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Dynamische Gemeinde - Bewegt. Befähigt. Beauftragt.

Heinrich Christian Rust

 


Zusammenfassung

Dieses Buch stellt Überlegungen für eine dynamische Gemeinde zusammen. Dabei werden drei Schwerpunkte gebildet:

Es ist ein kurzes und deshalb leicht zu lesendes Buch. Es bringt viele wichtige Aspekte, die eine Gemeindeleitung im Angesicht des HERRN prüfen sollte, wenn sie sich über die Prioritäten der Gemeindearbeit Gedanken macht. Allerdings wird es, insbesondere von kleinen Gemeinden, vermutlich auch als Überforderung empfunden werden. In diesem Gefühl der Überforderung liegt aber auch die Chance zu fragen, ob nicht viele Dinge zusammen mit anderen Gemeinden innerörtlich oder regional oder auch über Konfessionsgrenzen hinweg geplant und initiert werden sollten. So gelesen, kann es ein spannendes Buch werden.

Schlagwörter: Beauftragung - Befähigung - Bewegung - Bibel - Dynamische Gemeinde - Gemeinde - Jesus - Rust

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Deckblatt und Rückseite des Buches

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Das Inhaltsverzeichnis des Buches

Heinrich Christian Rust

Dynamische Gemeinde - Bewegt. Befähigt. Beauftragt.

Oncken Verlag, Lage

ISBN 978-3-87939-808-9

Dieses Buch eignet sich sehr für gefrustete Kirchenmitarbeiter, die vor dem nächsten hektischen Schnellschuss sich ein wenig zurücklehnen wollen und überlegen, wie es weitergehen könnte.

Dies macht schon das einleitende Kapitel deutlich, in dem Rust ein Gebet vorstellt, das im Grunde wie ein Psalm aufgebaut ist.

Es beginnt mit dem traurigen Blick auf die eigene Gemeinde, die ihre Möglichkeiten nicht nutzt, die so gar nicht dem Bild Jesu entspricht, die „womöglich dein großes Anliegen vermasselt ... Oh, Jesus!” Dafür benötigt der Beter 40 Zeilen.

Dann wendet er den Blickwinkel ein wenig und versucht, die Gemeinde so zu sehen, wie Jesus sie sieht. „Ich staune, dass du nicht aufhörst, dass du dich nicht zurückziehst ... Bist du der Reformator, den wir erhoffen?” Diese etwas abgeschwächte Form der Klage benötigt weitere 30 Zeilen.

Darauf folgt ein Gebetsteil, in dem der Beter seine Hingabe für Jesus ausdrückt: „Hier sind meine Hände, hier ist mein Körper. Oh, Jesus!” Hier reichen schon 8 Zeilen, um den Beter zur Anbetung zu führen, zum Lobpreis: „Oh Jesus! Ich liebe deinen Leib, egal, ob deformiert oder reformiert. Es gibt Gnade, viel Gnade!” Dies ist der ganze Lobpreis. Aber damit ist der Beter in guter Tradition der Psalmen und aller Beter in der Welt. Wir brauchen viele Worte, um all die Ärgernisse zu beschreiben, die uns bedrücken. Haben wir dann endlich den Blick auf Gott gerichtet, dann reicht allein der Anblick. Dann braucht es nicht mehr vieler Worte.

