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Buchbesprechungen

Tröstungen
Ein Gebetsweg durch die Offenbarung

Heinrich Christian Rust

 


Zusammenfassung

Der Autor möchte die Offenbarung als ein Trostbuch lesen, nicht als Fahrplan für die Endzeit.

Er liest ein Kapitel und meditiert dann über einen Vers. In dieser Meditation klagt er Gott sein Leid oder drückt auch seine Angst über bestimmte Zukunftserwartungen aus. Aber er hört auch auf Gott und beschreibt seinen persönlichen Eindruck vom Reden Gottes angesichts der Klage des Autors. Er beschreibt dies in wörtlicher Rede Gottes.

Hier kann man kritisch fragen, ob das überhaupt zulässig ist, denn man kann sich leicht vorstellen, dass dadurch Gottesrede in den menschlichen Diskurs gerät. Gerade angesichts der vielen kontroversen Deutungen der Offenbarung ist aber zu fragen, ob dieser Diskurs überhaupt zielführend ist, welchen Nutzen Rechtgläubigkeit hat.

Das Buch wird zu einem Beispiel, wie man die Bibel, nicht nur die Offenbarung, auch lesen kann: Als einen Text, der mich ins Gebet treibt und der mir das Reden Gottes in meine ganz persönliche Situation offenbart. In dieser Beispielhaftigkeit, im Vorleben eines fruchtbaren Bibellesens liegt meines Erachtens der eigentliche Wert dieses Buches.

Schlagwörter: Apostel Johannes - Bibel - Bibellesen - Bibelverständnis - Freund Jesu - Gebet - Gemeinde - Glauben - Hören auf Gott - Jesus - Liebe - Offenbarung - Offenbarung Jesu Christi - Paulus - Reden Gottes - Rust - Selbstoffenbarung Gottes - Trinität - Trost - Verfolgung - Wort Gottes

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Hans Küng






Ein Beispiel, wie nicht nur die Offenbarung zu lesen ist



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Deckblatt und Rückseite des Buches

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Das Inhaltsverzeichnis des Buches



Heinrich Christian Rust

Tröstungen

Ein Gebetsweg durch die Offenbarung

SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH, Witten

ISBN 978-3-41726960-4



Der Autor beschreibt die Offenbarung Jesu Christi als ein Trostbuch, als Buch der Tröstungen. In der Einführung erklärt er diesen Zugang zu dem Buch:

Der Autor ist in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen: „Ich ... kann mich an keinen Tag meines Lebens erinnern, an dem nicht für mich gebetet wurde oder an dem ich nicht zu Jesus Christus gebetet hätte.“ (S.8) Dieses muss man würdigen, wenn man sich diesem eigenwilligen Buch zuwendet. Rusts „Lebenswirklichkeit“ ist „durch Gottes Gegenwart und seine heilende Zuwendung“ geprägt. Er hat also keinen Grund, den Kopf hängen zu lassen, denn er bekennt: „Ich bin von Gott geliebt! Was Gott angefangen hat, das bringt er auch zum Ziel!“ Er kennt auch „die traurigen Todestäler“. Aber er schaut durch sie hindurch: „ Jesus Christus ... offenbart sich.“ (S.9)

Er kennt die teilweise abstrusen Auslegungsversuche der Offenbarung Jesu Christi „wie eine Art Fahrplan für die Endzeit“. (S.10) Aber er bekennt: „Das betende Lesen der Offenbarunsschrift hat mir neue Zugänge eröffnet und mich von manchen abwegigen und irreführenden Auslegungen zurückgehalten ...“ (S.12)

Dieses muss man bejahen, wenn man das Buch mit Gewinn lesen will.

Zu jedem Kapitel der Offenbarung Jesu Christi liefert der Autor „kompakt einige hoffentlich hilfreiche Betrachtungen, die das Verständnis erleichtern und einen Überblick verschaffen. Sodann betrachte ich jeweils einen Vers aus dem jeweiligen Kapitel betend; ich meditiere darüber und höre dabei auf die Stimme Gottes.“ (S.12)

Und er hört nicht nur auf die Stimme Gottes, schreibt das von ihm Gehörte auch nieder, so dass wir es zitieren können: „Ja, mein geliebtes Kind, ... Weißt du auch von meinen Tränen, meinen Schmerzen und meinen Leiden? ...“ (S.43)

