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Festtage

Reformationstag

SOLA SCRIPTURA - SOLA FIDE - SOLA GRATIA - SOLUS CHRISTUS

 


Zusammenfassung

Gelegentlich erscheinen auf der Titelseite von Predige-das-Wort.de kurze Gedankensplitter zu Festtagen. Hier kann man sie noch einmal nachlesen.

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Inhaltsverzeichnis

Reformationstag 2018





Reformationstag 2018

SOLA SCRIPTURA - SOLA FIDE - SOLA GRATIA - SOLUS CHRISTUS

Nur die Schrift, nur der Glaube, nur die Gnade, nur Christus, dies waren einmal die Prinzipien, die in ganz Deutschland Menschen bewegt haben, neu über die Offenbarung Gottes in Jesus Christus nachzudenken. Sie haben sich von all den Vorschriften und auch Einnahmequellen gelöst, die sich eine gefallene Kirche verschafft hat. Es war wie in Jerusalem zur Zeit Jesu: Im Tempel war ein großer Marktplatz, wo man den Ablass in Gestalt von überteuerten Turteltauben oder auch Schafen kaufen konnte, eine Schriftgelehrsamkeit wurde nicht müde, einerseits für das Volk immer neue Regeln zu erfinden, andererseits aber selbst in Saus und Braus zu leben. Diese Schriftgelehrsamkeit hatte in Gestalt der Sadduzäer auch pragmatisch denkende Kirchenpolitiker hervorgebracht, die alles fest im Griff hatten.

Als Luther auftrat, stöhnte das Volk unter der Last des Ablasses, der genutzt wurde, um die Verschwendung der Kirchenführung in Rom zu finanzieren. Der Vatikan war eine politische Macht und der Glaube spielte nur eine untergeordnete Rolle, er war ein Machtmittel gegenüber der weltlichen Herrschaft und dem Volk, mehr nicht.

Luther hatte in seinem Leben ganz persönliche Gotteserfahrungen. Er berichtet, wie er in einem Gewitter vor einem Blitz verschont blieb, der ganz in seiner Nähe einschlug. In seiner Todesangst hatte er ein Gelübde abgelegt, Mönch zu werden, wenn er nur vor dem Gewitter verschont blieb. Er wurde Mönch, sehr zum Unbehagen seines Vaters, studierte Theologie und musste erfahren, dass zwischen der Kirche, in der er lebte, und dem Wort, das er las, ein eklatanter Widerspruch bestand. Er erlebte immer wieder innere Kämpfe, weil er es nicht schaffte, ohne Sünde zu leben. Wieder ist es ein persönliches Gotteserlebnis, das ihn auf das „SOLA GRATIA” - „Allein aus Gnaden” führt. Dieses beantwortete seine Frage nach dem gnädigen Gott. Es ist ein Bibelvers, der ihn von der Heilsungewissheit befreit: denn es wird darin geoffenbart die Gerechtigkeit Gottes aus Glauben zum Glauben, wie geschrieben steht: «Der Gerechte wird infolge von Glauben leben». (Römer 1,17  *)

Aber diese persönlichen Erfahrungen führten Luther in einen Konflikt zu einem tiefen Konflikt mit dem Papst und dem Kaiser, der sich auf den Papst stützte. Die wachsende Macht der Fürsten und der Zerfall des Heiligen Römischen Reiches, die wachsende Selbständigkeit der Fürstentümer gaben Luther den Rückhalt, den er brauchte, um nicht das gleiche Schicksal zu erleiden wie Jan Hus 100 Jahre vor ihm, der auch gegen eine lasterhafte und verweltlichte Kirche gekämpft hat. Aber diese Hilfe führte dazu, dass er auch Kompromisse eingehen musste. Er hat Reden wider die Bauern gehalten, die uns heute völlig unverständlich erscheinen. Er ist gegen Täufer vorgegangen, hat sich über die Juden in einer Weise geäußert, die Hitler gerne zitiert hat. Dies muss man leider sagen, wenn man über einen Menschen spricht, der mit seinem Schriftverständnis die Kirche reformiert hat. So ist Luther auch ein Beispiel, dass die richtigen Ansätze und mutiger Glaube in der Jugend kein Freibrief ist für das, was wir im Alter machen. Gerade der alte Mensch, der auch auf Grund seiner negativen Lebenserfahrung immer härter wird, muss sich immer wieder neu von der Liebe Jesu erfassen lassen. Und dieser Jesus hat gesagt: denn es wird darin geoffenbart die Gerechtigkeit Gottes aus Glauben zum Glauben, wie geschrieben steht: «Der Gerechte wird infolge von Glauben leben». (Römer 1,17  *)