Das nächste Kapitel ist dann ein allgemein einführendes Kapitel, das die Stärken, aber auch die etwas weniger klaren Seiten dieses Buches sichtbar macht: „«Wir sind unterwegs» - Stabiles Evangelium - flexible Wege“ arbeitet zunächst einmal die stabilen Größen heraus: Die „beiden dynamischen Pole, die uns in Bewegung setzen: Die Kraft des im Heiligen Geist bezeugten Evangeliums von Jesus Christus und die Kraft des angebrochenen Reich Gottes.” Diese Betrachtung führt den Autor zu den entkirchlichten Christen, die ihre Frömmigkeit außerhalb der Kirche leben. In einem persönlichen Zeugnis vermittelt er seine Überzeugung, „dass es ohne Gemeinde keine nachhaltige Mission gibt.” Soweit ein klarer und gut nachvollziehbarer Text. Es folgt der Satz „Zurückhaltend bin ich allerdings, wenn die Gemeinde selbst als die «Hoffnung der Welt» proklamiert wird.“ Diese Formulierung „Zurückhaltend bin ich“ taucht auf S. 27 noch einmal auf und erweckt den Eindruck, die freundliche Form eines Verdiktes zu sein. Dies ist deshalb bemerkenswert, weil es Gedanken einleitet, in denen der Autor sich mit dem Verhältnis von Mission und Gemeinde auseinandersetzt und dort anglikanischen Freunden zustimmt, die folgenden, aus Sicht eines Naturwissenschaftlers nichtssagenden Satz geprägt haben: „Wer von der Kirche ausgeht, dem wird wahrscheinlich die Mission verloren gehen. Wer von der Mission ausgeht, wird vermutlich die Kirche finden.” „Wahrscheinlich, vermutlich, ...” da erinnert sich der Rezensent an das Wort Jesu: Es sei aber eure Rede: Ja, ja! Nein, nein! Was darüber ist, das ist vom Bösen. (Matthäus 5,37 *). Gerade das wichtige Thema MISSION hat klarere Worte verdient und auch nötig. Es ist ja richtig, dass eine Ortsgemeinde nie die „Hoffnung der Welt” sein kann, sondern immer nur der auferstandene Christus, den sie verkündigt. Und es ist auch richtig, dass eine Ortsgemeinde, die sich nur um sich selbst dreht, ihre biblische Berufung völlig verfehlt hat. Aber vielleicht sind Naturwissenschaftler hier zu einfach gestrickt. Dieser Abschnitt auf Seite 12 schadet dem Buch, das ansonsten lesenswert und wichtig ist. Er ist auch deswegen erstaunlich, weil der Autor im folgenden sehr konkret und eindeutig wird. So ist dieser Teil ein wenig verwirrend und schreckt hoffentlich niemanden ab, weiterzulesen.

Die folgenden Abschnitte schöpfen aus der sehr erfolgreichen Gemeindearbeit des Autors und sind daher von einer viel größeren Klarheit und geistlichen Schau geprägt. Hier folgt eine gerade auch im Blick auf das vorangehende Kapitel überraschend eindeutige Schau des Verhältnisses zwischen Gemeinde und Mission: „Eine starke Mission ist nachhaltig nur durch starke Gemeinden möglich und starke Gemeinden sind nachhaltig nur durch eine starke Mission möglich.” Er setzt sich ab von den immer wieder erfolgenden Analysen mit dem nichtssagenden Schluss, die Kirche möge sich doch mehr auf ihre Kernkompetenz besinnen und fordert zum Gebet und zum Hören auf den Herrn der Gemeinde auf und spricht davon, „das Leiden und die Leidenschaft Jesu,des Herrn der Kirche und der Mission” uns für die Mission motivieren. Er zitiert den ehemaligen Erzbischof von Canterbury Williams mit den Worten: „Mission bedeutet herauszufinden, was Gott gerade tut und sich daran zu beteiligen.” Jesus ist uns darin ein Vorbild: Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, der Sohn kann nichts von sich selbst tun, sondern nur, was er den Vater tun sieht; denn was dieser tut, das tut gleicherweise auch der Sohn. (Johannes 5,19 *)

Er sieht drei große Bereiche, in denen der Geist Gottes die Christen heute bewegt:

Für diese zunehmende Einheit im Leib Christi sieht er eine Reihe von Herausforderungen für unsere in Jahrhunderten gewachsenen Denkschablonen:

Der Autor lässt diese Betrachtungen in einen Abschnitt über die „Herrlichkeit und Schönheit Gottes” münden. Darin wird das seelsorgliche Anliegen des Autors deutlich, das diese Schrift prägt. Die Anbetung gewinnt einen neuen Stellenwert in der Gemeinde. Sie wird zum „Mittelpunkt des Lebens” und zum „Schwungrad der missionarischen Ausstrahlung einer Gemeinde”.

Im Abschnitt „Befähigt” erarbeitet der Autor die Quellen, aus denen eine Gemeinde ihre Befähigung für ihren Auftrag schöpft. Dies sind

Insgesamt ist dieser Abschnitt getragen von den persönlichen Erfahrungen des Autors in der Braunschweiger Friedenskirche.