Gott selbst redet in diesem Buch. Darf man so ein Buch schreiben? Er lässt es offen, ob hier Gott, der Vater, selbst spricht. Meist klingt es so, als wenn Jesus Christus spricht, etwa wenn Gott spricht: „Ich war tot, aber siehe, ich lebe.“ Rust meditiert über den Text Offenbarung 7,17  *: denn das Lamm, das inmitten des Thrones ist, wird sie weiden und sie leiten zu Wasserquellen des Lebens, und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen. Und dazu spricht Gott: „Meine leidende Gemeinde ... Wie könnte ich sie vergessen! Alle ihre Tränen der Trauer, der Schmerzen und der Verlassenheit wische ich von ihren Augen.“ (S.96) Spricht hier Jesus ? Oder Gott, der Vater? Auf jeden Fall ist es Gott der Vater, von dem Offenbarung 7,17   * sagt: „Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.“ Aber darf man diese Frage überhaupt so stellen? Man hat den Eindruck, dass Rust eher eine trinitarische Schau besitzt und vermittelt. Allerdings differenziert der zu Grunde liegende Text Offenbarung 7,17  * zwischen dem Lamm und Gott, wenn er über Jesus, das Lamm, sagt: „... denn das Lamm, das inmitten des Thrones ist, wird sie weiden und sie leiten zu Wasserquellen des Lebens“ und dann anschließt: „und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.“ Damit ist dann offenbar Gott, der Vater, gemeint.

Insgesamt muss man sagen, dass die Offenbarung Jesu Christi hier sehr klar unterscheidet. Bereits der erste Vers differenziert sehr sorgfältig innerhalb der Trinität: Offenbarung Jesu Christi, welche Gott ihm gegeben hat, seinen Knechten zu zeigen, was in Bälde geschehen soll; und er hat sie kundgetan und durch seinen Engel seinem Knechte Johannes gesandt, welcher das Wort Gottes und das Zeugnis Jesu Christi bezeugt hat, alles, was er sah. (Offenbarung 1,1-2 *)

Hier wird sehr klar unterschieden: Gott und Jesus Christus. Und es wird sogar ein Einblick gegeben, wie sich Prophetie innerhalb der Trinität vollzieht:

Es ist die Offenbarung Jesu Christi und zwar deswegen, weil darin Jesus Christus offenbart wird, nicht etwa deswegen, weil Jesus Christus der Offenbarer ist. Denn es ist Gott, der Vater, der Jesu Christus diese Schau gegeben hat. Also nicht Jesus selbst schaut in die Zukunft. Der Vater schaut und vermittelt Jesus das geschaute. Im Blick auf Prophetie und ihre Entstehung ist dies eine sehr bedenkenswerte Bibelstelle. Jesus ist mit uns in der Zeit und im Jetzt. Er ist uns Freund geworden, wie uns der Apostel Johannes aus dem Reden Jesus überliefert: Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut; euch aber habe ich Freunde genannt, weil ich alles, was ich von meinem Vater gehört habe, euch kundgetan habe. (Johannes 15,15 *) Auch hier verweist Jesus darauf, dass er vom Vater gehört hat, was er uns vermittelt, also nicht aus eigenem Antrieb spricht. Bereits am Anfang seines Wirkens hat Jesus diese Abhängigkeit vom Vater betont: Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, der Sohn kann nichts von sich selbst tun, sondern nur, was er den Vater tun sieht; denn was dieser tut, das tut gleicherweise auch der Sohn. Denn der Vater liebt den Sohn und zeigt ihm alles, was er selbst tut; und er wird ihm noch größere Werke zeigen als diese, so daß ihr euch verwundern werdet. (Johannes 5,19-20 *) Sieht man das Interesse, mit dem der Apostel Johannes in seinem Evangelium Reden Jesu überliefert hat, die sich mit dem Vater-Sohn Verhältnis Jesu zu Gott befassen, so ist dies auch ein Argument, in dem Schreiber der Offenbarung Jesu Christi den Apostel Johannes zu sehen. Aber dies sei nur angemerkt und ist nicht Thema des vorliegenden Buches.

Man kann das Buch angreifen, indem man das Reden Gottes, das Rust hier in wörtlicher Rede wiedergibt, kritisiert. Und es wäre in der Tat fatal, wenn nun andere Autoren mit einem anderen Reden Gottes dagegenhalten und dann Reden Gottes gegen Reden Gottes steht. Oder es versammeln sich Menschen, die Gott so verstehen, wie es denn bei Rust geschrieben steht. Gott offenbart sich selbst. Er hat es in der Bibel und in Jesus Christus getan und er tut es durch den Heiligen Geist in jedem Menschen, der ernsthaft nach Gott fragt.

War es also falsch, dass Rust hier in seinem Buch sein persönliches Erleben des Redens Gottes mit uns teilt?