Luther liebte die Schrift so sehr, dass er sich sogar unter seinen Theologie-Kollegen damit lächerlich machte. Wusste doch jeder Theologe, dass man die Schrift nicht so einfach wörtlich nehmen durfte.«Wenn also Eure Heilige Majestät und Eure Herrschaften eine einfache Antwort erstreben, gebe ich sie unzweideutig und ungezinkt in dieser Weise: Wenn ich nicht durch die Zeugnisse der Schriften oder durch offensichtliche Argumente eines Irrtums überführt werde (denn weder dem Papst noch dem Konzil glaube ich allein, denn es steht fest, dass sie oft geirrt haben und sich selbst widersprochen haben), bin ich durch die von mir herangezogenen Schriften und durch das in das Wort Gottes gefasste Vertrauen zu der Einsicht gebracht worden, dass ich nichts widerrufen kann noch will, denn wider das Gewissen zu handeln ist weder gefahrlos noch rein.» (D. Martin Luthers Werke, Weimar 1883-1929, Weimarer Ausgabe - WA 7, 838) Es ist eine Herausforderung an jeden Christen, wie sich Luther hier, indem er sich auf das Wort Gottes beruft, zu dem er Vertrauen gefasst hat, man kann auch übersetzen «in dem sein Gewissen (Bewusstsein, Gefühl, Überzeugung) gefangen war». Er lehnt die in den Päpsten und den Konzilien repräsentierte Tradition und Amtsgewalt ab, weil sie sich schon oft geirrt und widersprochen haben.

Jeder Theologe wusste, dass die Schrift nicht so einfach zu verstehen sei, dass man nicht so reden dürfe, wie Luther geredet hat: „Vierfach ist der Sinn der Schrift: Der Buchstabe lehrt, was geschehen; was du glauben sollst, die Allegorie; der moralische Sinn, was du tun sollst, was du hoffen sollst die Anagogie” (Littera gesta docet, quid credas, allegoria, moralis, quid agas, quo tendas, anagogia.) Diese vierfache Sicht auf die Schrift, die auf die griechische Literaturwissenschaft zurückgeht, wurde von den Vätern (Origenes, 185–254 und später Johannes Cassianus, 360-435 vgl. Vierfacher Schriftsinn, Allegorie, Anagogie). Alle diese Ansätze haben aber die Tendenz, den Wortsinn der Schrift abzuwerten. Nur der theologisch geschulte Wissenschaftler kann eigentlich wissen, was Jesus wirklich gemeint hat und welche Konsequenzen es für uns hat. Daher musste Jesus gekreuzigt werden, daher durfte die Bibel nicht ins Deutsche übersetzt werden und daher sollte man sich schon gar nicht vor Gericht auf die Bibel berufen. Der Seufzer des Pilatus: „Was ist Wahrheit?” hallt bis heute nach. Die historisch kritische Methode ist eine neue Form dieses alten Tricks, das gemeine Volk von Jesus abzukoppeln: Nur wenige erleuchtete Wissenschaftler wissen, was Jesus wirklich gewollt hat, können unterscheiden zwischen den echten Worten Jesu und dem, was Johannes und insbesondere Paulus daraus gemacht haben, falls es die Herren überhaupt gegeben hat und die Paulusbriefe nicht nur eine Erfindung des Herrn Marcion (85-160 Marcion) sind. Der Luther, der vor dem Reichstag in Worms steht, ist ein Mann, der persönliche Erfahrungen mit Gottes Wort gemacht hat und deshalb sich von den Reden der Päpste und Konzilien verabschiedet hat. Er hat die Schrift, so wie sie ist, in den Mittelpunkt gestellt.