Im Blick auf die Mission sind dem Autor die Themen „Bewegt” und „Befähigt” so wichtig, dass er ihnen zwei Drittel seines Büchleins widmet, bevor er sich unter der Überschrift „Beauftragt” der Mission zuwendet. Er beginnt mit einer Betrachtung über „Missionarisch und missional”. Für ihn zielen beide Begriffe in die gleiche Richtung: Und er sprach zu ihnen: Gehet hin in alle Welt und prediget das Evangelium der ganzen Schöpfung! (Markus 16,15 *) Dabei meint er mit „missionarisch” die konkrete Aktion der Gemeinde und mit „missional” den Lebensstil der einzelnen Mitglieder und der Gemeinde als Ganzes, der von Außenstehenden als Einladung zu Jesus verstanden wird. Damit umgeht er die Minenfelder, die in der innerkirchlichen Diskussion um diese beiden Begriffe gelegt worden sind und die dem Anliegen der Mission in keiner Weise dienlich sind. Für den Autor wird die missionale Dimension deutlich in der Art,

Es bleibt insbesondere für große Gemeinden eine Herausforderung, dies auch zu leben und sich nicht auf die Schmelztiegelwirkung großer Einheiten zu verlassen.

Der Autor wendet sich im folgenden dem „Trachten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit” zu. Er fordert dass wir wie Jesus unterwegs sind,

Dabei zitiert er Stellen wie Denn die gespannte Erwartung der Kreatur sehnt die Offenbarung der Kinder Gottes herbei. (Römer 8,19 *) und Trachtet aber zuerst nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles hinzugelegt werden. (Matthäus 6,33 *)

Er kommt zu dem Schuss, dass die „missio dei” die gesamte Schöpfung im Blick haben muss.

Im abschließenden Kapitel beschreibt der Autor „Die sieben Komponenten der Mission”. Zunächst einmal begründet er den Einsatz des Wortes „missio dei”, weil damit deutlich wird, dass der trinitarische Gott das handelnde Subjekt der Mission ist. Er beschreibt die Diskussionen, die entstanden, welche Bereiche der klassischen Mission noch Bedeutung haben und stellt zwei wichtige Gesichtspunkte fest:

Er leitet dann über zu sieben Komponenten, die „eine nachhaltige, biblisch-fundierte und ökumenisch vernetzte Mission” im Blick haben sollte.

Komponente 1: Die missionarische Gemeinde lädt ein zur Anbetung (Leiturgia)

Diese Komponente steht für den Autor am Anfang, weil er empfindet, dass die Predigt im bestehenden Gottesdienst immer noch eine Vorrangstellung besitzt und er fragt:

Der Rezensent empfindet diese Fragen aber nicht passend im Blick auf die Vorrangstellung der Predigt, da eine aus dem Geist Gottes heraus gehaltene Predigt, also eine Predigt, die ein Pastor im Gebet vorbereitet hat und im Angesicht des auferstandenen Herrn hält, ja genau dies leisten sollte. Wesentlicher ist für den Rezensenten da schon die Frage, wie die Gemeinde, der Einzelne auf das, was er im Gottesdienst erlebt, antworten kann. Da stellt sich ebenso die Frage, ob vorgeformte Lobpreislieder dem gerecht werden und ob nicht auch weitere Formen gefunden werden müssen, in denen sich das vollziehen kann, was wir Apostelgeschichte 2,37 * lesen: Als sie aber das hörten, ging es ihnen durchs Herz, und sie sprachen zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, ihr Männer und Brüder?

Das Gesagte steht nicht im Gegensatz zu dem, was der Autor mit seinen Ausführungen sagen will: „Die Doxologie ist nicht nur das Schwungrad der Mission, sondern auch die Schmiede der Heiligung.” Dazu zitiert der Autor 2.Korinther 3,18 *: Wir alle aber spiegeln mit unverhülltem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wider und werden umgewandelt in dasselbe Bild, von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, nämlich von des Herrn Geist.

