin für drei Tage, alsdann kommt wieder zu mir! Und das Volk ging hin. Da hielt der König Rehabeam einen Rat mit den Ältesten, die vor seinem Vater Salomo gestanden, als er noch lebte, und sprach: Wie ratet ihr, daß wir diesem Volk antworten sollen? Sie sprachen zu ihm: Wirst du heute diesem Volk einen Gefallen tun und ihm zu Willen sein und sie erhören und ihm gute Worte geben, so werden sie dir dienen dein Leben lang! Aber er verließ den Rat der Ältesten, den sie ihm gegeben hatten, und hielt Rat mit den Jungen, die mit ihm aufgewachsen waren, die vor ihm standen. Und er sprach zu ihnen: Was ratet ihr, daß wir diesem Volk antworten, welches zu mir gesagt und gesprochen hat: Mache das Joch leichter, welches dein Vater auf uns gelegt hat? Da sprachen zu ihm die Jungen, die mit ihm aufgewachsen waren: Du sollst dem Volk, das zu dir gesagt hat: Dein Vater hat unser Joch zu schwer gemacht, du aber mache es uns leichter, dem sollst du so antworten: «Mein kleiner Finger ist dicker als meines Vaters Lenden! Und nun, hat mein Vater ein schweres Joch auf euch geladen, so will ich euch noch mehr aufladen! Hat mein Vater euch mit Geißeln gezüchtigt, so will ich euch mit Skorpionen züchtigen!» Als nun Jerobeam samt dem ganzen Volk am dritten Tage zu Rehabeam kam, wie der König gesagt hatte: «Kommt am dritten Tag zu mir!» da gab der König dem Volk eine harte Antwort und verließ den Rat, welchen ihm die Ältesten gegeben hatten, und redete mit ihnen nach dem Rat der Jungen und sprach: Mein Vater hat euch mit Geißeln gezüchtigt, ich aber will euch mit Skorpionen züchtigen! Also willfahrte der König dem Volke nicht; denn es ward so vom HERRN gefügt, auf daß er sein Wort erfülle, welches der HERR durch Achija von Silo zu Jerobeam, dem Sohne Nebats, geredet hatte. Als nun ganz Israel sah, daß der König ihnen kein Gehör schenkte, antwortete das Volk dem König und sprach: Was haben wir für Anteil an David? Wir haben nichts zu erben von dem Sohne Isais! Israel, auf zu deinen Hütten! Und du, David, sieh zu deinem Haus! Also ging Israel in seine Hütten, und Rehabeam regierte nur über die Kinder Israel, die in den Städten Judas wohnten. Als aber der König Rehabeam den Fronmeister Adoram hinsandte, bewarf ihn ganz Israel mit Steinen; der König Rehabeam aber sputete sich und stieg auf seinen Wagen, um nach Jerusalem zu fliehen. Also fiel Israel ab vom Hause Davids bis auf diesen Tag. Als nun ganz Israel hörte, daß Jerobeam wiedergekommen sei, sandten sie hin und beriefen ihn in die Volksversammlung und machten ihn zum König über ganz Israel, und niemand folgte dem Hause Davids als allein der Stamm Juda. Als aber Rehabeam nach Jerusalem kam, versammelte er das ganze Haus Juda und den Stamm Benjamin, etwa 180000 junge Männer, um wider das Haus Israel zu streiten und das Königtum wieder an Rehabeam, den Sohn Salomos, zu bringen. Aber das Wort Gottes erging an Semaja, den Mann Gottes, also: Sage zu Rehabeam, dem Sohne Salomos, dem König Judas, und zum Hause Juda und zu Benjamin und dem übrigen Volk und sprich: So spricht der HERR: Ihr sollt nicht hinaufziehen, um wider eure Brüder, die Kinder Israel, zu streiten! Jedermann gehe wieder heim; denn solches ist von mir geschehen! Und sie folgten dem Worte des HERRN und kehrten um, wie der HERR gesagt hatte. Jerobeam aber baute Sichem auf dem Gebirge Ephraim und wohnte darin und zog aus von dort und baute Pnuel. Jerobeam aber gedachte in seinem Herzen: Das Königreich wird nun wieder dem Hause Davids zufallen! Wenn dieses Volk hinaufgehen soll, um im Hause des HERRN zu Jerusalem zu opfern, so wird sich das Herz dieses Volkes zu ihrem Herrn, zu Rehabeam, dem König von Juda, wenden, und sie werden mich töten und sich wieder Rehabeam, dem König von Juda, zuwenden! Darum hielt der König einen Rat und machte zwei goldene Kälber und sprach zum Volk: Es ist zu viel für euch, nach Jerusalem hinaufzugehen! Siehe, das sind deine Götter, Israel, die dich aus Ägyptenland geführt haben! Und er stellte das eine zu Bethel auf und tat das andere nach Dan. Aber diese Tat ward Israel zur Sünde; und das Volk lief zu dem einen Kalbe bis gen Dan. Er machte auch ein Höhenheiligtum und bestellte aus dem ganzen Volk Leute zu Priestern, die nicht von den Kindern Levi waren. Ferner setzte Jerobeam ein Fest an, am fünfzehnten Tag des achten Monats, wie das Fest in Juda, und opferte auf dem Altar. Also tat er in Bethel, indem er den Kälbern opferte, die er gemacht hatte, und er bestellte zu Bethel die Priester der Höhen, die er gemacht hatte. Und er opferte auf dem Altar, den er in Bethel gemacht hatte, am fünfzehnten Tage des achten Monats, des Monats, welchen er aus eigenem Herzen erdacht hatte; und er veranstaltete den Kindern Israel ein Fest und opferte auf dem Altar und räucherte.