Eigentlich war das, was Luther gemacht hat, völlig selbsterklärend. Wenn es einen Gott gibt, dann kann er nicht von Menschen beschrieben werden, dann muss er sich selbst offenbaren. Unser Verstand ist zu klein, so etwas wie Gott, der spricht und es geschieht, zu denken. Aber bis heute haben wir Angst davor, dass der sprichwörtliche kleine Mann auf der Straße seine Bibel zur Hand nimmt und daraus für sich und ohne die heilige Kirche zu befragen, seine Schlüsse zieht. Hat denn der Geist Gottes keine Kraft, auch diese Menschen einen persönlichen Weg zu führen? Ist Jesus so weit weg, dass er einen Stellvertreter braucht, weil sein Büro wegen einer Dienstreise geschlossen ist? Wäre denn die Kirche wirklich über die Jahrhunderte die Heilige Kirche geblieben, wäre eine Karriere in der Kirche wirklich ein Akt der Berufung durch unseren HERRN Jesus Chistus in ein Amt, so könnte es vielleicht noch angehen, dass diese Kirche für sich die Rechte in Anspruch nimmt, die Jesus ihr gegeben hat: Wahrlich, ich sage euch, was ihr auf Erden binden werdet, das wird im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, das wird im Himmel gelöst sein. (Matthäus 18,18 *) Leider gibt es in jeder Hierarchie viel zu viel Machtpolitik, als dass man nicht sofort nachvollziehen kann, was Luther über Päpste und Konzilien gesagt hat. Es gilt genau so für die EKD wie für die Freikirchen. Es sind immer nur die wenigen, die wirklich nach dem Willen Gottes fragen. Viele machen leider aber, manchmal mit gutem Willen, manchmal aber auch um der eigenen Machtposition willen, ihre eigene Politik. So manche Gemeindeleitungssitzung besucht der Heilige Geist schon gar nicht mehr, weil er da überhaupt nicht gefragt ist.

So ist der Reformationstag für uns die ganz klare Anfrage, wieweit wir unsere eigenen Ziele als Kirchen und Gemeinden unter die Ziele Gottes gestellt haben. Hören wir noch das Reden des erhöhten HERRN oder sind wir so in unsere eigenen Händel verstrickt, dass wir das leise Klappen der Tür gar nicht hören, wenn der Heilige Geist traurig unser Beratungszimmer verlässt. Auch Luther hat eine solche Phase in seinem Leben erlebt, denn ich kann mir nicht denken, dass das, was er den Fürsten angesichts der aufständischen Bauern geraten hat, Ergebnis langer Gebetsnächte war. Viel eher war es die Angst, dass die Welt aus den Fugen gerät, wenn auch die Bauern das für sich fordern, was er in Worms für sich in Anspruch genommen hat, Gewissensfreiheit und das Recht, dem Wort Gottes gemäß zu leben. Wir wollen Luther deswegen nicht verurteilen, denn er hat Großes für den Glauben und die Glaubensfreiheit geleistet. Aber wir können auch an Luther sehen, dass unsere menschlichen Erwägungen sehr schnell vom politischen Pragmatismus bestimmt werden und nicht immer so in Jesus Christus und seinem Wort gegründet sind, wie es für die Heilige Kirche erforderlich wäre. Deshalb ist es eine berechtigte Frage, wie groß Kirche sein kann. Kann es eine Weltkirche geben? Oder sollte bei der Ortsgemeinde schon Schluss sein, vielleicht noch ein überschaubarer Bereich darüber. Denn ein heiliger Papst macht noch keine Heilige Kirche, es sind die vielen dunklen Gestalten dazwischen, der Apparat, der das Wirken des Heiligen Geistes verfinstert. Darum ist der Reformationstag vielleicht auch ein Tag, an dem sich die örtlichen Gemeinden auf ihr gemeinsames Zeugnis in ihrer Stadt besinnen und sich dabei vom Heiligen Geist und nicht von konfessionellen Erwägungen leiten lassen und das, was sie trennt, gemeinsam an der Schrift prüfen.







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Nr.BibelstelleBibeltext
1Matthäus 5,43-48
Ihr habt gehört, daß gesagt ist: «Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen!»Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde, segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen, und bittet...
2Matthäus 18,18
1
Wahrlich, ich sage euch, was ihr auf Erden binden werdet, das wird im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, das wird im Himmel gelöst sein.
3Römer 1,17
1   2
denn es wird darin geoffenbart die Gerechtigkeit Gottes aus Glauben zum Glauben, wie geschrieben steht: «Der Gerechte wird infolge von Glauben leben».




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