Komponente 2: Die missionarische Gemeinde lebt Gemeinschaft (Koinonia)

Diese Komponente befasst sich mit dem bekannten Phänomen, dass Kirchen nur in bestimmten Milieubereichen relevant sind. Der Autor stellt fest, dass Protektionismus kein Modell für ein Zusammenleben auf der Erde sein kann. Es braucht kleiner Einheiten innerhalb der Gemeinde, die verschiedene soziale Bereiche ansprechen können. Dabei ist auch der traditionelle Hauskreis nur in bestimmten Milieugruppen einsetzbar, denn viele Zeitgenossen benötigen mehr „Anonymität und Freiheit” andere wieder mehr „Intensität und Verbindlichkeit”. Er kritisiert das evangelikale Vorgehen, erst den Glauben zu fordern, dann die Verhaltensänderung und erst danach die Zugehörigkeit zur Gemeinschaft zuzulassen und fordert eine Reihenfolge: Zugehörigkeit -> Glaube -> Verhaltensänderung. Hier wird schon sichtbar, was in den folgenden Komponenten noch deutlicher wird. Dieses Vorgehen ist schon diskussionswürdig. Aber mit der Frage, wie es geschehen könnte, welche Randbedingungen gelten, wie ein solches Vorgehen möglich werden kann, lässt der Autor den Leser allein. Dabei ist klar, dass es keine allgemeingültige Antwort gibt, aber allein schon die Bekehrungsgeschichten und auch Nichtbekehrungsgeschichten der Bibel (Jesus lässt den reichen Jüngling ziehen (Lukas 18,18-27 *), Jesu Verhalten gegenüber Pharisäern, die ihn zum Essen einladen (Lukas 11,37-54 *) usw.) bieten da Ansatzpunkte.

Komponente 3: Die missionarische Gemeinde verkündigt das Evangelium (Martyria)

Diese Komponente befasst sich mit dem bekannten Effekt, dass Christen zunehmend auf ihre Gemeinde und deren Veranstaltungen fixiert sind, so dass Kontakte außerhalb der Gemeinde nur noch sporadisch, wenn überhaupt, existieren. Er ruft dazu auf, soziale Netzwerke, Vereine, Bürgerinitiativen, Parteien und Freundeskreise außerhalb der Gemeinde zu nutzen und einzusetzen. Dies ist eine ganz wesentliche Herausforderung für die Gemeindemitglieder, der sie sich aber stellen müssen. Auch die Gemeindearbeit muss dann aber so organisiert werden, dass dies möglich ist und nicht auf den schon bestehenden Gemeindestress aufgesetzt wird.

Komponente 4: Die missionarische Gemeinde antwortet auf die Bedürfnisse durch Dienste (Diakonia)

Man hat Komponente 3 noch im Ohr und auch ihre Konsequenzen für die Arbeit der Gemeinde, wenn jetzt die Komponente 4 die Forderung nach Barmherzigkeitsdiensten, fachlichen und seelsorgerlichen Angeboten sowie materiellen Hilfeleistungen zu einem Kennzeichen einer missionarischen Gemeinde erhebt. Dazu kommen noch Projekte der Außenmission, der nationalen und internationalen Verantwortung. Man wird die Schlussbemerkung des Autors „Es kann eine Hilfe sein, wenn Gemeinden konkret danach fragen, in welchem Bereich Gott sie in ihrem Ort, in ihrer Region diakonisch gebrauchen möchte” wohl etwas weiter fassen müssen. Kleine Gemeinden werden hier ihre Region sehen müssen, sich für diakonische Maßnahmen zu Gruppen zusammenschließen, um nicht genau den Stress aufzubauen, der nach der richtigen Analyse in Komponente 3 abgebaut werden muss, weil darunter unser Zeugnis leidet.

Komponente 5: Die missionarische Gemeinde fördert Menschen in der Nachfolge Jesu (Didaskalia)

Auch diese Komponente ist sehr zeitaufwändig und ist in Abwägung zu den anderen Komponenten zu sehen. Dabei ist sie eine der Komponenten, die eigentlich unvermeidlich sind. Denn der ganze Aufwand, der in eine missionarische Aktivität fließt, ist überflüssig, wenn der so für Jesus interessierte Mensch dann nicht in das Leben mit Jesus eingeführt wird. Der Autor sieht dieses problem und empfiehlt hier, Schulungen mit mehreren Gemeinden einer Region gemeinsam durchzuführen. Aber Schulungen alleine reichen für junge Christen nicht aus, die Begleitung durch erfahrene Christen, die Möglichkeit, Nachfragen zu stellen, gehört auch dazu. Komponente 6: Die missionarische Gemeinde setzt sich ein für Frieden und soziale Gerechtigkeit (Dikaiosyne)