Zwei Führungskräfte begegnen uns in diesem Text:

Ein Königssohn, elitär aufgewachsen in einer weltweit geachteten und wegen ihres Reichtums und ihrer Weisheit bewunderten Familie, Sohn einer ammonitischen Mutter und damit weltoffen erzogen, nicht fixiert auf die provinzielle Enge des eigenen Landes. Er hat von den Früchten der Fronarbeit gelebt, wusste, dass sie für den Reichtum der Familie unbedingt nötig war. Er lebte in einem Hofstaat, der sich dessen auch bewusst war. Das Volk wurde gebraucht, damit es den Reichtum des Hofes garantierte, damit es das Wohlleben finanzierte. Sicherlich war da auch die Frömmigkeit dieses Volkes. Aber ein international aufgestellter Hof kannte viele Arten der Frömmigkeit, dieser israelische Gott war nur einer davon. Sein Opa David, der hatte viele seltsame Geschichten über diesen Gott erzählt. Aber seine Mutter Naama hatte ihm auch wundersame Geschichten von Moloch erzählt. Die Welt ist schön und reich. Man musste sie genießen, die Feste feiern, wie sie fallen.

Aber dann war da plötzlich das Thronerbe. Plötzlich musste man sich diesem Volk zuwenden, ja, man musste sich Forderungen anhören. Warum lief nicht alles so weiter wie unter dem Vater, warum kommen sie mit solch merkwürdigen Forderungen? Was war denn falsch an dem, was sein Vater gemacht hat. Schließlich ist Israel durch Salomo zu einer international geachteten Macht geworden. Was wollen die eigentlich.

Im Hofstaat besteht Einigkeit, so geht es nicht. So bricht das ganze Gefüge zusammen. Der Frondienst bleibt. Und wenn man genau hin hört, dann war das ja auch gar nicht das Anliegen:

Dein Vater hat unser Joch zu hart gemacht; so mache du nun den harten Dienst deines Vaters und das schwere Joch, welches er uns aufgelegt hat, leichter, so wollen wir dir untertänig sein! (1.Könige 12,4   * )

Was geschieht, wenn ich mich schon am Anfang als Weichling zeige und nachgebe? Wird es dann nicht von Mal zu Mal schlimmer? Der Vorschlag der Alten ist listig, erst ein wenig nachgeben und dann hinterher um so härter zuschlagen. Im Grunde sind sich Junge und Alte einig. Beide wollen den bestehenden Zustand aufrechterhalten. Beide wollen im Grunde an der Situation nichts ändern. Aber die Alten sind geschickter. Sie raten Rehabeam dazu, erst ein wenig nachzugeben. Später kann er dann die Zügel wieder anziehen. Er muss die Menschen aber erst einmal gewinnen.