Ich sehe den Wert des Buches in einem ganz anderen Aspekt. Wie oft schon haben wir Worte aus der Bibel genommen und sie als Schwert gegen unseren Bruder gebraucht, um ihm zu zeigen, was ein rechter Glaube ist. Und wir müssen uns fragen, wohin uns diese Grabenkämpfe eigentlich gebracht haben. Paulus lehrt uns: Und wenn ich weissagen kann und alle Geheimnisse weiß und alle Erkenntnis habe, und wenn ich allen Glauben besitze, so daß ich Berge versetze, habe aber keine Liebe, so bin ich nichts. (1.Korinther 13,2 *)

Im Lichte dieses Wortes von Paulus sind alle unsere Bemühungen um Rechtgläubigkeit doch sehr zu relativieren und unter den Vorbehalt der Liebe zu stellen. Es ist berechtigt, dass wir unseren Bruder darauf hinweisen, dass es auch diese oder jene Stelle in der Bibel gibt, damit er sie kennt. Aber das gibt uns nicht das Recht, unseren Bruder zu verachten oder gar „Du Narr“ zu ihm zu sagen, was nach Jesu Wort aus der Bergpredigt einem Brudermord gleichkommt.

Das Buch von Rust weist einen anderen Weg, die Bibel zu lesen, den Rust uns am Beispiel der Offenbarung Jesu Christi verdeutlicht: Gott will durch sein Wort zu uns reden. Er will sich in seinem Wort offenbaren. Er spricht zu mir. Der Sohn spricht zu mir, der Vater spricht zu mir. Und dieses Buch macht beispielhaft deutlich, wie wir mit dem Wort Gottes umgehen können, dass es nicht nur dazu führt, dass ich mich in meiner Auslegung immer besser mit Argumenten wappne, sondern dass Gott, der Vater selbst, und der Sohn durch den Heiligen Geist zu mir sprechen können.

So erscheint mir in Summe, dass Rust hier einen Weg weist, wie ich die Bibel als Ganzes lesen kann, so dass sich Gott mir darin offenbart. Er spricht zu mir, der Vater und der Sohn, wobei ich den Vater nur durch den Sohn sehen kann, wie Jesus es auf die Frage des Philippus hin erklärt: Spricht Jesus zu ihm: So lange Zeit bin ich bei euch, und du kennst mich noch nicht? Philippus, wer mich gesehen hat, der hat den Vater gesehen! Wie kannst du sagen: Zeige uns den Vater? (Johannes 14,9 *).

Die Offenbarung Jesu Christi und nicht nur sie, sondern die ganze Bibel, ist als ein Reden Gottes zu mir zu lesen, nicht als ein Schwert, das ich gegen meinen Bruder erheben kann, sondern als Reden Gottes in meinem Leben, ein Reden, das mir das Wesen Gottes offenbart. Und dieses Wesen Gottes ist Liebe. Wenn das Lesen des Wortes Gottes zu Glaubenskriegen führt, dann ist offenbar etwas falsch gelaufen, denn: Wer nicht liebt, kennt Gott nicht; denn Gott ist Liebe. (1.Johannes 4,8 *)

So ist dieses Buch in seiner Eigenart eine Herausforderung, das Wort Gottes, nicht nur die Offenbarung Jesu Christi selbst, aber auch sie, mit betendem Herzen zu lesen und zu leben. Wie das gehen kann, das zeigt dieses Buch beispielhaft.









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Nr.BibelstelleBibeltext
1Johannes 5,19-20
1
Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, der Sohn kann nichts von sich selbst tun, sondern nur, was er den Vater tun sieht; denn was dieser tut, das tut gleicherweise...
2Johannes 14,9
1
Spricht Jesus zu ihm: So lange Zeit bin ich bei euch, und du kennst mich noch nicht? Philippus, wer mich gesehen hat, der hat den Vater gesehen! Wie kannst du sagen: Zeige uns den Vater?Glaubst du nicht,...
3Johannes 15,15
1
Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut; euch aber habe ich Freunde genannt, weil ich alles, was ich von meinem Vater gehört habe, euch kundgetan habe.Nicht ihr...
41.Korinther 13,2
1
Und wenn ich weissagen kann und alle Geheimnisse weiß und alle Erkenntnis habe, und wenn ich allen Glauben besitze, so daß ich Berge versetze, habe aber keine Liebe, so bin ich nichts.Und wenn ich alle...
51.Johannes 4,8
1
Wer nicht liebt, kennt Gott nicht; denn Gott ist Liebe.Darin ist die Liebe Gottes zu uns geoffenbart worden, daß Gott seinen eingeborenen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben möchten.Darin...
6Offenbarung 1,1-2
1
Offenbarung Jesu Christi, welche Gott ihm gegeben hat, seinen Knechten zu zeigen, was in Bälde geschehen soll; und er hat sie kundgetan und durch seinen Engel seinem Knechte Johannes gesandt,welcher das...
7Offenbarung 7,17
1   2   3
denn das Lamm, das inmitten des Thrones ist, wird sie weiden und sie leiten zu Wasserquellen des Lebens, und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.




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