Diese Komponente sieht der Autor unter den Worten Jesu aus den Seligpreisungen: Selig sind, die nach der Gerechtigkeit hungern und dürsten; denn sie sollen satt werden! (Matthäus 5,6 *) und Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen! (Matthäus 5,9 *) Er fordert ein „gemeinsames Ringen um Frieden und Gerechtigkeit in dieser Welt“ und meint: „Auch politische Einmischung kann geboten sein“. Dabei sieht er schon, dass es auch ein „zuviel“ in diesem Bereich geben kann. Aber grundsätzlich beklagt er doch, dass wir auf diesem Auge als Freikirchen „zu lange blind“ gewesen sind. So sieht er dort ein Lernfeld. Soweit ist der Befund wohl auch richtig, verkennt aber die schmerzlichen Erfahrungen, die viele Gemeinden auf diesem Feld gemacht haben. Politische Fragen lassen sich nur sehr schwer mit den Kategorien bewerten, die wir im religiösen Umfeld zur Verfügung haben. Was passiert in unserer Gemeinde, wenn ein AFD-Mitglied Christ wird. Darf es das nur nach Parteiaustritt? Werden wir ihm in der Liebe Jesu begegnen und mit ernstem Blick darauf aufmerksam machen, dass die Liebe Jesu aber nur für AFD-Gegner gilt? Werden wir frühere Veröffentlichungen eines solchen Menschen unter dem Mantel der Vergebung auch vergessen können?

Oder wie wird es aussehen, wenn politische Fragen plötzlich Thema in einer Gemeindestunde sind, weil da jemand ist, der aktiv für die Abschaffung einer bestimmten Technik kämpft und ein anderer, der vielleicht in einer Firma mit Überzeugung für diese Technik arbeitet. Jeder kann bei seiner Meinung sein und bleiben und sie vertreten, was aber geschieht, wenn einer plötzlich den Namen der Gemeinde in Anspruch nimmt und unterstellt: „Als Christ muss man ...“ Dieses sollen keine Totschlagargumente sein, um das Thema als Ganzes zu diskreditieren. Es soll nur zeigen, dass dieser Abschnitt doch noch eine Seite mehr Text benötigt hätte, um Verfahrensweisen zu entwickeln, die verhindern, dass Gemeinden genau in diese Konflikte laufen, wie es ja vielfältig geschehen ist.

Komponente 7: Die missionarische Gemeinde bewahrt die Schöpfung Gottes (Diatherese)

Auch dieses Thema ist selbstverständlich ein Thema für eine christliche Gemeinde. Der Autor bezieht es auf Kolosser 1,15 *: welcher das Ebenbild des unsichtbaren Gottes ist, der Erstgeborene aller Kreatur. Dabei sieht er auch eine gewisse Erwartungshaltung der Menschen außerhalb der Gemeinde, „wenn sie nach der Authenzität und Glaubwürdigkeit des christlichen Zeugnisses fragen“. Dieses sieht er besonders bei jungen Menschen. Hier können sicherlich einzelne Gruppen viel bewirken, wenn sie ihren Dienst in Demut tun und nicht eine Gleichschaltung der Gemeinde fordern. Auch sollte das unter 2 (Koinonia) vom Autor Gesagte nicht vergessen werden. Es ist leicht für einen gut verdienenden Menschen nur Eier von glücklichen Hühnern zu kaufen. Wie aber steht es mit wirklich armen Menschen. Sie werden schweigen und weiterhin, wenn überhaupt, ihre billigen Eier kaufen. Eine Doppelmoral wäre eine wirkliche Verleugnung des Wesens Jesu und darf auf keinen Fall in die Gemeinden einziehen.

So sollen diese Bemerkungen keineswegs das Verdienst dieses Büchleins schmälern, das darin besteht, dass es den Blick weitet, welchen Fragen sich eine Gemeinde eigentlich stellen muss, wenn sie darüber nachdenkt, aus ihrem Schneckenhaus der Selbstgenügsamkeit herauszutreten. Es sollte aber den Autor ermutigen, das Büchlein in ein richtiges Buch zu verwandeln und die wichtigen Komponenten 1 ... 7 der missionarischen Gemeinde zu vertiefen und vielleicht ein Schlusskapitel hinzuzufügen. Dabei sollten auch die inneren Abhängigkeiten deutlich werden, die innerhalb der Komponenten bestehen. Für kleine Gemeinden muss hier auch vom Mut zur Lücke gesprochen werden, da die Überlastung vieler Mitarbeiter ja geradezu eine Ursache ist, dass die missionarische Gemeinde so häufig in Einzelaktionen steckenbleibt und der ganzheitliche Ansatz, der in den sieben Komponenten deutlich wird, nicht gelebt wird.