Der Rat der Alten ist nicht nur listig, er ist für alle Führungskräfte der Welt sehr nachdenkenswert. Einer Führungsentscheidung gehen ja im allgemeinen lange und teilweise auch schmerzliche Prozesse voraus. Damit hat sich eine Führungskraft lange an die mögliche Konsequenz gewöhnen können. Den Mitarbeiter treffen solche Entscheidungen dann kalt. Er wird einfach mit dem Ergebnis konfrontiert. Hier ist Intelligenz gefragt, den Mitarbeiter so in die Prozesse einzubinden, dass er sich innerlich auf die möglichen Konsequenzen einstellen kann. Nur so wird man Leistungsbereitschaft und auch Identifikation mit der Managemententscheidung erreichen können. In den meisten Fällen kommen Entscheidungen nicht so plötzlich, dass mam Mitarbeiter damit überfallen müsste.

Die Jungen sehen darin ein Zeichen von Schwäche. Sie raten zur Härte von Anfang an. Gerade darin offenbart sich ihre eigene Schwäche. Sie haben nicht die Größe, auf die Forderungen der Menschen wenigstens ansatzweise einzugehen.

Zwei Motive kann man bei Rehabeam vermuten:

Welcher Variante man auch immer zuneigt, beide sind für eine Führungskraft nicht zu empfehlen. Die Angst vor den Mitarbeitern ist weiter verbreitet, als man denkt. Und nicht nur hier ist sie der tiefere Grund für einen Misserfolg.

Ein Volkstribun, der unter Salomo Karriere gemacht hat, der sich später gegen Salomo gestellt hat und deshalb nach Ägypten fliehen musste, ein Mann von Prinzipien und mit einem Herzen für die Nöte der Menschen. Vor Rehabeam ist er der Wortführer des Volkes: Dein Vater hat unser Joch zu hart gemacht; so mache du nun den harten Dienst deines Vaters und das schwere Joch, welches er uns aufgelegt hat, leichter, so wollen wir dir untertänig sein! (1.Könige 12,4   * ) Er will nicht Macht, er will Erleichterung für die Massen. Eigentlich zeigt er sich Rehabeam gegenüber sehr vertrauensvoll. Er kommt aus Ägypten zurück. Er wagt sich vor den designierten König und er bietet ihm die Loyalität des Volkes an. Sein Auftritt mutet geradezu modern an, ein Sozialreformer.

So erweist sich Jerobeam als ein im Prinzip loyaler Mitarbeiter, allerdings ein Mitarbeiter, der sich zum Sprachrohr anderer machen lässt.

Jerobeam ist nicht der erste Sozialreformer, der später Karriere macht. Und nun ist es sehr interessant, wie dieser Mensch sich entwickelt. Als er König ist und selber einen Besitzstand zu verteidigen hat, da beschleicht ihn Angst:

Jerobeam aber gedachte in seinem Herzen: Das Königreich wird nun wieder dem Hause Davids zufallen! Wenn dieses Volk hinaufgehen soll, um im Hause des HERRN zu Jerusalem zu opfern, so wird sich das Herz dieses Volkes zu ihrem Herrn, zu Rehabeam, dem König von Juda, wenden, und sie werden mich töten und sich wieder Rehabeam, dem König von Juda, zuwenden! (1.Könige 12,26-27  * )

Plötzlich gilt es, die eigene Position zu verteidigen, plötzlich ist das Volk, für das sich der Volkstribun eingesetzt hat, zum Feind, zur Quelle der Gefahr geworden. Auch hierin ist die Geschichte außerordentlich modern. Es gibt Unternehmen, in denen sich Betriebsräte eine gewisse Macht erworben haben und in denen die Mitarbeiter vor den Betriebsräten genau so viel Angst haben wie vor dem Management, dem eigentlichen Machtzentrum.

So haben wir es in dieser Geschichte zweimal mit Angst zu tun. Einmal wird die Angst durch große Worte und Arroganz überdeckt. Einmal führt sie zu Maßnahmen, die die Identität des Volkes zerstören und letztlich seinen Untergang bewirken.

Vertrauen zur eigenen Mannschaft zu haben und auch zu erhalten, selbst wenn es zwischenzeitlich auch zu negativen Erfahrungen und Konflikten führt, ist eine wesentliche Voraussetzung für eine motivierte Zusammenarbeit. Man kann sehr deutlich erkennen, dass dieses Vertrauen bei vielen Menschen zerstört ist. Wenn man hört, wie Chefs über ihre Mannschaft reden, ist dies häufig von einzelnen negativen Erlebnissen geprägt, die dann verallgemeinert werden.

Vertrauen zwischen unterschiedlichen Hierarchiestufen war und ist eine Herausforderung.





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