Insgesamt bleibt die klare Empfehlung, dieses Buch als wichtige Anregung zu lesen. Die Texte sind sehr konkret auf Gemeindesituationen bezogen. Aber sie bedürfen einer sorgfältigen Analyse - auch im Gebet - was eine konkrete Ortsgemeinde tatsächlich leisten kann und was der HERR von ihr erwartet. Das Wort, das der Prophet Micha gesagt hat, sollte da die Richtschnur sein: Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert: was anders als Recht tun, Liebe üben und demütig wandeln mit deinem Gott? (Micha 6,8 *) Dabei darf das „Liebe üben“ allerdings nicht vergessen werden, wie auch immer es sich äußert.







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Der Islam aus dem Blickwinkel der Bibel
Hilmar von Erlenburg

Und wenn die Welt voll Teufel wär ...
Heinrich Christian Rust


Nr.BibelstelleBibeltext
1Micha 6,8
1
Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert: was anders als Recht tun, Liebe üben und demütig wandeln mit deinem Gott?Die Stimme des HERRN ruft der Stadt zu, und weise ist,...
2Matthäus 5,6
1
Selig sind, die nach der Gerechtigkeit hungern und dürsten; denn sie sollen satt werden!Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen!Selig sind, die reines Herzens sind; denn sie...
3Matthäus 5,9
1
Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen!Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich!Selig seid ihr, wenn sie euch schmähen und...
4Matthäus 5,37
1
Es sei aber eure Rede: Ja, ja! Nein, nein! Was darüber ist, das ist vom Bösen.Ihr habt gehört, daß gesagt ist: «Auge um Auge und Zahn um Zahn!»Ich aber sage euch: Ihr sollt dem Bösen nicht widerstehen;...
5Matthäus 6,33
1
Trachtet aber zuerst nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles hinzugelegt werden.Darum sollt ihr euch nicht sorgen um den andern Morgen; denn der morgende Tag wird...
6Markus 16,15
1
Und er sprach zu ihnen: Gehet hin in alle Welt und prediget das Evangelium der ganzen Schöpfung!Wer glaubt und getauft wird, soll gerettet werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.Diese...
7Lukas 11,37-54
1
Und während er redete, bat ihn ein Pharisäer, bei ihm zu Mittag zu essen. Und er ging hinein und setzte sich zu Tische.Der Pharisäer aber verwunderte sich, als er sah, daß er sich vor dem Mittagsmahl nicht...
8Lukas 18,18-27
1
Und es fragte ihn ein Oberster und sprach: Guter Meister, was muß ich tun, um das ewige Leben zu ererben?Da sprach Jesus zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut, als nur Gott allein.Du weißt die...
9Johannes 5,19
1
Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, der Sohn kann nichts von sich selbst tun, sondern nur, was er den Vater tun sieht; denn was dieser tut, das tut gleicherweise...
10Apostelgeschichte 2,37
1
Als sie aber das hörten, ging es ihnen durchs Herz, und sie sprachen zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, ihr Männer und Brüder?Petrus aber sprach zu ihnen: Tut Buße, und ein jeder von...
11Römer 8,19
1
Denn die gespannte Erwartung der Kreatur sehnt die Offenbarung der Kinder Gottes herbei.Die Kreatur ist nämlich der Vergänglichkeit unterworfen, nicht freiwillig, sondern durch den, der sie unterworfen...
122.Korinther 3,18
1
Wir alle aber spiegeln mit unverhülltem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wider und werden umgewandelt in dasselbe Bild, von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, nämlich von des Herrn Geist.
13Kolosser 1,15
1
welcher das Ebenbild des unsichtbaren Gottes ist, der Erstgeborene aller Kreatur.Denn in ihm ist alles erschaffen worden, was im Himmel und was auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, seien es...




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